12. Februar 2020

B(r)ücken in den Faschismus: Bürgerliche Unterstützung für die Braunen

Die von der AfD bei der Thüringer Wahl des Ministerpräsidenten bewirkte Sabotage des politischen Prozesses, die mutmaßlich mit stillschweigender Einwilligung von Thüringer CDU und FDP geschah, die paradoxerweise beide selbst eine SED Vergangenheit sowie nationalistische Wurzeln haben[3], lassen in einen braunen Abgrund blicken, der wirklich erschreckend ist. Doch ist die fatale Ähnlichkeit dieser Ereignisse zu den Anfängen des deutschen Faschismus den meisten wohl nicht bewusst. Dass es Sabotage war, ist vollkommen klar, denn nur mit den Stimmen der ganzen AfD hätte die Wahl vom und für das sog. „bürgerliche“ Lager gewonnen werden können, und vorher war auch klar, dass der FDP Kandidat nur mit den Stimmen der AfD gewählt werden konnte, wenn die R2G Koalition bei ihrer Wahl bleibt. Die Wirtschaftswoche bezeichnet daher die Lindner-FDP völlig zurecht als „nationalliberal”[9].

Zu allen möglichen Anlässen zeigt die AfD ihre wahre Gesinnung[4], um mit der Lockflöte die rechten Schafe einzusammeln. Doch der Innenminister Seehofer steht vor dem BVerfG, weil er die AfD „staatszersetzend” genannt hat[1].

Die Gründung der AfD durch Björn Lucke als Reaktion auf das Absenken der Zinsen.

Wie ist das möglich?

Der ZDF Journalist Christian Rechenberg bedient sich im Hinblick auf die geldpolitischen Entwicklungen unreflektiert derselben einseitig-reduzierten Argumentations- und Betrachtungsweise wie die AfD.

Die Heute-Plus Sendung von 4.5.2016 zur möglichen Form der Umlaufsicherung im Hinblick auf die Einführung von Negativzinsen. Man sieht hier, wie die irre Privatmeinung des Journalisten in die Berichterstattung einfließt. Was suggeriert hier Christian Rechenberg zur Wirkung von Negativzinsen?

Ein mutmaßlich ideologisch rechts orientierter Prof. Baberowski unterdrückt linkes Engagement an seiner Universität[2]

Eine Berliner Baulöwe spendet 100.000€ an die AfD[8].

Was ist hier los?

Ganz klare Kante gegen die Werteunion!

Einige Quellen warnen vor der Werteunion[5][7], bezeichnen die Werteunion als „AfD-Hilfstruppe”[6] und berichten von Forderungen aus der CDU zum Rausschmiss der Werteunion. Vonseiten der CSU aus schweigt man zur Werteunion. Es gibt keine klaren Bekenntnisse. Auch ich sehe in der Werteunion einen potenziell grundgesetzwidrigen Verein von nicht zukunftsunfähigen Ewiggestrigen, denn die Grundgesetzartikel 14 und 15 sind eindeutig.



Elmar Brok zur Werteunion.
Die Frage ist, von welchen „Werten” diese Union spricht. Sind es christliche Werte, Menschenrechte oder Sachwerte?

Wenn wir schon über Werte sprechen, dann sprechen wir doch mal über christliche Werte, z.B. das Gebot des Negativzinses in Lukas 6:35. Davon ist natürlich das Eigentum betroffen.

  1. »Euch aber, meinen Hörern, sage ich: Liebet eure Feinde, tut denen Gutes, die euch hassen,
  2. segnet die, welche euch fluchen, betet für die, welche euch anfeinden!
  3. Wer dich auf die Wange schlägt, dem halte auch die andere hin, und wer dir den Mantel wegnimmt, dem verweigere auch den Rock nicht!
  4. Jedem, der dich (um etwas) bittet, dem gib, und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück!
  5. Und wie ihr von den Leuten behandelt werden wollt, ebenso behandelt auch ihr sie!
  6. Denn wenn ihr (nur) die liebt, die euch lieben: welchen (Anspruch auf) Dank habt ihr dann? Auch die Sünder lieben ja die, welche ihnen Liebe erweisen.
  7. Und wenn ihr (nur) denen Gutes erweist, die euch Gutes tun: welchen (Anspruch auf) Dank habt ihr dann? Auch die Sünder tun dasselbe.
  8. Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr (das Geliehene) zurückzuerhalten hofft: welchen (Anspruch auf) Dank habt ihr dann? Auch die Sünder leihen den Sündern, um ebensoviel zurückzuerhalten.
  9. Nein, liebet eure Feinde, tut Gutes und leihet aus, ohne etwas zurückzuerwarten! Dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig (auch) gegen die Undankbaren und Bösen.

Schon 0% Zins (Sozialismus, siehe Eintrag vom 26.01.2018) ist Sünde (Vers 34)! Erst der Negativzins ist ein christlicher Wert! Die Werteunion muss sich nun entscheiden, ob sie zu den Christen zählt oder zur AfD. Man kann in der Frage des Zinsvorzeichens nicht zwei Herren dienen (Matthäus 6:[19-24]):

  1. Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen und da die Diebe nachgraben und stehlen.
  2. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, da sie weder Motten noch Rost fressen und da die Diebe nicht nachgraben noch stehlen.
  3. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
  4. Das Auge ist des Leibes Licht. Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein;
  5. ist aber dein Auge ein Schalk, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!
  6. Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Wenn Christ(us/a) das Opfer der kapitalistischen Geldordnung ist, dann ist er/sie also logischerweise ein(e) Link(e/er)! Was sagt das im Politischen über den Umgang mit Linken? In den C-Parteien verläuft der Riss (diese „logische Schizophrenie”) also logischerweise an der Kontaktfläche der paradoxen Amalgierung von Kapitalisten und Christen. Die ehemalige Volksbewegung der Christen, die in der Bevölkerung insgesamt einen Anteil von gerade einmal 20% hat (CDU/CSU Umfragen mal Wahlbeteiligung) leiden an einem schweren inneren Widerspruch, denn das Christentum verträgt sich von Natur aus nicht mit dem Kapitalismus.

Der Platz reicht hier nicht aus, um die vielen Belege zur Unvereinbarkeit von Christentum und Kapitalismus vorzutragen. Ich brauche jedoch nur (erneut) auf Menschen wie Karl Barth verweisen, denen dieser fundamentale Zusammenhang bewusst war.

„Wo nicht der Mensch, sondern das zinstragende Kapital der Gegenstand ist, dessen Erhaltung und Mehrung der Sinn und das Ziel der politischen Ordnung ist, da ist der Automatismus schon im Gang, der eines Tages die Menschen zum Töten und Getötetwerden auf die Jagd schicken wird."
Prof. Dr. theol Karl Barth (1886-1968), Die Kirchliche Dogmatik, Band III/4, Zürich 1951, S. 525.

Der Unternehmer Wilhelm Haller schreibt zum Zins:

"Wie der Krankheitsherd der internationalen Schuldenkrise jedem Einsichtigen deutlich macht, muß auch die Frage nach der Berechtigung des Anspruchs auf Geldvermehrung durch Zins und Zinseszins gestellt werden ... Das Prinzip von Zins und Zinseszins, das die Grundlage unseres ganzen Geld-, Kapital- und Finanzsystems liefert, führt immer dann zu exponentiellem Wachstum von Geldvermögen einerseits und Schulden andererseits, wenn einerseits die Besitzer von Geldvermögen mehr Zinsen einnehmen als sie verbrauchen, so daß auch der Zins wieder zinsbringend angelegt werden kann und muß, und andererseits die Schuldner mehr Zinsen zahlen müssen als sie trotz Einschränkung des Lebensstandards aufzubringen imstande sind, so daß die nicht bezahlten Zinsen den Schulden zugeschlagen und damit selbst zinspflichtig werden. Angesichts dieser zwingenden Gesetzmäßigkeit muß man sich wundern, wie die Zinsfrage mit ihren tödlichen Konsequenzen solange in unserer Gesellschaft tabuisiert werden konnte."
Wilhelm Haller (1935-2004), Die heilsame Alternative, Wuppertal 1989, S. 84 ff

Werteunion und AfD sind potenziell grundgesetzwidrige Vereinigungen, die man ganz genau beobachten sollte!

Die Entstehung des Faschismus als ein triebhafter, bürgerlicher Angstreflex

Der Faschismus ist eigentlich nur die extremistische Fortsetzung von im Kapitalismus vorhandenen Seilschaften, Patronagen, quasi-mafiösen Verflechtungen und Netzwerken[10], die nur deswegen nicht sichtbar werden und mehr Macht ausüben müssen, weil das vom Rechtsstaat überwachte Geldsystem dem Kapital Zuwachs in der Höhe der Zinsen garantiert. Zum Faschismus werden diese Netzwerke um das Kapital, wenn der Eigentumsbegriff gesellschaftlich in Frage gestellt wird.

Genau das erleben wir nun wieder einmal im Angesicht der Negativzins-Ökonomie, die eine Geldordnung ist, der zufolge das Geld und mit ihm alle Arten von Kapital ihre übernatürliche Eigenschaft "zinstragend" zu sein verlieren und wie alle Arten Materie dem Zahn der Zeit unterliegen und gammeln, rotten, schimmeln, altern, also ständig an Wert verlieren. Das vom Kapital Abfallende, der Negativzins, wird über die Intermediäre der Leihwirtschaft (Banken, Geldmarktfonds, Pensionskassen, Versicherungen, Vermögensverwalter, Vermietungsgesellschaften, ...) an die Schuldner umverteilt, so dass sich die spätkapitalistische Ungleichheit abbauen kann. Infolge von Negativzinsen bei Krediten steigen Löhne und steigt die Kaufkraft von Renten und Pensionen, ohne dass es der Korrektur durch Arbeitskampf und Rentenanpassungen bedarf, die Mieten sinken und Mitbestimmungsmöglichkeiten, -angebote und Teilhabe in Unternehmungen nehmen zu, Einträge vom 11.01.2020 und 13.07.2019 und Artikel zu Restrukturierungen unter einer Negativzins-Ökonomie.

Diesen bösartigen, von der Angst um Machtverlust getriebenen Reflex der Bildung von prä-faschistischen Strukturen des kapitalistisch-sozialisierten Bürgertums muss man reflektieren, wenn sich Geschichte nicht wiederholen soll. Dabei haben wir es mit Existenzängsten, Wut, Trotz und anderen infantilen Affekten zu tun, deren Bewältigung oder Sublimierung von den betroffenen Bevölkerungsschichten, den Reichen, erst erlernt werden muss.

Hilfe beim Erlernen des Ertragenkönnens diese neuen Wir(t/k)lichkeit können die auf hohem Niveau Jammernden ausgerechnet von ihren ehemaligen Opfern bekommen, denn die leben bereits in der Umwelt, die der natürlichen Umwelt im Gegensatz zur kapitalistischen am nächsten kommt, Eintrag vom 25.08.2018 zum verwendeten Umweltbegriff. In dieser Umwelt arbeitet der Mensch, um sein Leben und den lebensnotwendigen Kapitalstock erhalten und wohlmöglich wachsen zu kommen.

Sicherheitshalber, um Frustrationen infolge des Ausbleibens der Erfüllung wahnhafter Erwartungen (siehe auch Eintrag vom 28.11.2019) zu vermeiden sollte man sagen, dass es Wachstum nur noch in den unteren Bereichen der Pyramide geben wird, während die Spitze versuchen wird, die Verluste zu begrenzen. Verlieren werden die Reichsten unter einer Negativzins-Ökonomie jedoch sicher, mit mathematischer Gewissheit, und daran muss man sich erst gewöhnen.

Die Demagogen und Apokalyptiker, die mit ihrem Agieren die Geldwertstabilität angreifen, sind Staatsfeinde und Terroristen, und zu diesen zählt vor allem die AfD sowie mancher Bestseller-Autor, Anlageberater und Vermögensverwalter. Man darf auch sonst niemals wieder vergessen, dass das dritte Reich vom kapitalistischen Bürgertum zu verantworten ist, nicht von den Linken!

Erich Kästner sagte:

Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf.
Erich Kästner.

Wie früh schon an der Wirtschaftsordnung zu Kriegszeiten geplant wurde, sah man nicht nur an der NS-Erziehung der Pimpfe in der HJ, sondern auch an den Aussagen von Zeitzeugen wie Alfred Sohn-Rethel.

Alfred Sohn-Rethel spricht.

Im Vorwort seines Werkes „Ökonomie und Klassenstruktur des deutschen Faschismus und Analysen“ findet sich folgender Text:

Alfred Sohn-Rethel, geboren 1899 in Paris, studierte in Heidelberg und Berlin. Er stand in den zwanziger Jahren in engem Kontakt mit Bloch, Benjamin, Kracauer, Adorno. Seit seiner Emigration im Jahre 1936 lebt er in England. 1970 erschien sein Buch Geistige und körperliche Arbeit. Zur Theorie der gesellschaftlichen Synthesis. Die hier vorgelegten Analysen und Aufzeichnungen sind in doppelter Hinsicht wichtig und aufschlußreich: sie beziehen sich auf die Ereignisse in Deutschland in den dreißiger Jahren, und sie bilden einen hochinteressanten Materialzusammenhang, auf den künftig jede Theorie des Faschismus wird Rücksicht nehmen müssen. Die Niederschrift der Texte erfolgte zwischen 1937 und 1941 in der Emigration. Im Zentrum steht das Wechselspiel der Interessengruppierungen innerhalb des deutschen Großkapitals, die Hitler zur Macht verholfen und einen wesentlichen Teil seiner Politik bestimmt haben. Sohn-Rethel hat die Vorgänge in jener Periode von einem hervorragenden Beobachtungsposten aus verfolgt - als »wissenschaftlicher Hilfsarbeiter« im Büro des »Mitteleuropäischen Wirtschaftstags e. V.« in Berlin.
Das Buch ist vergriffen, doch lässt es sich noch im Internet finden, z.B. hier und hier. Ich habe am 04.06.2019 eine wichtige Stelle aus diesem Werk zitiert, am 27.05.2019 Bezüge zu den Ergebnissen der Mitte-Studie hergestellt und am 14.10.2019 eine sozial-psychologische Theorie zum Kipp-Mechanismus in den Faschismus aufgestellt.

Referenzen / Einzelnachweise

Querverweise auf 'B(r)ücken in den Faschismus: Bürgerliche Unterstützung für die Braunen'