Riemann-Koordinaten

In diesem Abschnitt werden unter Berücksichtigung der Arbeit von Fritz Riemann die Gesamtheit aller (teils pathologischen) Ängste in insgesamt vier Kategorien, aufgespalten, von denen jeweils zwei sich als miteinander unvereinbar bzw. gegensätzlich darstellen. Die Gegensätze heißen Antinomien (griechisch anti = ‚gegen‘, nomos = ‚Gesetz‘). Fritz Riemann zufolge lässt sich das Verhalten eines Menschen in vier Kategorien der Angstabwehr unterteilen, von denen sich jeweils zwei einander gegensätzliche Typen auf jeweils einer Achse eines Koordinaten-Systems, das sogenannte „Riemann-Thomann-Kreuz“, befinden.

Das sog. „Riemann-Thomann-Kreuz“.

Die Vorgehensweise der Unterteilung des vollkommen Unbestimmten, des Ganzen, in zwei komplementäre, gegensätzliche Teile ist in der Logik ein fundamentales Prinzip. Die Gegensätze heißen Dichotomien und ermöglichen die Ausbildung von Denkstrukturen.

Die Dichotomien sind der eigentliche Kern des Riemann'schen Modells. Die Vertreter der einen Riemann'schen Kiste fürchten das Positivum und streben nach dem Negativum, bei den anderen ist es umgekehrt. In einem späteren Abschnitt wird das Modell erweitert, denn viele der komplementären Begriffe lassen sich zu tieferliegenden, fundamentaleren Begriffen zusammenfassen.

Wie im Verlauf der Erläuterung des Modells Riemanns deutlich werden wird, sind es die zwei für das Dasein von Lebwesen im Allgemeinen wesentlichen Affekte Angst und Begehren, und es sind in der sozialen Interaktion zentralen Modalitäten Freiheit und Zwang, die in das Modell eingehen. Wie gezeigt werden wird, geht es vornehmlich um das Geben und Nehmen in Austauschbeziehungen und um das Gleichgewicht der Bestimmung. Der Zweck der Erweiterung ist es, das Riemann'sche Modell mit den wesentlichen Wirkmechanismen des Kapitalismus in Beziehung zu setzen um so die von Riemann gefundenen Kisten zu erklären.

Angst und Zwang

Mit Vorgriff auf die Absicht, mit der das Riemann-Thomann-Modell hinzugezogen wird, müssen zunächst die zwei Begriffe Angst und Zwang grob eingeführt werden. Ein Blick auf die Etymologie des Wortes Angst liefert:

Angst Angst f. 'beklemmendes Gefühl des Bedrohtseins, Furcht'.
Die nur im Kontinentalwestgerm. bezeugten ahd. angust f. (8. Jh.), mhd. angest f. m., mnd. angest, anxt m., mnl. anxt m., anxte f., nl. angst m., afries. ongost, angst gehen auf germ. *angusti- bzw. *angustu- zurück, Abstraktbildungen zum Adjektiv germ. *angu- (s. eng).
Die mit dem Zugehörigkeitssuffix ie. -st- gebildeten Abstrakta bezeichnen das, 'was mit der Eigenschaft 'eng' verbunden ist', 'das Engsein, den Zustand der Enge (Beklemmung)'; vgl. Krahe in: PBB 71 (1949) 238.
Eine andere Bildungsweise zeigen die im folgenden genannten außergerm. Verwandten. Aind. [...] 'Angst, Bedrängnis', [...]
'Ein-, Zusammenschnürung (der Kehle), Bedrängung, Not, Enge, Gefangenschaft', lat. angustus (aus *angostos) 'eng, schmal', angustia, meist im Plur. angustiae 'Enge, Beklemmung, Schwierigkeiten' gehören zu einem von der gleichen Wurzel ie. *ang?h- 'eng, einengen, schnüren' gebildeten es- /os- Stamm ie. *ang?hes-, *ang?hos- 'Beklemmung, Bedrängnis'.
Im Nhd. wird Angst in bestimmten festen Wendungen nicht mehr als Substantiv empfunden: mir ist, wird angst (und bange); vgl. auch angst machen. - ängstigen Vb. 'angst machen, in Angst versetzen', mhd. engstigen (12. Jh.; vgl. das Adjektiv frühnhd. engstig 'sorgsam, eifrig, bange') für älteres, heute meist nur in gehobener Sprache verwendetes ängsten, ahd. angusten (8. Jh.), mhd. angesten, mnd. ang(e)sten, mnd. mnl. anxten. ängstlich Adj. 'furchtsam, voll Angst, besorgt', ahd. angustl?h (9. Jh.), mhd. angestlich, engestlich, mnd. ang(e)stl?k, mnl. anxtelijc. Quelle: Wörterbuch der deutschen Sprache.
Das Wort Angst ist also verwandt mit dem Wort eng. Angst wird von vielen Menschen als eine Einengung des Bewusstseins erlebt. Beim Erleben von Angst schnürt sich manchem die Kehle zu, der Mund kann trocken werden, die Kniee weich und im schlimmsten Fall hat die Bewusstseinseinengung zur Folge, dass der Ängstliche das Bewusstsein verliert und nur noch unbewusst handelt. Enge bezeichnet eine Eigenschaft des Freiraums bei einer Enge kleiner zu ein als ohne die Enge. Enge ist also weniger Freiheit.

Das zweite fundamental wichtige Wort in dieser Betrachtung ist der Zwang. Auch hier wird zunächst die Wortherkunft nachgeschlagen:

Zwang zwingen Vb. ‘gewaltsam zu etw. nötigen, zu etw. veranlassen, mit etw. fertig werden, etw. meistern’. Das stark flektierende Verb ahd. thwingan (8. Jh.), twingan (9. Jh.) ‘zwingen, unterjochen, beherrschen, festbinden’, mhd. twingen, dwingen, auch quingen, (seit 14. Jh.) zwingen ‘(zusammen)drücken, pressen, (be)drängen, nötigen, einschließen, beherrschen, bändigen’, asächs. thwingan ‘zwingen, bedrängen’, mnd. dwingen, mnl. dwinghen, nl. dwingen, afries. thwinga,[...] ‘zwingen, quälen’ lassen sich lediglich mit [...] ‘gerät in Bedrängnis’ vergleichen. Daraus ist ein Ansatz ie. [...] ‘bedrängen’ erschließbar. Ob (bei einer ie. Auslautvariante auf -k-) auch toch. AB ‘einzwängen’, lit. (Wasser) ‘stauen’, refl. ‘sich versammeln’ und (unnasaliert) griech. sáttein ‘vollstopfen, festdrücken, bepacken, beladen, ausrüsten’ hier anzuschließen sind, ist zweifelhaft. Als Grundbedeutung für das germ. Verb ist ‘einen Körper durch Gewaltanwendung zusammenpressen’ anzunehmen; übertragener Gebrauch im Sinne von ‘überwältigen, überwinden, meistern, bedrängen, einengen, rügen’ ist in ahd. Zeit bereits voll ausgeprägt. tw- Anlaut (bei Notker einsetzend, vereinzelt schon im 9. Jh.) herrscht im Mhd. (bis etwa gegen Ende des 15. Jhs.), zw- Anlaut setzt im 14. Jh. ein. Häufig sind Fügungen wie zu etw. gezwungen ( ‘genötigt, verpflichtet’) sein (15. Jh.), sich gezwungen ( ‘genötigt’) sehen (17. Jh.). – zwingend Part.adj. ‘bedrückend, verpflichtend, unabdingbar’ (16. Jh.), ‘schlüssig, folgerichtig, überzeugend’ (18. Jh.); geläufig zwingende Not (17. Jh.), bes. zwingendes Gesetz (16. Jh.), dann rechtssprachlich zwingendes Recht ‘Recht, das keine abweichende Regelung durch Vereinbarung unter den Betroffenen zuläßt’ (19. Jh.). bezwingen Vb. ‘überwältigen, meistern’, ahd. bithwingan ‘einengen, zügeln’ (8. Jh.), mhd. betwingen ‘bedrängen, beengen, bändigen, (er)zwingen’. Zwinger m. ‘von innerer und äußerer Mauer, von Schloß- oder Stadtmauer und Graben begrenzter Raum, in dem der vorgedrungene Feind überwältigt werden soll’, allgemein ‘Befestigungsanlage’ (15. Jh.), auch (da im Zwinger zu dessen Bewachung starke Hunde oder Bären gehalten wurden) ‘Tiergehege, Käfig’ (ebenfalls 15. Jh.), mhd. twingære, twinger, zwinger ‘Dränger, Überwältiger, Zwingherr (d. i. Grundherr mit Hoheitsrechten über Land und Leute)’; [...] ‘gewaltsamer, heftiger Mensch’ (Hs. 12. Jh.). Zwang m. ‘Druck, Nötigung durch Macht, Androhen von Gewaltanwendung’, ahd. thwang ‘Zügel’ (um 900), githwang ‘Zucht, Zwang’ (9. Jh.), mhd. twanc (auch zwanc) ‘Beengung, Gewalt, Einschränkung, Not, Bedrängnis’, ablautendes Verbalabstraktum. zwängen Vb. ‘gewaltsam einengen, Druck ausüben, pressen’, ahd. thwengen ‘bedrängen, züchtigen, beängstigen’ (9. Jh.), mhd. twengen (auch zwengen) ‘Zwang antun, drücken, zusammenpressen, bändigen’, mnd. dwengen ist Kausativum zu dem unter zwingen (s. d.) behandelten Verb. zwangsläufig Adj. ‘zwingend eintretend, unabwendbar, notgedrungen’ (19. Jh.). Quelle:Wörterbuch der deutschen Sprache.

Von welchem Raum ist in der Etymologie der Angst die Rede?

Der Laut 'ng' findet sich auch in den Worten Zwang und Strenge wieder. Beide Worte legen eine die Freiheit einengenden Wirkung auf die Selbsbestimmung nahe. Der von der Angst eingeengte Raum ist also der Raum der Möglichkeiten selbstbestimmt zu handeln. Liegt die Ursache dieser Einengung der Selbstbestimmung außerhalb des Selbsts, heisst die Einengung der Selbstbestimmung Zwang, liegt sie innerhalb heisst sie Angst.

Dagegen ist zum Einen einzuwenden, dass man sich ja auch selbst zwingen kann etwas, zu tun. Die Entscheidung, dies zu tun beruht jedoch für gewöhnlich auf einer Angst, das vermutete Eintreten eines als schlecht bewerteten Ereignisses in der Zukunft durch das „sich-selbst-Zwingen“ abzuwenden.

Der zweite Einwand ist, dass dem Selbst von Außen Ängste eingeredet werden können, bzw. Angst von Außen gemacht werden kann. Dies dient jedoch nahezu immer dazu, das Selbst zu einer bestimmten Handlung zu zwingen. Der unmittelbare Zwang ist in diesem Fall eher etwas wie eine Manipulation oder Suggestion.

Ängste treten oft beim Erleben unbekannter Situationen auf. Ist es für den Menschen nicht möglich, die Erfahrungen im Gedächtnis auf die gegenwärtige Situation zu übertragen, dann erlebt der Menschen oft eine Art von Unsicherheit, die sich zu einer handfesten Angst entwickeln kann. Doch sogar die Einschätzung der gegenwärtigen Situation entspringt dem Gedächtnis. Die Welt ist im Allgemeinen nicht so wie sie erscheint, und so wirken Ängste oft derart, dass sie den Raum der Möglichkeiten zu handeln auf das schon Bekannte, die Erfahrung, einengen und so werden viele Räume von Möglichkeiten durch die Angst gar nicht erst betreten.

In Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme ist ein fester Bestandteil des Bewusstseinsprozesses die autopoietische Reproduktion des Sinns. Das Abbilden (vermeintlich) unbekannter Reize auf (vermeintlich) Bekanntes im Bewusstseinsprozess dient dem Zweck, das aktuelle Reizmuster mit in der Vergangenheit erfahrenen Reizmustern zu identifizieren, also eine entsprechende (neuronale) Zuordnung/Verweisung vorzunehmen/zu finden, um Zugriff auf dazu passende, anschlussfähige Handlungen zu erlangen und also angemessen auf die Situation, die sich im Reizmuster darstellt, reagieren zu können.

Die zwei Bedeutungen des Wortes Projektion sind hier gleichzeitig zutreffend: Projektion in der Psychologie ist die (unbewusste) Zuschreibung von eigenen Gefühlszuständen (affektiven Reize) auf Äußeres und in der Neurophysiologie ist die Projektion (lt. Wikipedia)

Projektion [als Projektion wird] „die örtlich möglichst exakte Zuordnung von somatischen und psychischen Funktionen zu bestimmten Bereichen im Zentralnervensystem verstanden. Sie geht davon aus, dass es bestimmte Zentren von Nervenzellen im Gehirn gibt, die eine spezifische Leistung an einer bestimmten Stelle vollbringen.“ Quelle: wikipedia.org.
Ein spezieller Begriff für die Autopoiesis (grob Selbst -Erhalt, -Schaffung oder -Organisation) ist in diesem Zusammenhang das Wort Selbstreferenz (lat. referre zurückbringen). Die Grenzen des Anwendbarkeit der Selbstreferenz skizziert z.B. der Spruch „Man soll nicht generell von sich selbst auf andere schließen.“.

Das Gehirn des Menschen ist also konservativ in dem Sinn, dass es ständig und automatisch versucht, Unbekanntes auf Bekanntes im Raum der Erfahrungen zurückzuführen, um nicht in eine vollkommen unbestimmte Situation zu geraten, für die es gar keine Erfahrungen gibt. Ein Nichtschwimmer scheut den Sprung in das kalte Wasser, vollkommen alleine in einer fremden Stadt mit fremden unbekannten Menschen auszugehen, erscheint manchem Menschen als ein Wagnis.

Mit Verweis auf Die Kritik der reinen Vernunft bedeutet dies, dass das Gehirn versucht Urteile a priori abzurufen und zu bilden. Es bildet ein Modell der äußeren Welt, das sowohl in seinen Reizschemata als auch in den Mechaniken und Gesetzmäßigkeiten, den Kausalitäten besteht. Die Urteile a priori bestehen also in der Erinnerung an sinnliche Erfahrung in der erlernten Kenntnis von Zusammenhängen zwischen Ursachen und Wirkungen.

Unlust, Angst und Aggression

In seinem Buch Grundformen der Angst beschreibt der Psychoanalytiker Fritz Riemann an viel Stellen über das Buch verstreut seelische Mechanismen, die mit den Grundformen der Angst in Verbindung stehen. Er definiert die Worte, die er benutzt und setzt sie mit den Grundängsten in Beziehung. Zu Unlust, Angst und Agression schreibt er[1]

Wahrscheinlich lösen ursprünglich Unlust und Angst erst die Aggression aus, wobei Unlust sowohl die Vorform, die archaische Form der Angst in unserer Frühzeit ist. In dieser haben wir die späteren Möglichkeiten der Unlust Verarbeitung und Angstüberwindung noch nicht zur Verfügung, sondern sind der Unlust und Angst hilflos ausgeliefert. Was sie in der Frühzeit auslöst, sind intensive Frustrationen wie Hunger, Kälte, Schmerzen, Störungen des eigenen Rhythmus und der Integrität des Lebensraums, Überbelastungen der Sinnesorgane und Einschränkung der Bewegungsfreiheit, Überfremdung des eigenen Seins, zu viel überrennende Nähe und Eingriffe anderer, Einsamkeit. Angst ist in dieser Zeit also vor allem intensive Unlust, in jenen Situationen fallen beim Kleinkind Angst und Aggression zeitlich praktisch noch zusammen: was Unlust und Angst auslöst löst gleichzeitig Aggression und Wut aus.

Damit stellt Riemann Ängste in den Gegensatz zu Formen des Begehrens: Lust, Gier, sexuelles Begehren, Neugier, usw..

Das Riemann-Thomann-Modell

Fritz Riemanns Buch Grundformen der Angst grob zusammenfassend, werden im Folgenden die Eigenschaften und Merkmale der schizoiden, der depressiven, der zwanghaften und schließlich der hysterischen Persönlichkeit skizziert. Jeweils zwei der vier Angsttypen stehen sich auf den zwei Achsen des Riemann-Thomann-Modells gegenüber. Ich möchte hier in aller Deutlichkeit auf den Modellcharakter der hier betrachteten Extremformen von Persönlichkeitsmerkmalen hinweisen. Niemand passt perfekt in eine der Kisten, die Riemann gefunden hat, doch kann wenigstens ich mit einiger Sicherheit sagen, dass Menschen, die sich selbst in diesen Kisten wahrnehmen und diese dann gegebenfalls auch wechseln können, eine „ergodische“ Persönlichkeitsstruktur haben, die sich in nahezu jeder sozialen Umgebung zurecht findet. Riemann schreibt dazu[1, S. 66]:

Wenn hier und im Folgenden die »positiven« Vertreter der einzelnen Strukturtypen in der Beschreibung zu kurz kommen, liegt es daran, dass das Prinzipielle der vier Persönlichkeitsstrukturen gerade an den randständigen Formen klarer aufzuzeigen ist; ich hoffe, dass niemand daraus eine Wertung ableitet; jede Struktur hat ihre Möglichkeit der Entfaltung zu hohem Niveau.

[...]

Wie wir im letzten Kapitel sehen werden, besteht bei allen vier Persönlichkeitsstrukturen die Neigung zur Faszination durch den jeweiligen Gegentypus; darin möchte ich einen uns unbewussten Drang zur Ergänzung, zur Befreiung von krankmachenden Einseitigkeit sehen; denn wir können keinen der vier Grundimpulse einfach auslassen und vor der ihm entsprechenden Angst ausweichen, ohne Schaden zu nehmen.

Im Folgenden fasse ich die aus meiner Sicht wichtigsten Aussagen Riemanns in ein „Kondensat“ zusammen. Die Textteile, die ich hier zusammentrage entstammen also fasst ganz der Arbeit Riemanns und sind also vollständig als Zitate (!) gekennzeichnet.

Achse Bezeichnung Gegenstand der Angst Abkürzung Tiersymbol
Zeit-, Veränderungs-, Transformations-Achse

Zeitdimension

Geist, Himmel, Vorstellung, Theorie
Hysterie

(Wechselausrichtung)

von altgriechisch hystéra Gebärmutter (Kreativität)
Notwendigkeit und Festlegung H
Zwanghaftigkeit

(Dauerausrichtung)
Vergänglichkeit und Wandel Z
Raum-, Beziehungs-, Integrations-Achse

Sozialdimension

Körper, Erde, Realität, Praxis
Depression

(Näheausrichtung)

von lateinisch deprimere „niederdrücken“
Selbstwerdung D
Schizoidie

(Distanzausrichtung)

griechisch schizein „abspalten“
(Selbst-) Hingabe und Nähe S
Quelle: Wikipedia Artikel zum Riemann-Thomann-Modell. Das RT Modell basiert auf Riemanns Hauptwerk Grundformen der Angst (1961). Bei den Tiersymbolen ist zu bemerken, dass es sich um je ein Raub- und ein Beutetier des Himmels und der Erde handelt.

Einordnung des Riemann-Thomann-Modells

In der Systemtheorie Luhmanns sind die Affekte (hier besonders Angst und Begehren) der Zeitdimension zugeordnet, siehe auch Zeitsoziologie, während die Modalitäten Freiheit und Zwang wirklich in der Sozialdimension existieren.

Sinnliche und affektive Wahrnehmung mit dem Fluss der Zeit zu verbinden geht mindestens auf Immanuel Kant zurück, der den Zusammenhang in Kritik der reinen Vernunft erläutert[3, u.a. §4]. Sein ist am Ende (im Hirn!) immer Sinn, und das Sein ist in der Zeit, also verläuft sinnliche und affektive Wahrnehmung parallel zum Fluss der Zeit. Der Zeitfluss, die Zeitdimension ist bei Riemann der Transformationsachse zugeordnet.

Die obligatorische Anschauungsform des Raumes[3, u.a. §2f] (ein „Nicht-Raum“ ist nicht denkbar) unterteilt sich in der Systemtheorie in Sach- und Sozialdimension. An dieser Stelle ist zunächst allein die Sozialdimension von Interesse, die bei Riemann der Integrationsachse entspricht.

Störungen der Sozialdimension entstehen in der Sachdimension, in der Beziehung von Menschen zu Sachen. Überhaupt ist die Sachdimension entscheidend für die Ausbildung sozialer und psychischer Systeme, wie in der ökonomischen Betrachtung des Riemann-Thomann-Modells analysiert wird.

Folgende Tabelle dient der Zuordnung:

Dimension
(Luhmann)
Achse
(Riemann)
Anschauungsform
(Kant)
Sozial- Integrations- Raum
Zeit- Transformations- Zeit

Das Riemann-Thomann-Modell in Kürze

Die Integrations- und Beziehungsachse und die äußere Bestimmung

Die Integrationsachse des RT-Modells verläuft entlang der Einbindung/Einkopplung des betrachteten Individuums in das soziale Gefüge. Auf ihr stehen sich der schizoide (S) und der depressive (D) Typus gegenüber.

S-Typ

Verhalten, soziale Erscheinung Kontaktlücke, Distanz zu Beziehungspartnern, versachlicht Beziehungen, lebt isoliert und einsam, lebt Selbstbewahrung, ist sprunghaft in der Nähe-Distanz-Ausrichtung, reagiert abweisend, feindlich und eventuell abrupt abstoßend auf Nähe. Er bricht leicht den Kontakt ab und zieht sich schnell zurück. Den Ausdrucksmöglichkeiten fehlen Mitteltöne, nur Extreme schwarz und weiß. Erscheint als fern stehend, distanziert, unpersönlich und kalt, arrogant, unnahbar, scheint schwer ansprechbar zu sein, seltsam, absonderlich, in seinen Reaktionen unverständlich, befremdlich und unbekannt, Außenseiter, grenzt sich durch sozialen Ausschluss ab, bemüht sich um Sicherheit und Schutz vor Überfremdung, Kontaktschwäche, Elefanten im Porzellanladen, Verhalten schroff oder gar motorisch-expansiv, evtl. scharf, verletztend und brüsk. Aggressionen wenig, schlecht oder gar nicht in die reflektierte Persönlichkeit integriert mit z.T. triebhaften, archaischen Zügen. Karge Gefühlsäußerungen. Mangel an Lebenstechnik.

Nimmt sich mit zunehmender Nähe zurück, hat keine werbend-erobernde, verführend-hingebende Seite, Sexualität abgespalten, in Beziehungen emotional unbeteiligt, Gefühlskälte, es fehlen Vertrautheit und Innigkeit, ist bindungsscheu, neigt zu Fernbeziehungen, funktionalisiert das Liebesleben, kein zärtliches Vorspiel, keine Erotik, sehr direkt. Zweifelt am Geliebt-werden-können, fordert Bewährungsproben und Liebesbeweise, Sadismus, evtl. infantil gebliebene Sexualität. Theoretisch abstrakt-psychologische Kombinationsgabe für tendenziöse Umdeutungen und Psychologisierung. Eifersucht und Eifersuchtswahn, protektionistischer Beziehungswahn. Kurzfristige, intensive, aber wechselnde Beziehungen, evtl. Untreue in Dauerbeziehung. Abneigung gegen familiäre Bindung, Neigung zu Gruppenbildungen, Massenveranstaltungen.

Aggressive Triebabfuhr dient Entlastung von Spannungen, ist rücksichtslos, rein triebhafte Abreaktion, unkontrolliert, nicht eingeschmolzen in ein ganzheitliches emotionales Erleben, keine bremsenden Kräfte. Sadismus, verletzende Schärfe, eisige Kälte, Unerreichbarkeit, Zynismus. Ggf. sekundenschnellen Umschlagens von Zuwendung in feindselige Ablehnung, keine Mitteltöne, kein beherrschter, gekonnter, situationsangemessener Umgang mit Aggression.

Steigerungen: Kontaktgehemmte, Übersensible, Einzelgänger, „Originale“, Eigenbrötler, Käuze, Sonderlinge, Außenseiter, Asoziale, Kriminelle, Psychotiker.
Seelisches Erleben, Umweltwahrnehmung, Einstellung Hat radar-ähnliche, fein reagierende Sensibilität in der Umweltwahrnehmung, hat einen „Schutzkreis“ und Schutzhaltungen, Selbst-Empfindung in der Welt ist labil und ungeschützt, ganzheitliche Erlebniszusammenhang seiner seelischen Eindrücke, Antriebe und Reaktionen in verschieden hohem Maße zerrissen. Vitalimpulse isoliert, vom Gefühlsleben abgespalten. Integration der Erlebnis- und Gefühlsschichten in ihm im Verlauf der Sozialisation nicht geglückt. Zwischen Verstand und Gefühl, Rationalität und Emotionalität besteht ein großer Unterschied des Reifegrads; Gefühlsabläufe und Verstandeserfahrung verlaufen gleichsam isoliert, verschmelzen nicht zu einheitlichem Erleben. Frühe Orientierung an Verstandes- und Sinneswahrnehmungen bewirkten Verkümmerung der Gefühlsnuancen, kennt daher eher primitive Vorformen des Gefühls, der Affekte. In der Weltorientierung fast ausschließlich auf Sinneswahrnehmungen angewiesen.
Angst, Furcht, Vermiedenes Er fürchtet persönliche, nahe Kontakte und Intimität, andere zu brauchen, auf andere angewiesen zu sein, Pflichten ggü anderen zu haben, empfindet Umwelt als bedrohlich, sich selbst als offen und schutzlos, ungeborgen, ungeschützt, ausgesetzt, Angst vor Hingabe. Zuneigung, Sympathie, Zärtlichkeit, Liebe und Sexualität werden als potenziell gefährlich empfunden, fürchtet emotionale Bindungen, Lieben, sich Einlassen und Geliebtwerden. Fürchtet Reizüberflutung, Überfremdung, hat einen Schutzkreis, den er scharf verteidigt, ist im Umgang mit anderen unsicher, misstrauisch, weiß zu wenig von anderen, Angst vor der Nähe, fürchtet den Halt in sich selbst zu verlieren und Selbstaufgabe, fürchtet Verschlungenwerden, das jeweils andere Geschlecht erscheint unvertraut und bedrohlich. Vermeiden intellektuell Banales und Flaches, lehnen Unechtheit und Fassadenhaftes ab, vermeiden Sentimentalität, Überschwänglichkeit, Gefühlsduselei.
Ausrichtung, Begehrtes, Werte Unterscheidung von anderen, Unverwechselbarkeit, Unaustauschbarkeit, Einmaligkeit, Individualität, Autarkie, Selbstständigkeit, Unabhängigkeit, Freiheit, Ungezwungenheit, Selbstbezüglichkeit, Selbstbewahrung, Selbsterhaltung, Egozentrizität, Sucht Anonymität in der Masse. Er neigt zu Rationalisierung, Intellektualisierung und Berechnung, sucht Objektivität und Objektivierbarkeit, um Sicherheit, Halt und Abgelöstheit vom subjektiven Empfinden zu erlangen, Reflektion, Affektkontrolle, Lust am Zerstören, evtl. lustvolle Aggressivität, Kontaktaufnahme durch Aggression, Aggressive Form der Werbung, evtl. destruktiv-zersetzende soziale Wirkung. Nihilismus, Zynismus, Skeptiker, Rationalismus, Atheismus, Theoretiker statt Praktiker, politisch revolutionär bis anarchistisch, Hang zu Abstraktem, Symbolismus, Kritiker, Satiriker oder Karikaturisten, evtl. ironisch-satirisch, sind eigenwillig, unkonventionell, originell, manchmal zukunftsweisend. Evtl. Auslöser großer Umschwünge, Pioniere und Initiatoren, Mut zur Wahrheit, vertreten kompromisslos und klar ihre Überzeugungen, haben zu allem eine selbstständige Meinung, scharfer Blick für Schwächen anderer, schwer täuschbar, im mitmenschlichen Kontakt unbequem.

D-Typ

Verhalten, soziale Erscheinung Hingabe an Andere, hat Merkmale der Menschlichkeit überhaupt, das Du hat einen Überwert (Ich-Schwäche), starke Abhängigkeit vom Partner, Verschränkung von Brauchen und Lieben: „Ich brauche Dich, weil ich Dich liebe, ich liebe Dich, weil ich Dich brauche.“.Herdentrieb (Gegenstand der Massenpsychologie, das „Schwarmverhalten“ des Menschen), „Bindungsprotektionismus“, idealisiert v.a. nahe stehende Menschen,verharmlost und entschuldigt ihre Schwächen, übersieht ihre dunklen Seiten, will nicht Erschreckendes und Beunruhigendes wahrnehmen, Gefährdungen der vertrauensvollen Beziehung werden ignoriert, unterdrückt Zweifel und Kritik, geht Spannungen aus dem Weg, vermeidet Auseinandersetzungen des Friedens wegen, Schönfärberei, langanhaltende Naivität und Kindlichkeit, Vogel-Strauß-Politik, versteckt den Kopf vor den Abgründen des Lebens, Extremformen der altruistischen Tugenden: überwertige Bescheidenheit, kann nichts annehmen, Unterordnung, bis zur Selbstaufgabe, Überanpassung, evtl. masochistisches Verhalten und Hörigkeit, gibt eigene Wünsche auf, verzichtet auf sein Eigensein, evtl. Überforderung des Selbsts, ausgebrannt sein, erlebt Enttäuschungen, weil nicht geäußerte Wünsche für andere unklar und unbestimmt, andere haben unzureichende Vorstellung vom Selbst des Depressiven, Gedächtnisschwäche, sind schwer merkfähig, vergessen schnell, Lernschwierigkeiten, leiden an Müdigkeit, Teilnahmslosigkeit, sie haben eine Abwehr gegen Reize, die ein Begehren wecken könnten, vermeiden die Besitznahme, Fähigkeit zu einfühlender Identifikation, liebende Zuneigung, transzendierende Teilhabe, bei großer Verlustangst und Identifikation leben sie durch den Partner, Synchronisation: Ausbildung kohärenten harmonisierten Verhaltens (siehe auch Kohäsion), Ko-Identifikation, Verschränkung, symbiotische Beziehung Auflösen der Grenzen zwischen Ich und Du, stellte das eigene Wesen zurück, übernimmt die Ansichten und Meinungen des Partners. subtile Art des Missbrauchs des Partners, „erpresserische Form der Liebe“, möchte eigentlich den Partner beherrschen, Übertragung von Verantwortung zum Leben auf den Partner, Verstrickungstragödien, Beziehungen hängen nur noch über Angst-, Mitleid- und Schuldgefühle zusammen, unter der Oberfläche befinden sich Hass und Todeswünsche.
gemütshaft, gefühlswarm, Einfühlungsgabe, eine gewisse Schwermütigkeit und Anhänglichkeit im Gefühl, liebende Einfühlung, leichte Melancholie. gehemmte Aggressivität ist, wenig Ellenbogen, wenig kämpferisch, friedfertig, gutartig, „sensible Vitalschwäche“, eine seelische Durchlässigkeit, Hautlosigkeit, Mangel an „dickem Fell“, darauf angewiesen, beschützt und gestützt werden, fordert die Bevaterung und Bemutterung heraus, phlegmatisches Verhalten, Bequemlichkeit.

übernimmt bis weit über die eigenen Grenzen Verantwortung für andere,ist nie richtig er selbst, ungeübt im Nehmen,
Seelisches Erleben, Umweltwahrnehmung, Einstellung Erlebt Ich-Werdung als Herausfallen aus der Geborgenheit, der Sicherheit der Konformität, empfindet Distanz, Ferne und Trennung als allein gelassen und verlassen werden, Individuation erscheint als Unterscheidung von anderen im Denken oder Fühlen, Abhängigkeit erzeugt Sicherheit, zu wenig Phantasie für das Böse im Menschen, das Menschenbild ist zu gut, sieht Entfremdung als Gefahr, bildet eine passive Erwartungshaltung aus, verzichtet auf die Belohnungserwartung, sie sehen die Früchte, die das Leben ihnen bietet, haben jedoch nicht gelernt, sie zu greifen. Das geringe Selbstwertgefühl schwächt den Mut zum Nehmen, das Sich-Einverleiben, Zugreifen, Zupacken und Fordern, Überschätzung anderer, Verlustangst verhindert das Aufzeigen von Grenzen der Hingabe, Unsicherheit über Freiheit und Bindung. Spannungen, Auseinandersetzungen und Konflikte erlebt er als quälend und unerträglich. Krisen mit Partner aufgrund von zu viel Nähe sind ihm unverständlich, Panik bei abrupter Entfernung des Partners, Bedürfnis nach Distanz beim Partner wird als mangelnde Zuneigung oder als fehlende Liebe gedeutet, Abhängigkeiten steigerbar bis Masochismus, Hörigkeit, Willenlosigkeit.

Meidet, unterdrückt Aggressionen, verlagert sie von Außen nach Innen, deutet sie um, verharmlost sie, macht Kleinigkeiten aus ihnen, entwickelt dabei ein Gefühl moralischer Überlegenheit, eine passive Aggressivität, eine erzwungene Harmonisierung, eine subtile Form der Gewalttätigkeit, duldet die hingegen Aggression des Partners, der Abstand schaffen will, entwickelt einen seelischen, moralischen oder sexuellen Masochismus, die im Selbst unterdrückten Aggressionen erlebt er dadurch im anderen, er überträgt den (normalerweise vorhandenen) inneren Impuls zur Selbstwerdung, den Individuationsimpuls, auf den Partner aus Angst davor, mit dem an die Oberfläche dringenden Impuls die Bindung zu gefährden, auf Aggression des Partners reagiert er mit erzwungener Friedfertigkeit, erzeugt im Streit Schuldgefühle, macht den Partner wütend, vertieft die Bindung über die entstehenden Schuldgefühle, fordert Wiedergutmachung, so wird der „demütige Heilige“ zum Quäler, der (aggressive) „Sünder“ zum Gequälten. Das eigene Böse wird also auf den Partner übertragen und so Schuld und Schuldbindung erzeugt. Der Partner wird erstickt, gewissermaßen „weich vergewaltigt“.

Sublimierung des Auslebens von Aggressionen: Jammern, Klagen und Lamentieren, „alles zu viel“, „Menschen so böse“, „Rücksichtslosigkeit“, sie haben dann eine anklagende Miene, erwecken Schuldgefühle beim Partner, zwingen ihn indirekt zu größerer Rücksichts- und Anteilnahme, zermürben damit den Partner, auch Selbstmitleid, Melancholie, Selbstbestrafung,

Überbesorgtheit, das Ideologisieren von Bescheidenheit, Friedfertigkeit und Demut, lammentierendes Jammern, Dulderhaltung bis zur Wendung gegen sich selbst in Selbstvorwürfen, Selbstanklagen, Selbstbestrafungen bis zur Selbstzerstörung. Körperliche Wirkungen sind die Somatisierung und andere körperliche Manifestationen des Selbsthasses.

nicht gelebtes Subjekt-Sein und Sich-ausnutzen-Lassen führt zum Hassenmüssen, zu quälendem Neid, ohnmächtiger Schwäche und Bitterkeit, er muss die Affekte jedoch zudecken und Aggressions- und Individuationsimpulse unterdrücken.

Träger der Gemeinschaft.

Schweregrade: Kontemplation, Beschaulichkeit, stille Introvertiertheit, Bescheidenheit, Schüchternheit, Gehemmtheit im Fordern und Sich-Behaupten, Bequemlichkeit, rezeptive Passivität, passive Erwartungshaltungen, (Schlaraffenlanderwartungen an das Leben), Hoffnungslosigkeit, Depression, Melancholie, nicht selten am Ende Selbstmord, völlige Apathie, Indolenz und Süchte. Häufig besonders schroffer Wechsel zwischen hoffnungsvollen Lichtblicken und hoffnungsloser Verzweiflung.
Angst, Furcht, Vermiedenes Angst, ein eigenständiges Ich zu werden, Angst vor Ich-Werdung, Individuation, Eigensein, Selbstständigkeit, Angst vor Ungeborgenheit, Distanz, Entfernung, Entfremdung, Verlust, verlassen Werden, Trennung, Einsamkeit, vermeidet (erlaubt sich nicht) das Äußern von Wünschen, Impulsen, Affekten und Trieben, die zur Ich-Werdung führen, meidet und fürchtet, unterdrückt Aggressionen, wenn sie bindungsgefährdend sind, Angst vor einem „Bumerang-Effekt“ des eigenen aggressiven Verhaltens, vermeidet die Individuation, stellt Selbstwert und Ich zurück,
Ausrichtung, Begehrtes, Werte Vertrauter Nahkontakt, Aufhebung der Distanz, Sehnsucht nach Liebe, will andere glücklich machen, sich selbst vergessen, Getrenntheit der Individuen aufheben, denkt mehr an andere, als an sich selbst, wollen sie das Urbild der »Mutter-Kind-Beziehung« wiedererwecken, bedingungslose Liebe, ihr Glück teilen, Harmonie, muss selbst „gut“ sein, altruistische Tugenden: Bescheidenheit, Verzichtsbereitschaft, Friedfertigkeit, Selbstlosigkeit, Mitgefühl und Mitleid, sich gegenseitig Bedürfnisse erfüllen.

Lieben, lieben-Wollen, geliebt-werden-Wollen, große Liebesfähigkeit, Hingabe- und Opferbereitschaft, geben ihren Partnern Geborgenheit, Gefühlsinnigkeit, Unbedingtheit der Zuneigung und Zuwendung, aufopfernde und selbstlose Liebe, Sexualität weniger wichtig als Liebe, Zuneigung und Zärtlichkeit,

Allerheiligstes ist Beziehung, Bindung Ideologie der „Friedfertigkeit“, Treue, relationale Beständigkeit, Hingabe, Ideologie des Verzichts, „emotionale Askese”, wehrt Neid mit moralischer Überlegenheit ab, Bescheidenheit, Demütigkeit, Friedfertigkeit und Bedürfnislosigkeit, Zurückstellung des Selbstwerts und des Ichs, einfühlsam, mitfühlend, mitleidend, denkt erst an den Anderen, tiefes Fremdverständnis, Empathie, Hoffnung auf Erlösung von Leiden und Schulden, Sehnsucht nach Erlebnissen der Allverbundenheit und Einheit.

Die Transformationsachse, das Strukturmodell der Psyche und die innere Bestimmung

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Z-Typ

Verhalten, soziale Erscheinung Unterbindet, bremst, hemmt und verhindert Veränderungen, Neuerungen, neuen Erfahrungen, Entwicklungen auch die eigene, hält sie auf, schränkt sie ein, versucht sie zu verhindern und bekämpft sie. Erhält eisern Meinungen, Einstellungen, Grundsätze, Gewohnheiten, Gelerntes, Geglaubtes, Erkanntes. Sammelneigung, suchen das perpetuum mobile, erhebt eigene Ansichten und Theorien ins Allgemeine und Zeitlose, strebt ewige Gültigkeit, etwas die Zeit Überdauerndes an, hält starre an Überkommenem fest, starre Unveränderlichkeit, immerwährende Fremd- und Selbstkontrolle, Versuchen Macht, Wissen und Übung zu erlangen, so dass nichts Ungewolltes und Unvorhergesehenes passiert. Orientieren ihr Handeln ausschließlich an Kausalzusammenhängen. Versucht, den Fluss des Unkontrollierbaren aufzuhalten, zaudern, zögern und zweifeln. Stellt Bedingungen, ist eisern-konsequent, hartnäckiges Zwingen- und Bändigenwollen der Gewalten des Lebens, Mangel an Elastizität, stattdessen Steifigkeit, Starrheit. Evtl. Wasch-, Grübel-, Zähl- und Erinnerungszwänge, aus dem lebendig pulsierenden Rythmus des Lebens wird gleichförmig-stereotypischer Takt, er führt Machtkämpfe, ignoriert Andersartigkeit und Selbstbestimmung des Partners, fordern von ihm Anpassung und Fügung, er leidet an Zwangshandlungen, deren Vermeidung ihn ängstigen.
Seelisches Erleben, Umweltwahrnehmung, Einstellung Vorurteile (siehe Urteile a priori), Es fehlt es an Fähigkeit und Bereitschaft zur Neuorientierung. Erwehrt sich der Regel tempora mutantur et nos mutamur in illis (die Zeit ändert sich, und wir verändern uns in ihr). Dem Z-Typ fehlt im Lebendigen und Natürlichen die Absolutheit und die Berechenbarkeit. Fürchtet, dass bei Entspannung des inneren Zwangs, der Relaxation der inneren Anspannung, des sich-kontrollieren und zusammennehmen-Müssens das in ihnen Unterdrückte, Verdrängte oder im Äußeren das, was „nicht sein dürfe“, alles überschwemmen würde, wenn sie es zuließen.

Liebe als etwas Irrationales, Grenzüberwindendes, ein transzendentales Gefühlserleben bis hin zur ungehemmten Leidenschaft erscheint dem Z-Typ als beunruhigend und gefährlich, Enthält dem Partner Freude, Spontanität, spürbare Zuneigung, Abwechslung und Heiterkeit im Alltag vor. Partner wird funktionalisiert, soll pünktlich, genau, zuverlässig und reibungslos ohne eigene Wünsche und Gefühlsansprüche funktionieren, programmierte Beziehungen, Rigide und abwehrende Einstellung zur Unkontrollier- und Unüberschaubarkeit der Sexualität, der Lebensfreuden und Genussmöglichkeiten.
Angst, Furcht, Vermiedenes Angst vor „Chaos“ und Gesetzlosigkeit, Verlust des Unvergänglichen, Vertrauten, Gewohnten, Veränderungen, Vergänglichkeit und Zeitlichkeit, die Grundregel alles Lebendigen „alles fließt“ (panta rhei, 2. Hauptsatz), Abzunutzung, Meidet Überraschungen, ungeprüftes Annehmen, Täuschung, Irrtum, Unübliches, Andersartiges, Verbotenes, Versuchungen, hat Angst vor dem ersten Schritt, der Unübersehbares, Unkontrollierbares auslöst, Angst vor Risiko, Wagnis, unbekümmerter Spontanität, Wandlung und Vergänglichkeit, dem „Ende“, dem Tod. Fürchtet Verlust der Sicherheit, vermeidet Hinzulernen und Korrigieren bisheriger Erfahrungen (vgl. Begriff des Wiederholungszwangs). Fürchtet Neues und Ungewohntes, Ungewolltes und Unvorhergesehenes, Machtlosigkeit und Ohnmacht, fürchtet Lebendigkeit und Natürlichkeit, Angst vor Lockerheit, losen Regeln, sich Andersartigem gegenüber zu öffnen, nachzugeben, sich ihm zu überlassen ohne immerwährende Fremd- und Selbstkontrolle, Angst vor Selbstverantwortung, vermeidet Assoziation, das willkürliche, zufällige Kombinieren, das intuitive Agieren, Leidenschaft, das Zulassen von Spontanität und spontanem Erleben, hält seine Einfälle zurück, spontane Reaktionen und Triebäußerungen wie Wut, Hass, Trotz und Feindseligkeit aus Strafangst angstbesetzt.
Ausrichtung, Begehrtes, Werte Sehnsucht nach verlässlicher Wiederkehr und Dauer des Vertrauten, Gewohnten und für unveränderlich Gehaltenen, und der Unverlierbarkeit eines geliebten, unwandelbaren Wesens, sicheres Wissen, gültige Erkenntnisse, Ordnung, absolute Naturgesetze, moralische Gesetzen und Ordnungsprinzipien, Formales, Streben nach Dauer, Erreichen von Zeitlosem, Ewigem, Absolutem, Allgegenwärtigkeit von etwas Göttlichem, Konservatismus: das Gleiche, Bekannte und Vertraute, sucht immergültige Prinzipien, unumstößlichen Regeln, ewige Gesetze, Systematisierung und Schemata, Erhalt der festgehaltenen subjektiven Einstellung, Zuverlässigkeit, Entschiedenheit, Recht haben, Sicherungsbedürfnis, Vorsicht, Voraussicht, zielbewusste Planung auf lange Sicht, eine Einstellung auf Dauer, Unsterblichkeit, Unendlichkeit. Traditionen familiärer, gesellschaftlicher, moralischer, politischer, wissenschaftlicher und religiöser Art, Dogmatismus, Konservatismus, von Prinzipientreue bis Fanatismus, Kontrolle, Pedanterie, Akribie, Macht, Wissen, Übungen und Exerzitien, Wissen ist Macht, sucht Verbindliches, Verlässliches, Kontrollierbares, Gewisses, Vorhersehbares, Berechenbares, Rationalisierung, Vernunft, Sachlichkeit, bevorzugt klare, entweder-oder-Ordnung der Bestimmung (Hammer und Amboss), fügen sich gut in Hierarchien ein, Treue, bis ins Sadistische reichende Prinzipien unter dem Deckmantel der Korrektheit, betont in der Beziehung Zeit und Geld, Pünktlichkeit, Sparsamkeit, Leistungswille, Machttrieb, pedantisches Bedürfnis nach Exaktheit, Ordentlichkeit und starrer, unwandelbarer Kontinuität, Konsequenz, teils aggressive, übermäßige Korrektheit, kämpfen für Hygiene, Moral, Sitten, oft Vertreter des Patriarchats, Affektkontrolle, Selbstbeherrschung und Selbstzucht, Dressur und (militärischer) Drill, Lust auf Gewalt, Macht und Aggression sind bei ihnen in einer resonanten Wechselbeziehung, Solidität, Stabilität,

H-Typ

Verhalten, soziale Erscheinung Der H-Typ ist von Reizen, Neuem, sinnlichen Eindrücken fasziniert, vom Kennenlernen von Unbekanntem, der Freude am Wagnis, Risiko, dem „Nervenkitzel”, an Abenteuern, Erlebnissen und Erfahrungen, Neugier, er will Möglichkeiten seines Wesens kennenlernen, zelebriert den Augenblick, Opportunismus, von Augenblick zu Augenblick leben, ohne feste Pläne und Ziele (vgl. teleologisches Handeln). Strebt eher nach der Freiheit von etwas, als nach der Freiheit zu etwas, opfert die Zukunft auf dem Teller der kurzfristigen Angebote der Gegenwart, lebt deswegen wie (ein Anarchist) in einer „Gummiwelt“, die nach Belieben und Willkür umgestaltet wird, weicht vor Konsequenzen des eigenen Handelns aus, relativiert, bagatellisiert, leugnet und ignoriert die Wirklichkeit, die Realität, Tatsachen, deutet sie um, erkennt sich nicht an, versucht sie zu sprengen, sich ihr zu entziehen, sie damit abwehrend und davor ausweichend, ignoriert Kausalitäten, Zusammenhänge von Ursache und Wirkung, nach dem Motto nach mir die Sintflut, stapelt Erwartungen hoch, suggeriert Existenz von Zielen, die nicht im kausalen Zusammenhang zu gegenwärtigen Handlungen stehen, hat naive Erwartungsvorstellungen, hat Schwierigkeiten, begehrende Affekte zu kontrollieren, Schwierigkeiten Aufschub von Belohnungen, die Bedürfnisspannung bei Diskrepanz von haben und wollen zu ertragen (können nicht gut sparen), Promiskuität, mangelnde Affekt- und Impulskontrolle, die Folgen des Handelns ignorierend, Logik für ihn lästige Realität, entwickelt private Pseudologik, sprachlich manipulativ, strickt damit brüchige, fragile und auf Lügen basierende Scheinwelt, mangelndes Fehlergedächtnis, lernt nicht aus Fehlern, plastisches, formflexibles Verhalten, führt geschichtsvergessenes, gewissenloses Leben, ihr Leben hat etwas Punktförmiges, Fragmentarisches und Schillerndes, Mangel an Kontinuität, Pseudopersönlichkeit ohne Kontinuität, klare Konturen und charakterliche Prägung, hat chameleonartige Anpassungsfähigkeit, zu wenig Ich-Kontinuität (Charakter), ist unberechenbar und schwer zu fassen, verlieren sich in Rollenspielen,

Er erkennt und stimuliert das Begehren im Partner, kann gut mit dem anderen Geschlecht umgehen, narzisstischen, oberflächliche Partnerwahl (Stellung, Vermögen, Titel, Ansehen und äußere Vorzüge des Partners), Gewandheit, Verführungsvermögen, Sadistische, despotische Männerfresserinnen (z.B. Herrinnen, Dominas, dämonisch-zerstörerische Frauen, Circes, die Männer benutzen, erniedrigen, sexuell hörig machen, sie physisch, psychisch/seelisch oder materiell überfordern, ausnutzen, aussaugen, entmachten, »kastrieren«, indem sie ihre Männlichkeit abwerten) und herzensbrechende Schürzenjäger (oder Loverboys), sammelt „verbrauchte Partner” wie Trophäen, die ihren Selbstwert messen, zwingt Partner in einen Wettbewerb mit Konkurrenten, viele Trennungen und Neuanfänge aufgrund zu hoher Erwartungen, Partner soll die subjektiven Entbehrungen des H-Typs kompensieren, süchtiges, unbefriedbare Streben nach Bestätigung, Schuldübertragung und Schuldumkehr, verhält sich in logisch einengender Kommunikation elastisch, formflexibel und ausweichend.

Aggression ist elastisch, spontan, unbekümmert und oft unüberlegt, weniger nachhaltend und nachtragend zwischen Impulsivität und Willkür, eher personen- als sachbezogen, Agression dient Dramatisierung und Beeindruckung, schauspielerisch-darstellerisch begabt und auf Publikum ausgerichtet, je größer Diskrepanz zwischen Schein und Sein, Wunsch-Ich und Real-Ich, desto größer Angeberei, unersättliche Geltungssucht, Imponiergehabe, Mangel an Selbsteinsicht, Selbstkritik und Selbstkontrolle, Aggression nicht selten unlogisch.

Rollenspiele zum Ausweichen vor der Realität, Vorstellung eines ihr Leben bestimmenden Wesens ist einseitig, kindlich-unreif, naiv und wundergläubig, ethisch inkonsequent, spielt In Kollektiven große und gefährliche Rollen, weil er rassistische, semitische, religiöse, ethnische oder völkische Feindbilder aufbaut, begeistern, reißen mit, sind suggestiv begabt, können das Lebendige wecken, Gefühlszuwendung eher spontan als gleichmäßig, aber fassadenhaft, inkonsequent, wechseln schroff zwischen Verwöhnen und Versagen, abhängig von Anerkennung und Bestätigung anderer, Glauben an Fassadenhafte die Rolle, doch fehlt Härte und Konsequenz,
Seelisches Erleben, Umweltwahrnehmung, Einstellung Alles soll für sie relativ, lebendig und farbig bleiben, hängen nicht an der Vergangenheit, leicht ablenkbar durch Reize in der Umwelt, braucht das Gefühl der Freiheit als Abwehr gegen das Gefühl der Einengung durch Ordnungen und Gesetzmäßigkeiten, Er lebt damit leicht in einer gefährlichen, illusorischen, unwirklichen Scheinwelt einer Pseudorealität, in der es Phantasie, Wünsche und Möglichkeiten gibt, jedoch keine (begrenzende) Realität, teils skrupellos, allein des eigenen Vorteils bedacht, verdrängen, vergessen und ignorieren ihre Schuld am Chaos, das sie stiften und Unangenehmes, empfindet Pünktlichkeit, Zeitplanung und Zeiteinteilung als lästig, zu pedantisch oder kleinlich, ignoriert das Altern, Wahn ewiger Jugend, Ethik und Moral, gut-und-böse-Schemata unverbindlich, relativier- und bezweifelbar, Welt ist für ihn angenehm plastisch und biegsam, Fehler umdeutbar,

Sex ist für sie ein Mittel zum Zweck der Steigerung des Selbstwertgefühls und des Ausbaus der Macht gegenüber dem Partner, sie wollen den Rausch der Machtausstrahlung ihres Wesens erleben, missbrauchen das Sich-Geben und Sich-Verweigern erpresserisch, Selbstwertgefühl gekoppelt an das begehrt und bewundert Werden, seine Eigenliebe bedarf immerwährender Bestätigung, glaubt an illusorische Täuschungen einer überlegenen, unfehlbaren Idealehe, hat kein echtes, wahrhaftiges, gleich- und gegengeschlechtliches Vorbild, brüchiges Selbstbild, mangelnde Identität mit sich selbst, labiles Selbstwertgefühl, narzisstisch leicht kränkbar, starke innere Abhängigkeit zu seinen früheren familiären Bezugspersonen, Dreiecksbeziehungen, in denen unbewusst Rollenstellung zwischen den Eltern wiederholt wird, haben keine wahrhaftige, in sich stabile und konsistente Männlich- oder Weiblichkeit, schwaches Selbstwertgefühl, seelische Lücke zwischen der vorgeschobenen, brüchigen Geschlechterrolle und der Identität, illusorischen Erwartungsvorstellungen vom Leben, der Liebe, der Ehe und vom anderen und eigenen Geschlecht, kindliche Einstellung,

will mit Agression überraschen und überrumpeln, statt strategisch zu planen, Angriff beste Verteidigung, unbeschwerte, optimistische Erwartungsvorstellung vom Leben, sieht es farbig, reich, intensiv und füllig.
Angst, Furcht, Vermiedenes Endgültiges, Unausweichliches, Notwendigkeit, Begrenztheit seines Freiheitsdrangs, Einschränkungen der Möglichkeiten, Zwänge, festlegende Gesetzmäßigkeiten, Traditionen, Verbindliches, Verpflichtungen, Ansprüche auf ewige Gültigkeit, fürchtet das sich-Festlegen, das nicht-ausweichen-Können, er sträubt sich gegen Gesetze des Lebens und der Natur, meidet oder negiert Geschlechterrollen, das Altern und den Tod, (soziale) Konventionen, kollektive Spielregeln aller Art, Vorschriften, Gesetze und das (physikalische) Prinzip der Kausalität. Er fürchtet die unvermeidlich begrenzenden Seiten des Lebens und der Welt, Sie weichen vor dem Verzicht, dem Warten und der Verantwortung des eigenen Handelns aus. Angst vor Festlegung und (logischer) Notwendigkeit, Verpflichtungen und Endgültigem, Gefangenheit, Klaustrophobie, evtl. Tierphobien,

vermeidet Langeweile,

Angst vor dem Nicht-liebenswert-Sein, ihm fehlt Geduld, Ausdauer und Durchhaltevermögen in der Weiterverfolgung der von ihm angestoßener Veränderungen.
Ausrichtung, Neigungen, Begehrtes, Werte Wandlung, risikoavers, Veränderung und Freiheit, alles Neue, Nutzung aller gegenwärtigen Möglichkeiten für Lustgewinn, halten sich für die Zukunft das weite Feld der Möglichkeiten offen, ohne konkrete Planung (vgl. zum Begriff der Ergodizität und der adiabatischen (reversiblen) Zustandsänderungen), vergangensheitsabgewandt, zukunftszugewandt, opfern dafür Gegebenes, Herkömmliches, Bestehendes, genießt das Bad in Reizen, Niegung, von Wünschen besessen zu sein, starker Drang zur Sofortbefriedigung, persönliche Freiheit,

liebt Rausch, Extase, Leidenschaft, Höhepunkte des Erlebens, fasziniert von grenzüberschreitenden Erfahrungen, ist in Beziehung intensiv, leidenschaftlich und fordernd, sucht Selbstbestätigung, Meister der Erotik, der Erzeugung einer erotischen Atmosphäre, Flirts, der Koketterie, der Verführung und der Suggestion, Neugier, Lebenshunger, will Liebe in allen Facetten, Formen und Gestalten kennenlernen, liebt Glanz, Pracht, Feste und Feiern als Gast und als Gastgeber, versucht im Mittelpunkt zu stehen durch Charme, Temperament, Gewandtheit und Direktheit, liebt das Sensationelle, als Partner wie wie ein Kanarienvogel: farbig, Lebendigem zugewandt, spontan, impulsiv, genussfroh, phantasiereich und verspielt, Sucht nach Rausch und Reiz, zärtliches Vorspiel, erotisches Spiel, Wunsch begehrt und bestätigt zu werden, hoher Liebesanspruch, fordert Liebesbeweise,

Konkurrieren, Rivalisieren, Werben, Erobern, Geltungsstreben, Sich-bewähren-Wollen,

Beruflich liberal, revolutionär mit Hang zum Sensationellen, populistisch begabt, persönlichkeitsgebundene Flexibilität, nach Niederlagen „Stehaufmännchen“, risikofreudig, dem Augenblick angemessene elastische, spontane Reaktion, Wendigkeit, Kontaktfreudigkeit und -fähigkeit, Anpassungsfähigkeit und -bereitschaft, können repräsentieren, können Anschein, Fassaden und symbolhafte Bedeutungen errichten, können improvisieren, überraschen und überrumpeln, begabt durch starke Wunsch- und Einbildungskraft, Ausdrucksfähigkeit und Darstellungsfreude, Eigenschaften/Werte: risikofreudig, wagemutig, eigenwillig, unternehmenslustig, neugierig, dem Neuen gegenüber aufgeschlossen, improvisierend, ausprobierend, elastisch, plastisch, lebendig, oft sprühend, mitreißend, lebhaft, spontan, gute Gesellschafter, nie langweilig, bewirkt Veränderung, rüttelt an Traditionen, veralteten, starren Dogmen, überschreitet Grenzen, suggestiv.

Verallgemeinerte Riemann Koordinaten

Die neutrale Position auf der Bestimmungs- und der Werteachse

Als wichtig hervozuheben ist nun, dass die jeweils neutralen Positionen auf beiden Achsen nicht absolut definierbar sind. Sicher gibt es bestimmte Werte und auch Verhaltensweisen in Bezug auf Andere die nahezu einen absoluten Gültigkeitsanspruch haben.

Zu diesen nahezu absoluten Werten gehören in den Religionen die religiösen Gebote, in der Moraltheorie die Sitten und in der Kultur die Gebräuche und Riten, jedoch sind eben für die meisten dieser Werte Situationen konstruierbar in denen der Zwanghafte ein Problem bekommt, während der Hysterische unbeschadet aus der Situation hervorgeht.

Auch ist die Unterscheidung zwischen Depression und Schizoidie schwierig, insbesondere wenn man einbezieht, dass die Verhaltensweisen durch frühere Beziehungspartner erlernt bzw. durch Zwang anerzogen wurden und somit derjenige, der von Außen betrachtet scheinbar schizoid handelt, in (seiner) Wirklichkeit heteronom / depressiv gegenüber einem früheren Beziehungspartner oder seinem Selbst in einer der früheren Beziehung handelt. Zum Anderen verschwinden in Liebesbeziehungen die Grenzen zwischen Autonomie und Heteronomie, wodurch die Unterscheidung zwischen depressivem und schizoidem Verhalten eine komplexe Frage darstellt.

Basis-Transformation

Es ist wichtig, doch nicht ganz einfach, das Zwanghafte in den Einschränkungen der Möglichkeiten, den Gestaltungen und Formungen des Handelns in einen gesunden, „normalen“ und einen kranken, abnormalen Anteil zu trennen.

Innerlich geht es dem Menschen um den Umgang mit seinen Werten insbesondere um Veränderung / Wandlung bzw. Festlegung. Die dazugehörige Achse bezeichnet Riemann als Transformationsachse (Zeit-Achse im Riemann-Thomann-Modell) auf der sich die Zwanghaften mit einer Angst vor Wandlung und die Hysterischen mit einer Angst vor Festlegung und Unausweichlichkeit gegenüber stehen. Eine Veränderung kann also als eine Erweiterung des Raums der Erfahrung angesehen werden.

Die Integrationsachse (Raum-Achse im Riemann-Thomann-Modell) hingegen bemisst die Beziehung des Menschen mit seinen (äußeren) Beziehungspartnern. Es stehen sich dort Depressive, die Angst vor der Selbstwerdung haben, und Schizoide, welche Angst vor (Selbst-)Hingabe haben, gegenüber. In einer Austauschbeziehung hat der Schizoide Angst davor, sich in seiner Selbstbestimmung dem Beziehungspartner hinzugeben, ihm also einen Teil der Bestimmungs über sich selbst zu übertragen.

Die vier Kategorien von Riemann können direkt mit dem Zins und dem nomischen Gleichgewicht in Beziehung gesetzt und verallgemeinert werden.

Riemann Koordinaten 2.0
Verallgemeinerung des Riemann'schen Modells zu den Grundformen der Angst: die Transformationsachse wird zur Achse des Umgangs mit den Werten und die Integrationsachse wird nomische Achse.

Auf der Integrationsachse geht es im Wesentlichen darum, wer in einer Beziehung bestimmt, weswegen die Integrationsachse auch als nomische oder auch als Bestimmungsachse verallgemeinert werden kann. Der Depressive hat Angst über sich selbst zu bestimmen, also Angst vor Autonomie und wird alles tun, um eine Situation herbeizuführen, in der das eigene Selbst überwiegend durch Andere bestimmt wird. Hingegen hat der Schizoide Angst vor Heteronomie und wird folglich eine Lebenssituation anstreben, in der er über Andere bestimmen kann.

Die Transformationsachse, auf der es um Veränderungen geht, kann man auch als Werteachse bezeichnen. Ein Mensch richtet sein Handeln nach äußeren und inneren Werten (Regeln und Gebote) aus. Zwanghafte oder auch Wert-konservative Menschen erzwingen in Ihrem Handeln das Festhalten an diesen Werten und vermeiden deren Hinterfragung, sie fügen sich ihren Werten, selbst wenn sie dabei starke Emotionen aushalten müssen. Im Gegensatz dazu halten die Hysterischen oder Wert-Liberalen Werte und Regeln eher für einengend, hinterfragen sie ständig und geben sich eher Ihren Affekten und Emotionen hin. In Bezug auf Werte (Regeln und Gebote) sind die hysterischen Persönlichkeiten also eher „unstrukturiert“.

Referenzen / Einzelnachweise