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2. April 2017

Benjam Franklin und Max Weber: Der Geist des Kapitalismus

Dies sollte nun wirklich alle Zweifel ausräumen, dass das Kern-Prinzip des Kapitalismus der positive Zins ist, nämlich ein Zitat Benjamin Franklins in Max Webers „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“. Zitat Benjamin Franklin:

„Bedenke, dass die Zeit Geld ist. Wer täglich 10 Schillinge durch seine Arbeit erwerben könnte und den halben Tag spazieren geht oder auf seinem Zimmer faulenzt, der darf, auch wenn er nur sechs Pence für sein Vergnügen ausgibt, nicht dies allein berechnen, er hat neben dem noch fünf Schillinge ausgegeben oder vielmehr weggeworfen.

Bedenke, das Kredit Geld ist. Lässt jemand sein Geld, nachdem es zahlbar ist, bei mir stehen, so schenkt er mir die Zinsen oder so viel, als ich während dieser Zeit damit anfangen kann. Dies beläuft sich auf eine beträchtliche Summe, wenn ein Mann guten und großen Kredit hat und guten Gebrauch davon macht.

Bedenke, dass Geld von einer zeugungskräftigen und fruchtbaren Natur ist. Geld kann Geld erzeugen, und die Sprösslinge können noch mehr erzeugen und sofort. 5 Schillinge umgeschlagen sind 6, wieder umgetrieben 7 Schilling 3 Pence und so fort, bis es 100 Pfund Sterling sind. Je mehr davon vorhanden ist, desto mehr erzeugt das Geld beim Umschlag, so dass der Nutzen schneller und immer schneller steigt. Wer ein Mutterschwein tötet, vernichtet dessen ganze Nachkommenschaft bis ins tausendste Glied. Wer ein fünf Schilling Stück umbringt, mordet alles, was damit hätte produziert werden können:

Ganze Kolonnen von Pfunden Sterling.

Bedenke, dass - nach dem Sprichwort - ein guter Zahler der Herr von jedermanns Beutel ist. Wer dafür bekannt ist, pünktlich zur versprochenen Zeit zu zahlen, der kann zu jeder Zeit alles Geld entlehnen, was seine Freunde gerade nicht brauchen.

Dies ist bisweilen von großem Nutzen. Neben Fleiß und Mäßigkeit trägt nichts so sehr dazu bei, einen jungen Mann in der Welt vorwärts zu bringen, als Pünktlichkeit und Gerechtigkeit bei allen seinen Geschäften. Deshalb behalte niemals geborgtes Geld eine Stunde länger, als du versprachst, damit nicht der Ärger darüber deines Freundes Börse dir auf immer verschließe.

Die unbedeutenden Handlungen, die den Kredit eines Mannes beeinflussen, müssen von ihm beachtet werden. Der Schlag deines Hammers, den dein Gläubiger um 5 Uhr morgens oder um 8 Uhr abends vernimmt, stellt ihn auf 6 Monate zufrieden. Sieht er dich aber am Billardtisch oder hört er deine Stimme im Wirtshaus, wenn du bei der Arbeit sein solltest, so lässt er dich am nächsten Morgen um die Zahlung mahnen, und fordert sein Geld, bevor du es zur Verfügung hast.

Außerdem zeigt dies, dass du ein Gedächtnis für deine Schulden hast, es lässt dich als einen ebenso sorgfältigen wie ehrlichen Mann erscheinen, und das vermehrt deinen Kredit.

Hüte dich, dass du alles, was du besitzt, für dein Eigentum hältst und demgemäß lebst. In diese Täuschung geraten viele Leute, die Kredit haben. Um dies zu verhüten, halte eine genaue Rechnung über deine Ausgaben und dein Einkommen. Machst du dir die Mühe, einmal auf die Einzelheiten zu achten, so hat das folgende gute Wirkung:

Du entdeckst, was für wunderbar kleine Ausgaben zu großen Summen anschwellen, und du wirst bemerken, was hätte gespart werden können und was in Zukunft gespart werden kann.

Für 6 Pfund jährlich kannst du den Gebrauch von 100 Pfund haben, vorausgesetzt, dass du ein Mann von bekannter Klugheit und Ehrlichkeit bist. Wer täglich einen Groschen nutzlos ausgibt, gibt an die 6 Pfund jährlich nutzlos aus, und das ist der Preis für den Gebrauch von 100 Pfund. Wer täglich einen Teil seiner Zeit im Wert eines Groschens verschwendet ( und das mögen nur ein paar Minuten sein ), verliert einen Tag in den anderen gerechnet das Vorrecht, 100 Pfund jährlich zu gebrauchen. Wer nutzlos Zeit im Wert von 5 Schillingen vergeudet, verliert 5 Schillinge und könnte ebensogut 5 Schillinge ins Meer werfen. Wer Schillinge verliert, verliert nicht nur die Summe, sondern alles, was damit bei Verwendung im Gewerbe hätte verdient werden können - was, wenn ein junger Mann ein höheres Alter erreicht, zu einer ganz bedeutenden Sinne aufläuft.“

Zitat Max Weber, zum Zitat Benjamin Franklins:

„Es ist Benjamin Franklin, der in diesen Sätzen - den gleichen, die Ferdinand Kürnberger in seinem Geist - und Gift-sprühenden »amerikanischen Kulturbilde« als angebliches Glaubensbekenntnis des Yankeetums verhöhnt - zu uns predigt. Dass es der »Geist des Kapitalismus« ist, der aus ihm in charakteristischer Weise redet, wird niemand bezweifeln, so wenig etwa behauptet werden soll, dass nun alles, was man unter diesem »Geist« verstehen kann, darin enthalten sei.

Verweilen wir noch etwas bei dieser Stelle, deren Lebensweisheit Kürnbergers »Amerikamüder» dahin zusammenfasst :

„Aus Rindern macht man Talk, aus Menschen Geld“, so fällt all das Eigentümliche in dieser »Philosophie des Geizes« das Ideal des kreditwürdigen Ehrenmannes und vor allem der Gedanke der Verpflichtung des Einzelnen gegenüber dem als Selbstzweck vorausgesetzten Interesse an der Vergrößerung seines Kapitals auf.“

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