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6. Oktober 2017

Der Mensch, das Feuer und der Kapitalismus

In der Bibel aber auch in vielen Werken berühmter Philosophen, Propheten, Dichter und Denker taucht die Metapher des Feuers auf. Auch spielt das Feuer in vielen uralten Ritualen, wie etwa in Opfer-Ritualen (z.B. das Brandopfer) eine zentrale Rolle.

In Platons Höhlengleichnis erhellt ein Feuer die Höhle in der die Menschen der Gesellschaft angekettet sind und bildet durch die Form ihrer Körper Projektionen als Schatten auf der den Menschen gegenüberstehenden Wand. Die Ketten schränken ihre Sicht in Richtung der Wand ein.

Jesus spricht von einem großen Feuerofen in den am Ende der Welt von den Schnittern das Unkraut unter dem Weizen geworfen wird, um es zu verbrennen. Der Prophet der Muslime, Mohammed, spricht in Vers 2:275, wie sein Vorgänger, von einem Feuer in dem die Ungläubigen brennen, die nicht vom Zinsnehmen ablassen können oder wollen.

Wir Menschen sind seit wohlmöglich hunderttausenden Jahren fasziniert (gefesselt) vom Feuer und haben mit der Zeit gelernt, es zu kontrollieren. Um von seiner Wärme und seiner sozialen Wirkung berührt zu werden, am Feuer versammeln wir uns und das Feuer hält wilde Tiere fern, holen sich manche Menschen das Feuer in einen Ofen im Haus zurück. Andererseits verbrannten im Mittelalter Menschen auf einem Scheiterhaufen für die ihnen zugeschriebenen Sünden und mit Feuer zerstörten die Menschen Häuser, Siedlungen und ganze Städte. Dem Feuer können also gute und schlechte Eigenschaft zugeschrieben werden, wobei diese Bewertung eng mit der eigenen Kontrollierbarkeit des Feuers zusammenhängt. Wird das Feuer vom Menschen kontrolliert, ist es für ihn in der Regel als Energielieferant nützlich, und der Mensch profitiert von den guten Eigenschaften. Ist es hingegen unkontrolliert oder gerät außer Kontrolle, überwiegen die zerstörerischen Eigenschaften des Feuers, wenn auch auf den Hinterlassenschaften eines Brandes neues Leben entstehen kann.

Wie Feuer „funktioniert“

Als Schüler fragte ich mit etwa 15 Jahren meinen Chemielehrer, was denn eigentlich Feuer „ist“ und wie es „funktioniert“. Um die Frage etwas einzuengen, schränkten wir uns damals auf eine brennende Kerze, deren Wachs, während die Kerze brennt, in drei Aggregatszuständen vorliegt ein. Die feste (1.) Phase bildet den Kerzenkörper. Alleine sie ist vorhanden, wenn die Kerze noch nicht brennt. In der Mitte des Kerzenkörpers ist ein Docht aus einem Material, welches eine ausreichende Leitfähigkeit für flüssiges Wachs (2. Phase) aufweist. Um den Prozess des Brennens der Kerze zu initiieren, in Gang zu setzen, bedarf es einer genügend heißen Wärmequelle, die dazu in der Lage ist, das feste Wachs im Docht zu verflüssigen (1→2), das dann flüssige Wachs verdampfen zu lassen (2→3) und dann die gasförmigen Wachsmoleküle (3. Phase: azyklische (langkettige) Alkane bei Paraffinkerzen und Stearin- und Palmitinsäure bei Stearinkerzen) bei ausreichender kinetischer Energie der Moleküle, also ausreichend hoher Energiedichte im Reaktionsraum mit dem Sauerstoff der Luft zu Kohlenstoffdioxid, Ruß und anderen Verbrennungsprodukten reagieren zu lassen.

Der Brennprozess „verstoffwechselt“ insgesamt Kerzenwachs und Luftsauerstoff zu Kohlenstoffdioxid und übrige Verbrennungsprodukte, und ähnlich verhält es sich mit anderen Brennvorgängen wie das Brennen von Holz und anderer Fest- oder Flüssigstoffe. Immer benötigt es zur Initiierung des Brennvorgangs eine Zündenergie, die anfangs die feste in eine flüssige und/oder die flüssige in eine gasförmige und mit dem Luftsauerstoff reaktionsfähige Phase überführt, und immer muss bei der anschließenden exothermen Reaktion in Hinblick auf den Reaktionsraum und seine Energiedichte so viel Energie frei werden, dass damit kontinuierlich das Material der brennbaren Substanz verflüssigt, in den Docht hineingesogen und dann in die gasförmige Phase überführt werden kann. Die Kerze erlischt mit dem Versiegen der Quelle brennbaren Materials.

Versucht man das Feuer hinsichtlich der Frage einzuordnen, ob es lebendig ist oder tot, so befindet es sich scheinbar zwischen diesen Einordnungen bzw. hat von beidem etwas. Das Feuer selbst wird gebildet aus Energie und den beiden gasförmigen Bestandteilen, dem Luftsauerstoff und der gasförmigen Phase der brennbaren Substanz die beide tote Materialien sein können aber nicht unbedingt sein müssen. Das Holz eines lebendigen Baums brennt bei genügend großer Hitze genau wie das Holz eines toten Baums. Die Bestandteile des Feuers können also tot sein, doch hat das Feuer Eigenschaften, die auch Lebewesen haben: Es wächst und ernährt sich, es stirbt, wenn es nichts mehr zu fressen findet und es stoffwechselt mit seiner Umwelt.

Das Feuer der 1. Art veränderte uns, bis wir das „metaphysische“ Feuer der 2. Art entdeckten

Es gab sicher eine Zeit, in der der Mensch das Feuer noch nicht beherrschte, weil er Angst davor hatte oder weil er nicht wusste, wie er selbst „herbeirufen” konnte, doch von dem Moment an in dem er das „Feuer-Machen” erlernt hatte und er es unter seine Kontrolle gebracht hatte, begann es ihn zu verändern. Der Mensch begann das Feuer in der Zubereitung seiner Nahrung zu verwenden. Die Erhitzung veränderte die Nahrung so, dass der Mensch größere Proteinmengen zu sich nehmen und verdauen konnte, was die Entwicklung des Gehirns begünstigte[1][2][3], denn die gekochte Nahrung ist leichter zerlegbar und für den menschlichen Körper leichter verdaulich. Das Feuer hat also beim Menschen einen Entwicklungsschub des Gehirns ausgelöst.

Die Zeit schritt voran und vor 6k bis 13k Jahren (wer weiß schon wann das war?) entdeckte der Mensch eine zweite Art von Feuer, dessen Benutzung ihn zu einem gottgleichen Herrscher über seinesgleichen und die übrige Natur werden ließ, den Kapitalismus. Die Nahrung des kapitalistischen Feuers sind die Freiheit und die Ideen, also die Möglichkeiten der Menschen. Im Kapitalismus nimmt das Tote Zins vom Lebendigen und vermehrt so das Tote. Das Leben der Vielen und ihre Arbeit verwandelt sich in Asche auf dem Konto von immer weniger Werdenden, denn der Zins wird immer erarbeitet, das Lebendige arbeitet, um zu leben und oft ist es auch wirklich ein Feuer, das einen Prozess vorantreibt, aus dem der Eigentümer seinen Nutzen zieht. Mit Feuer in den Verbrennungsmotoren fahren unsere Autos, unsere Heizungen verbrennen Öl, die Flugzeuge, die das Klima aus dem Gleichgewicht bringen verbrennen Kerosin.

Wie bei positivem Zins die Asche auf dem Konto entsteht.

Jedes Feuer braucht einen brennbares Material, Sauerstoffzufuhr und eine Zündenergie. Das Feuer des Kapitalismus brennt in der Seele des Einzelnen und im Gemeinwesen der Gemeinschaft, es lebt und ernährt sich von der Kreativität und Schaffenskraft der Menschen. Der Zündvorgang besteht in einer Art „Anfixen“ auf das kapitalistische Grundprinzip mit Geld mehr Geld zu erzeugen, die Perversion des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik, denn Geld ist tot. Dieses „Anfixen“ beginnt mit dem Erlernen des Verzichts und der Zurückstellung von elementaren Bedürfnissen zur effektiven Akkumulation eines Zündkapitals, das zur dauerhaften Etablierung des seelischen Brennvorgangs so groß sein muss, dass der Eigentümer dann von den Zinsen auf dieses verliehene Eigentum leben kann. Brennt das Feuer dann in dem Menschen, befindet er sich mit seinem Kapitalstock oberhalb der Aktivierungsenergie, dem kritischen Kapitalstock, der zur Aufrechterhaltung des Lebens des Feuerteufels auf der Grundlage der Übertragung von Verfügungsrechten an diesem Eigentum gegen Zins notwendig ist, dann ist der Mensch Träger und Teil des Feuers geworden in dem diejenigen, die nichts haben und leihen müssen durch die Hingabe ihrer Arbeit ihr Leben verbrennen. Angst davor in der Zukunft nicht genug zu haben und Gier nach mehr treibt die seelenlosen Hüllen an, deren einziger Sinn die Vermehrung des Toten ist.

Die AfD zündelt am Gemeinwesen!

Jedes Feuer zerlegt und zerteilt das brennbare Medium in dem es lebt in kleine, für das Feuer nützliche Einzelteile, aus denen es alles Verwertbare herausholt und die leblose lebens-leere Asche zurücklässt. So werden Familien und Freundschaften zerrupft, weil sich das Leben des Einzelnen seiner wirtschaftlichen Funktion unterordnen muss, weil der Arbeitsplatz in Folge eines Rationalisierungsschubs (Innovationsschock, industrielle Revolutionen,...) wegfällt. Soziale Beziehungen zerreißen und ihre ehemaligen Bestandteile werden über das Land verteilt um sie immer wieder aufs Neue dem kapitalistischen Verwertungsprozess zur Überführung von Leben in Asche auf dem Konto zuzuführen.

Wie reagiert die menschliche Seele auf die Ausbeutung?

Jeder, der eigene Kinder hat weiß, was geschieht, wenn man ein Kind, das in ein Spiel vertieft ist, welches ihm großen Spaß bereitet stört und ihm den Gegenstand des Spiels wegnimmt. Das Kind ist zunächst überrascht, reagiert dann mit Wut und dann wird es traurig, wenn es nicht zornig versucht, sich das geliebte Spielzeug zurückzuholen. Jeder, der schon einmal richtig verliebt war und eine Trennung verkraften muss, kennt die ersten Phasen der Trauer nach dem Verlust eines Geliebten. Auf das Leugnen und die unmittelbare Irritation der Abwesenheit des Vertrauten folgt in der Regel eine zweite Phase, die von Wut, Zorn und tiefer Traurigkeit gekennzeichnet ist[4]. Die seelische Verarbeitung der Trennung, die Trauerarbeit in der dritten Phase ist Voraussetzung dafür, sich erneut auf eine Beziehung einlassen zu können.

Menschen wollen das was sie tun lieben, oder anders ausgedrückt bemühen sich Menschen, wenn möglich, Tätigkeiten und Berufe zu finden, die sie lieben. In dieser gewählten Tätigkeit geben sie ihre Arbeit hin und erschaffen in der Beziehung zu ihrer Arbeit eine Tageswerk. Ein Künstler malt ein Bild, ein Anderer komponiert ein Musikstück, ein Dritter schreibt einen Text, die Krankenschwester hilft dem Patienten auf dem Weg zu seiner Genesung, der Politiker findet eine aussagekräftige Formulierung zu einer kontroversen Sachlage, usw.. Wenn Menschen ihre Arbeit geben, dann geben sie es einem schöpferischen Werk hin, einem Kind der Arbeit.

Marktwirtschaft bedeutet nun aber, dass das Kind der Arbeit, das Tagewerk des Schaffenden an einem Markt gegen Geld hergegeben wird. Für die Meisten heißt die dem Wert des Tageswerks entsprechende Geldmenge Lohn, Sold oder Gehalt, für im Verlauf des Kapitalismus immer weniger Werdende ist es Profit, Rendite oder auch Gewinn. Der an einem Markt erzielte Wert des Tageswerkes, der Wert der hingegebenen Arbeit, der Mühen des Tages ist die Darstellung eines Marktgleichgewichts, welches aufgrund der Verteilung von Zins-Schulden, dem Hunger des kapitalistischen Feuers in Abhängigkeit von der materiellen Stellung des Handelnden in der Regel für die Reicheren zu deren Gunsten und für die Ärmeren zu ihren Ungunsten verschoben ist. Es ist die Größe des eigenen Leihkapitalstocks, die darüber entscheidet, ob ein Mensch insgesamt mehr gibt als er nimmt und also vom Feuer des Kapitalismus verzehrt wird oder ob er wenigstens die Asche behalten kann, denn auch die Reicheren müssen ihre Bedürfnisse zurückstellen um den Zins, die Asche zu bekommen und aufzusteigen. Wer hat, dem wird gegeben und wer wenig hat, dem wird das Wenige auch noch genommen. Die Zinsnehmer bekommen für die Leere wenigstens den Zins, doch den Zinsgebern bleibt nur die Leere und das Fehlen der Kraft. Darauf reagiert die menschliche Seele mit Wut, die die Gesellschaft zähmen und beherrschen muss, aber die Wut wächst, je länger das Spiel geht.

Ammut - Amok - Amak. Ammut ist ein ständiger Begleiter von Osiris (Kulturraum). Amok ist eine außer Selbstkontrolle geratene Wuthandlung und Amak ist das Sprachrohr des islamischen Staates (auch ISIS, vgl. mit Ištar).

Den Ursprung des Krieges (Krieg kommt von kriegen, haben wollen) in und zwischen den Völkern benennt der Historiker und sozialistische Politiker Jean Jaurès (1859-1914) mit dem Satz „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen“. Das Feuer brennt in den Seelen der Menschen des Prozesses, bis die Menschen nichts mehr zu geben haben und vollkommen ausgebrannt sind. Dann tritt das Feuer zwischen den Menschen zutage, und es gibt soziale Unruhen, Bürgerkrieg, eine Revolution, einen Putsch oder einen Krieg nach Außen. Der Mensch erfand Feuerwaffen um sich zu töten und Bomben, um das Feuer über die Behausungen und Städte seiner Gesellschaften zu bringen. Das größte und heißeste Feuer ist das nukleare Feuer einer Atombombe.

Das Feuer brennt aber nicht nur unter uns Menschen. Der Kapitalismus macht uns selbst zu einer Spezies, die wie keine andere Leben nimmt, Arten vernichtet, Lebensräume zerstört und auf Jahrhunderte unbewohnbar macht. Der kapitalistische Produktionsprozess hinterlässt wüste, lebensleere Landschaften, gestörte ökologische Gleichgewichte und ein Chaos in der Nahrungskette, weil der Mensch in den Produktionsprozessen Stoffe in die Umwelt freisetzt, die den meisten Lebewesen unbekannt sind, weil sie ihnen während ihrer langen Evolution nie ausgesetzt waren. Auch das nukleare Feuer in Atomreaktoren wollen wir beherrschen, doch immer wieder gerät dieses Feuer außer Kontrolle, brennt unkontrolliert außerhalb der Brennstelle und schwelt über Jahrhunderte als radioaktiver Müll in der Umwelt der Menschen.

Wie lange werden wir dieses Feuer noch brennen lassen? Wann werden wir das Zündeln aufgeben und die andere Hälfte der Ökonomie betreten, die uns hat entstehen lassen, bevor wir das Feuer des Kapitalismus entfachten, weil wir wissen wollten wie wir erschaffen wurden?

Der mathematische Raum belohnter und bestrafter (sozialer) Verhaltensweisen im Umgang mit Geld.

Referenzen / Einzelnachweise

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