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9. November 2019

Demagogen, die Unkraut unter den Weizen säen!

Nach 5 Jahren Forschung an Positivzins- und Negativzins-Ökonomien sind mir Wahres und Falsches vertraut geworden. Es fällt mir mittlerweile relativ leicht, Unwahrheiten und Lügen zu erkennen. In der Kommunikation fallen mir daher Ökonomie-Verschwurbler und Demagogen deutlich auf. Ich zeige hier ein weit verbreitetes schlangenartiges (doppelzüngiges) Kommunikationsmuster auf, das ich immer wieder in der Kommunikation bemerkt habe.

Der Unterschied zwischen radikalen Konstruktivisten und den anderen, zu denen auch ich mich zähle, ist der, dass die radikalen Konstruktivisten die Existenz von absoluter Wahrheit nicht anerkennen. Für die Radikalen ist die Welt jeweils vollständig eine Konstruktion des jeweiligen Gehirns, die aufhört zu existieren, wenn der jeweilige Mensch stirbt. Die anderen Konstruktivsten erkennen die Subjektivität der Gegenstände des Bewusstseins an, verneinen jedoch auch nicht die Existenz einer absoluten und also objektiven Wahrheit. Die einfachen Konstruktivisten harmonisieren die Subjektivität der radikalen mit der Objektivität, indem sie die Auffassung vertreten, dass die objektive Wahrheit perspektivisch verzerrt und daher nur oberflächlich und nicht von allen Standpunkten und Richtungen aus erkennbar ist. Die perspektivische Verzerrung geht auf die Auffassung der Welt und die Filter- und Projektionswirkung des betrachtenden Subjekts zurück.

Über Kommunikation lassen sich diese perspektivischen Verzerrungen reflektieren und die Widersprüche entfernen. Ich würde sagen, dass die Logik katalytisch in der Auflösung der Widersprüche und der Harmonisierung der Auffassungen und Perspektiven wirkt. Entsprechend wirken falsche logische Schlüsse und Lügen benebelnd auf das Erkennen der objektiven Wahrheit.

Die Verzerrung der Wahrheit ist offensichtlich auch Folge von Indoktrination. Politische, juristische, soziologische und wirtschaftswissenschaftliche Bildung führt offenbar dazu, dass die relativ einfache Wahrheit über unsere menschliche Zivilisation in ein komplexes, höchst widersprüchliches, unvollständiges Mosaik irrer Weltanschauungen zerfällt.

Wissen ist wahre, begründete Meinung. In Bezug auf systematisch tradierte Wahrheiten aus den Funktionsbereichen des Gesamtapparats spielen die Träger dieses Wissens, die Experten, in der Bildung der öffentlichen Meinung eine gewichtige Rolle. Menschen orientieren sich an ihnen, glauben ihnen, wenn sie es nicht selbst wissen und ihnen nicht die Mittel an die Hand gegeben werden, eigene Schlüsse ziehen zu können. Wenn die Bauanleitung zu bestimmten Positionen im Vortrag also nicht mitgeliefert wird, kann der Rezipient die Darstellung nicht nachvollziehen und wird zum Glauben verführt, falls die Thematik den Verstehenshorizont des Rezipienten übersteigt. Den Menschen werden Experten vorgesetzt, denen sie glauben sollen. Sie können das aber immer weniger, weil die Realität den Vorhersagen und Projektionen der Experten der Vergangenheit widerspricht. Die Wirkung dieser Diskrepanz von Ist und Soll ist Misstrauen und Unglaube.

Die jeweils gegenseitigen Vorwürfe von 'Dummheit' in Gesprächen und vonseiten von Experten gegenüber Nicht-Experten halte ich für Projektionen von Unwissenheit und Ignoranz. Gebildete Menschen kennen die Perspektive vieler anderer Menschen nicht mehr und liegen mit ihren Einschätzungen der Empfindungen immer öfter völlig daneben.

Aus meiner Erfahrung im Umgang mit wildfremden Menschen auf der Straße finde ich, dass je "ungebildeter" ein Mensch, mit dem ich mich über die Zinsen unterhalten habe, desto klarer und unvoreingenommener die Sicht auf die zentrale Ursache unserer vielfältigen Probleme war. Meiner Erfahrung nach sehen Kinder die Welt noch am klarsten. Je höher der Grad an Bildung einer bestimmten Art, desto verkehrter und irrer werden die Weltanschauungen.

In der Bildung liegt jedoch auch eine Chance. Gelingt es, einem gebildeten Menschen die Lügen und Irrtümer zu offenbaren, hat man jemanden, der die Wahrheit sehr viel wortreicher ausdrücken kann. Ich sehe viele Gerüchte und Verschwörungstheorien über unsere Eliten, wie sie Unvoreingenommene äußern, z.B. die "Eliten plündern das Volk", bestätigt. Vieles entlarvt sich jedoch auch als selbsterschaffene Täuschung und Illusion.

Ich weiß nicht, wie weit es noch nach Pfingsten ist, aber wir sind wohl so nah wie noch nie.

Kommunikationsmuster einiger Demagogen

Man kennt vielleicht die Begriffe low context (LC) und high context (HC) cultures. Mit Angehörigen der LC Kultur kommt man relativ schnell und direkt in das Gespräch um etwas Intimes, während man bei dem HC Kulturen zunächst am äußeren Rand des Kontextes des intimen und privaten Themas anfängt, um sich dann kommunikativ dem Kern der Sache zu nähern. Wenn die Deutschen doch bei den meisten Themen eher zu den LC Kulturen gehören, ist das Thema Geld und Zins nicht selten schambesetzt und beschützt durch einen Kontext starker Emotionen, denn das Geld hat eine große Bedeutung in Bezug auf die materielle Sicherheit. Genau das wissen die „Kinder des Bösen”, die Sämänner des Unkrauts, wie sie im Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen genannt werden und machen sich diesen Abwehr- und Schutzmechanismus zunutze, indem sie die negative Emotionen auf das suggeriert Schlechte, doch in Wahrheit Gute umlenken (sublimieren, umbesetzen).

Bildliche Darstellung des Gleichnisses vom Unkraut unter dem Weizen.

Insbesondere wird mit allen Mitteln und Tricks versucht, die Negativzins-Ökonomie schlecht zu reden. Am einfachsten gelingt dies, wenn man als Demagoge nur von den Negativzinsen auf Guthaben (analog die Seite des Leihgebers von Leihkapital, Vermieter, Grundherr) redet und die negativen Zinsen bei Krediten (die Seite der Leihnehmer von Leihkapital, Mieter, Pächter) verschweigt.

Sie beginnen in der hier aufgezeigten Regel - und daran „erkennt” man auch, dass sie sich auskennen - mit der Aufzählung von subjektiv als wahr empfundenen Aussagen zu den Empfindungen und zum Allgemeinwissen über die Welt rund um das intime, private Thema oder korrekten logischen Folgerungen, um Vertrauen zu schaffen. Dieses Vertrauen dient dazu, Sympathie zu schaffen für den Redner, das abwehrende Misstrauen abzubauen und das Bewusstsein des Zuhörers zu öffnen für die Eingebungen und Suggestionen, die der Redner am Bewusstsein des Zuhörers vornimmt. Diese erste Phase des Gesprächs fängt den Zuhörer ein, zieht ihn in seinen Bann, schafft Bereitschaft dazu, weiter dem Redner zuzuhören. Dieser verführerische Teil des Gesprächs oder der Rede gibt dem Wort Demagogie (griechisch δῆμoς, dēmos, „Volk“, und ἄγειν, agein, „führen“;) seinen Namen, denn das Wort bedeutet Volks(ver)führung!

Je nachdem, was der Redner erreichen will, besteht die anschließende Phase in der emotionalen Aufwiegelung, Aufstachelung oder Verhetzung, also der (Um-) Besetzung von Kognitionen (Gegenständen und Mechanismen des Denkens und der Wahrnehmung) mit emotionaler Bewertung oder in der Einpflanzung einer Lüge und Falschinformation in den Geist des Zuhörers mit dem Ziel, den Zuhörer zu einem Mittel in der Erreichung des Zwecks des Redners (oder seiner Interessengruppe) zu machen. Einer dieser „Psychotricks” besteht darin, den Kausalzusammenhang zwischen einer als negativ empfundenen Kognition und ihrer Ursache in zwei Teile zu zerlegen, diese Teile als „unabhängig” voneinander und also nicht miteinander kausal verbunden darzustellen und wohlmöglich die Ursache positiv zu besetzen. Die Ursache ist ein konsensual betriebenes soziales Prinzip von dem die Gruppe des Redners profitiert, die Gruppe der Zuhörer jedoch nicht oder gar Schaden nimmt.

Ich zeige das hier an zwei Beispielen auf. Im ersten Beispiel besteht die Zerlegung des Verhältnisses von Eigentümern und Besitzern im Verschweigen der Zinszahlung des Mieters an den Vermieter und der Trennung von Machtausübung und Wert. Im zweiten Beispiel wird suggeriert, der Negativzins auf alle Geldmengenaggregate habe mit dem Prinzip der Umlaufsicherung nichts zu tun, und das Bargeldverbot diene nicht dem Zweck, das Abheben, also das Entziehen des Geldes, zu verhindern und damit negative Kreditzinsen zu ermöglichen. Der Redner gibt zu, dass der (positive) Zins das Problem ist, verschweigt aber gleichzeitig, dass dann logischerweise negative Zinsen bei Krediten die Lösung ermöglichen. Der Mechanismus der Umlaufsicherung bleibt unerläutert.

Lügen über das Verhältnis von Eigentum und Besitz

Der folgende YouTube Beitrag ist mutmaßlich irreleitende Falsch- und Fehlinformation, also Demagogie. Wer diesen Leuten folgt, der muss glauben, dass die Lösung ist, dass (fast) alle zu Besitzern werden, statt dass Eigentum gerecht verteilt wird. Nach Propganda des Redners sollen wohlmöglich alle zu Besitzeren werden, sich nicht mehr um die Eigentümer kümmern und also weiter Zinsen an die wenigen Eigentümer, das Monopol, den Monarchen, den Kaiser der Welt zahlen.

Zwei, die Unkraut unter den Weizen säen.

Es werden darin wesentliche Zusammenhänge verschwiegen und unterdrückt. Beide verschweigen das eigentliche Problem, das wir haben. Der Kapitalismus basiert auf der Trennung von Eigentum und Besitz. Der Besitzer zahlt Zins an den Eigentümer. Kapitalismus kann deshalb auch als Handel mit Verfügungsrechten an Sachen definiert werden, bei dem die Preise Zinsen (Geldmarktzinsen, Mietzinsen, Pachtzinsen, Lizenz-, Leih- und Nutzungsgebühren) heißen. Solange der Zins (also der eigentümerseitige Gewinnanteil an der Miete, der Pachtzins, Lizenz-, Leih- und Nutzungsgebühren aller Art) positiv ist, bereichert sich der Eigentümer am Lebensprozess des Besitzers. Kapitalismus ist auch die Sachherrschaft des Kapitals, denn Herrschaft ist das Recht, Forderungen eintreiben zu dürfen. In einem Rechtsstaat dürfen vonseiten der Eigentümer von Leihkapital Zinsforderungen gegenüber den Besitzern durchgesetzt werden (pacta sunt servanda). Genau darin besteht die Herrschaft des Kapitals.

Der Kapitalismus basiert auf der Trennung von Eigentum und Besitz.

Es gibt in dieser Betrachtung zwei Pole: auf der einen Seite ist so ein „Robinson-Crusoe-Zustand”, in dem man alles hat und alles besitzt und in dem man sich selbst versorgen kann. Der andere Pol ist in zwei Gruppen gespalten: es gibt die, die haben aber nicht besitzen und die, die besitzen aber nicht haben. Die kapitalistische Entwicklung verläuft seit über 6.000 Jahren aufgrund des Zinsnehmens immer in die Richtung, dass immer mehr Leute besitzen aber nicht haben und immer weniger haben aber nicht besitzen. So entsteht mit der Zeit als Folge des Zinsnehmens tendenziell immer ein Monopol.

Immer wenn in der Vergangenheit der "Turm" oder das "Haus" (griechisch oikos ist das Haus) fertig war, haben wir es "abgefackelt" und an selber Stelle oder woanders wieder von vorne angefangen. Seit über 6.000 Jahren! Diese Sachen sind eigentlich nicht schwer zu verstehen, werden aber in Schulen nicht unterrichtet, weil es die Herrschaft des Kapitals gefährden könnte.

Das Gegenstück zu dieser Trennung von Eigentum und Besitz ist also die Vereinigung von Eigentum und Besitz, dass also jeder Mensch, wie Robinson Crusoe, sowohl Eigentümer als auch Besitzer der Güter wird, die er zu seiner Subsistenz (Unterhalt) braucht. Dadurch ist er nämlich von niemandem mehr zwingbar.

Demagogen und »Ökonomie-Verschwurbeler« erkennt man in diesem Zeiten am einfachsten daran, dass sie nicht über Zinsen sprechen und auch nicht über das Prinzip einer Negativzins-Ökonomie, die das logische Gegenstück zum Kapitalismus bildet.

Lügen über die Umlaufsicherungsgebühr und die Entstehung von negativen Kreditzinsen an Geldmärkten

Ludwig Gartz schürt Ängste und Misstrauen, stachelt die Leute dazu an, das Geld abzuheben und provoziert also einen Crash.
Der erste Teil des Vortrags (bis 4:07) ist weitgehend korrekt. Der Mann hat aber leider die Preisbildung am Geldmarkt (Eintrag vom 20.03.2019 unten auf der Seite) nicht verstanden und auch nicht, worin genau das Prinzip der Umlaufsicherung besteht. Unterstellt man ihm Demagogie und nicht Unkenntnis, dann will er dieses Unverständnis bei seinen Zuschauern erzeugen. Der Negativzins wird auf alle Geldmengenaggregate erhoben werden. Er wird beim Bargeld, also M0, am höchsten sein, kleiner auf M1 ohne M0, noch kleiner auf M2 ohne M1 usw..

Das Zinsvorzeichen am Geldmarkt legt das Gleichgewicht zwischen der Privatautonomie der Leihgeber und der Leihnehmer fest. Die Wirkung des Negativzinses (= die Umlaufsicherungsgebühr) ist, dass die Leihgeber (= die Gruppe der privaten und institutionellen Anleger) unter einer Art Kontrahierungszwang gegenüber den Leihnehmern (= Gruppe der öffentlichen und private Haushalte und Unternehmen und Betriebe) stehen. Dies wird auch als Finanzrepression bezeichnet. Wenn die Leihgeber das Geld nicht verleihen, dann verlieren sie es. Sie sind so dazu gezwungen, es zu einem Negativzins an Leihnehmer zu verleihen, der möglichst kleiner ist als der Negativzins der Bank.

Dieser Mechanismus ist das Spiegelbild des kapitalistischen Teufelskreises, den Joseph Schumpeter 1912 in Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung erläutert hat. Die Negativzins-Ökonomie bewirkt also ein Überwiegen des Angebots von Geld gegenüber der Nachfrage und also ein Absinken der Kreditzinsen ist Negative, und genau das ist der Sinn des Bargeldverbots und also des Prinzips der Umlaufsicherung.

Querverweise auf 'Demagogen, die Unkraut unter den Weizen säen! '