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12. September 2018

Grüne Gründer gesucht: Wie man schnell und einfach aus der Kohle aussteigt! Wer hat Mut und traut sich das zu?

In ein paar Millionen Jahren wird man die Erdschichten, die dann unserer Zeit zugeordnet werden, als das „Kapitalozän“ (Lesch) bezeichnen können, das Zeitalter der Herrschaft des Kapitals, des geltenden Toten oder auch das „anthroponomische Zeitalter“, das Zeitalter der Herrschaft der Menschen (mit Kapital). Der Vater aller Probleme: der HERR a.b.a. Kapitalismus. Dass sie den Hambacher Forst abholzen wollen, ist ein Verbrechen gegen die Umwelt, dessen Größe durch zwei Beträge messbar ist: zum Einen fehlt der Wald bei der Einspeicherung von CO2 in Holz, und zum Anderen wird neues CO2 in die Atmosphäre geblasen, das aus der Verbrennung der Braunkohle entsteht, die unter dem Hambacher Forst liegt.

Das hier verlinkte Video zeigt Harald Lesch bei der Erörterung der Frage „Warum tun wir nicht was wir sollten?“. Die Folien zum Vortrag sind hier (1) und hier (2).

Ein bisschen grün sind wir alle, denn uns dämmert nach diesem Sommer, dass der Klimawandel sich wahrscheinlich noch zu unseren Lebzeiten auf eine drastische Weise konkretisieren wird: uns droht eine Heißzeit!

Spiel am Abgrund.

Das grüne Herz blutet ob der Idiotie, die natürlichen CO2-Speicher im Hambacher Forst, die dort über hunderte Jahre gewachsenen Bäume, zum Zweck der Neugewinnung von neuer fossiler, nicht nachhaltiger Energieträger, der Braunkohle, abzuholzen und mit dieser krassen Skrupellosigkeit perfekt dem kategorischen Imperativ in dieser Frage entgegengesetzt zu handeln: Mann will CO2-Speicher, die die Temperatur auf der Erde senken könnten, abholzen und stattdessen noch mehr CO2 in die Atmosphäre blasen - vollkommen hirnrissig also.

Die meisten Aktivisten planen mit Sicherheit schon für die nächste Auseinandersetzung mit den Ordnungsbehörden vor und sehen sich einem Konflikt mit der Ordnungsmacht gegenüber. Ich will hier eine Alternative vorstellen, die nicht weniger Mut, doch mit Sicherheit weniger Körpereinsatzes und Verletzungsrisikos bedarf. Man muss eben ein bisschen das Köpfchen benutzen.

Geldpolitische Rahmenbedingungen für einen Wandel in Richtung nachhaltigen Wirtschaftens

Was haben wir für geldpolitische Rahmenbedingungen, wenn man über die Gründung von grünen Unternehmungen nachdenkt, die zum Ziel haben, die Kohlewirtschaft mit erreichbaren ökonomischen und wirtschaftlichen Mitteln zu beseitigen?

Dazu stellen wir fest, dass die Einlagezinsen für große Geldvermögen seit 2012 im negativen Bereich liegen, und daraus erwachsen den Geldvermögenden „Nöte“, denn sie wollen ja keine Zinsen zahlen, müssen es aber, wenn das Geld einfach nur „rumliegt“. Die davon betroffenen institutionellen Anleger sind Lebensversicherungen, Pensions und Betriebsrentenfonds, Verwalter von Vermögen zur privaten Vorsorge und natürlich die einfachen Sparer, kurz: alle möglichen Personen und Gruppen, die Geld rumliegen haben und nicht wissen, wohin sie es investieren können. Für die Eigentümer oder Verwalter dieser Geldvermögen drückt der Schu(h), denn wenn sie es nicht investieren, dann werden sie es verlieren und dies mit einer jährlichen Rate von momentan 0,4% Negativzins. Da sucht also Kapital dringend nach Anlagemöglichkeiten.

Der negative Einlagezins bei der EZB liegt mittlerweile bei -0,4%.

Der grüne Strohhalm

Hier kommen nun die „Retter“, die grünen Gründer, ins Spiel.

Wir wissen, die Energieversorgung der Zukunft ist regenerativ, nachhaltig und vor allen Dingen dezentral. Wir wissen auch, dass wir die Energieeffizienz steigern müssen und werden, indem wir die Häuser besser gegen Wärmeverlust isolieren. Wir brauchen in den Häusern Wärmetauscher, die die Abwärme von elektrischen Geräten im Haushalt und von den Prozessen im Haus wieder der Zentralheizung zuführt. Auf dem Dach braucht es Solarthermieanlagen und natürlich Sonnenstromerzeuger, wie wäre es mit Windkraft im Garten? Die Häuser werden energieautark, dann braucht man auch keine hässlichen Überlandleitungen mehr, die die Landschaft verschandeln oder Erdkabel, die die Ökosysteme der Böden durcheinander bringen.

Die Zeit drängt, denn je länger wir die Energiewende hinauszögern, desto schneller und abrupter müssen wir dann in wenigen Jahren handeln.

Grafik: Vollbremsung fürs Klima von Harald Lesch aus dem Vortrag oben.

Projekt und Bilanz in spe

Grüne Gründer könnten sich mit zwei Gruppen vernetzen und eine Win-Win-Win-Wandlung verursachen.

Die erste Gruppe ist die der Kapitalanleger in Nöten, die froh darüber wäre, Investitionsmöglichkeiten zu haben, bei denen sie nicht so viele Zinsen verlieren.

Die zweite Gruppe ist die der Hauseigentümer, der Vermieter und Immobilienverwalter, die im Allgemeinen zu der Gruppe mit den „Nöten” gehört, denn auch ihre akkumulierten Gewinne leiden unter Zinsverlusten.

Grüne Gründer könnten also für beide Gruppen als Dienstleister antreten: für die Hauseigentümer dienen sie als Modernisierer und für die Kapitalanleger als Investoren. Wir haben dann drei Gewinner:

  1. Hauseigentümer müssen nicht mehr fürchten, steuerlich dafür belangt zu werden, dass ihre Häuser nicht-nachhaltig Energie verbrauchen.
  2. Kapitalanleger, zu denen auch Rückversicherungsunternehmen gehören, verlieren weniger Zins, als ließen sie das Geld einfach rumliegen.
  3. Die Umwelt profitiert davon, dass innerhalb der Zivilisation endlich Vernunft einkehrt: die Kohlewirtschaft verschwindet.

Damit das Ganze nicht zu Lasten der in der Kohlewirtschaft Beschäftigten ausfällt, sollten gerade solche Menschen in diesen Wandlungsprozess durch ihre Arbeit einbezogen werden. Die Mieter werden auch nicht belastet, denn wenn der Kreditzins negativ ist, dann fließt der Zins in das Haus hinein. So geht ökologisch und sozial Hand in Hand.

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