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15. Januar 2018

Goethe und Schumpeter zu Luther, zur Bestechung von Intellektuellen und zur Unterdrückung der um das Geheimnis des Zinses Wissenden durch die Reichen und Mächtigen

In der Zivilisation gab es schon immer die Intellektuellen, also diejenigen, denen das Verstehen und Erkennen des Mechanismus' des Systems leichter möglich war als z.B. den Bauern, den einfacheren Bürgern, dem Pöbel oder dem Proletariat. Leider waren und sind diese Denker, die dem gemeinen Volk den Verstand von der Lüge des Zinses entwirren können, in der Regel abhängig von einem Gönner. Diese Abhängigkeit verzerrt die Reflektion in der Systemkritik zulasten der systematisch Benachteiligten. Man schlägt ja nicht die Hand seines Ernährers ab. Zudem war Systemkritik gefährlich, denn man legte sich mit den geistlichen und weltlichen Eliten an.

Manche schafften es dennoch, auf hochintelligente Weise Systemkritk zu üben und den Menschen das Wichtigste über das System und seine Herrschaftsmittel zu verraten. Goethe schreibt in Faust II:

MEPHISTOPHELES:

Wo fehlt's nicht irgendwo auf dieser Welt?
Dem dies, dem das, hier aber fehlt das Geld.
Vom Estrich zwar ist es nicht aufzuraffen;
Doch Weisheit weiß das Tiefste herzuschaffen.
In Bergesadern, Mauergründen
Ist Gold gemünzt und ungemünzt zu finden,
Und fragt ihr mich, wer es zutage schafft:
Begabten Manns Natur--und Geisteskraft.

KANZLER:

Natur und Geist--so spricht man nicht zu Christen.
Deshalb verbrennt man Atheisten,
Weil solche Reden höchst gefährlich sind.
Natur ist Sünde, Geist ist Teufel,
Sie hegen zwischen sich den Zweifel,
Ihr mißgestaltet Zwitterkind.
Uns nicht so!--Kaisers alten Landen
Sind zwei Geschlechter nur entstanden,
Sie stützen würdig seinen Thron:
Die Heiligen sind es und die Ritter;
Sie stehen jedem Ungewitter
Und nehmen Kirch' und Staat zum Lohn.
Dem Pöbelsinn verworrner Geister
Entwickelt sich ein Widerstand:
Die Ketzer sind's! die Hexenmeister!
Und sie verderben Stadt und Land.
Die willst du nun mit frechen Scherzen
In diese hohen Kreise schwärzen;
Ihr hegt euch an verderbtem Herzen,
Dem Narren sind sie nah verwandt.

MEPHISTOPHELES:

Daran erkenn' ich den gelehrten Herrn!
Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern,
Was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar,
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr,
Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht,
Was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht.

KAISER:

Dadurch sind unsre Mängel nicht erledigt,
Was willst du jetzt mit deiner Fastenpredigt?
Ich habe satt das ewige Wie und Wenn;
Es fehlt an Geld, nun gut, so schaff es denn.

MEPHISTOPHELES:

Ich schaffe, was ihr wollt, und schaffe mehr;
Zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer;
Es liegt schon da, doch um es zu erlangen,
Das ist die Kunst, wer weiß es anzufangen?
Bedenkt doch nur: in jenen Schreckensläuften,
Wo Menschenfluten Land und Volk ersäuften,
Wie der und der, so sehr es ihn erschreckte,
Sein Liebstes da--und dortwohin versteckte.
So war's von je in mächtiger Römer Zeit,
Und so fortan, bis gestern, ja bis heut.
Das alles liegt im Boden still begraben,
Der Boden ist des Kaisers, der soll's haben.

Joseph Schumpeter zählt in Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie zu den Intellektuellen all diejenigen, die zwar wortgewandt das ausdrücken, was die Ausgebeuteten nur fühlen können, die also Muße haben, denen es aber andererseits an Verantwortlichkeit für praktische Dinge fehlt, wie er schreibt, so z.B. geistliche Gelehrte, Mönche, Sophisten, Philosophen, Rhetoren und Philologen. Heutzutage sind diese Intellektuellen Journalisten mit soziologischer, ökonomischer, volkswirtschaftlicher oder politik-wissenschaftlicher Ausbildung oder (arbeitslose) Akademiker, und der Satz zu den Ursachen ihres Schweigens lautet eher, dass, wer im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen schmeißen sollte. In Kapitel 13, „Wachsende Feindseligkeit“, „Die Soziologie der Intellektuellen“, Seite 238 ff. schreibt er:

Doch wenn das Kloster den Intellektuellen der mittelalterlichen Welt hervorgebracht hat, ist es der Kapitalismus gewesen, der ihn befreit und ihn mit der Druckerpresse beschenkt hat. Die langsame Entwicklung des Laien-Intellektuellen war bloß ein anderer Aspekt dieses Prozesses; die Gleichzeitigkeit der Entstehung des Humanismus und der Entstehung des Kapitalismus ist sehr auffallend. Die Humanisten waren in erster Linie Philologen, griffen aber bald auf das Gebiet der Sitten, der Politik, der Religion und der Philosophie über, - ein ausgezeichnetes Beispiel für einen der oberen erwähnten Punkte. Veranlasst wurde dies nicht nur durch den Inhalt der klassischen Schriften, die sie zusammen mit ihrer Grammatik interpretierten, - vielmehr ist der Weg von der Textkritik zur Gesellschaftskritik kürzer, als es den Anschein hat. Nichtsdestoweniger konnte der typische Intellektuelle an der Idee des Scheiterhaufens, der immer noch den Ketzer erwartete, keinen Geschmack finden. In der Regel passten ihm Ehren und Wohlleben bedeutet besser. Und diese waren letzten Endes nur von den weltlichen oder geistlichen Fürsten zu erhalten, ob schon die Humanisten die ersten Intellektuellen waren, die ein Publikum im modernen Sinn hatten. Die kritische Einstellung wurde täglich stärker. Aber die soziale Kritik - über das hinaus, was gewisse Angriffe auf die katholische Kirche und im Besonderen auf ihre Spitze enthielt - blühte nicht unter solchen Bedingungen.

Ehren und Vorteile können indessen auf mehr als einem Wege erworben werden. Schmeichelei und Unterwürfigkeit sind oft weniger einträglich als ihr Gegenteil. Diese Entdeckung ist nicht erst von Aretino gemacht worden; aber kein Sterblicher hat ihn je in ihrer Auswertung übertroffen. Karl V. war ein liebevoller Gatte; aber während seinen Feldzügen, die in jeweilen monatelang von zu Hause fern hielten, führte er das Leben eines Edelmannes seiner Zeit und Klasse. Nun brauchte ja das Publikum - und, was Karl besonders wichtig war, die Kaiserin - davon nichts zu wissen, vorausgesetzt, dass Argumente der richtigen Art und des richtigen Gewichts dem großen Kritiker von Politik und Moral gebührend ausgehändigt wurden. Karl bezahlte. Wichtig daran ist jedoch, dass dies nicht einfach eine Erpressung war, die im Allgemeinen nur der einen Seite zugute kommt und der anderen ohne Entschädigung einen Verlust zufügt. Karl wusste, warum er bezahlte, obwohl es ohne Zweifel möglich gewesen wäre, das Stillschweigen mit billigeren, wenn auch drastischeren Methoden zu sichern. Er zeigte keinen Groll. Im Gegenteil, er wich sogar von seiner üblichen Art ab, um den Mann zu ehren. Offenbar wünschte er mehr als Stillschweigen, und tatsächlich hat er für seine Gaben den vollen Gegenwert erhalten.
Schumpeter verweist hier unter anderem auch auf Erasmus von Rotterdam (E.v.R.), dessen Bibel-Übersetzung Luther zugrunde lag. Max Weber untersucht in seiner Soziologie der Religionen (z.B. Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus) die Menschenlehre der Humanisten. Auch Norbert Elias beschäftigt sich in Über den Prozeß der Zivilisation mit E.v.R. und seinen Manierenbüchern auf der Frage danach, wie im Verlauf des kapitalistischen Prozesses das Über-Ich geformt wurde. Weltanschauung ist ein wichtiger Teil des Über-Ichs, und Weltanschauung ist das wesentliche Produkt von in den Medien (die Weiterentwicklung der Druckerpresse) tätigen Intellektuellen. Leider wird bis heute die „linke Hälfte der Ökonomie“ in den Medien systematisch verschwiegen!
Medial abgedeckt ist lediglich die rechte Hälfte der Ökonomie, positive Zinsen, Kapitalismus. Die Menschen werden systematisch rechts und „blöd“ gehalten.

Schon seit langem also werden die Wissenden des Geheimnisses des Zinses von den Profiteuren unterdrückt oder bestochen. Man könnte hier spekulieren, dass z.B. Luther die entscheidende Bibelstelle Lukas 6:35 u. U. deswegen falsch übersetzte, weil er es sich mit seinem Retter und Schutzpatron, dem Kurfürsten von Sachsen, nicht verscherzen wollte. In der Luther-Übersetzung der Bibel heißt es in Lukas 6:

  1. Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen;
  2. segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.
  3. Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht.
  4. Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück.
  5. Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!
  6. Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder lieben ihre Freunde.
  7. Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon? Denn die Sünder tun dasselbe auch.
  8. Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft, welchen Dank habt ihr davon? Auch die Sünder leihen den Sündern, damit sie das Gleiche bekommen.
  9. Vielmehr liebt eure Feinde; tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft. So wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
während Hermann August Menge die Stelle wie folgt übersetzt:
  1. »Euch aber, meinen Hörern, sage ich: Liebet eure Feinde, tut denen Gutes, die euch hassen,
  2. segnet die, welche euch fluchen, betet für die, welche euch anfeinden (oder: kränken)!
  3. Wer dich auf die Wange schlägt, dem halte auch die andere hin, und wer dir den Mantel wegnimmt, dem verweigere auch den Rock nicht!
  4. Jedem, der dich (um etwas) bittet, dem gib, und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück!
  5. Und wie ihr von den Leuten behandelt werden wollt, ebenso behandelt auch ihr sie!
  6. Denn wenn ihr (nur) die liebt, die euch lieben: welchen (Anspruch auf) Dank habt ihr dann? Auch die Sünder lieben ja die, welche ihnen Liebe erweisen.
  7. Und wenn ihr (nur) denen Gutes erweist, die euch Gutes tun: welchen (Anspruch auf) Dank habt ihr dann? Auch die Sünder tun dasselbe.
  8. Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr (das Geliehene) zurückzuerhalten hofft: welchen (Anspruch auf) Dank habt ihr dann? Auch die Sünder leihen den Sündern, um ebensoviel zurückzuerhalten.
  9. Nein, liebet eure Feinde, tut Gutes und leihet aus, ohne etwas zurückzuerwarten! Dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig (auch) gegen die Undankbaren und Bösen.
Man erkennt recht deutlich, dass nach Luther denjenigen geliehen werden soll, von denen man nichts dafür zu bekommen erhofft. Er schreibt jedoch nicht, dass man keine Zinsen nehmen soll, sondern sie nur nicht erhoffen soll. In der Übersetzung Menges wird deutlich, dass der Sinn jedoch ein völlig anderer war, nämlich mit einem negativen Zins von bis zu -100% zu leihen, was dem Schenken entspricht! Der richtige Sinn ergibt sich aus einer Betrachtung des Kontexts um Lukas 6:35 und durch das geordnete Nachdenken über die Wirkung von positiven und negativen Zinsen.

Auch die katholische Kirche war Jahrhunderte lang mit von der Lügenpartie. Sie hegen zwischen sich den Zweifel, Ihr mißgestaltet Zwitterkind. schreibt Goethe (siehe Zitat oben). In der Vulgata steht:

  1. verumtamen diligite inimicos vestros et benefacite et mutuum date nihil desperantes et erit merces vestra multa et eritis filii Altissimi quia ipse benignus est super ingratos et malos
Lateinisch desperantes heißt bezweifelnd, gemeint ist jedoch esperantes, was erwartend bedeutet! Luther korrigierte diesen Fehler von E.v.R., formte den Satz jedoch zu einer neuen Lüge.

Heute läuft die Systemkritik über die alternativen Medien, und längst sind die Menschen nicht mehr so hörig wie zu Zeiten Goethes. Dies hat zwei Gründe. Zum einen ist es heute technisch ohne Weiteres möglich, negative Zinsen durchzusetzen (Bargeldverbot, Bargeld elektronisch abzinsbar machen) und zum anderen sind die Ausbreitungswege für Informationen ganz andere als damals. Eine Information, die im Netz ist, kann dort nicht mehr so schnell zensiert oder gelöscht werden. Man kann die Apokalypse (griechisch für Enthüllung, Entschleierung) also nicht mehr verhindern oder aufhalten.

Franz Hörmann an der TU Wien 2011.

Dennoch werden Geldsystem-Aktivisten schikaniert, wo es nur geht, was auch ich am eigenen Leib erfahren habe.

Franz Hörmann zu seiner Suspendierung.

Schließlich muss in diesen Zeiten mit aller dazu nötigen Deutlichkeit erwähnt werden, dass es auch Intellektuelle gibt, deren einzige, natürlich gut bezahlte, Aufgabe es ist, möglichst viel Verwirrung um die Funktionsweise des Kapitalismus zu stiften, damit die Menschen nicht gegen ihre Ausbeutung aufbegehren. Diese Menschen streuen absichtlich Lügen und falsche Informationen, verdrehen Kausalitäten und Sachzusammenhänge, wie schon vor 2000 Jahren (Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen). Viele dieser Zins-Demagogen sind sogar in linken Parteien oder Strömungen zu finden (S. Wagenknecht, U. Herrmann, J. Ditfurth, usw...)! Identifizieren kann man sie erst dann, wenn man selbst verstanden hat, wie das auf positiven Zinsen basierende Geldsystem, also der Kapitalismus, funktioniert (hat).







Von oben S. Wagenknecht, U. Herrmann, Thorsten Schulte a.k.a. Silberjunge, Alice Weidel.

Unter diesen Armseligen sind die Atavisten, die „Hazardeure des Kapitalismus“, die „Altpartei für Deutschland“, die AfD, die Ehrlichsten, doch gleichzeitig sind sie die krassesten Lügner. Sie machen keinen Hehl aus ihrer beabsichtigten Fortsetzung der Menschen-, Tier- und Naturschinderei und deklarieren dies sogar in ihrem Parteilogo. Den Leuten erzählen sie natürlich genau das Gegenteil. Wenn die Mehrheit der Menschen ersteinmal kapiert hat, wofür die AfD steht, dann will ich nicht in deren Haut stecken, auweia!

Das Parteilogo der AfD steht für steigende Zinsen.

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