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31. März 2017

Fritz Riemann über den zwanghaften Umgang mit der Sexualität und eine verfehlte und pathologische Moral-Lehre

Die christliche Kirche beider Konfessionen hat durch die Verdammung der Sexualität und durch die Schuldgefühle, die sie damit erweckte - und leider auch heute noch manchmal erweckt - manche ecclesiogene Neurose verschuldet. Ihre Leibfeindlichkeit hat in vielen jungen Menschen vermeidbare Ängste und Schuldgefühle gesetzt, vor allem in der Pubertät. Anstatt, wie es bei den sogenannten Primitiven in ihren Initiationsriten der Fall ist, die Jugendlichen in diese so wichtige Entwicklungsphase zu führen, etwa im Schulunterricht oder in Gruppenabenden und Themen gerichteten Gruppengesprächen, in denen sie ihre Fragen äußern können, gab es lange Zeit nur einen Konfirmandenunterricht, der überwiegend daraus bestand, Gesangsbuch-Verse und den Katechismus auswendig zu lernen und die peinlichen Fragen tunlichst zu vermeiden. Darin ist glücklicherweise manches anders geworden, und die Jugend hat sich vieles von dem selbst genommen, was ihr vorenthalten wurde. Wer einige Jahrzehnte psychotherapeutisch tätig gewesen ist, weiß, welche verheerenden Folgen die religiös fundierten Leibfeindlichkeit gehabt hat, meist beginnend mit dem Kampf gegen die Onanie, die von schrecklichen körperlichen und seelischen Schädigungen gefolgt sein sollte, daher schwerste Ängste und Schuldgefühle setzte und nicht selten bei Jugendlichen im Selbstmord endete, wenn der vergeblichen Kampf gegen die Sünde nicht durchzuführen war.

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