Netzwerke

Es wird der Begriff des Netzwerks definiert und zwischen anomischen, schwach nomischen und nomischen Netzwerken, in denen es eine Ordnung der Bestimmung gibt unterschieden.

Ein Netzwerk besteht aus Knoten (die Agenten) und Kanten (Verträge, Beziehungen, Faszien). Kanten verbinden jeweils zwei Knoten miteinander.

Netzwerk Nomisches Netzwerk
Links: Netzwerk mit Knoten und Kanten. Rechts: Nomisches Netzwerk bei dem gegenüber dem einfachen Netzwerk die Kanten eine nomische Direktion (Weisungsrichtung) besitzen.

Knoten, Kanten, Direktion und Direktionskonflikte

In einem nomischen Netzwerk besitzen die Kanten als zusätzliche Eigenschaft die (evtl. zeitlich feststehende) Direktion. Die Direktion gibt an, welcher Knoten einer Kante über den jeweils anderen bestimmt.

Direktion Die Weisungsrichtung (Direktion) in einer Beziehung (Relation) ist eine Ordnung der Bestimmung (der Nomie). Die Direktion zeigt an, welcher der beiden Knoten am Ende einer Kante über den jeweils anderen, gegenüberliegenden bestimmt.

Ein Knoten kann mehrere Kanten mit unterschiedlicher Direktion besitzen. Dadurch können sich sehr komplexe Netzwerke bilden, welche unter Umständen immense Spannungen (Direktionskonflikte) aufbauen.

Direktionskonflikt und Spannung Wenn eine Knoten eines nomischen Netzwerks unterschiedlichen Direktionen unterliegt und in den Direktionen ein Widerspruch (eine Kollision einander entgegenstehender Bestimmungen) besteht, ensteht am Knotenpunkt eine Spannung. Die Spannung besteht im Widerspruch der Bestimmungen, ihre Stärke misst sich in der Bedeutung des Gegenstandes der Bestimmung.

Wenn (und nur dann!) sie nicht im Beziehungssystem (dem Beziehungsnetz der Knoten) gehalten werden kann, muss die Energie, welche die Spannung erzeugt, der Widerspruch, um die Spannungen aus dem Beziehungssysfrtem abzuleiten möglichst nach Außen abgeleitet werden.

Menge aller Knoten und Eigenschaften der Kanten

Bisher wurde stillschweigend angenommen, dass die Knoten Menschen oder Menschengruppen sind. Die Menge aller möglichen Knoten kann jedoch auch leicht um Nicht-Menschliches erweitert werden, beispielsweise Lebendiges wie Tiere und Pflanzen, Boden, Grundstücke oder ganze Landschaften, Immobilien, Maschinen, Werkzeuge und natürlich allen möglichen Formen von Geld.

Die Kanten bestehen bei dieser Erweiterung in der Regel in Eigentums- oder Besitzverhältnissen, bei denen die Direktion entlang einer Kante aus den Eigenschaften einer anderen Kante abgeleitet werden. Beispielsweise definieren in den Fällen, in denen das Verhältnis zu einer Sache in Eigentum und Besitz gespalten ist, die Eigentumsverhältnisse (die Kanten, die herrschaftliche Verfügungsrechte an den dazugehörigen Sache sind) darüber, wie in den Besitzverhältnissen die Direktion verläuft. Der Mietvertrag mit dem Eigentümer definiert, wie der Mieter mit der Mietsache umzugehen hat, welche Handlungsweisungen des Mieters gegenüber der Sache also bestehen.

Zu bemerken ist hier insbesondere, dass es innerhalb der Zivilisation (also innerhalb der Wirksphäre des Kapitalismus) „normal“ ist, dass (tote) Sachen auf mehr oder weniger subtile Art direkt oder indirekt Herrschaft über Menschen und ihre Arbeitskraft ausüben. Insgesamt, so wird später gezeigt herrscht das geltende Tote (das Geld) bei positivem Zins über die Schöpfung (den „Naturmechanismus“, wie es Simmel et al. nennen) und verwedndet die Früchte zur seiner Vermehrung.

Andere Beispiele für Ableitungen von Direktionen aus Eigentumsverhältnissen sind Arbeitsverträge, die darüber bestimmen, wie ein Arbeiter mit dem Eigentum des Unternehmers handelt. Die Direktion des Eigentümers wird als Bestimmung über die Handlung des Arbeiters auf das Verhältnis (die Kante) zwischen dem Arbeiter (der eine Knoten) und dem Werkstück, der Maschine, dem Material, usw. (der andere Knoten) übertragen.

Skaleninvarianz

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