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15. Oktober 2018

Das Lebendige ist akkumulierte Arbeit!

Es ist eine Sache wichtig in diesen Tagen: Steigen die Zinsen wieder an, dann wird sich Geschichte wiederholen. Aus dem ewigen Kreislauf von geboren Werden, Altern, Krankheit, Tod und Wiedergeburt, die Buddhisten nennen es Samsara, steigen wir aus, indem wir die Zinsen ins Negative absenken.

Der ewige Kreislauf Samsara, die Zyklen des Kapitalismus.

Der Begriff Samsara bezieht sich nicht nur auf das Lebendige, sondern auch auf eine kapitalistische Wirtschaft als Ganzes, denn getrieben wird das Zinsnehmen von der Gier auf noch mehr Geld. Nach dem letzten Zusammenbruch gibt es eine Wiedergeburt des perversen Prozesses, dann wächst er, wird älter, kränkelt ( die Krisen des Kapitalismus, die Konjunkturzyklen sind ähnlich Phasen von Gesundheit und Krankheit ) und stirbt in einer Revolution, einem Bürgerkrieg oder einem Krieg gegen die Nachbarn. Nach dem Krach ist vor dem Krach, denn nach dem Krach wird der Prozess neu geboren, und der Zyklus beginnt von Neuem.

Auch über längere Zeiträume betrachtet wiederholen sich die Phänomene. Das Phänomen Samsara ist bei den alten Griechen auch bekannt als der Zyklus der Staatsformen, a.b.a. der Verfassungskreislauf.

Der berühmte Zyklus der Staatsformen.

Das zu negativen Zinsen gehörige System, das diesen Kreislauf nicht mehr aufweist, hat Buddha vor 2500 Jahren Nirwana genannt, Jesus nannte es vor 2000 Jahren „das Himmelreich“, vor 150 Jahren hat es Marx Kommunismus genannt, Silvio Gesell Anfang des 20. Jahrhunderts nannte es Freiwirtschaft und Niklas Luhmann nannte es 1984 Soziales System.

Ich ernte Kritik, Zitat C.K.:

„Gesell hat nun gar nichts mit Marx und Kommunismus zu tun und Luhmann beschreibt mit dem Systembegriff die moderne Gesellschaft und betreibt überhaupt keine Gesellschaftskritik... total wirr zusammengewürfelt“.
Fangen wir doch mal hinten an, bei Luhmann. Die Emergenz sozialer Systeme basiert auf der Grundbedingung der doppelten Kontingenz.

Zitat C.K.:

„Nur weil Sie ein paar systemtheoretische Begriffe aneinanderreihen können, besteht immer noch kein Zusammenhang zwischen Kommunismus, Gesell und Luhmann. Offenbar geht es um reaktionäre Zinskritik, dafür taugen weder Marx noch Luhmann als Referenz, Gesell natürlich um so mehr.“
C.K., ich liefere Ihnen jetzt hier die Kurzversion, weil ich diese Dinge schon an anderer Stelle ausgearbeitet habe.

Das Kernprinzip des Kapitalismus ist das positive Zinsvorzeichen.

Eine Ökonomie basierend auf dem Prinzip negativer Geldmarktzinsen ist demzufolge antikapitalistisch. Auch der Kommunismus erhebt den Anspruch, den Grundprinzipien des Kapitalismus entgegengesetzt zu wirken.

Sie finden nicht nur im Kommunistischen Manifest, sondern z.b. auch in eschatologischen Schriften den Begriff Umkehr. Auch das Wort Revolution hängt damit zusammen.

Silvio Gesells Arbeit beschäftigt sich nun genau mit dem Thema negativer Zinsen. Nach der einfachsten Logik liefert Silvio Gesells Arbeit also die Geldtheorie zum Kommunismus Marxens, zum Himmelreich Jesu und zum Nirwana Buddhas.

Darauf hat Gesell auch selbst hingewiesen und Marxens „blinde Flecken” entsprechend gerügt.

Die Beziehung zwischen der Grundbedingung der doppelten Kontingenz und dem Zinsvorzeichen habe ich hier beschrieben.

Doppelte Kontingenz, und mit ihr wirklich freie Märkte, gibt es genau dann, wenn im Geldsystem die Geldmarktzinsen bei Krediten negativ werden.

Dabei geht es um die Kontingenz der Arbeit einerseits und des Kapitals andererseits. Der positive Zins erzeugt Notwendigkeiten (Zwänge) zur Arbeit, denn Schulden entsprechen monetären Notwendigkeiten. Auf der anderen Seite des Leihvertrags entstehen Möglichkeiten (Freiheiten), denn Guthaben entsprechen monetären Möglichkeiten.

Bei negativem Zins ist es umgekehrt: die Notwendigkeiten liegen dann auf der Kapitalseite, während die Möglichkeiten auf der Seite der Arbeit liegen. Wenn man analysiert, wie sich Zinsschulden auf Marktgleichgewichte auswirken, dann finden Sie die gestörte doppelte Kontingenz. Adam Smith nannte die Störung „die unsichtbare Hand“. Ich habe das hier gerechnet.

Das Kapital erzwingt mit dem Zins seine Vermehrung durch das Äquivalent derjenigen Arbeit, die zur Tilgung des Kreditzinses abgeleistet werden muss. Diese Zwänge zur Arbeit, diese Notwendigkeiten, verschwinden, wenn das Zinsvorzeichen umpolt. Ist es negativ, dann wird auf der Seite der Notwendigkeiten Kapital hergegeben. Es besteht jedoch kein Zwang zur Arbeit.

Es ist eigentlich ganz einfach:

Die Akkumulation von Arbeit ist nun etwas, das von einem naturwissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet sehr einfach zu interpretieren ist: Akkumulierte Arbeit ist nichts anderes als das Lebendige selbst.

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