Messbare Vernunft-Begriffe

Man muss Wichtiges wiederholen, damit es in das Gedächtnis wandert, und erst, wenn man dazu in der Lage ist, Erlerntes im Alltag wieder zu erkennen ist es auch wirklich gelernt. Wie nutzlos sind doch philosophische Konzepte, die sich im Alltag nicht anwenden lassen.

In diesem Abschnitt wird der Begriff des Nutzens definiert und mit dem Mehrwert Karl Marxs und dem Urzins Ludwig von Mises' verglichen. Das Ziel ist es, mit Hilfe eines philosophisch erfassbaren und eines messbaren Vernunft-Begriffes die fundamentalen Mechanismen und das Ineinandergreifen der Real- und der sog. Finanz-Wirtschaft darzustellen, denn ohne Begriffe gibt es nichts zu begreifen.

Mittel, Zweck und Nutzen

Jeder kennt die Begriffe Mittel und Zweck. Menschliches Handeln verfolgt einen Zweck und zur Zweck-Erreichung werden Mittel benötigt. Ein 'Mittel' kann ein Werkzeug sein oder das, was wir überhaupt tun, unsere Handlung. Der 'Zweck' ist das, was wir damit erreichen wollen. Beispiele: Mittel - Zweck, Fahrrad - Ausflug, Hammer und Nagel - Bild aufhängen, Aufräumen - ?

Oft, wenn nicht immer, ist es so, dass das Mittel etwas kostet, z.B. kostet es Arbeit oder Geld. Wieviel wir bereit sind für ein Mittel herzugeben hängt davon ab, wie wertvoll uns der damit erreichbare Zweck ist. Wir geben für das Mittel hin und nehmen vom / den Zweck.

Als vernünftig bezeichnen wir solche Mittel, welche einen kleineren Wert haben als der damit erreichbare Zweck. Wir haben hier also einen messbaren Vernunftbegriff. Unvernünftig sind also solche Mittel, die einen größeren Wert haben, die also mehr kosten, als der damit erreichbare Zweck.

Nun braucht es noch einen Begriff für die Differenz des Werts des Mittels und des Werts des Zwecks. Dies ist der Nutzen. Vernünftige Mittel haben positiven Nutzen, unvernünftige Mittel haben negativen Nutzen. Wenn der Wert des Zweckes größer ist als der Wert des Mittels diesen (den Zweck) zu erreichen, ist menschliches Handeln vernünftig und der Nutzen ist positiv. NutzenMittelZweck = log WertZweck WertMittel * WertZweck - WertMittel WertMittel , wobei letzte Gleichung (*) gilt, wenn WertMittel WertZweck - WertMittel. Das Nutzen-Vorzeichen besagt also, ob das Mittel in Bezug auf den Zweck vernünftig ist. Die obige Gleichung in Bezug auf die Differenz des Werts des Mittels und des Zwecks umgestellt lautet: WertZweck = WertMittel · exp Nutzen Mittel Zweck * WertMittel · 1 + Nutzen Mittel Zweck . Aus einem gegebenen Nutzen lässt sich also unter Benutzung obiger Formel ein messbarer Wert-Zuwachs berechnen. Der Vollständigkeit halber ist zu sagen, dass es zahlreiche Beispiele dafür gibt, dass der Nutzen zwar positiv (oder negativ), doch das Nutzen-Maß nicht exakt bestimmbar ist. Beispiel:

Zweck: Ich will auf einem hohen Berg stehen und ihn bestiegen haben.

Mittel: Ich quäle mich da rauf, sterbe fast und verliere einen Freund.

Der Nutzen ist nur dann positiv, wenn mir das „auf-dem-Berg-Stehen“ mehr wert ist als der Freund, ...dann ist es nach L. von Mises sogar rational, denn ich spare mir den Freund. Der Wert des Zehs ist jedoch nur schwer definierbar, da ja noch nicht einmal klar ist, in welcher Einheit dieser Wert zu messen wäre.

Im Folgenden werden nun Vernunft- und Nutzen-Maße in den speziellen Austausch-Beziehungen analysiert, die Märkte heißen.

Prinzip des positiven Nutzens: ein Mittel ist genau dann vernünftig, wenn sein Wert kleiner ist, als der Wert des damit zugänglich gewordenen Zwecks. Der Nutzen ist ein subjektives Vernunftmaß.

Der in Geld-Einheiten messbare Nutzen in der Wirtschaft

Übertragen auf eine realwirtschaftliche Handlung auf einem Markt (auf dem Markt wird gehandelt) ist der Nutzen so etwas wie ein Urprofit, also eine Art ideeller oder monetärer Wert-Zuwachs für den Handelnden bzw. die Käufer oder Verkäufer eines Produkts oder sonstigen Gutes (incl. der Arbeit), der seinen Ursprung in der „rationalen Kreativität“ des Handelnden, also seiner qualifizierten (kompetenten) Schaffenskraft oder in einer Asymmetrie (Ungleichheit) des Wissens oder der subjektiven Bewertung der handelnden Markt-Partner hat. Außerdem ist das systematische Anreiz-System der Vorrats-Haltung gegen Zins (das Sparen) zu nennen.

Nutzen-Abwägung in einer Austausch-Beziehung. Beide Tausch-Partner haben jeweils unterschiedliche Zwecke, deren Werte im Vergleich zum jeweils subjektiven Wert des Mittels den jeweiligen Nutzen des Austauschs bestimmen. Das Verhältnis der ausgetauschten Mittel-Werte heißt Preis.

Die Einheit des verwendeten Maßes für den Wert des Mittels und des Zwecks ist im Folgenden eine Geld-Währung (Vergleich zur Maßstabs-Funktion des Geldes) und der Nutzen ist ein (logarithmierter relativer) Wert-Zuwachs. Dieser Nutzen kann auf unterschiedliche Art und Weise entstehen und hat unterschiedliche Namen. Geld-werte Nutzen oder (logarithmierte relative) Wert-Zuwächse werden Zinsen, Renditen, Profite, Erträge oder auch Gewinne genannt. Wie gezeigt wird, sind speziell positive Zinsen nicht immer absolut vernünftig. Insbesondere wird es in der Analyse der Vernünftigkeit Wert-Zuwächse darauf ankommen, wem sie nützen und wem nicht.

Nutzen und Zins: Aristoteles, Mohammed in der symbolischen Sprache Karl Marx'

Alle Formen von Zinsen sind logarithmierte relative Wert-Zuwächse, also Nutzen-Maße, allerdings unterscheidet sich ihre Entstehung oder Erwirtschaftung deutlich von der Entstehung anderer Profite, Renditen und Erträge. Die allgemeine Kritik am Zins ist uralt. Wie Marx' im Kapital erwähnt, schrieb schon Aristoteles (384 -322 v. Chr, 1. Buch, 1258b ) über den Zins:

„Da die Chrematistik eine doppelte ist, die eine zum Handel, die andre zu Ökonomik gehörig, die letztere notwendig und lobenswert, die erstere auf die Zirkulation gegründet und mit Recht getadelt (denn sie beruht nicht auf der Natur, sondern auf wechselseitiger Prellerei), so ist der Wucher mit vollstem Recht verhaßt, weil das Geld selbst hier die Quelle des Erwerbs und nicht dazu gebraucht wird, wozu es erfunden ward.

Denn für den Warenaustausch entstand es, der Zins aber macht aus Geld mehr Geld. Daher auch sein Name [griechisch "tokos" - Zins und Geborenes - Anm. JL]. Denn die Geborenen sind den Erzeugern ähnlich.

Der Zins aber ist Geld von Geld, so daß von allen Erwerbszweigen dieser der naturwidrigste.“

Aristoteles benennt mit der Zirkulation den Geld- und den Waren-Kreislauf der Wirtschaft und unterscheidet die Ökonomik von der Chrematistik. Den Zins schreibt er dem Handel zu, wobei das Verfügungsrecht am Geld, also das Recht seiner zeitweiligen Nutzung dasjenige Gut ist, welches am Geld-Markt gehandelt wird und dessen Preis der Zins ist. Zur klaren Unterscheidung der Begriffe ist es instruktiv, die Marx'sche Symbolik zu verwenden, die im Verlauf des Kapitels noch deutlicher anhand von Grafiken motiviert wird.

Nutzen und Zins der Chrematistik

Karl Marx benennt mit der Chrematistik (Krämerei, Handel) wie Aristoteles den zwei-fachen Tausch-Prozess G - W - G' „Geld gegen Ware gegen mehr Geld“ wobei (damit es dem Handelnden nützt), G' > G, also die Geld- bzw. Kapital - Akkumulation durch den Handel mit Waren und Geld. Betrachtet man die Teil-Handlung G-W, den Waren-Einkauf und Tausch Geld gegen Ware als Mittel und die zweite Teil-Handlung W-G' als Zweck, dann bemisst sich der Nutzen der Gesamt-Handlung als der „Handlungs-Zins“: z = log G' G GG'-G G' - G G . Der Nutzen ist direkt als die Höhe des Zinses messbar.

Die direkte Zins-Nahme funktioniert im Grunde auch nach dem Prinzip G-W-G', ist also chrematistisch nach der Definition Aristoteles' und Marx', und der Zins wird ja auch wie ein Preis am Markt gebildet. W ist hier das relativ abstrakte Verfügungsrecht am Geld G, dessen Besitz durch den Zins z bezahlt wird, so dass W = Verfügungsrecht(e) an G G' = G + z · G.

Da Geld eine Forderung ist, kauft der Kredit-Nehmer am Geld-Markt quasi eine Forderung gegenüber Dritten gegen Zins. Er wird damit zum verlängerten Arm des Kredit-Gebers. Marx ist anscheinend die unsichtbare Hand nicht bewusst gewesen. Aufgrund dieses fehlenden Bewusstseins kann Marx auch den Geld-Fetisch nicht erklären, sondern steht diesem sozial-psychologischen Phänomen nur staunend und verachtend gegenüber.

Der Prophet der Muslime Mohammed spaltet hingegen den Handel mit Geld von der Chrematistik Aristoteles' ab, erlaubt den Handel und benennt das Zins-Nehmen als unvernünftig: So heißt es in der Sure 2, die die Kuh (al-Baqara) die u.a. Wiederholung der wesentlichen Lehre Jesu und Zins-Kritik beinhaltet im Vers 275:

Die Zins verschlingen, stehen nicht anders auf, als einer aufsteht, den Satan mit Wahnsinn geschlagen hat. Dies, weil sie sagen: «Handel ist gleich Zinsnehmen», während Gott doch Handel erlaubt und Zinsnehmen untersagt hat. Wer also eine Ermahnung von seinem Herrn bekommt und dann verzichtet, dem soll das Vergangene verbleiben; und seine Sache ist bei Gott. Die aber rückfällig werden, die sind des Feuers Bewohner; darin müssen sie bleiben.

Nutzen der Ökonomik

Marx und Aristoteles unterscheiden die Chrematistik von der Ökonomik (Haus-Verwalter-Kunst), die nach dem Muster W - G - W' „Ware gegen Geld gegen andere Ware“, funktioniert. Es ist intuitiv klar, dass der Prozess W-G-W' (z.B. Arbeit - Lohn - Lebensmittel und Wohnung) weniger anfällig für die direkte Zins-Nahme ist, da das direkt messbare Geld nur als Austausch-Medium fungiert. Materielle Güter zu akkumulieren hat außerdem aufgrund der Natur-Gesetze (1. und 2. Hauptsatz Thermodynamik) immer zur Folge, dass man auch insgesamt höhere(n) Abnutzung, Verschleiß, Zerfall, Wartungsbedarf usw. des Akkumulierten hat, gegen den kompensatorisch angearbeitet werden muss. Geld hingegen zerfällt bei positivem Zins zumindest nominal nicht.

Der subjektive Nutzen einer Haus-verwalterischen Handlung ist auch nicht direkt in Geld messbar, wenn nicht die Markt-Werte der Waren zu Grunde gelegt werden. Vielmehr dient eine subjektive Wert-Funktion der Nutzen-Bemessung in der die Teil-Handlung W-G (z.B. der Lohn-Erwerb durch den Verkauf von W= Arbeit) Mittel und die Teil-Handlung G-W' (z.B. Erwerb von W'= Nahrung, Wohnraum und medizinischer Versorgung) Zweck ist, „man arbeitet um zu leben“, so dass der zwar Nutzen formal Nutzen = log WertW' WertW , wie oben definiert berechnet wird, jedoch die Beurteilung bzw. Bewertung der Lebensqualität eine subjektive Angelegenheit ist. Im Gegensatz zur Chrematistik ist der Nutzen dieser Gesamt-Handlung also von realer, materieller, z.T. auch von ideeller Natur und zielt nicht auf die Vermehrung des Geldes ab.

Vergleich des Nutzens bei Marx und von Mises

In der ökonomischen Literatur des Altertums werden also an Stelle des Nutzens, des Werts des Mittels und des Werts des Zwecks und abhängig vom Kontext unterschiedliche andere Begriffe verwendet, von denen der Zins nur einer ist. Wer „Das Kapital“ von Karl Marx (1818 - 1883) gelesen hat, der findet den Begriff des Mehr-Werts als Differenz des Tausch-Werts und des Gebrauchs-Werts. Die VErwendung des Urzinses als messbaren Vernunft-Begriff geht auf die Geld-Theoretiker Silvio Gesell (1862 - 1930) und Ludwig von Mises (1881 - 1973), ein Vertreter der österreichischen Schule der Nationalökonomie zurück, doch gab es auch zwischen diesen großen Theoretikern Miss-Verständnisse über seine exakte Definition. Eine ausführlicher Kritik der entsprechenden Text-Passagen findet sich im Anhang.

Ludwig von Mises definiert den Urzins so:

„Der ursprüngliche Zins oder Urzins ist kein Preis und wird nicht auf dem Markte durch Zusammenwirken einer Nachfrage nach und eines Angebots von Kapital oder Kapitalgütern gebildet.

Er tritt auf dem Markte in der Preisbildung aller Güter und Dienstleistungen in verschiedener Bewertung gegenwärtiger und künftiger Güter und Dienstleistungen zutage.

Er ist im Gedankenbild der gleichmäßigen Wirtschaft durch den Betrag gegeben, um den die Summe der Preise der komplementären Güter hinter dem Preise der entsprechenden Genussgüter zurückbleibt.“
Das Zitat ist aus v. Mises' Buch über die österreichische Schule der National-Ökonomie. Ludwig von Mises unterscheidet also die Summe der Preise der „komplementären Güter“ von den Preisen der entsprechenden Genuss-Güter und benennt den Unterschied, die (logarithmische) Differenz als Urzins.

Zur besseren Übersicht dient der Diskussion folgende Tabelle.

Alltags-Sprache Karl Marx Ludwig von Mises
Mittel konstantes Kapital + Arbeit komplementäre Güter
Zweck Gebrauch Genuss
Wert des Mittels Tausch-Wert Summe der Preise der komplementären Güter
Wert des Zwecks Gebrauchs-Wert Preis des Genuss-Guts
Nutzen relativer Mehrwert Urzins
Kredit-Zins in Kapital-Kosten Teil der Mehrarbeit -
Wert des Zwecks und des Mittels sowie der Nutzen-Begriff bei Karl Marx und Ludwig von Mises. In der letzten Zeile ist, die Diskussion über das vorgreifend, was Marx vergessen hat, ein wesentlicher Ursprung der Mehrarbeit genannt.
Unternehmen am Kapitalmarkt
Ein Unternehmen, das an den Kapitalmarkt und Märkte für materielle Güter und Arbeit angeschlossen ist.

Vergleicht man diese Definition mit Marx, so sind die „komplementären Güter“ all jene Güter, die zur Herstellung eines Gutes gemeinsam (ergänzend, komplementär) benötigt werden. In der Grafik rechts sind also komplementäre Güter („Edukte“) in Bezug auf ein Produkt (Genuss-Gut) alle Güter, die Roh-Stoffe und Betriebs-Mittel, sowie das sonstige konstante Kapital (Marx) und die Arbeit (Teil des variablen Kapitals bei Marx) die zur Produkt-Synthese notwendig ist.

Die Summe der Preise der komplementären Güter (Begriff von v. Mises) besitzen am Einkaufs-Markt einen Tausch-Wert (Begriff von Marx). Als Genuss-Gut (Begriff von v. Mises) wird nun der Gebrauchs-Wert (Begriff von Marx) der Güter für den Konsumenten / Käufer bezeichnet, der ja höher sein muss, als die Summe der Tauschwerte der komplementären Güter.

Damit der Unternehmer überhaupt einen Gewinn macht, müssen die Einnahmen (der Markt-Preis des Produkts) größer sein als die Ausgaben (die Kosten sämtlicher Produktions-Mittel). Der sog. Mehrwert, die Differenz von Tausch-Wert und Gebrauchs-Wert, ist also das Äquivalent des Urzinses von Ludwig von Mises. Von der Rolle des Zinses im Mehrwert redet Marx jedoch nicht, obwohl er in seiner Einleitung das o.g. Aristoteles-Zitat zur Geld-Wirtschaft (siehe oben) nennt.

Marx unterstellt den Kapitalisten eine eigen-nützige, egoistische und ausbeuterische Natur und macht darin das Leid und Elend der Arbeiterschaft fest. Marx hat damit nicht ganz Unrecht, doch fehlt in seiner Darstellung etwas, das in der Konsequenz Marx' Aussagen nicht widerspricht, sondern sie erklärt.

Kritik an der Mehrwert-Theorie Karl Marx'

Wie kann man das erkennen, was heute so wichtig ist, und was hat Marx vergessen?

In der Bilanz des Unternehmers sind die komplementären Güter (die Mittel) auf der Kosten/Ausgaben-Seite, während der Wert der Genuss-Güter auf der Einnahmen-Seite (der Wert des Zwecks) steht. Viele, wenn nicht alle (manche sagen 80%) der Unternehmungen werden durch Kredite finanziert. Unternehmer zahlen also direkt und indirekt Zinsen, Mieten, Pachten usw.. Entscheidend ist jedoch der Geld-Markt-Zins, der alle anderen Preise und Zinsen beeinflusst. Wie und warum das genau so ist, wird im Abschnitt über die Preis-Bildung erläutert.

Nimmt ein Unternehmen einen Kredit auf, dann wird mehr Geld aus dem Unternehmen heraus an die (Zins-)Gläubiger (zurück)gezahlt als hinein geflossen ist, wenn der Zins positiv ist.

Der Nutzen ist das Kind des schöpferischen Prozesses. Bei positivem Zins geht dieser Nutzen in der Gründungs-Phase (quasi der „Geburt“ des Mittels) an das Kapital, bei negativem Zins leistet das Kapital Geburts-Hilfe und wird dabei „verzehrt“.

Für den Leih-Geber (den Investor, den Sparer, den Vermieter und Verpächter von Produktions-Mitteln) ist also der Zins gleich dem Mehrwert, denn er gibt die Geld-Menge G als Kredit in das Unternehmen hinein und bekommt die Geld-Menge G'=G+z·Gwieder heraus. Der Zins ist also der Nutzen und Mehrwert des Sparers (Vermieters, Verpächters usw...) und er wird gezogen aus einer profitablen Unternehmung.

Der Wert sämtlicher zur Herstellung eingesetzten Mittel („komplementäre Güter“) richtet sich (für einen Unternehmer) nach den jeweils aktuellen Tausch-Werten, nämlich den Roh-Stoff-Preisen, den Werkzeug-Preisen, den Energie- und Abfall-Beseitigungs-Preisen, den Gebäude-Mieten, Gelände-Pachten, den Kredit-Zinsen und dem Lohn-Niveau.

Der Wert des Zwecks (der Gebruach oder Genuss des Produkts) wird am Markt bestimmt. Die Käufer entscheiden darüber, wieviel ein Produkt wert ist, bestimmen also in einem Prozess, der Preis-Bildung heißt, über den Wert des Zwecks.

Wenn der Unternehmer also Gewinn machen will, dann muss der erzielte Markt-Preis logischer Weise den Wert der eingesetzten Mittel übersteigen, damit die Unternehmung monetär vernünftig ist. Bei genauerer Analyse (ähnlich wie bei Marx) unter Einbeziehung der gesamten Wert-Schöpfungs-Kette zerfällt der Markt-Preis eines Gutes in lediglich drei Teile:

Die Rohstoff- und Abfallbeseitigungspreise sind Teil der Arbeitskosten, denn die Rohstoffe werden letztendlich immer durch Arbeit gefördert und weiterverarbeitet. Details und exakte Herleitung hier.

Bei Marx fehlt also der Zins (auch Miete, Pacht, Lizenz-Gebühr, usw...) in den Kapital-Kosten! ... und so ist Josepf Schumpeters Kritik an der Marx'schen Arbeitswerttheorie berechtigt, denn Marx erkannte leider erst später die Bedeutung des Zinses, obwohl sie ihm von seinen Lehrern nahegelegt wurde[6, S. 34ff.]:

Wie wir gleich sehen werden, versucht Marx zu zeigen, wie in diesem Klassenkampf Kapitalisten sich gegenseitig vernichten und letzten Endes auch das kapitalistische System vernichtet wird. Er versucht auch zu zeigen, wie der Besitz von Kapital zu weiterer Akkumulation führt. Aber diese Art der Begründung sowie auch die Definition selbst, die aus dem Eigentum an einer Sache das konstituierende Charakteristikum einer sozialen Kasse macht, dient nur dazu, die Bedeutung der Frage nach der »ursprünglichen Akkumulation« noch zu steigern, das heißt der Frage, wie die Kapitalisten dazu kamen, überhaupt einmal Kapitalisten zu sein oder wie sie diesen Vorrat an Gütern erwarben, der gemäß der Marx'schen Lehre notwendig war, um sie zum Beginn der Ausbeutung zu befähigen. Über diese Frage äußert sich Marx weniger ausführlich. Er lehnt mit Verachtung die bourgeoise Kinderfibel ab, dass gewisse Leute eher als andere Dank höhere Intelligenz und Arbeit- und Sparenergie [sinnloser, perverser Begriff!] Kapitalisten wurden und ist noch täglich werden. Nun war er gut beraten, wenn er über diese Geschichte von den braven Kindern spottete. Denn die Lacher auf seiner Seite zu bringen, ist ohne Zweifel eine vortreffliche Methode, um eine unbequeme Wahrheit loszuwerden, wie jeder Politiker zu seinem Vorteil weiß. Niemand, der geschichtliche und zeitgenössische Tatsachen mit einiger Unvoreingenommenheit betrachtet, kann sich der Feststellung entziehen, dass diese Kindergeschichte, obschon sie bei weitem nicht die ganze Wahrheit erzählt, doch ein gut Teil Wahrheit birgt. Übernormale Intelligenz und Energie bilden in neun von zehn Fällen die Erklärung für den industriellen Erfolg und insbesondere für die Begründung von industriellen Positionen. Und gerade in den Anfangsstadien des Kapitalismus und jeder einzelnen industriellen Karriere war und ist das Sparen ein wichtiges Element im Prozess, ob schon nicht ganz so, wie es von der klassischen Wirtschaftslehre erklärt wird. Es ist richtig, dass man gewöhnlich den Stand eines Kapitalisten ( eines industriellen Arbeitgebers ) nicht erreichen kann dadurch, dass man aus einem Lohn oder einem Gehalt spart, um aus dem solcherart angesammelten Fonds seine Fabrik auszurüsten. Die Masse der Akkumulation stammt aus Profiten und setzt darum Profite voraus, - dies ist in Wirklichkeit der vernünftige Grund für die Unterscheidung von Sparen und Akkumulieren. Die zum Beginn einer Unternehmung erforderlichen Mittel werden typischerweise dadurch beschafft, dass man anderer Leute Sparguthaben ( ihr Vorhandensein in vielen kleinen Pfützen ist leicht zu erklären) oder die Depositen, welche die Banken für den Gebrauch dieses Möchtegern-Unternehmers schöpfen, entleiht. Nichtsdestoweniger spart dieser letztere in der Regel: die Funktion seines Sparens ist die, dass es ihn der Notwendigkeit enthebt, sich um seines täglichen Brotes Willen einer täglichen Plackerei zu unterwerfen und dass es ihm den Atemraum gibt, um sich umzuschauen, seine Pläne zu entwickeln und die Zusammenarbeit zu sichern . Von der Wirtschaftstheorie aus gesehen, hatte deshalb Marx, wenn er auch zu weit ging, wirklich Recht, wenn er dem Sparen die Rolle absprach, die in die Klassiker beigelegt hatten. Nur ergibt sich daraus nicht seine Schlussfolgerung. Und die Lacher auf seine Seite zu ziehen, ist dadurch kaum mehr gerechtfertigt, als wenn die klassische Theorie richtig wäre.

Silvio Gesells Kritik am Fehlen des Zinses im Denken Karl Marx': eine Warnung!

Zitat[1, S. 245f, im Jahr 1916]:

Merkwürdigerweise beginnt übrigens Marx [4] mit seinen Untersuchungen über den Zins gleichfalls beim Geld. Ihm widerfuhr jedoch das Mißgeschick, daß er (trotz der Warnung Proudhons) am entscheidenden Ort mit einer falschen Voraussetzung begann und genau wie die gewöhnlichen kapitalfreundlichen Zinsforscher Geld und Ware als vollkommene Äquivalente [5] behandelte.

Durch diesen unglücklichen Mißgriff wurde Marx gleich von Anfang an auf ein falsches Gleis abgetrieben.

Marx findet am Geld nichts auszusetzen. So wie wir es von den alten Babyloniern und Israeliten, von den Griechen und Römern übernommen haben, ist das Geld nach Marx ein vollkommenes, tadelloses Tauschmittel, das von Anbeginn seine Aufgabe glänzend erfüllt hat. Daß im Mittelalter wegen Geldmangels Geldwirtschaft und Arbeitsteilung sich nicht entfalten konnten, daß das Zinsverbot der Päpste die Geldwirtschaft aufhob - obschon dieses Zinsverbot doch eigentlich nichts anderes bedeutete, als die gewaltsame Herstellung der von Marx vorausgesetzten Äquivalenz von Geld und Ware das alles kann Marx in seinem Urteil nicht stutzig machen, daß das Geld ein vollkommenes Tauschmittel, ein wirkliches, allseitiges ”Äquivalent” sei. Eine besondere Geldmacht kennt Marx selbstverständlich nicht. Die Ausbeutung der Völker durch die goldene Internationale, durch die Börsen- und Wucherspieler muß Marx verneinen. Börsenraub gibt es nicht, sondern nur ”Prellereien”. Der Börsenräuber bedient sich der List, nicht der Macht. Er ist nur ein Dieb. Raub setzt Macht voraus, und diese haben nicht die Geldleute, nicht die Börsenfürsten, sondern die Besitzer der Produktionsmittel. Kurz, Geld und Ware sind ”Äquivalente”, zu jeder Zeit, an jedem Ort, gleichgültig, ob das Geld in den Händen eines als Selbstverbraucher oder als Kaufmann auftretenden Käufers liegt.

Und so spricht er es geradezu aus:

Daß nun, obschon Gold und Silber nicht von Natur aus Geld, Geld aber von Natur Gold und Silber ist, beweist die Kongruenz seiner Natureigenschaften mit denen seiner Funktionen als Tauschmittel:

»Dies Kind, kein Engel ist so rein, Laßt’s eurer Huld empfohlen sein!«

Mit diesem Loblied auf das Gold und die Goldwährung hat Marx die Aufmerksamkeit des Proletariats vollkommen vom Geld abgelenkt und die Börsenräuber, Wucherspieler, Spitzbuben unmittelbar in den Schutz der besitzlosen Klasse, des Proletariats gestellt. Und so hat man das traurig-lustige Schauspiel, daß jetzt überall in der Welt ”die Wachen vor Mammons Tempel durch die rote Garde besetzt sind.

Fazit

Der Tausch-Wert des durch das Unternehmen hergestellten Produkts, welches im Gebrauch des Konsumenten zum Mittel wird, setzt sich also zusammen aus den Gewinnen des Unternehmers und der Arbeiter (den Löhnen) für ihre Arbeit und den Kapital-Kosten incl. des Zinses, der, gewichtet mit dem Wert des jeweils Verliehenen an die Gesamtheit der Kapital-Verleiher fließt.

Der Zins ist dem Konsumenten und Käufer jedoch als Wert im Gebrauchswert des Produktes nicht erkennbar. Im Gegenteil: der positive Zins erscheint als ein negativer Beitrag im realen Nutzen, denn das Produkt ist teurer, als es bei 0% Zins wäre. Erkennbar ist lediglich nur die Arbeit, die im Produkt steckt. Der Unternehmer m-uss bei der Preis-Verhandlung im Vergleich zu einem Kredit-Zins von 0% oder gar einem negativen Kredit-Zins (!) einen höheren Mindest-Preis ansetzten, wodurch der Nutzen des Mittels für den Konsumenten und Käufer kleiner ist, denn das Mittel kostet mehr, als es ohne Zins oder bei negativem Zins kosten würde.

Der Zins schmälert also den Nutzen des Käufers und vermehrt das verliehene Kapital. Er nutzt dem Leih-Geber und er zwingt den Unternehmer, die Arbeits-Kosten z.B. durch Mehr-Arbeit zu senken oder die Roh-Stoff-Preise zu senken. Der Untehmer ist durch den Zins in den Kapital-Kosten dazu gezwungen, auf günstigere Roh-Stoffe und Arbeiter auszuweichen. Genau dies, nämlich der Zins, treibt also die Globalisierung voran und die Verarmung des Proletariats.

Wem nutzt also der positive Zins und die Globalisierung? Jedenfalls der Gesamtheit der Sparer und dem Kapital (nicht unbedingt) auch den Unternehmern jedoch nicht der Gesamtheit der Arbeiter und der Lohn-Abhängigen der Welt und der übrigen Lebewesen, denn sie konkurrieren bei positivem Zins mit dem toten Kapital vor den Bedürfnissen der Menschheit.

Für wen ist der Kapitalismus (der positive Zins) also vernünftig? Für die Kapitalisten und das tote Kapital. Für wen nicht? Für das arbeitende Leben. Sind positive Zinsen also vernünfitg? Ich denke nicht.

Referenzen / Einzelnachweise