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10. September 2018

Ein Lehrstück der „Ökonomie-Verschwurbelung“ der AfD, und wie man die systematische Gehirnwäsche entlarvt

Dass die AfD (die „Apologeten der Finsternis“), die Partei der Sparer und Kapitalanleger, der „Sozialschmarotzer” und „Geldzecken” ist, muss eigentlich niemandem gesagt werden, der mit etwas Abstand das Parteilogo betrachtet. Die Ideologen der Partei machen daraus keinen Hehl, und folglich ist die AfD auch diejenige Partei, die sich am heftigsten gegen die flächendeckende Einführung negativer Zinsen wehrt. Ihre Argumente in diesem schmutzigen Kampf mit Worten sind in der Regel - wie auch in folgendem Beispiel gezeigt - auf einer perfiden Mischung aus ideologischen Dogmen, Halbwahrheiten, Unwahrheiten und Lügen aufgebaut, die insgesamt einen demagogischen Charakter des jeweiligen Vortrags bewirken: Den Exponierten wird Angst gemacht, und sie werden mit den Lügen und Paradoxien systematisch in die Irre getrieben.

Das Parteilogo der AfD steht für wieder steigende Zinsen.
Auf welche Weise die Demagogie greifen soll, versuche ich hier einmal herauszustellen und bediene mich dazu der Antwort der Freunde der AfD Kreis Heinsberg. Ich hoffe, dass es den Wachen ermöglicht, den Lügenmäulern der AfD das selbige zu stopfen.

Auf das Video von Frau Weidel, in dem sie über die Negativzinsen jammert, kommentierte ich:

„Vielleicht gibt das dem einen oder anderen einmal Anlass, sich zu fragen, ob er in einer Reichenpartei wie der AfD richtig aufgehoben ist...”

Darauf haben die Freunde der AfD Kreis Heinsberg dieses geantwortet:

„Tim Deutschmann, was willst du uns denn damit sagen? Zinsen sind der Wert des Geldes. Ist es schädlich wenn Sparer auf Ihre Einlagen Zinsen bekommen? Ist jemand gezwungen Verbraucherkredite aufzunehmen? Ist der Staat gezwungen Geld gegen Zinsen zu leihen? Ist es nicht eher so, dass Staatsführer nicht mit Geld umgehen können? Kann man es dem Geldverleiher verübeln, dass er am Verleih etwas verdienen will? Das Problem sind nicht die Zinsen an sich, das Problem ist das hemmungsloses Schulden machen. Aber was Weidel hier anspricht ist doch die Geldvernichtung durch null Zins bei gleichzeitiger Inflation. Die Bargeldobergrenze, die Aufhebung des Bankgeheimnis, der Strafzins auf Guthaben. Natürlich kümmert das alles einen typischen Linken nicht. Der hat ja nichts und lebt vom Staat, vom Arbeiter den er ja angeblich vor den bösen Kapitalisten schützen will. Wir wollen den Arbeitgebner vor Kapitalismus und Sozialschmarotzer schützen.”
Ich zerlege das hier einmal in alle Bestandteile und zeige die Lügen und die Gehirnwäsche auf.

Analyse

1. „Zinsen sind der Wert des Geldes.”
Das ist der Klassiker schlechthin, eine Darstellung des ideologischen Kerns des Kapitalismus'. Wenn man über fremdes Geld verfügen will, dann kauft man die Verfügungsrechte an diesem fremden Geld für den Zins.

Dies gilt analog für alles andere Leihkapital, wobei allerdings zu beachten ist, dass bei anderen Leihkapitalgebühren (Mieten, Pachten, Lizenzgebühren, usw. ) nicht die gesamte Gebühr Zins ist, sondern nur ein Teil. Der Mietzins beispielsweise ist der Anteil der Kaltmiete, der nach vermieterseitigen Wartungs- und Sanierungsaufwendungen übrig bleibt.

Der Satz stimmt also zur Hälfte. Die fehlende Hälfte lautet: der Zins ist ein negativer Preis für Arbeit, denn der Kreditnehmer gibt seine Arbeit hin und gibt den Zins, um den Kreditzins abzubezahlen. An einem Markt gibt man jedoch etwas und nimmt etwas anderes dafür. Ein positiver Preis für die Arbeit des Kreditnehmers ergibt sich bei negativem Zins: der Sparer gibt Zins und dafür gibt der Kreditnehmer seine Arbeit bzw. die Erzeugnisse der Arbeit.

Bei positivem Zins jedoch nimmt der Sparer den Zins, und er profitiert auch noch von der Arbeit des Kreditnehmers, denn die künftigen Konsummöglichkeiten der Sparer erwachsen aus der Produktivität der Realwirtschaft. Der Sparer nimmt also Zins und er nimmt auch die Arbeit. Also ist der positive Zins ein negativer Preis für Arbeit.

Fakt ist auch, dass der Leihnehmer der Sache, derjenige der borgen muss, der also nicht Eigentümer der Leihsache ist, sondern nur der Besitzer, der Kreditnehmer, Mieter, Pächter oder Lizenznehmer, usw. ... gegenüber dem Leihgeber der Sache, dem Kreditgeber, Sparer, Vermieter, Grundherr, Pateninhaber, usw. der relativ Unvermögendere, Ärmere ist und dass der Leihkapitalzins diese Vermögensungleichheit verschärft. Daher bildet der Zins den Umverteilungskern des Kapitalismus.

Details habe ich hier aufgeschrieben, dort findet man auch eine Simulation, an der man wunderbar „virtuell“ die Umverteilungswirkung und Zuspitzung der Ungleichheit beobachten kann. Es gibt da auch einen Knopf “Zinsvorzeichen-Flip” mit dem man die Spielregel „Der Zins ist positiv.” auf den Kopf stellen kann.


2. „Ist es schädlich wenn Sparer auf Ihre Einlagen Zinsen bekommen?”
Dass man es hier mit der wahrscheinlich komplexesten und umstrittensten Frage der Zivilisation zu tun hat, wird bei den meisten unter den Tisch gefallen sein, das sollte schon einmal vorweg gesagt werden.

Weiter ist zu sagen, dass egal, ob man auf diese Frage mit 'ja' oder 'nein' antwortet, man mit dieser binären Reduktion (binär: 'ja' oder 'nein', schwarz oder weiß, 0 oder 1, entweder-oder), dieser zweiwertigen Verkürzung (wörtl. Rückführung), auf jeden Fall etwas falsch aber eben auch etwas richtig macht, man muss nämlich differenzieren.

Der Kontext der Frage ist ein absoluter. Man muss daher zunächst differenzieren, ob es für alle Sparer und dann für alle Kreditnehmer schädlich ist, und dann muss man noch fragen, ob es sowohl bei den Sparern als auch bei den Kreditnehmern hinsichtlich der Schädlichkeit Unterschiede gibt.

a) Ist es für Sparer schädlich?

Die Gruppe aller Sparer zerfällt in Abhängigkeit ihres jeweiligen Sparvermögens in zwei Gruppen, die Marx als die zwei Klassen Bourgeosie und Proletariat bezeichnete. Alle Eigentümer von Sparvermögen oberhalb einer mathematisch nicht ganz einfach zu bestimmenden Schwelle profitieren (z.B. Simmel, Schumpeter, Creutz), allen Eigentümern darunter liegender Sparvermögen schadet der positive Zins.

Im letzten Jahrzehnt lag die Gruppe der NETTO-Profiteure von positiven Zinsen oberhalb des 9. Dezils der Vermögensverteilung, d.h. nur die oberen 10% profitierten noch von positiven Zinsen. Beweis Grafik.
Berechnung des Zinsanteils in den Preisen hier. Video auf der Grundlage der Arbeiten von Helmut Creutz hier.


b) Ist es für Kreditnehmer schädlich?

Das ist relativ einfach. Insgesamt ist der positive Zins für den Kreditnehmer (Mieter, Pächter, Lizenznehmer, usw.) eine Schuld, die er abbezahlen muss. Jeder weiß für sich selbst, wie schädlich Schulden sind.

c) Ist es absolut schädlich?

Ja. Die Zeit wird zeigen, wieviele der Schäden, die unser Zinswahn erzeugt hat, reversibel sind und wieviele von Dauer sind. Zu den irreversiblen Schäden gehören die vielen Toten seit 6.000 Jahren (im 20. Jh über 85 Millionen, allein 27 Millionen tote Russen im II. WK) wegen der Interessenkonflikte irgendwelcher wahnsinnigen mittlerweile globale handelnden Monopolisten, die vielen ausgestorbenen Arten, die Klimakatastrophe, die Verseuchung der Umwelt und der Nahrungsketten mit den Abfallerzeugnissen der zivilisatorischen „Geldmakroben”, den Kapitalismen der Welt aller Länder, Herren und Zeiten.


3. „Ist jemand gezwungen Verbraucherkredite aufzunehmen?”
Wenigstens bei positivem Zins: ja. Der positive Zins bewirkt eine Verknappung des Geldes in den Kreisläufen der Wirtschaft. Der positive Zins lässt das Kapital Geld aus dem Wirt, der Wirtschaft, saugen und macht das geltende Tote, das Kapital, zu einem Parasiten am lebendigen Wirt. Die einzige Möglichkeit sich daraus zu befreien ist für immer mehr Werdende, relativ Arme ein Kredit, wenn sie nicht sparen können. Den bekommen sie aber bei positivem Zins nicht, wenn der Eigenkapitalanteil zu niedrig ist, weil sie den Kredit gar nicht bedienen könnten. Erst bei 0% Kreditzins ist der Eigenkapitalanteil irrelevant und jeder bekommt einen Kredit, der ihn abbezahlen kann.

Wenn man nicht über Wohneigentum verfügt, sondern nur Besitzer (Mieter) ist und z.B. seine Wohnkosten reduzieren will, weil man es sich nicht mehr leisten kann, den z.T. horrenden Mietzins an einen relativ Wohlhabenderen zu zahlen, dann kommt man um einen Kredit nicht herum. Die Höhe des Einkommens definiert dabei den Rahmen des Budgets, die sog. Budgetrestriktion.

Unsolventen Kunden doch Kredit zu geben war z.b. der Auslöser der Immobilienkrise 2007, bei der zuvor die Regierung Clinton ärmeren Bevölkerungsschichten durch Lockerung der Bonitätsprüfungen den Zugang zu Krediten erleichterte, die dann aber nicht zurückkamen, als die Zinsen wieder anstiegen. Die so entstandenen „faulen Kredite“ haben Lehman Brothers und Goldmann-Sachs in Wertpapierpaketen verschnürt und diese faulen Eier dann in der ganzen Welt vertickt. Als die Anlieger weltweit merkten, was sie da im Korb hatten kam es zu der Krise 2007/2008. In Europa ist das Potenzial für eine noch größere Krise angelegt. Die niedrigen Zinsen haben vielen Menschen Kredit ermöglicht. Steigen die Zinsen jetzt wieder an, wird der Krach noch sehr viel größer sein, als der Krach 2007/2008.

Auch die Unternehmen und der Staat werden durch hohe Zinsen unter einen permanenten Neuverschuldungsdruck (-zwang) gesetzt.

Man kann den Spieß aber auch umkehren. Wenn das Bargeld weg ist, beschränkt oder abzinsbar und die Spar-, Giral- und Bargeldzinsen negativ, dann kommen die relativ Geldvermögenden „wie die Motten zum Licht“ auf der Suche nach jemandem, der das Geld zu besseren Konditionen aufbewahrt und weniger Zins nimmt als die Bank - denn sie wollen ja möglichst wenig davon verlieren.

Bei negativem Zins bekommt man also Zins dafür, einen Kredit aufzunehmen. Was dabei geschieht, analysiere ich seit 4 Jahren. Das Wichtigste dazu habe ich hier aufgeschrieben. Der Einzige bin ich auch nicht, wie sind mittlerweile sehr viele und werden jeden Tag mehr.


4. „Ist der Staat gezwungen Geld gegen Zinsen zu leihen?”
Bei hohen Kreditzinsen in der Endphase des Kapitalismus auf jeden Fall ja, denn anders als mit Investitionen lassen sich die sozialen Schäden, die das Kapital verursacht nicht flicken, denn Reiche engagieren sich i.A. nicht sozial, sondern im Gegenteil, sie nutzen die Not der Armen und zwingen sie indirekt dazu, Verträge zu unterschreiben, die die Armen eigentlich nicht wollen. Wie groß der Druck ist, das „Gebot der schwarzen Null“ zu brechen wissen die Kämmerer aller Hierarchieebenen des Bundes leidvoll zu erzählen.

Was passiert, wenn Staaten in eine Schuldenspirale geraten und es dennoch einen riesigen Investitionsbedarf gibt (marode Infrastruktur, Ausbildungs- und Betreuungsprekariat, prekäre mangelhafte Verwaltung, Polizei, Justiz und übrige Daseinsvorsorge, usw.), hätten wir ja beinahe wieder einmal erlebt, hätte „Supermario“ nicht in 2012 die Bazooka gezückt.

Hätten geldpolitische Falken wie Jens Weidmann das Sagen gehabt, wie in der Vergangenheit, dann wäre die kritische Phase, in der wir jetzt sicher gesteckt hätten, wie in der Vergangenheit (Deutsches Reich 1930er Jahre!), relativ zügig in eine Revolution, einen Bürgerkrieg oder einen Krieg gegen den Nachbarn eskaliert und hätte wohlmöglich wieder ethnische, politische oder religiöse Minderheiten in Konzentrationslager gebracht, nachdem die soziale Kohäsion gerissen ist.

Wir kennen das schon. Man muss ja nur mal die unruhigen Zeiten in den Geschichtsbüchern anschauen. Immer war es das Geldinteresse, das die Monopole gegeneinander aufgehetzt hat und Menschenleben zwischen ihnen zerrieben hat.


5. „Ist es nicht eher so, dass Staatsführer nicht mit Geld umgehen können?”
Das hätte die AfD wohl gerne. Die AfD ist größer als die meisten Menschen ahnen. Heimliche Unterstützer sitzen in allen Parteien. Was sie alle miteinander verbindet, ist die Ideologie der positiven Zinsen.

Ich werde sie alle jagen!

Fordern in dieser angespannten Situation diese heimlichen Heuchler unter dem Anschein sozialer Beweggründe den Staat zu Mehrausgaben auf, und geschieht dies dann auch infolgedessen, dann steigen die Zinsen, denn der Staat ist der größte Schuldner und treibt am wirkmächtigsten durch seine große Fremdgeldnachfrage den Zins nach oben, wodurch es in der nächsten Haushaltsperiode nur noch schlimmer wird.

Aus diesem Grund darf man in diesen Zeiten Haushaltspolitiker nicht für die schwarze Null schelten
schwarze Null: Einnahmen = Ausgaben, Steuereinnahmen = Staatsinvestitionen
.... denn erst dadurch konnten die Zinsen absinken und die Steuereinnahmen steigen.

Dieser Mechanismus gilt übrigens für alle, auch für Unternehmen und Privatleute: wenn keiner mehr Kredite nachfragt, dann sinken die Kreditzinsen unter die 0% Marke, und der Systemwechsel ist vollzogen; der Grund: die Einlagefazilität, der Sparzins der Banken bei der EZB, ist negativ, und dahin wird sich auch der Kreditzins entwickeln, nachdem der Bankensektor „optimiert” wurde. (siehe Eintrag vom 16. Juni 2018)

Dass die Profitrate und also auch der Zins mit der Zeit absinkt, ist nichts Neues. Der Erste, der es erkannte und in aller Deutlichkeit beschrieb, war Karl Marx, und Josef Schumpeter bestätigte seine Ergebnisse. Verweise in diesem Zusammenhang: Der Negativzins kommt sicher - wie das Amen in der Kirche und ganz genau wie Frau Weidel das erkannt hat. Man muss davor auch keine Angst haben, sondern man darf sich darüber freuen!


6. „Kann man es dem Geldverleiher verübeln, dass er am Verleih etwas verdienen will?”
Ja, ich für meinen Teil finde es mittlerweile ziemlich krank, dass einer, der schon hat, dafür auch noch nehmen will, statt dass er leiht und nichts (-100% Zins), jedenfalls nicht das Gleiche (0% Zins) sondern wohlmöglich mehr (positiver Zins) zurückverlangt.

Es ist klar, dass der Zins die Ursache für das Aufgehen der Schere ist. Die daraus resultierende globale soziale Ungleichheit ist so auch die Ursache für die globale, die europäische und die Migration von Land zu Stadt, und sie ist auch für die Verdrängungsängste der in den Akkumulations- und Ballungszentren ansässigen Menschen verantwortlich (siehe Zins, Preis und Stoffströme (die unsichtabre Hand)). Stiegen die Zinsen wieder an, wie das einige Wahnsinnge in der AfD gerne hätten, würde es Gerangel um Wohnraum, Arbeit und Fortpflanzungspartner geben. Das Land würde dann mit Sicherheit in soziale Unruhen abdriften. Die AfD ist also eine Partei von Chaoten und Anarchisten, und sie ist auch nicht die Alternative, sondern sie und ihre Ideologie ist das Problem.


7. „Das Problem sind nicht die Zinsen an sich, das Problem ist das hemmungsloses Schulden machen.”
Dieser Satz ist falsch und er ist eine bösartige heuchlerische Verdrehung, denn ohne dass andere schulden machen, bekämen die Sparer ihre Zinsen nicht. Das Schuldenmachen ist durch den positiven Zins ein Problem, wie oben beschrieben. Der Zins problematisiert das Schuldenmachen. Bei negativem Zins bekommt man Zinsen, wenn man Schulden macht. Schuldenmachen ist dann kein Problem mehr, und deswegen sollte man damit auch vorsichtig umgehen.


8. „Aber was Weidel hier anspricht ist doch die Geldvernichtung durch null Zins bei gleichzeitiger Inflation. Die Bargeldobergrenze, die Aufhebung des Bankgeheimnis, der Strafzins auf Guthaben.”
Natürlich wird im Moment Geld abgewertet, weil die Inflation in der Nähe des Inflationsziels der EZB von kleiner aber nahe bei 2% ist. Der Sparzins ist um die 0%, so dass nach der Fisher-Gleichung
Realzins = Nominalzins - Inflationsrate
... der Realzins bei -2% liegt. Ersparnisse verlieren also jedes Jahr 2% an Kaufkraft.

Woran liegt das?

Das liegt vor allem am OMT Programm und aber auch an den steigenden Zinsen in den USA, die den Ölpreis hochziehen. Hinzu kommen die Ernteausfälle, die die Lebensmittelpreise hochziehen und die steigenden Mieten aufgrund der niedrigen Zinsen. Nie war es so billig, an Kredite für das Häuslebauen zu kommen, und nicht jeder nutzt dies dazu, sein Eigenheim zu finanzieren, sondern viele bereichern sich über die Immobilien- und Mietmärkte an den relativ Ärmeren.

Um die Mietzinsen zu senken, müssen die Kreditzinsen unter die 0%. Ab einem Negativzins von schätzungsweise 3-4% wird es für einen privaten Investor und für Kapitalanleger lukrativ, Sozialwohnungen zu bauen, von denen wir dank der „Bonzenmafia“ Schröder, Müntefering, Hartz und Steinmeier durch die Entstehung des Niedriglohnsektors etwa 1,4 Millionen benötigen.

Umverteilung von reich zu fleißig gibt es erst bei negativem Kreditzins. Den Negativzins „Strafzins“ zu nennen ist nur für die reichen Sparer, das obere Dezil der Vermögensverteilung, zutreffend. Mit Blick auf die soziale Situation und die von den Reichen verursachte globale Migrationsbewegung tragen sie diese „Strafe” zu Recht. Sie sollen büßen.

Leider können viele dieser armen reichen Teufel nicht erkennen, was sie für den Negativzins bekommen, nämlich Dankbarkeit und zurückkehrende Lebensfreude der zurecht Beschenkten! Bis sie das begreifen, ist das hysterische Gezeter und das Rumgeheule nichts weiter als unwürdiges Jammern auf hohem Niveau!


9. „Natürlich kümmert das alles einen typischen Linken nicht. Der hat ja nichts und lebt vom Staat, vom Arbeiter den er ja angeblich vor den bösen Kapitalisten schützen will.”
Doch, das kümmert mich sogar sehr. Im Kapitalismus ernährt sich der Sparer, der Schmarotzer, von der Arbeitskraft des Arbeiters. Der Arbeiter gebiert dem Sparer den Zins als das geldwerte Produkt der „Muskelkraft und Nervenleistung” (Marx) die er aufwenden muss, um den Kreditzins zu tilgen (Thema „Zins und gebären“ siehe diesen Artikel in der FAZ).

Mit dieser Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ist Schluss, sobald die Geldmarktzinsen flächendeckend negativ sind. Dann beutet das Kapital nicht mehr Arbeitskraft aus, sondern der Mensch das Kapital, und so ist es richtig. Jedoch geschieht es durch die Umpolung eben nicht, was einige wegen des Textes des kommunistischen Manifests befürchten, dass sich das Verhältnis von Ausbeuteren und Ausgebeuteten umkehrt, sondern es ändert sich nur das Herrschaftsverhältnis von Kapital und Arbeit, was einige libertäre Theoretiker wie Pierre-Joseph Proudhon in den Fokus rücken dürfte.

Negative Zinsen sind kein Kapitalismus mehr, das sollte spätenstens hier jedem klar sein. Für das daraus emergierende System gibt es viele Namen:


10. „Wir wollen den Arbeitgeber vor Kapitalismus und Sozialschmarotzer schützen.”
Kapitalismus ist das Prinzip positiver Geldmarktzinsen. Der Satz der AfD enthält also eine Lüge.

Der Sparer ist bei positivem Zins der Sozialschmarotzer und Ausbeuter der Unternehmen, des Arbeiters und des Staates, doch damit ist Schluss, wenn die Zinsen negativ sind. Dann kann sich der Wirt vom Parasiten erholen und wird von ihm frei. Der Sparer fungiert dann als einfacher Vorratshalter, der angezapft werden kann, wie es sozial und wirtschaftlich notwendig ist, denn dafür haben wir uns schließlich das Sparertum herangezüchtet und die Sparer gemästet (Schumpeter zum Umgang mit den alten Eliten, also der AfD: Eintrag vom 5. Februar 2018).

Ich werde die AfDler jagen, bis sie bekehrt sind.


Fazit

In dem hier zerlegten Fall enthält der Kommentar der Freunde der AfD Kreis Heinsberg erstaunlich wenige Aussagen und ist auch deswegen schwer angreifbar, weil er hauptsächlich aus suggestiven Fragen besteht, und mit der Suggestion ist das so eine Sache, denn Fragen aktivieren immer auch das Unbewusste und also auch unbewusste Affekte.

Man neigt dazu, und den Test kann jeder selbst machen, der Intuition und also den Gefühlen, den Affekten, zu folgen, aus Angst vor dem Verlust des Geldes, was man ja intuitiv schon kennt, denn das Geld ist ständig knapp, die Fragen reflexhaft mit 'ja' oder 'nein' zu beantworten und sich nicht zu überlegen, ob die andere Antwort nicht auch wahr ist. Da es sich dabei um komplexe Fragen handelt, sind sowohl positive als auch negative Antworten wahr. Es ist jedoch nicht nur gefährlich, sondern regelrecht „lähmend“ (ähnlich einer „psychologischen Liquiditätsfalle“, das Denken wird „unflüssig“, weil man keinen Ausweg erkennen kann) hier der Intuition zu folgen, weil sich diese in einem System ausgebildet hat, das in seinem Kern ein fundamentales Naturgesetz auf den Kopf stellt, nämlich den 2. Hauptsatz der Thermodynamik, der der naturwissenschaftliche Ausdruck des Negativzinses der Natur ist. In den daraus resultierenden verkehrten Umweltbedingungen wird eben auch eine verkehrte Intuition gebildet (siehe dazu den Konstruktivisten Peter Kruse hier).

Der kapitalistisch gebildete, verkehrte und auf die Vermehrung des geltenden Toten ausgerichtete „Geist” sieht sich also seinem Generator gegenüber, wenn er über den Kapitalismus nachdenkt. Ein stolzer Geist, einer der sich gerne seines Intellektes rühmt und völlig vergisst, wie er sich dabei fühlt, würde wohl nichts gegen seinen Erzeuger, den Zins, sagen. So neigt der panökonomisch („ganzheitlich hausgesetzgeberisch“) Ungebildete, der unemotionale, nüchterne Rationalist (nicht nur der Kopf kann bestimmen, sondern auch der Bauch) dazu, die Komplexität zu übersehen und begibt sich mit allzu leichtfertig gegebenen 'ja'-oder-'nein'- Antworten, mit binären Reduktionen, in eine letztlich der Komplexität der Gesamtwirkung des Zinses geschuldete, logische Falle, aus der es kein Entrinnen gibt, wenn man die nicht gegebenen Antworten, die auch wahr sind nicht in das Gesamtbild einbezieht und dabei die eigenen Affekte nicht reflektiert (Selbstbeobachtung!). Dass man es hier mit nicht-trivialen Fragen, die das gesamte Sein betreffen, zu tun hat, sollte jetzt jedem klar sein.

Es gibt daher nur einen Weg des Kontrahentenirrtums und Zinswahns Herr zu werden: man muss sich mit der Wirkung des Zinses selbst auskennen, denn nur dann wird man nicht von seiner verkehrten Intuition auf das Glatteis geführt, und Eines ist dabei sicher: es lohnt sich, denn je mehr Leute kapieren, was das Zinsnehmen mit uns gemacht hat, desto schneller kommt es, das Soziale System a.b.a. das Himmelreich.

Sapere aude!

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