Vorheriges Überblick Nächstes

16. Juni 2017

Ein Beitrag zur metaphysischen Beschreibung des Bewusstseins am Anbeginn der Zeitrechnung, also am und um den Beginn der Zinsnahme durch den Menschen

Wie ich schon ein paar mal erwähnte, glaube ich, dass die Schöpfungsmythen der abrahamitischen Religionen und der alten Ägypter miteinander zusammenhängen und dass alle religiösen Texte jeweils gegeneinander perspektivisch und kulturell verzerrte, und daher mit unterschiedlichen Bildern versehene metaphysische Beschreibungen unserer kapitalistischen Wirklichkeit sind.

In allen großen Religionen findet man ein Wasser als eine Metapher für das Bewusstsein. In dem Buch „Die Entstehung der Welt - Schöpfungsmythen aus dem Alten Ägypten nach dem Buch von Fayum“ von Horst Beinlich, Regine Schulz und Alfried Wieczorek finde ich zu der Frage

Was war vor der Schöpfung?
folgendes Zitat:

Ausgangspunkt ist ein System ohne Zeit - und Raum - Struktur, das als eine Art von präexistentem Gewässer beschrieben wird. Es wird dadurch gestört, dass sich in ihm autodynamisch vier Dualitäten bilden, welche als seine Eigenschaften zu verstehen sind. Bei den vier Paaren, die im Schöpfungsmythos von Hermopolis als „Achtheit“ bezeichnet werden, handelt es sich um

Das letzte Paar kann auch ersetzt werden, und zwar durch:

Obwohl es sich bei diesen Paaren um Charakteristika handelt, die selbst strukturlos sind, wird durch ihre Aufspaltung in je 4 männliche und weibliche Aspekte ein erstes Ordnungsprinzip fassbar. Dabei steht die Zahl 4 für die vier Himmelsrichtungen und ist deshalb mit der Vorstellung vom Raum verbunden. Diese Ordnungsprinzipien stören das System und leiten einen Prozess ein, der zu einem Phasenübergang führt, und in dem die beiden Aspekte Geschlechtlichkeit der Lebensformen und Erschaffung des Raums schon angelegt sind.

Wie die meisten hier wissen, war Mose, der die fünf Bücher der Tora, die ersten fünf Bücher des Tanach schrieb Hebräer, wurde jedoch, um seine Ermordung zu vermeiden als Säugling in einem Bast-Körbchen von seinem Volk ausgesetzt, von einer Angehörigen des ägyptischen Hof-Staates aus dem Wasser gezogen und dann am Hof des Pharaos Ramses sozialisiert.

Es ist daher davon auszugehen, dass Mose sich mit der altägyptischen Theologie und den dazugehörigen Schöpfungsmythen auskannte.

In der Genesis, also im ersten Buch Mose, am Anfang der Bibel steht folgendes Zitat aus der Lutherbibel von 1912 (Die Schöpfung: Sechstagewerk):

  1. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. (Johannes 1.1-3) (Apostelgeschichte 17.24) (Hebräer 11.3) (Offenbarung 4.11)
  2. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.
  3. Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. (Psalm 33.9) (2. Korinther 4.6)
  4. Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis
  5. und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.
  6. Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern.
  7. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah also. (Psalm 19.2)
  8. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag.
  9. Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Örter, daß man das Trockene sehe. Und es geschah also. (Hiob 38.8-11) (2. Petrus 3.5)
  10. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, daß es gut war.
  11. Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das sich besame, und fruchtbare Bäume, da ein jeglicher nach seiner Art Frucht trage und habe seinen eigenen Samen bei sich selbst auf Erden. Und es geschah also.
  12. Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das sich besamte, ein jegliches nach seiner Art, und Bäume, die da Frucht trugen und ihren eigenen Samen bei sich selbst hatten, ein jeglicher nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.
  13. Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag.

„Licht und Dunkel“, „Tag und Nacht“

„der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.“

„Eine Feste zwischen den Wassern.“

„Pflanzen, Kräuter und fruchtbare Bäume“

Vergleicht man das, was in der Bibel steht mit dem, was in dem Buch zur „Entstehung der Welt - Schöpfungsmythen aus dem alten Ägypten“ steht, dann erkennt man die große Ähnlichkeit, die ja aber auch so zu erwarten ist, denn Israel war zwischen 1700 und 1300 v.Chr. in Ägypten.

Die Welt ist in Wahrheit eine Weltanschauung, also eine Art Bewusstsein, welches von vier Grundängsten beherrscht wird, dargestellt in den sogenannten Cherubim, die sechs Flügel und einen Kopf mit vier Gesichtern haben.

Fritz Riemann nannte sie die 4 Grundformen der Angst, die von Männern und von Frauen erlebt werden können.

Also 8 Ängste, 4 jeweils gleiche männliche und weibliche. Bei Fritz Riemann sind diese vier Grundformen der Angst:

  1. die Angst vor der Notwendigkeit (Hysterie),
  2. die Angst vor dem Wandel (Zwanghaftigkeit),
  3. die Angst vor der Selbsthingabe (Schizoidie) und
  4. die Angst vor der Selbstwerdung (Depression).

Soweit ich es überblicke, entstehen diese Ängste, sobald Zinsen genommen werden:

  1. Hysterie ist die Angst vor der Festlegung neuer Regeln, Gesetze und Normen, (Liberalismus)
  2. Zwanghaftigkeit ist die Angst vor dem Wandel und der Verletzung von Regeln, Gesetzen und Normen und ihre pedantische Einhaltung, (Konservatismus)
  3. Schizoidie ist die Angst vor der Fremdbestimmung und die Angst davor, in Austauschbeziehungen mehr geben zu müssen, als nehmen zu können und
  4. Depression ist die Angst davor, selbst über sich zu bestimmen und seine Persönlichkeit frei zu entfalten.
All diese Ängste entstehen in dem Moment, ab dem durch den Zins Schuldverhältnisse und Tilgungs-Zwänge entstehen, Verträge, Regeln, Gesetze und Normen sind einzuhalten, pacta sunt servanda.

In der Form des Wiederholungszwangs, auch Bestätigungsfehler genannt, entstehen sie auch beim Wechsel des Zins Vorzeichens, weil eine Situation entsteht, die unbekannt erscheint. Im Grunde genommen ist auch das Stockholm-Syndrom in diesem Zusammenhang wichtig, weil diese Störung eine Hörigkeit gegenüber den Machthabenden und Ausbeutern erzeugt. Wir erleben diese Ängste gerade alle und wir müssen sie überwinden, wenn wir an den „Cherubim“ vorbei wollen.

Die sog. Cherubim bewachen seit der Vertreibung daraus den Garten Eden, das Paradies. Paradesa heißt eingezäunter Garten.

Der Zeitpunkt, an dem die Menschheit begann, Zinsen zu nehmen, liegt etwa 6.000 bis 12.000 Jahre zurück. Jesus war der Anfang und das Ende, der erste und der letzte Mensch. Sein Tod und seine Auferstehung standen am Ende eines herkömmlichen und am Anfang eines neuen, uralten Bewusstseins, nämlich jenes natürlichen, ungestörten Bewusstseins, welches alle Lebewesen haben, wenn sie allein den Naturgesetzen ausgesetzt sind, also einer Umwelt, in der es ausschließlich negative Zinsen gibt.

Dieses Ur-Bewusstsein wurde gestört durch den Beginn des kapitalistischen Prozesses. Die Herausgeber des Buches „Die Entstehung der Welt ... “ bezeichnen den Beginn der Welt als eine „Störung“. Es war eine Störung des Ur-Bewusstseins und des Geistes. In der Psychologie wird dazu der Terminus „kognitive Dissonanz“ verwendet.

Hegel würde es vielleicht als die „Lüge im Geist“ bezeichnen.

Der Sündenfall markiert den Beginn der Zinsnahme durch den Menschen.
Am Ende der kapitalistischen Welt und am Anfang der neuen steht die Rückbesinnung auf dieses Ur-Bewusstsein, welches vor der Entstehung der Welt in den Menschen vorherrschend war. Auch am Anbeginn der neuen Weltordnung steht wieder eine Störung, die jedoch nur aus dem Bewusstsein der Akzeptanz der „Positivität des Zinses“ als solche aufgefasst wird.

Dass es sich bei der Welt um ein bebaubaren Acker handelt, liest man in Matthäus Kapitel 13, wo Jesus in Metaphern das Himmel-Reich, also die Negativ-Zins-Ökonomie beschreibt:
Die Deutung des Gleichnisses vom Unkraut:

  1. Da ließ Jesus das Volk gehen und kam heim. Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker.
  2. Er antwortete und sprach zu ihnen: Der Menschensohn ist's, der den guten Samen sät.
  3. Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen.
  4. Der Feind, der es sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel.
  5. Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird's auch am Ende der Welt gehen.
  6. Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun,
  7. und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein.
  8. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat, der höre!

Ich spekuliere daher, dass die Metapher des Jesu, der über das Wasser lief nur ein Bild dafür ist, dass Jesus dieses Ur-Bewusstsein überschreiten konnte, also nicht in ihm versank und ertrank.

Matthäus 14, Jesus läuft auf dem Wasser.
In Matthäus, Kapitel 14 heißt es:
  1. Gleich darauf drängte Jesus die Jünger*, ins Boot zu steigen und ans andere Seeufer vorauszufahren. Er selbst wollte erst noch die Menschenmenge verabschieden.
  2. Als er damit fertig war, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Als es dunkel wurde, war er immer noch dort.
  3. Das Boot mit den Jüngern war inzwischen weit draußen auf dem See. Der Wind trieb ihnen die Wellen entgegen und machte ihnen schwer zu schaffen.
  4. Im letzten Viertel der Nacht kam Jesus auf dem Wasser zu ihnen.
  5. Als die Jünger ihn auf dem Wasser gehen sahen, erschraken sie und sagten: »Ein Gespenst!«, und schrien vor Angst.
  6. Sofort sprach Jesus sie an: »Fasst Mut! Ich bin's, fürchtet euch nicht!«
  7. Da sagte Petrus: »Herr, wenn du es bist, dann befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen!«
  8. »Komm!«, sagte Jesus. Petrus stieg aus dem Boot, ging über das Wasser und kam zu Jesus.
  9. Als er dann aber die hohen Wellen sah, bekam er Angst. Er begann zu sinken und schrie: »Hilf mir, Herr!«
  10. Sofort streckte Jesus seine Hand aus, fasste Petrus und sagte: »Du hast zu wenig Vertrauen! Warum hast du gezweifelt?«
  11. Dann stiegen beide ins Boot, und der Wind legte sich.
  12. Die Jünger im Boot warfen sich vor Jesus nieder und riefen: »Du bist wirklich Gottes Sohn*!«

Die heutige Kybernetik geht zurück auf das sogenannte Maat-Prinzip, die Steuermanns-Kunst .



Bei den alten Ägyptern war das Steuern, also die Ökonomie, mit dem Bild einer Barke des Sonnengottes verbunden. Auf der Barke kämpft Seth gegen den Schöpfungsfeind Apophis, eine Schlange. Quellen oben und unten: Internet, mittleres Bild: Link-Addresse.

Osiris steht für das System „Kulturraum“ ( die „Matrix“) und Seth steht für „Naturraum“ also die Umwelt, in der die kapitalistische Zivilisation eingebettet ist.

Eventuell wurde dieses Bild von Jesus und seinen Anhängern aufgegriffen und dahingehend erweitert, dass es zum Laufen über das Wasser, also für das Denken, keines Schiffes, also keines Hilfsmittel wie einer (ökonomischen) Schule, mehr bedarf.

Dieser Auffassung bin ich mittlerweile auch, zum Denken empfinde ich meine Begriffe und meine Worte und meine Logik als ausreichend.

Wenn aber meine Logik, meine Worte und das, was ich verstehe und begreife auch von anderen so gefolgert, verstanden und begriffen werden kann, dann wird sich ein gemeinsamer Geist bilden, in dem der Einzelne „nur noch“ Träger dieses Bewusstseins ist.

Das „Pfingsten der Zivilisation“.

Dieser „Gemein-Geist“ wird jedoch nur einen Teil des individuellen Bewusstseins ausmachen, der andere Teil ist die Einzigartigkeit jedes Geistes, der jedoch nicht im Widerspruch zum „Gemein-Geist“ stehen muss, dieses jedoch durchaus darf.

Es gibt keine Denkverbote!

Jeder kann die Negativzins Ökonomie verstehen, wenn er oder sie denn nur die Augen aufmacht und sieht und begreift, nach welchen Gesetzen die Natur funktioniert.

In der Natur sind die Zinsen ausschließlich negativ.

Ein Hinweis, wie die Schlange begriffen werden kann, findet sich in Exodus, 2. Mose, Kapital 3 auf Kapitel 4.

Mose Berufung (Ende Kapitel 3):

  1. Aber ich weiß, dass euch der König von Ägypten nicht wird ziehen lassen, er werde denn gezwungen durch eine starke Hand.
  2. Daher werde ich meine Hand ausstrecken und Ägypten schlagen mit all den Wundern, die ich darin tun werde. Danach wird er euch ziehen lassen.
  3. Auch will ich diesem Volk Gunst verschaffen bei den Ägyptern, dass, wenn ihr auszieht, ihr nicht leer auszieht,
  4. sondern jede Frau soll sich von ihrer Nachbarin und Hausgenossin silbernes und goldenes Geschmeide und Kleider geben lassen. Die sollt ihr euren Söhnen und Töchtern anlegen und von den Ägyptern als Beute nehmen.
  5. (fehlt)
Oben: Mose nimmt eine Schlange am Schwanz auf und so wird sie zum Stab. Dies sollte man auf gar keinen Fall mit einer echten Gift-Schlange machen! Mitte: der Äskulapstab des Asklepios. Unten: Alternative Darstellung von Schlange und Stab bei Mose. (Quellen: Internet Links!)
Kapitel 4:
  1. Mose antwortete und sprach: Siehe, sie werden mir nicht glauben und nicht auf mich hören, sondern werden sagen: Der HERR ist dir nicht erschienen.
  2. Der HERR sprach zu ihm: Was hast du da in deiner Hand? Er sprach: Einen Stab (Anmerkung: Hierarchie, pyramidiale Ordnung der Nomie!).
  3. Der HERR sprach: Wirf ihn auf die Erde. Und er warf ihn auf die Erde; da ward er zur Schlange und Mose floh vor ihr.
  4. Aber der HERR sprach zu ihm: Strecke deine Hand aus und erhasche sie beim Schwanz. Da streckte er seine Hand aus und ergriff sie, und sie ward zum Stab in seiner Hand.
  5. Und der HERR sprach: Darum werden sie glauben, dass dir erschienen ist der HERR, der Gott ihrer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs.

Da ist der Hinweis:

Erhasche sie beim Schwanz. Da streckte er seine Hand aus und ergriff sie, und sie ward zum Stab in seiner Hand.
Die pyramidiale Struktur der Bestimmung kann man also begreifen, wenn man an den Ursprung der Zins-Schuld zurückgeht. Der Ursprung aber ist das bestehende und gegen Zins verliehene Kapital, also der verleihbare Teil der Vermögensverteilung! Die Schlange beißt vorne, also dort und denjenigen, der eine Zins-Schuld zu tragen hat und unter einem Tilgungs-Zwang steht!

Dass es sich hier um eine Metapher handelt erkennt man dadurch, dass kein Fänger einer realen Schlange die Schlange am Schwanz anfasst und fängt, sondern direkt hinter dem Kopf!

Die Vermögens-Pyramide/-Hierarchie im Kapitalismus.
Stab m. ‘dünne Stange, runder, glatter Stock’, ahd. stab (8. Jh.), mhd. stap (md. auch staf) ‘Stab, Stock, Stütze’, auch ‘Pilger-, Hirten-, Bischofsstab, Kreuz, Maßstab’, asächs. mnd. mnl. nl. staf, afries. stef, aengl. stæf, auch ‘Buchstabe’, engl. staff ‘Stab, Stecken, Stock, Knüppel, Stütze’, anord. stafr ‘Stab, Stock, Pfeiler, Formular, Buchstabe, Rune’, schwed. stav ‘Stab, Stock’ ( germ. *staba-), daneben anord. stafir, got. stabim, Dat. Plur. zu *stafs ‘Buchstabe’ (germ. *stabi-), sowie ahd. stabēn ‘starr, steif sein bzw. werden’, gistabēn ‘erstarren’ (9. Jh.) vergleichen sich mit aind. stabhnā́ti ‘befestigt, stützt’, (Nasal aufweisendem) stambha- ‘Pfosten, Pfeiler, Säule’ und setzen eine auf bh endende Form der in verschiedenen Varianten auftretenden Wurzel ie. *stē̌b(h)-, *stəb(h)-, *step-, nasaliert *stemb(h)-, *stemp- ‘Pfosten, Pfeiler, Stamm, Baumstamm’ sowie ‘stützen, versteifen, festhalten, anhalten, (auf)stampfen, treten, beschimpfen, staunen’ voraus, während lit. stem̃bti ‘widerstreben, Widerstand leisten’, stãbas, lett. stabs ‘Pfeiler, Säule’ auf eine Wurzelsilbe mit auslautendem b oder bh zurückgehen können. Ob die genannten Ansätze als Erweiterungen der Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ anzusehen sind, bleibt zweifelhaft. Als zugehörig gelten ↗Staffel, ↗stampfen, ↗Stapel, ↗Stapfe, ↗Stempel, ↗Stufe, ↗Stummel, ↗stumpf, ↗Stumpen (s. d.). Stab als Kennzeichen der Macht und Befehlsgewalt (vgl. Bischofsstab, Marschallstab) wird im militärischen Bereich im 17. Jh. auf die ‘Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres’ und von da auch auf einen ‘Kreis von verantwortlichen Mitarbeitern’ übertragen. Formelhaftes über jmdn. den Stab brechen ‘ein hartes Urteil fällen’ (18. Jh.) entstammt der mittelalterlichen Gerichtsbarkeit, wo bei Todesurteilen der Stab des Richters über dem Haupt des Verurteilten zerbrochen wird. Die alte Bedeutung ‘Rune, Buchstabe’ geht vom senkrechten Hauptstrich (Stab) des Runen- oder Schriftzeichens aus (s. ↗Buchstabe). Stabreim m. ‘gleicher Anlaut mehrerer Wörter oder betonter Silben, Alliteration’ (Mitte 19. Jh.), nach der Verslehre des Isländers Snorri Sturluson (um 1220), in der anord. stafr ‘Buchstabe, Laut’ auch den sich wiederholenden, den alliterierenden Anlaut bezeichnet. Dazu staben Vb. ‘Stabreim aufweisen’ (20. Jh.).

Vorheriges Überblick Nächstes