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22. März 2019

Zwei Mal Geldschöpfung

Franz Hörmann zu Geldschöpfung aus dem Nichts

Prof. Dr. Franz Hörmann zur Geldschöpfung.
Hier wird die berühmte „Geldschöpfung aus dem Nichts” erklärt. In der Diskussion um das Geldsystem wird dies gerne dazu benutzt, um vom eigentlichen Problem, dem Zins abzulenken. Geldschöpfung der Banken ist das Einsammeln von Geld aus unterschiedlichen Quellen, um es dann Kreditnehmern zur Verfügung zu stellen. Von einem Vollreserve-System spricht man, wenn Geld „aus dem Vollen” geschöpft wird, also nur aus Einlagen von Sparern. In einem Mindestreserve-System wird hingegen ein (großer) Teil des verliehenen Geldes einfach als sog. Buchungssatz erzeugt (aus dem Nichts geschaffen oder geschöpft) und es werden positive Zinsen auf dieses „Luftgeld” erhoben.
Links Kreditnehmer, Mitte Bank, rechts Sparer.

Ob diese Einlagen von der Zentralbank bezogen werden, die es eventuell aus den Einlagen bei anderen Geschäftsbanken schöpfen oder ob das Geld aus dem Nichts geschöpft (also als Buchungssatz erzeugt) wird, spielt für den Kreditnehmer nur eine indirekte Rolle, denn:

Interessant ist die Frage, wie es sich verhält, wenn die Kreditzinsen negativ sind, also ein Teil des verliehenen Geldes von den Banken nicht von den Kreditnehmern zurückgefordert wird. Ist dieses verliehene Geld teilweise aus dem Nichts geschöpft, dann wird der entsprechende Anteil des Zinses dem Kreditnehmer geschenkt. Die Folge ist eine Abwertung des Geldes, weil es sich dadurch vermehrt, und das bewirkt (positive) Inflation.

Ist das Geld hingegen aus dem Vollen geschöpft, dann wird das Geld aufgewertet und die Inflationserwartung ist negativ, weil sich die Bilanz verkürzt und der Wert des Geldes gegenüber den gehandelten Gütern steigt. Weiterdenken ist ausdrücklich erwünscht.

Geldschöpfung bei Ernst Wolff

Ernst Wolff zur Geldschöpfung
Da ist ein Denk- oder Sprachfehler, der leicht zu einem logischen Fehler wird!

Richtig ist, dass der Zins nicht mitgeschöpft wird, sondern als Schuld auf der Seite des Kreditnehmers und als zukünftiges Guthaben nach der Tilgung auf der Seite der Bank entsteht.

Der Kreditnehmer muss die Zinsschuld tilgen, der geliehene Betrag verschwindet wieder. Woher das Geld zur Tilgung dieser Zinsschuld des Kreditnehmers dann kommt, ist eine höchst komplexe Frage, denn es kommt aus den Geldwechseln - sozusagen aus dem nominale Stoffwechsel des betrieblichen oder unternehmerischen Prozesses - des Kreditnehmers.

Denkbar ist, dass der Kreditnehmer die Zinsschuld mit einem neuen Kredit begleicht, dann hat man das Problem verlagert, aber nicht gelöst.

Im besten Fall wird der Zins dem Kreislauf entzogen und nicht als Kredit neu geschöpft. In der Realität wird es eine Mischung sein, wobei es ja aber nur aus Sichtguthaben und Bargeldbeständen kommen kann und nicht aus festliegenden Sparguthaben.

Dazu sagt er, dass der Zins vorher schon existiert, obwohl er nicht mitgeschöpft wird. Das ist aber nicht richtig. Es existiert nur eine Zinsschuld!

Ich traue ihm nicht, denn auch er redet nicht von negativen Zinsen und diskutiert auch nicht, welche unterschiedlichen Wirkungen ein goldgedecktes oder Vollreserve-System ohne Geldschöpfung aus dem Nichts oder ein Mindestreserve-System bei negativem Zins auf Inflation samt Implikationen (Notwendigkeit von Arbeitskampf, Rentenanpassungen, ... usw.) hat.

Am besten selbst denken.

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