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16. Juni 2018

Buchtitel

So in der Art wird das Titelbild aussehen.

Zwei wesentliche, banale Umkehrungen

Das zentrale Element einer jeden Volkswirtschaft ist der Markt. Ein Markt ist eine spezielle Austauschbeziehung, in der das eine gehandelte Gut Geld ist. Das andere Gut ist (1.) ein eigentümliches Gut, das durch den Handel den Eigentümer wechselt, (2.) ein Besitzgut, wobei der Handel im Verkauf/Kauf von Verfügungsrechten an der Leihsache, für gewöhnlich die Nutzung, gegen Zins (Geldnutzung/Kredit, Landnutzung/Pacht, Wohnungsnutzung/Miete, Nutzung von Wissen/Lizenzgebühr, usw..) besteht oder (3.) der Handel mit Arbeitskraft.

Zu den wesentlichen Veränderungen, die ein Zinsvorzeichenwechsel bewirkt, gehört die Umkehrung der Rollen von Anbieter und Nachfrager bei den mit 2. und 3. bezeichneten Gütern Besitz und Arbeit.

Geldmarkt (2.)

Am deutlichsten und primär tritt dies beim Handel von Besitz von Geld (Kredit, Anleihe, usw..) ein: sind die Zinsen negativ, dann wird der Leihgeber zum Nachfrager von zeitweiliger Besitzübernahme durch den Leihnehmer. Der Leihgeber sucht Leihnehmer, die das Besitzgut (in diesem Fall Geld) zu besseren Konditionen aufbewahren, als z.B. die Bank, bei der er ist und die negative Zinsen auf das Girokonto und auf das Sparkonto verlangt.

Die Folge dieser Umkehrung ist ein umgekehrtes Vorzeichen der Preisentwicklung an den Geldmärkten: steigt der negative Einlage/Sparzins, wird er also negativer, dann sinken in der Folge die Kreditzinsen, die Kreditzinsen werden negativer, der Kredit-Negativzins steigt, weil die Nachfrage nach Aufbewahrung von Geld in Fremdbesitz steigt. Der Eigentümer von Eis sucht für sein Eis Kühlung, in der Bank ist es zu warm, weswegen er sich Orte sucht, an denen es nicht so schnell schmilzt. Die Leihgeber suchen sich Leihnehmer, die weniger Zins nehmen als die Bank.

Die „Bank“ ist im Fall materiellen Leihkapitals die Umwelt mit ihren Bedingungen (Witterung, Zerfallserscheinungen, ..., aber auch Steuern, Versicherungsgebühren, ...), der das materielle Kapital ausgesetzt ist. Der Negativzins der Umwelt (der Natur, im Vergleich zum Negativzins der Bank) ist in der Rate der natürlichen Abschreibungen dargestellt. Die Einheit des Zinses ist die einer Frequenz, also der Kehrwert der Zeit. Die Höhe der Miete kompensiert i.d.R. im Kapitalismus nicht nur die Höhe der Abschreibungen, sondern enthält einen die Abschreibungen und sonstige Kosten überkompensierenden (Miet-) Zins. Dieser Zins sinkt, wenn die Geldmarktzinsen negativer werden, weil es weniger Leute gibt, die Mietraum nachfragen und umgekehrt mehr Leute, die Mietraum anbieten.

Steht der Zins-Anteil der Mieten an der 0%-Grenze, dann verschwindet der Unterschied zwischen Gemeineigentum und Privateigentum an der Sache. Aus Sicht des Eigentümers der Mietsache wird es dann rational, das eigentümliche Gut an den Besitzer zu verkaufen.

Ein Win-Win-Win Vorschlag

Was viele Leute nicht begreifen, ist die gegenwärtige, reale Situation auf dem Geldmarkt: Geldvermögende mit Vermögen von 10.000€ aufwärts müssen bereits jetzt negative Zinsen auf ihre Guthaben zahlen, denn das angelegte Geld liegt soz. „direkt“ bei der EZB, und die verlangt dafür eine Einlagefazilität von 0.4%. Das Gros der Kunden von Geschäftsbanken hat jedoch nicht so viel Geld auf der hohen Kante liegen, will gerne in ein Eigenheim ziehen oder sich selbstständig machen. (Ich sehe hier mal von dem Vorziehen unvernünftigen Konsums ab.)

Was hindert also den mündigen Bürger, ein Geschäftsmodell und/oder einen Tilgungsplan für einen Negativzinskredit auszuarbeiten, zu seiner Hausbank zu gehen und die Aufbewahrung von Geld reicher Geldvermögender anzubieten mit einem Kreditzins von -0.4% bis 0%? Das Ergebnis ist eine Win-Win-Win Situation: der reiche Geldvermögende zahlt dann über so einen Negativzinskredit an den Kreditnehmer weniger Zins als an die Bank. Die Bank gewinnt dabei auch: sie muss weniger Geld an die EZB zahlen, denn das Geld wird nicht mehr bei ihr angelegt, sondern bei einem Kreditnehmer. Schließlich bekommt der Kreditnehmer Zins dafür, dass er das Geld anderer Leute aufbewahrt.

Arbeitsmarkt (3.)

Menschen, die sich aufgrund des günstigen (Fremdkapital-) Finanzierungsumfelds selbstständig machen, gehen dem sog. primären Arbeitsmarkt verloren. Das Angebot von Arbeitskraft lässt also nach, der Preis der Arbeit, der Lohn, steigt. Umgekehrt steigt die Nachfrage nach Arbeitskraft seitens der Käufer von Arbeit, weil die etablierten Unternehmungen ein günstiges Absatzumfeld vorfinden: die Sparzinsen sind negativ, wer wird das Geld nicht gegen das Reale eintauschen, wenn das Reale weniger Abschreibungen hat, das schmelzende, verrottende Geld sondern sogar realen Nutzen?

Wichtig bei der Preisbildung auf dem Arbeitsmarkt ist dann natürlich die Frage, ob der Staat, bei dem Arbeitslose sich für gewöhnlich melden, damit sie nicht auf der Straße landen, weil sie ihre Mieten nicht mehr bezahlen können, die Arbeitskraft „im Angebot hält“, indem er die Menschen im Bezug von Arbeitslosengeld mit Nachdruck (psychomanipulativer Druck, einen neuen Arbeitsvertrag zu unterschreiben) aus dem Bezug von Arbeitslosengeld auf den primären Arbeitsmarkt herauszubringen versucht.

Sanktionsfreiheit - bGE - German Angst!

Ab dem Moment, von dem an für den Bürger im Bezug von Arbeitslosengeld effektiv (jenseits von psychischen Manipulationen, praktisch Sanktionsfreiheit) Artikel 12 des Grundgesetzes gilt, werden die Löhne weiter steigen. Zur Vergewisserung:

Art. 12
  1. Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Die Berufsausübung kann durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes geregelt werden.
  2. Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht.
  3. Zwangsarbeit ist nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung zulässig.

Das ist auch ein kein „linkes Gedankengut“ sondern das deutsche Grundgesetz, also rechtens! Der größte Feind der Kreativität ist die Angst. Mit der Sanktionsfreiheit und steigenden Negativzinsen wird das Phänomen der „German Angst“ verschwinden - ganz sicher!

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