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25. März 2019

Was war zuerst da, das Geld oder der Zins?

Zunächst ein paar Fakten. Münzgeld gibt es seit etwa 2.600 Jahren, etwa seit Krösus. Das Prinzip eines universellen Tauschmittels ist jedoch viel älter. Früher wurde alles, was selten, nützlich und wertbeständig (kleiner bis verschwindender realer Negativzins) war zum Tauschen verwendet (u.a. Salz, Edelmetalle). Doch auch möglichst unfälschbare Symbole wurden verwendet (Ledergeld, Steingeld, ...). Der Zins wurde jedoch mit Sicherheit vor der Erfindung des Geldes entdeckt. Die ältesten Erwähnungen liegen 5.000 Jahre zurück.

Beschreiben nicht die Schöpfungsmythen der Kulturen die Entdeckung des Zinses?

Die jüdische Zeitrechnung beginnt etwa 3760 v.Chr., die alten Ägypter datieren den Beginn der sog. "Welt", was für mich zweifelsfrei die Entdeckung des Zinses ist, auf etwa 4.000 v.Chr.. Andere Kulturen datieren den Beginn der Schöpfung in eine ähnliche Zeit.

Skizze des Beginns des Zivilisationsprozesses

  1. Der Zins wurde entdeckt, vor 6.000 bis 13.000 Jahren, der sog. „Sündenfall“ im christlich-jüdischen Narrativ.
  2. Dadurch entstanden Schuldverhältnisse, also Verträge, die seitdem einzuhalten sind, pacta sunt servanda, das älteste Gesetz der Zivilisation, heute §241 BGB.
  3. Durch die einsetzende Akkumulation verleihbarer Güter (Vorratshaltung), die mit Sicherheit Teil dessen ist, was Marx als ursprüngliche Akkumulation bezeichnet, wurden die Menschen sesshaft (der Sesshafte erschlug den Nomaden). Es entstanden Siedlungen und später Städte, die jedoch anfangs immer wieder zerbrachen (Metapher vom Turmbau zu Babel), bis man lernte, mit den Krisen des Kapitalismus (des Zinsnehmens) umzugehen, Entstehung des Schuldrechts, Prinzip des Schuldenerlasses.
  4. Der Handel entstand danach und mit ihm das Geld.
  5. Zunächst entstehen Königreiche, erst in unserer Zeit Staaten.

Entstehung der Staaten und soziale Formen ursprünglicher Akkumulation

Was wir heute Staat nennen, war zunächst die notwendigerweise hierarchische, das Ergebnis der vorweggegangenen Ausscheidungskämpfe (Norbert Elias, Über den Prozeß der Zivilisation) spiegelnde Verwaltungsstruktur des Monopols. In ältester Zeit wurden die Verwaltungsposten der Kapitale mit Familienmitgliedern besetzt, daher die Beziehung zwischen Dynastien, Oligarchien und Familienunternehmungen, königliche Blutlinien, Erbanlagen, Erbrecht, Heiraten zwischen den Königshäusern zum Zweck des Machtausbaus. Mit dem Aufkommen der Geldwirtschaft entstand das Bürgertum, und es entwickelte sich das Beamtentum, welches zur Verwaltung der Kapitale des Monopols erzogen wurde.

Grundherren, Freiherren und Beamtentum

Beamten waren schon immer obrigkeitstreu. Eine Umkehr des Zinsvorzeichens werden sie erleben, als würde ihnen auf einmal „das Dach über dem Kopf weggenommen”. Damit können viele nicht umgehen. Die Urform des Beamten waren Edelmänner, Edle oder Adelige, die nach Ausscheidungskämpfen in den Dienst des Siegers traten, ein Lehen bekamen und für den Sieger des Monopoly-Spiels die Steuern (die ursprüngliche Bedeutung von Zins) eintrieben.

leihen Vb. ‘gegen die Verpflichtung zur Rückgabe jmdm. etw. geben oder etw. von jmdm. annehmen, borgen’, ahd. līhan ‘(ver)leihen, geben’ (9. Jh.), mhd. līhen ‘auf Borg nehmen’, selten ‘auf Borg geben’, asächs. līhan, mnd. līen, aengl. lēon, anord. ljā, got. leiƕan wird mit ↗Lehen und davon abgeleitetem ↗lehnen (s. d.) und den außergerm. Verwandten aind. riṇákti ‘läßt, überläßt, gibt auf, entbindet, läßt los’, rikthá- ‘Nachlaß, Erbschaft’, rḗkṇaḥ ‘ererbter Besitz, Eigentum, Habe’, atirēkaḥ ‘Überschuß, Überbleibsel’, griech. lé͞ipein (λιμπάνειν) ‘verlassen, zurück-, hinterlassen’ (s. ↗Ellipse), limpánein (λιμπάνειν) ‘(ver)lassen’, loipós (λοιπός) ‘übriggelassen, übrig’, lé͞imma (λεῖμμα) ‘Rest’, lat. relinquere ‘zurücklassen’ (s. ↗Relikt), reliquus ‘zurückgelassen, übrig’ (s. ↗Reliquie), aslaw. otъlěkъ ‘das Übrige, Rest’, lichъ ‘übermäßig, über etw. hinaus, Mangel habend’, russ.-kslaw. lěkъ ‘Überbleibsel, Rest’, russ. lichój (лихой) ‘böse, arg, kühn, tapfer’ auf eine Wurzel ie. *leiku̯- ‘lassen, zurück-, übriglassen’ zurückgeführt. Das Germ. hat den ursprünglichen Bedeutungsumfang auf ‘überlassen’ eingeschränkt. Die Bedeutung ‘übriglassen, -bleiben’ findet sich bei Formen, die jetzt zu ie. *leip- (s. ↗bleiben) gestellt werden, möglicherweise aber auf ie. *leiku̯- zurückgehen (s. ↗elf). entleihen Vb. ‘sich leihen, borgen’, ahd. intlīhan ‘aus-, ver-, entleihen’ (8. Jh.), mhd. entlīhen ‘auf Borg nehmen oder geben’. verleihen Vb. ‘zeitweise zum Gebrauch überlassen, leihen, verborgen, als Auszeichnung feierlich übergeben, auszeichnen’, ahd. firlīhan ‘leihweise, als Geschenk geben, gewähren’ (um 800), mhd. verlīhen ‘als Darlehen, als Lehen oder in Miete geben, schenken, geben, zuteil werden lassen’; Verleihung f. ‘feierliche Zusprechung, Übertragung’ (16. Jh.); Verleiher m. ‘wer etw. (gewerbsmäßig) verborgt’, mhd. verlīher; Verleih m. ‘Unternehmen, das etw. gewerbsmäßig gegen eine Gebühr verleiht’ (1. Hälfte 20. Jh.). Anleihe f. ‘(langfristige) Aufnahme einer Geldschuld’, übertragen ‘Verwendung fremden geistigen Eigentums’ (18. Jh.), anstelle des älteren Anlehen n., ahd. analēhan ‘Anleihe’ (um 800), mhd. anlēhen.
Feudalismus ist eine Form der Zinsnahme, also die Trennung von Eigentum und Besitz. Der Zins wurde, bevor es Geld gab, in Naturalien bezahlt. Die Scholle ist das Eigentum des Königs (des Monpols), das als Lehen (daher das Wort leihen) vom König (vom Monopol) für Treue an einen Grundherren (in sog. Ausscheidungskämpfen unterlegene, im Dienst des Königs befindliche Ritter, "Freiherren" in Burgen) vergeben wurde, der dann für den König Fron, also den Zins (die Königssteuer) von den Besitzern und Nutzern der Scholle eintrieben. Die Grundherren (das englische Wort landlord bedeutet auf deutsch Vermieter und direkt übersetzt heißt es Land- oder Grundherr) lebten von der Differenz des Eingetriebenen und des an den König (das Monopol) Abgeführten.
Das kapitalistische Grundprinzip ist der Verkauf von Verfügungsrechten an Sachen, v.a. Nutzung und Besitz gegen eine Leihgebühr, den Zins.

Banken und moderne Leibeigenschaft

Heute machen Banken das, was früher die Ritter bzw. Grundherren machten. Das Medium ist das Geld. Besitz kostet Zins bzw. verleihbares Eigentum bringt Früchte, also Zinsen. Die Besitzer des Leihkapitals tragen die Frucht aus. Die Differenz der eingenommenen Zinsen und der an die ausgegebenen Zinsen heißt Zinsspanne. Und weil seit dem Beginn des perversen Prozesses der Antrieb der Zivilisation der selbe ist, entwickeln sich auch heute als Folge des (kapitalistischen) Neo-Liberalismus wieder Formen der Leibeigenschaft, die jedoch nicht allein wegen des abweichenden Namens, der Vielheit der Herren und der Anonymisierung der Verhältnisse durch das Geldsystem nicht als solche erkannt werden. Wir nennen es Leih- oder Zeitarbeit, doch es ist in Wahrheit eine Form der Leibeigenschaft!

Babylonische Sprachverwirrung - ein weiterer Hinweis auf systemimmanente Verschwörung

Manchmal geschehen Dinge, mit denen man nicht rechnet. Heute morgen, als ich den Artikel schrieb, fiel mir eine Textstelle mit einem bedeutenden „Fehler”, bzw. einem Sprung in der Genesis auf, nämlich Genesis 11, der Turmbau zu Babel.

Ich interpretiere diesen Sprung, bzw. die Lücke, als einen weiteren Hinweis auf das Phänomen, zu dem es folgende populäre Stichpunkte gibt:

...als weiteren Beweis dafür, dass seit jeher Verschwörung und Manipulation ein Teil der Machtausübung und -sicherung ist.

Gehirnwäsche vom Dienst - europäischer babylonischer Turm

Dass diese „Götzendiener” oder Pharisäer, wie man sie früher nannte, die vom babylonischen Turm herabsteigen, den Leuten den Kopf verdrehen, ist nicht erst seit Jesu Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen und Jesu Ausspruch in Markus 8:15

»Nehmt euch in Acht vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes.«
bekannt. Mit Sauerteig meint er wohl ökonomische Theorie im Allgemeinen, wobei er seinen eigenen Sauerteig macht (Matthäus 13:33) in Verbindung mit Lukas 6:35 in der korrekten Übersetzung von Hermann August Menge.

Der Beschluss, die Leute zu verwirren ist in Genesis 11 beschrieben und dokumentiert, wobei wieder einmal ein krasser Fehler bzw. eine Lücke, ein Sprung auftaucht, ähnlich wie in Exodus zwischen 3 und 4:

  1. Die Menschen hatten damals alle noch dieselbe Sprache und dieselben Wörter.
  2. Als sie nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar und ließen sich dort nieder.
  3. Sie sagten zueinander: "Los! Wir machen Ziegel aus Lehm und brennen sie zu Stein!" Die Ziegel wollten sie als Bausteine verwenden und Asphalt als Mörtel.
  4. Dann sagten sie: "Los! Bauen wir eine Stadt und einen Turm, der bis an den Himmel reicht! So werden wir uns einen Namen machen und verhindern, dass wir uns über die ganze Erde zerstreuen."
  5. Jahwe kam herab, um sich anzusehen, was die Menschen da bauten - eine Stadt mit einem Turm! (1. Mose 18.21) (Psalm 14.2) (Psalm 18.10)
  6. Da sagte er: "Es ist offensichtlich: Sie sind ein einziges Volk und sprechen nur eine Sprache. Und was sie jetzt begonnen haben, zeigt, dass ihnen künftig nichts unmöglich sein wird. Sie werden alles tun, was sie sich ausdenken.
  7. Los! Steigen wir hinunter und verwirren ihre Sprache, dass keiner mehr den anderen versteht!"
  8. So zerstreute Jahwe die Menschen von dort aus über die ganze Erde, und sie mussten aufhören, die Stadt zu bauen. (Lukas 1.51)
  9. Deswegen gab man der Stadt den Namen Babel, Verwirrung, denn Jahwe hatte dort die Sprache der Menschen verwirrt und sie von diesem Ort aus über die ganze Erde zerstreut.
In der Geschichte des Turmbaus zu Babel wollen bauwütige Menschen eine „bis zum Himmel” reichende Stadt errichten, mit dessen Konstruktion sie erreichen wollen, dass sie zusammenbleiben. Diese Formulierung ist schon ein Hinweis auf die kontrahierende (Kontrahierungszwang), über Schuldbeziehungen integrierende Kraft des Kapitalismus, die seit jeher zur Integration großer Staatengefüge genutzt wird, z.B. vereinigtes Königreich, vereinigte Staaten von Amerika, China, Indien, afrikanische Union und die vereinigten Staaten von Europa. Das Konstruktionsprinzip des Turms ist natürlich das Zinsnehmen, also der Kapitalismus und wie die Gegenwart zeigt, ist das Konstruktionsprinzip seit tausenden Jahren gefährlich. Der europäische Turm wackelt bedenklich, das europäische Integrationsprojekt steht vor dem Zerbrechen.

Der Bruch und der Fehler im Text erscheint im Vers 7, der als Teil eines Satz erscheint, der in Vers 6 mit „er sagte“ beginnt und mit Vers 7 endet. Ich bin sicher, dass am Anfang von Vers 7 vor dem ersten Wort etwas fehlt, denn der Satz beginnt in Vers 6 mit den Worten Jahwes, doch in Vers 7 sprechen auf einmal die Menschen, als seien sie Jahwe, denn der würde von sich mit Sicherheit nicht im Plural sprechen. Ich bin sicher, dass Jahwe im Fehlenden die Ökonomen des damaligen Prozesses warnt und sie also in Vers 7 sprechen und nicht Jahwe. Deswegen sind die Anführungszeichen in dieser Übersetzung falsch gesetzt!

Die Verwirrung wird gestiftet, damit der kapitalistische Prozess aufrecht erhalten bleiben kann. Die Turmbauer zu Babel widersetzen sich der Warnung Jahwes, dass der Turm zerbrechen würde und so zerbricht die pyramidiale Vermögens- und Einkommensverteilung, ohne dass die Mehrheit ausdrücken konnte, woran es denn lag. Die Menschen werden zerstoben und verwirrt über das ganze Land zerstreut.

Teil der Verwirrung war mit Sicherheit wie heute die Unterdrückung des Denkens und Sprechens über den Zins ein anderer ist die Verdrehung des Kausalzusammenhangs und der Kausalketten, die das Zinsnehmen erzeugt, z.B. durch Vertauschen von Ursache und Wirkung. Heute sagt man z.B. dass gespart werden muss, um die Inflation zu senken. Das Beispiel Türkei zeigt in diesen Tagen die Verkehrung des Kausalzusammenhangs, denn Inflation ist insbesondere bei hohen Zinsen Folge des Zinsnehmens. Luhmann nennt die Folge dieser Verschwurbelung und Verwirrung der relativ banalen, doch hinsichtlich des Umfangs des Kausalnexus', wie Schumpeter sagen würde, äußerst komplexen Zusammenhänge Latenz (Eintrag vom 9.10.2018). Jesaja beschrieb die Folge dieser ältesten Form der Gehirnwäsche so, wobei der Herr natürlich der Kapitalismus ist:

  1. Erstarret und werdet bestürzt, verblendet euch und werdet blind! Werdet trunken, doch nicht vom Wein, taumelt, doch nicht von starkem Getränk!
  2. Denn der HERR hat euch einen Geist des harten Schlafs eingeschenkt und eure Augen zugetan; eure Propheten und Fürsten samt den Sehern hat er verhüllt,
  3. daß euch aller Propheten Gesichte sein werden wie die Worte eines versiegelten Buches, welches man gäbe einem, der lesen kann, und spräche: Lies doch das! und er spräche: Ich kann nicht, denn es ist versiegelt;
  4. oder gleich als wenn man's gäbe dem, der nicht lesen kann, und spräche: Lies doch das! und er spräche: Ich kann nicht lesen.
  5. Und der HERR spricht: Darum daß dies Volk zu mir naht mit seinem Munde und mit seinen Lippen mich ehrt, aber ihr Herz fern von mir ist und sie mich fürchten nach Menschengeboten, die sie lehren:
  6. so will ich auch mit diesem Volk wunderlich umgehen, aufs wunderlichste und seltsamste, daß die Weisheit seiner Weisen untergehe und der Verstand seiner Klugen verblendet werde.
  7. Weh, die verborgen sein wollen vor dem HERRN, ihr Vornehmen zu verhehlen, und ihr Tun im Finstern halten und sprechen: Wer sieht uns, und wer kennt uns?
  8. Wie seid ihr so verkehrt! Gleich als wenn des Töpfers Ton gedächte und ein Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht! und ein Gemächte spräche von seinem Töpfer: Er kennt mich nicht!
  9. Wohlan, es ist noch um ein klein wenig zu tun, so soll der Libanon ein Feld werden, und das Feld soll wie ein Wald geachtet werden.
  10. Und zu derselben Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen,
  11. und die Elenden werden wieder Freude haben am HERRN, und die Armen unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels,
  12. wenn die Tyrannen ein Ende haben und es mit den Spöttern aus sein wird und vertilgt sein werden alle die, so wachen, Mühsal anzurichten,
  13. welche die Leute sündigen machen durchs Predigen und stellen dem nach, der sie straft im Tor, und stürzen durch Lügen den Gerechten.

Kapitalismus in 2019: Sinnloser Sauerteig

Die Gehirnwäscher sitzen heute überall in allen Parteien, Vereinigungen und Gesellschaften, wenn sie nicht sogar Partei geworden sind. Andere behaupten, sie würden sich politisch nicht engagieren. Sie zittern und schwitzen, wenn sie erkannt werden. Ihnen versagt die Stimme, denn sie wissen, dass man sie zur Verantwortung ziehen wird, für das unfassbare, unmessbare Leid, für das sie maßgeblich mitverantwortlich sind. Sie werden sich rausreden und sagen, dass wir es doch hätten wissen können, wenn wir selbst gedacht hätten, dass wir es doch auch wollten oder dass es gar nicht anders gegangen wäre. Es gibt kein Gesetz und keine Strafe, die ausreicht, um den Schaden zu bewerten und aufzurechnen.

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