28. Januar 2020

Warum Kapitalismus pervers und widernatürlich ist: Lebenszyklus und Wachstumsgesetz von Lebewesen am Beispiel einer Sonnenblume

Hier zeige ich das Zeitraffervideo des Lebenszyklus' einer Sonnenblume, um damit deutlich zu machen, wie wahnsinnig wir eigentlich sind, wenn wir positive Zinsen beim Geld akzeptieren.

Der positive Zins ist so etwas wie die Wachstumsrate des geltenden Toten. Als geltendes Totes bezeichne ich das Kapital, denn das Kapital ist tot und hat einen Wert, der zählt. Was als Kapital gilt, ist eine gesellschaftliche Vereinbarung. Außerhalb der Zivilisation haben viele Kapitalgüter keinen Wert. Der berühmte „Wachstumsimperativ”, den man überall vernimmt, wenn Politiker, Unternehmer, Manager, Konzernlenker, Betriebsleiter oder Wirtschaftswissenschaftler über die Zukunft sprechen, ist eine Analogie zum natürlichen Wachstums und Lebenswillens, doch das natürliche Wachstum wird zur Vermehrung des geltenden Toten durch Zinsen ausgebeutet.

Der Kapitalismus endet dadurch, dass es kein Wachstum mehr gibt, so wie wir es als Ergebnis einer langjährigen Entwicklung beobachten. Die Geldmarktzinsen werden negativ.





Langjähriger Trend der Zinsen auf Staatsanleihen für Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Schweiz, Vereinigtes Königreich und die USA. Bilder von tradingeconomics.com.

Alle Lebewesen auf dem Planeten Erde beginnen ihr Leben als Zygote (die Urform der Stammzelle), die das Ergebnis der Verschmelzung einer männlichen mit einer weiblichen Gamete ist (beim Menschen Eizelle und Spermium). Die Zygote teilt sich in zwei neue Zellen auf, die sich dann jeweils wieder teilt, sodass eine exponentiell wachsende Ansammlung von Materie entsteht, die aus ihrer Umwelt Nährstoffe akkumuliert und diese in die Strukturen des Lebewesens so integriert, wie es der genetische Bauplan der jeweiligen Spezies festlegt. Eine Zygote trägt in Abhängigkeit vo der unmittelbaren Umwelt zum Zeitpunkt ihrer Entstehung ein komplexes chemisches Potential in sich, das zur Ausbildung eines Lebewesens fähig ist. Die unmittelbare Umwelt, in die die Zygote eingenistet ist, kann man als „Muttergewebe” bezeichnen. Bei Säugetieren ist das Muttergewebe der Körper des Muttertieres, bei Reptilien und Vögeln ist es die sonstige Materie innerhalb des Eis und bei Pflanzen und Pilzen ist es unmittelbar die Umwelt.

Als Wachstumsgesetz bezeichne ich im Folgenden die mathematische Beschreibung der Zeitentwicklung der Masse oder des Volumens des Lebewesen in Abhängigkeit von der Zeit. Nimmt die Masse des Lebewesens zu, dann ist der Wachstumsexponent positiv. Nimmt die Masse hingegen ab, dann ist der Exponent negativ, vgl. auch zum Eintrag vom 25.08.2018.

Bis zum Erreichen der Erwachsenenphase des Lebewesens - das ist der Moment, wenn die Sonnenblume ihre volle Größe erreicht hat - ist der Exponent des Wachstumsgesetzes der Pflanze positiv. Das Lebewesen akkumuliert Materie, bis es erwachsen ist. Als nächstes folgt die Fortpflanzungsphase, in der das Lebewesen Nachkommen erzeugt. Nachdem sich das Lebewesen fortgepflanzt hat, beginnt es zu welken (altern), bis es stirbt. Ab dem Zeitpunkt des Todes des Lebewesens gibt es innerhalb des Lebewesens keine „Kraft” mehr, die die Strukturen des Lebewesens aufrechterhält, sodass das Lebewesen ganz dem Zahn der Zeit ausgeliefert ist und zersetzt wird.

Lebenszyklus einer Sonnenblume im Zeitraffer.

Während des Welkens und der Zersetzung des Lebewesens ist der Exponent des Wachstumsgesetzes negativ.

Der 'Zahn der Zeit' ist schon über die gesamte Lebensphase am Lebewesen wirksam, doch werden seine Auswirkungen von der Kraft bekämpft, die lebendige Materie von toter Materie unterscheidet. Diese Kraft ist das Phänomen, welche ich als den Geist des Lebewesens bezeichne. Der Geist widersetzt sich dem Sterben und dem Zahn der Zeit.

Der 'Zahn der Zeit' wird physikalisch durch den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik beschrieben.

Interpretiere ich nun den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, also die mathematische Beschreibung der Wirkung des Zahns der Zeit, anthroponomisch, das heißt 'menschgesetzgeberisch', denn der Zins ist ein Gesetz, das sich der Mensch gegeben hat, dann ist der Zins in der Natur negativ, und nur während der Wachstumsphase eines Lebewesens ist er positiv.

Alle Formen toter Materie zersetzen sich mit der Zeit, sie vergammeln, verfaulen, verrotten, schimmeln und altern, sie nutzen sich ab, zerfallen, zerstreuen sich, werden von den Umweltbedingungen in immer kleinere Einheiten zerlegt. Nur lebendige Materie hat Geist und ist dazu in der Lage, sich dem Angriff der Zeit zu widersetzen, indem es sich erhält und fortpflanzt. Genau diese Eigenschaft verleiht dem Lebewesen Würde, und deswegen ist auch klar, dass nur Lebewesen Würde haben, tote Materie hingegen nicht.

Insbesondere haben Geld und anderes Kapital keine Würde.

Was wir Kapitalismus nennen, ist daher die Perversion des für das Leben wohl wichtigsten Naturgesetzes. Die Perversion besteht in der Umkehr des Flusses der Zeit. Das Kapital ist tot, doch stirbt es nicht und zersetzt sich nicht, wie es der zweite Hauptsatz beschreibt, sondern es benimmt sich wie ein künstliches Lebewesen, das nur wachsen kann, doch nie erwachsen wird. Wir Wahnsinnigen haben dem Kapital also künstlich Würde verliehen, indem wir ihm erlaubt haben, Zinsen zu akkumulieren und dadurch zu wachsen. Dadurch ist das Kapital zu einem Krebsgeschwür am Körper der Menschheit geworden und hat die Menschheit zu einem Krebsgeschwür am Körper des Lebens gemacht.

Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass dieser 'Krebs' nun für alle Zeiten besiegt wird, denn sonst stirbt der Wirt, also alle anderen Spezies, von denen wir abhängen.

Der (Stamm-) Baum des Lebens.

Querverweise auf 'Warum Kapitalismus pervers und widernatürlich ist: Lebenszyklus und Wachstumsgesetz von Lebewesen am Beispiel einer Sonnenblume'