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25. September 2018

Gegen die Spaltung in Rechte und Linke: Übersetzung des rechten Kampfbegriffs Bevölkerungsaustausch

Ich habe mich ein wenig mit dem beschäftigt, was die Rechten „Bevölkerungsaustausch“ nennen. Unter Bevölkerungsaustausch verstehen viele politisch eher rechts Stehende den Ersatz oder Austausch von Menschen bei uns durch (kultur) fremde Menschen.

Ist da vielleicht etwas dran?

Dies war die Ausgangsfrage, und ich bin ehrlich gesagt fündig geworden, auch wenn ich nicht von Vorsatz sprechen möchte, also davon, dass absichtlich Menschen aus Deutschland gegen Menschen aus anderen Ländern ausgetauscht oder von ihnen verdrängt wurden.

Ausgangspunkt ist das berühmte Buch von Frank Schirrmacher „Das Methusalem Komplott“.

Der Autor hat das Buch vor eineinhalb Jahrzehnten geschrieben, um auf eine Schieflage hinzuweisen, auf die wir damals zusteuerten und die heute politikbestimmend ist.

Ich spreche von der sogenannten demografischen Entwicklung, die für die meisten Menschen nicht ganz einfach zu erfassen, doch im Kern lebenswichtig ist für eine Gesellschaft.

Schauen wir uns die Grafik an, dann sehen wir, dass Anfang der 70er Jahre, am Ende des Wirtschaftswunders, die Geburtenrate unter die Sterberate fällt.

Geburten- und Sterberate in Deutschland von 1960 bis 2011. Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung.
Seit dieser Zeit also „schrumpft“ Deutschland und muss die so entstandenen Lücken im sozialen Geflecht mit Menschen aus anderen Ländern auffüllen. Man muss diesen Vorgang nicht als Bevölkerungsaustausch bezeichnen, doch können die Menschen ja letztendlich nur von außen kommen, wenn innen Lücken entstehen, und insgesamt ist es ein Ersatz, ein „Wiederauffüllen“. Von Austausch kann man nur sprechen, wenn man sagt, dass die Nicht-Geborenen gegen die Hinzugezogenen ausgetauscht wurden.

Wenn man nach den Ursachen für diese Extinktion, diese Ausdünnung oder Ausmergelung der inländischen, ortsansässigen Bevölkerung sucht und die Leute danach fragt, warum sie keine Kinder in die Welt setzen, dann bekommt man typischerweise Folgendes zu hören:

Viele haben Angst vor der Verantwortung, weil sie es aus ihrer eigenen Vergangenheit kennen, dass Kinder zur Last fallen. Sie erinnern sich daran, wie sie ihren Eltern eine Last waren, und dabei vergessen sie aber, dass nicht die Familien Schuld daran getragen haben, dass Kinder lästig sind, sondern das System, der Kapitalismus, das Zinsnehmen.

Denn: wer kennt es nicht, und wer erlebt es nicht jeden Tag, dass man sich in einem Spannungsfeld befindet zwischen dem Berufsleben und der Familie? Und wo werden denn die Zinsen genommen? Auf und von der Arbeit und vom Konsum! Es ist rational, keine Kinder zu zeugen, denn dann kann man mehr Geld verdienen und weniger ausgeben, man kann sparen. Doch letztendlich spart man sich das Kind, und deswegen bekommen die Deutschen, die Sparweltmeister Europas, seit Anfang der 70er Jahre etwa 25 % zu wenig Kinder und sterben - wie die Weltmeister.

Warum ist die demografische Krise so bedrohlich?

Unser Rentensystem ist Umlage-finanziert. Die gesetzliche Versicherung beruht nicht auf Rücklagen, auch wenn der Eindruck dazu entstehen könnte, wenn man von einem „Lebensarbeitszeitkonto“ spricht, sondern die Renten werden von denjenigen bezahlt, die heute arbeiten.

Diejenigen, die arbeiten, also die Einzahler in das Rentensystem werden aber aufgrund der demografischen Krise immer weniger, und die Rentner werden immer mehr. Spätestens dann, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, also in den Jahren zwischen 2020 und 2030, werden wir beim Festhalten am Kapitalismus in eine lebensbedrohliche Krise geraten.

Die Vorboten sind längst sichtbar geworden: Wir haben und sprechen von einem Pflegenotstand, der sich weiter verschärfen wird. Die Belastung durch Sozialabgaben wird weiter zunehmen müssen, und das Renteneintrittsalter muss auf 70 erhöht werden, wie es diejenigen vorrechnen, die rechnen können.

Warum muss es zu dieser lebensbedrohlichen Krise kommen?

Das liegt zuallererst an unserer Einstellung zum System, denn die meisten wollen, dass die Zinsen wieder steigen, dass also der Kapitalismus zurückkehrt. Sie wollen nicht, dass Sparzinsen und Kreditzinsen negativ werden. Sie wollen nicht, dass die Geldeliten gestürzt werden, sie wollen nicht, dass wir eine Umverteilung von reich zu fleißig bekommen und dadurch insbesondere Dienstleistung vom Menschen am Menschen besser bezahlt wird als bisher.

Die meisten Menschen sind im Hirn so verschwurbelt, so „betriebsblind“ durch die Vorgebete kapitalistischer Tugenden (Sparen, Sparen, Sparen, Leistungsgesellschaft, Ellenbogen raus, Treppchen rauf auf der Karrieretreppe, usw.) und sie sind so verwirrt von dieser künstlichen Umwelt (siehe , die der Kapitalismus erschaffen hat, dass sie aus ihrer kapitalistischen Sozialisation heraus die logische Lösung dieser Probleme, die negativen Zinsen, ablehnen.

Die Rechten sagen, dass ein „links-grün-versiffte” Hauptstromgesellschaft die vielen Fremden ins Land holen will, weil sie am System festhalten will. Die Rechten nennen es Bevölkerungsaustausch, und da ist etwas dran. Ich würde es jedoch nicht als Bevölkerungsaustausch bezeichnen, sondern als Bevölkerungsersatz.

Ist es eine rechte Parole, wenn man sich wünscht, dass diejenigen, die hier sind, wieder mehr Kinder bekommen können, ohne Angst davor zu haben, dass sie ihnen eine Last sind?

Sehen wir noch einmal auf die Grafik, dann stellen wir fest, dass seit Beginn der Niedrigzinsphase in 2012 die Geburten wieder steigen. Die Demografen sagen uns jedoch, dass dies auf die Zeugungsfreudigkeit, die Fruchtbarkeit, der Hinzugezogenen zurückgeht. Die Fruchtbarkeit von Hinzugezogenen sinkt jedoch schon nach etwa einer Generation auf die Fruchtbarkeit der hier Ortsansässigen ab.

Es sind also die (künstlichen) Umweltbedingungen hier, die die Geburtenraten weit unter die konservativen 2 Geburten pro Paar drücken, und diese Umweltbedingungen werden durch den Kapitalismus, also das Zinsnehmen, erzeugt.

Einfach mal das Hirn einschalten, Kapitalismus, also das Zinsnehmen, das Sparen tötet!

Warum muss man das eigentlich Linken sagen? Weil sie nicht kapieren, was das Zinsnehmen anrichtet, darum.

Warum wurden so lange die Klagen der „Brummeligen“ nicht ernst genommen? Weil man sonst nicht weiter hätte Zinsennehmen können.

Warum sehen sich politisch rechts Stehende, also Volkskonservative, gezwungen, aus Protest eine Partei zu wählen, die de facto keine Lösungen präsentiert, sondern nur wieder das Problem? Weil sie nicht kapieren, was das Zinsnehmen anrichtet, darum.

....und so geht es immer weiter mit Rechts gegen Links, bis sie es kapieren.

Die AfD macht keinen Hehl daraus, dass sie die Zinsen wieder anheben will, denn nichts anderes bedeutet der rote Pfeil auf dem Parteilogo.

Das Parteilogo der AfD steht für wieder steigende Zinsen.

Bietet die Aufstehen-Bewegung eine Lösung?

Noch ist das schwer zu sagen, doch ihre Initiatorin, die Karrenmagd, hat über das Sparen promoviert und will es nicht missen. Sie hat ja auch selbst keine Kinder, und das passt zu ihrer Einstellung.

Die Karrenmagd will keine Negativzinsen und schürt Ängste davor, obwohl eine Negativzins-Ökonomie antikapitalistisch ist.


Also: Den Rechten unten an der Basis zuhören, sonst wählen sie Protest, und dann wird es wirklich schlimm!

Gregor Gysi zur Ungleichheit zwischen Ost und West.

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