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26. Juli 2017

Kritik von drei für diese Zeit typischen subtil-manipulativen Aufklärungsvideos





Ich nenne Videos wie das erste ( etwas gehässig vielleicht ) deswegen gerne auch „Idiotenfilter”!

Das meiste in dem Video ist wahr, doch werden an mehreren Stellen und äußerst geschickt insbesondere in der Anmoderation Suggestionen eingebaut, die den Unwissenden in eine falsche, rückwärtsgewandte und selbstschädigende Richtung lenken sollen.

Ich beschränke mich auf die wesentlichen Suggestionen A, B und C.

Suggestion A: Bargeldvebot dient der Kontrolle der Bürger

Die erste Suggestion A ist, dass das Bargeldverbot der vollkommenen Überwachung und der vollkommenen Abschaffung der Privatsphäre, also der vollkommenen Kontrolle der Bürger dient.

Unbestreitbar ist, dass mindestens für die Bank sämtliche Transaktionen sichtbar werden, sobald alle Transaktionen elektronisch durchgeführt werden.

Vor der Bank lassen sich nach einem Verbot des Bargelds also keine Geheimnisse im Umgang mit Geld mehr verstecken.

Der Staat hat jedoch erst auf Anordnung eines Richters nach einem Antrag die Möglichkeit, in die Transaktionen Einsicht zu bekommen.

Schließlich dient die Abschaffung des Bargelds der Einführung von Negativzinsen.

Kann man sein Geld nicht mehr durch Abheben der Abzinsung entziehen, wenn die Bank die Zinsen auf Guthaben negativ macht, dann ist man gezwungen, Kreditnehmer zu finden, die weniger Zins nehmen als die Bank.

Vor längerer Zeit habe ich dazu einmal eine Tabelle gemacht, um zu schauen, wieviel -7% Zins eigentlich sind:

100€ ≙ -7€
1.000€ ≙ -70€
10.000€ ≙ -700€
100.000€ ≙ -7.000€
1.000.000€ ≙ -70.000€
10.000.000€ ≙ -700.000€
100.000.000€ ≙ -7.000.000€
1.000.000.000€ ≙ -70.000.000€
10.000.000.000€ ≙ -700.000.000€
100.000.000.000€ ≙ -7.000.000.000€

Jeder kann sich hier selbst überlegen, in welcher Guthaben-Klasse man sich befindet und für wen Negativzinsen richtig teuer sind.

Und dann kann sich auch jeder überlegen, wer dann, wenn die Zinsen negativ sind und das Bargeld verboten, händeringend auf der Suche nach Kreditnehmern ist, die weniger Zins nehmen als die Bank.

Und zuletzt kann man sich dann klar machen, dass die Kombination Bargeldverbot und Negativzins auf die Geldmenge M3 Kredite mit negativem Zins ermöglichen wird.

Was ist ein Kredit mit negativem Zins?

Das ist ein Kredit, bei dem man mehr Geld bekommt, als man zurückzahlen muss.

Z.B. leiht man sich 100.000 €, um einen Teil des Eigenheims zu finanzieren und muss nur 95.000€ zurückzahlen, wenn der Zins -5% beträgt.

Die andere Seite der Betrachtung, die Sicht des Sparers:

Jemand, der 100.000€ Guthaben auf seinem Konto hat und dessen Bank ihm sagt, dass die Zinsen -7% betragen, ist froh, wenn er bei jemandem für -5% sein Geld „parken” kann, weil er 2% weniger Zins verliert.

Suggestion B: Negativ-Zins lässt Konsum-Preise steigen

Die nächste auffällige Suggestion B ist, dass Strafzinsen die Konsum-Preise steigen lassen.

Das Gegenteil ist der Fall.

Wenn man sich für eine einzelne Ware überlegt, wie sich ihr Preis zusammensetzt, dann wird man eine Rechnung anstellen, wie ich es hier getan habe: Ich habe in der Rechnung die gesamte Wertschöpfungskette von der Förderung der Rohstoffe bis zum Absatz des Endproduktes einbezogen. Wenn man es also berechnet, dann setzen sich Preise von Waren aus drei Teilen zusammen (ohne Steuern!):

Zu den Kapitalkosten gehören Eigenkapitalkosten und Fremdkapitalkosten.

Zu den Fremdkapitalkosten gehören Mieten, Pachten, Lizenzgebühren und Kreditzinsen!

Wenn man etwas kauft, also konsumiert, zahlt man also Kredit Zinsen, die Mieten der Häuser in denen das Produktionskapital steht, die Pachten für das Produktionsgelände und die Lizenzgebühren.

Was passiert aber, wenn die Kreditzinsen negativ werden?

Sind die Kreditzinsen negativ, dann wird der Kredit-Zins im Kapitalkostenanteil negativ, und das hat zur Folge, dass die Preise sinken.

Wie eine einfache Überlegung zeigt, sinken auch die Mieten und andere Preise, sobald es Kredite mit negativem Zins gibt. (Nachweis)

Suggestion C: Der Wechsel zu einem Vollgeldsystem löst die Probleme

Die dritte Suggestion C ist, dass ein Vollgeldsystem irgendetwas an der allgemeinen Gesamtproblematik ändern könnte.

Auch das ist falsch!

Bei einem Wechsel zu einem Vollgeldsystem wird der Ausbeutungsprozess langsamer und es wechseln die Herren und Ausbeuter oben. Banken gehören dann weniger zu den Ausbeutern. Unten bleibt alles gleich.

Ausbeutung duch Arbeit selbst ändert sich nicht, solange der Zins positiv ist.

Mit dieser Suggestion C wird geschickt vom zentralen Problem abgelenkt, nämlich vom Zins.

Für eine Geschichte des Geldes und des Bank- und Rechnungswesens möchte ich auf den Vortrag von Prof. Franz Hörmann verweisen, der sich mit Geldformen, Geldschöpfung, Vollgeld- und Mindestreservesystemen bestens auskennt.

Das nun Folgende ist in dem o.g. Video ausführlich erläutert.

Wie in dem Aufklärungsvideo etwas schwammig, doch einigermaßen richtig erklärt, schöpfen Banken bei der Kreditvergabe heutzutage das Geld für den Kredit zu einem großen Teil „aus dem Nichts”.

Was ist eigentlich Geldschöpfung und Geldschöpfung „aus dem Nichts”?

Man stelle sich vor, die Arbeit eines Bankiers zu machen. Man hat u.a. zwei Sorten Kunden: Sparer und Kredit-Nehmer.

Es kommt ein Kreditnehmer und bittet um einen Kredit. Als Bankier hat man nun die Aufgabe, die Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers zu überprüfen und dann, wenn der Kreditnehmer kreditwürdig ist (man glaubt ihm, dass er tilgen kann, credere heißt glauben), das Geld für den Kredit bereitzustellen, sprich, das Geld für den Kredit einzusammeln, um es dem Kreditnehmer auszuleihen.

Das Einsammeln des Geldes vor der und für die Vergabe des Kredites ist die Geldschöpfung.

Nun kann der Bankier bei der Geldschöpfung auf Geld zurückgreifen, welches Sparer bei ihm als Spareinlagen eingelagert haben. Diesen Sparern muss er dann einen Teil der Kreditzinsen als Sparzins zahlen. Der Rest, die sogenannte Zinsspanne, also die Differenz der Kredit-Zinsen und der Spar-Zinsen ist der Gewinn des Bankiers und das Kerngeschäft der Banken im Kapitalismus.

Was ich hier beschrieben habe, ist ein sogenanntes Vollgeldsystem, zu dem aufgrund der Meinung vieler auch gehört, dass der Staat die Geldschöpfung betreibt.

Verliehen wird in einem Vollgeldsystem nur Geld, welches als Spareinlage existiert.

Der Bankier könnte sich auch von woanders her Geld leihen, z.B. von anderen Banken oder von der Zentralbank. Doch immer wird in einem Vollgeldsystem auf Geld in der Hand von Nicht-Banken zurückgegriffen, welches an die Bank verliehen wurde und für welches dann Zinsen gezahlt werden müssen.

Was ist ein Mindestreservesystem im Gegensatz zu einem Vollgeldsystem?

Schon vor langer Zeit begannen Banken damit, teilweise („fraktional”) Geld zu verleihen, welches es nicht gab und auf dieses „Geld aus dem Nichts” Kredit-Zinsen zu erheben. Dies war möglich, weil die Form des Geldes für die Banken beliebig vervielfältigbar war (Papier, später sog. Buch- oder Giralgeld) und weil niemand diese Praxis hinterfragt hat.

Am Anfang (siehe Video Prof. Franz Hörmann) war der Anteil, die Fraktion, die Reserve des für die Vergabe von Krediten geschöpften Geldes, welches von Sparern bzw. Anlegern kam im Vergleich zu heute noch relativ hoch.

Die untere Grenze des Anteils des von Nicht-Banken (z.B. Sparer, Anleger, Investoren) geschöpften Geldes heißt Mindestreserve.

Typischerweise lag der Anteil des frei erfundenen, „aus dem Nichts” geschöpften Geldes noch bei 90%, die Mindestreserve betrug also 10%.

Anfang der 1970er Jahre begann in den USA unter Nixon eine Zeit in der Geschichte des Bankwesens, ab der die Mindestreserve bei der Geldschöpfung auf teilweise 0,01%, also ein Zehntausendstel (!), abgesenkt wurde.

Das von Banken an Kreditnehmer verliehene Geld wurde seit der Präsidentschaft Nixons also bis zu 99,99% aus dem Nichts geschöpft.

Banken erzeugten fortan bei der Vergabe von Krediten Zins-Schulden für „aus dem Nichts“ geschaffenes Geld und bereicherten sich so an der Kreativität und der Arbeit der Kredit-Nehmer und ihrer nachgelagerten Markt-Netze.

Sparer bleiben bei diesem ungeheuerlichen Vorgang unbeteiligt.
Das FIAT-money fractional reserve system war geboren.

Welche Folgen haben Kredit-Zinsen (egal ob Vollgeld- oder Mindestreserve-System)?

Wenn ein Kredit vergeben wird, dann fließt die im Kredit-Vertrag festgelegte und von der Bank geschöpfte Geldmenge, das Darlehen, an den Kredit-Nehmer, per Buchung, siehe Prof. Hörmann. Im Kredit-Vertrag verpflichtet sich der Kredit-Nehmer, das Darlehen innerhalb einer vereinbarten Laufzeit zurückzuzahlen.

Ist der vereinbarte Zins positiv, dann muss der Kredit-Nehmer nicht nur das Darlehen zurückzahlen, was an sich betrachtet fair ist, sondern auch den Kredit-Zins. Der Kredit-Zins in Höhe der zum vereinbarten Zins-Satz verzinsten Rest-Schuld wird jedes Jahr, bzw. jeden Monat, fällig. Wenn das Darlehen nicht getilgt wird, muss wenigstens der Kredit-Zins gezahlt werden.

Insgesamt muss der Kredit-Nehmer der Bank, bzw. dem Kredit-Geber, mehr Geld zurückgeben, als er ausgeliehen hat.

Um zu beurteilen, was die Differenz des Gegegeben und des Genommenen, also der (akkumulierte) Gesamtzins eigentlich ist, schaut man sich an a) wer die Kredit-Nehmer sind und b) was sie tun, um den Gesamtzins abzubezahlen.

a) Die Kredit-Nehmer sind hauptsächlich:

  1. private Haushalte (Konsumenten- oder Verbraucherkredite)
  2. öffentliche Haushalte (Staaten, Staatsanleihen)
  3. Unternehmen (Firmenkredite, Obligationen, Anleihen, ....).

Die privaten Haushalte geben also den Kreditzins, indem sie mehr arbeiten und/oder weniger ausgeben.

Die öffentlichen Haushalte nehmen den an die Gläubiger der Staatsanleihen zu entrichtenden Kreditzins mit den Steuereinnahmen ein. Also zahlen alle Menschen, die Steuern zahlen auch über die Steuern Zinsen an die Banken und an die dahinter liegenden Sparer, die in der Regel am Kreditgeschäft der Banken beteiligt werden, ob Vollgeld- oder Mindestreservesystem.

Die Unternehmen erwirtschaften den Kreditzins, bzw. lassen ihn erwirtschaften, indem sie ihre Produktionsabläufe optimieren oder indem sie ihn auf Markt-Partner verdrängen:

Sie lassen mehr oder intensiver arbeiten (Burnout -> Depression), senken die Löhne (Lohndumping), vermeiden die Abfallkosten und entsorgen Abfälle illegal (Umweltschädigung), drücken die Einkaufspreise (Armut der Rohstoff-Lieferer, u.a. die Bauern bei uns und die Schwellen- und Entwicklungsländer) oder sie erhöhen die Absatzpreise (Inflation).

b) Was wird also getan, um den Zins zu erwirtschaften?

Es wird Rationalisierung oder Kreativität erzwungen, es werden Zins-Schulden auf Marktpartner übertragen und auf diese Weise verdrängt aber am Ende wird immer unbezahlt (!) gearbeitet, denn es wird ja eine Zins-Schuld, die seit den 1970er Jahren sogar aus dem Nichts erzeugt wird, getilgt!
Außerdem wird systematisch immer mehr vom Lebensraum genommen, denn irgendwoher muss der Zins ja am Ende kommen, und am Anfang aller Wertschöpfungsketten steht die Förderung der Rohstoffe aus der Umwelt!

Details zu diesem äußerst wichtigen Aspekt der Störung der Preisbildung an den Märkten durch den Zins hier.

Zusammenfassung und FAZIT

Seit schätzungsweise 6k - 13k Jahren betreibt der Mensch Kapitalismus, nimmt also Zinsen und herrscht damit über seinen Lebensraum. Das Kern-Prinzip des Kapitalismus ist die Übertragung von Verfügungsrechten an eigentümlichen Gütern (Geld, Häuser und Räume, Land, Maschinen, Patente, Informationen und Wissen) an zeitweilige Besitzer ( Kredit-Nehmer, Mieter, Pächter, Lizenznehmer,... ) gegen Zins (Miete, Pacht, Lizenzgebühr, Tantiemen, ...).

Weiter gehört zum Kapitalismus das Prinzip und der Schutz des Privat-Eigentums sowie die Grundregel pacta sunt servanda, Verträge sind einzuhalten.

Der alles antreibende Zins ist der Geld-Markt Zins, der durch die Leitzinsen der Zentralbank im Rahmen der Geldpolitik gesteuert wird.

Dem aufmerksamen Leser sollte hier in dieser Kritik nicht entgangen sein, dass der Zins einen tiefgreifenden Einfluss auf das Leben aller Menschen eines Währungsraums hat. Es sollte dem Leser klar geworden sein, dass der Zins und das Geld-System der wesentliche Motor des globalisierten Kapitalismus ist.

Nur wenig bis gar nichts wurde zu den komplexen sozialen und psychischen Folgewirkungen der sich über die Märkte ausbreitenden Zins-Schulden, welche Zwänge zur Arbeit darstellen, gesagt.

Eine Analyse dieser Wirkungen wird folgen und wird die meisten Menschen tief erschüttern. Die Aufklärung diesbezüglich hat gerade erst begonnen.

90% der Menschen in Deutschland sind nicht-selbstständig beschäftigt, und fast 60% leben zur Miete.

Vom Zins und Zins-Schulden betroffen ist die Preis-Bildung an allen Märkten, darunter: Mieten, Lebensmittelpreise, Preise für Wohlstandsgüter, Löhne, Grundstücke und Häuser.

Das Video vom Goldschmied Fabian zeigt auf den zentralen Antriebskern der Zivilisation. Das Video ist zum größten Teil wahr. Am Ende jedoch wird behauptet, dass nächste Stufe der Versklavung die Abschaffung des Bargelds zur völligen Kontrolle der Bürger und die Implantation eines Mikrochip unter die Haut sei.

Das ARD Video stellt das Vollgeldsystem vor und suggeriert dem Betrachter unterschwellig, dass man den Antrieb dieser Maschine umgestalten könne (Mindestreserve / FIAT - Money - Geldsystem durch ein Vollgeld-System ersetzen), ohne den Antrieb selbst, also den positiven Zins, antasten zu müssen.

Dem ist aufgrund der hier skizzierten Umverteilungswirkung positiver Zinsen in Hinblick auf die Umkehrung dieses Prinzips und angesichts der weltweiten Auswüche und Folgeschäden des globalen Kapitalismus dringend zu widersprechen.

Eine andere (neue) Welt (Ordnung) ist möglich, und sie ist zum Greifen nahe.

Der Antriebskern dieser neuen Ordnung kehrt den kapitalistischen Antriebskern auf den Kopf, indem das Bargeld verboten wird und die Zinsen negativ werden.

Diese Umkehrung des Zins-Vorzeichens von Plus nach Minus bewirkt eine permanente Umverteilung von akkumulierten Geld-Vermögen hin zu Bedürftigen, die Geld leihen müssen, um zu wachsen.

Ich fordere hier jede(n) Denkfähige(n) dazu auf, sich hinzusetzen und zu begreifen, welche Folgen die negativen Zinsen haben werden. Dazu muss man sich nur diesen Text noch einmal durchlesen und sich an jeder Stelle, an der der positive Zins erwähnt wird überlegen, wie es ist, wenn das Zins-Vorzeichen negativ ist!
Meine Gedanken dazu schreibe ich seit mehr als zwei Jahren (öffentlich) auf und bitte um Widerspruch und Widerlegung meiner Ergebnisse.

Noch nie in der Geschichte der Menschheit war die Chance einer fundamentalen Veränderung hin zu einer besseren Welt für alle näher und greifbarer als jetzt.

Das einzige, was diese neue Ordnung zu ihrer Realisierung braucht, ist die Kommunikation aufgeklärter Menschen!

Ich bitte Euch also: Fangt an, diesen Moment in der Geschichte der Menschheit zu begreifen. Ihr tut es für Euch und für alle, die nach Euch kommen. Ihr tut es für die Tiere und alle anderen Lebewesen, mit denen sich die Menschheit diese klein gewordene blaue Kugel teilt.

Steht (im Kopf) auf und begreift die Negativ-Zins-Ökonomie!

Herzlichst,

Tim Deutschmann

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