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21. September 2018

Ein Flüchtling aus Gambia am Bahnhof in Dossenheim

Man ahnt ja nicht, was viele mit sich herumtragen, wenn man sie nicht danach fragt.

Heute Nacht, gegen 1:30 am Morgen traf ich am Bahnhof in Dossenheim einen jungen Mann aus Gambia. Sein Name ist Ousman. Ich sah ihm sofort an seinen Augen und an seiner Haltung an, dass er irgendetwas Schlimmes erlebt hat. Deswegen und weil ich mich seit 4 Jahren beruflich mit globaler Makroökonomie und Fluchtursachen beschäftige, sprach ich ihn an.

Ich dachte mir, dass er vielleicht über das Meer gekommen ist und erlebt hat, wie Menschen gestorben sind, denn so etwas bewirkt diese vom seelischen Schmerz erfüllten roten Augen, die nicht mehr tränen und die hängende niedergeschlagene Haltung.

Als er auf mein Nachfragen anfing, davon zu erzählen, was für einen Schmerz er mit sich herumträgt, begann er, in sich zusammenzusacken, und ich half ihm auf eine Bank. Der arme Kerl hat trotz seiner Lebenserfahrungen versucht, nach Außen Haltung zu bewahren.

Er ist seit 4 Jahren in Deutschland, weiß nicht, ob er bleiben darf oder gehen muss, weiß nicht, was er mit seinem Leben anfangen kann, ob das Leben überhaupt noch irgendetwas Lebenswertes für ihn bereit hält.

Er ist 1981 in Gambia geboren. Als er geboren wurde, berief nach einem Staatsstreich der damalige Diktator Yahya Jammeh alle männlichen Wehrfähigen zum Staatsdienst an der Waffe ein.

Zu den Eingezogenen gehörte auch der Vater von Ousman.

Diktatoren (Tyrannen) entstehen im Kapitalismus, wenn die an die Fremdbestimmung gewöhnten, also kapitalistisch sozialisierten Bürger nach einem starken Mann mit starker Führung schreien, weil sie wegen der Nebelbomben, die rund um das Zins-basierte Geldsystem geworfen werden, verlernt haben, selbst über sich zu bestimmen und das Richtige zu tun.

Solche Diktatoren sind in der Regel von den Reichen (bei uns das reiche AfD Klientel, das damals Hitler an die Macht gebracht hat) installierte Polit-Marionetten, die mit Gewalt Ökonomie und Wirtschaft in der Krise stabilisieren sollen, damit das Zinsnehmen weiter reibungslos funktionieren kann.

Diktatoren führen jedoch nach zentralistischen anti-demokratischen Herrschaftsprinzipien das kapitalistische Gesellschaftssystem in immer tiefere Spaltungen und immer größere Ungleichheit, so dass Menschen igendwann dazu gezwungen sind zu fliehen, weil sie einer zur Ausrottung freigegebenen Bevölkerungsgruppe angehören.

Als Ousman 24 Jahre alt war, musste er mit ansehen, wie sein Vater „wie ein Hund abgeknallt” wurde. Daraufhin floh er mit seinem jüngeren Bruder und seiner Mutter in den Senegal. Doch auch diese beiden Familienangehörigen, seine Mutter und sein kleiner Bruder, wurden bald auf der Flucht erschossen. Auf diese Weise hat Ousman seine ganze Familie verloren.

Er weinte, als er mir das erzählte, und ich nahm ihn in den Arm. Er hätte es in den vier Jahren nie erlebt, dass ihm jemand das Gefühl gibt, in seinem Schmerz erkannt worden zu sein, sagte er mir in Tränen und ich habe auch geweint.

Daraufhin kontrollierten uns zwei übereifrige Wachtmeister vom Polizeirevier Nord.... fragten, was wir mitten in der Nacht am Bahnhof machen würden z z z

Warum ist ihm das passiert?

Ousman kommt aus einer Region Afrikas, in der im 16. Jahrhundert die Kolonialmächte Europa - die USA waren bis zur Unabhängigkeit 1776 nach der Boston Tea-Party 1773 eine Kolonie des UK - Sklaven nach Lateinamerika brachten, um mit ihrer Arbeitskraft den süd- und nordamerikanischen Kontinent auszubeuten. Die afrikanischen Sklaven wurden auf den Plantagen eingesetzt, um dort die Früchte anzubauen und sie dann in die Städte zu verkaufen.

Schaut man sich die rassische (ethnische) Zusammensetzung der Bevölkerungen Lateinamerikas an, dann sieht man, dass es einen genetischen Gradienten (ein rassisches Gefälle) gibt, der über die Schwarzen an den Küsten, wo die Schwarzen rund um den Karibikraum angelandet wurden, über die Ureinwohner Lateinamerikas, die Indios, die von den aus Europa emigrierten Weißen als Haussklaven missbraucht wurden zu den Weißen am Kapital und an der Macht der politischen Systeme übergeht.

Die bunte genetische Mischung, die durch die Kolonialisierung in Lateinamerika entstanden ist, nennt man Latino. Mein Sohn ist auch ein Latino, und das finde ich gut, doch zurück zu Ousman.

Ousman weiß von der Funktionsweise des Kapitalismus. Er weiß, dass die Sparer, die Geldanleger, die internationalen Investoren von den Banken die Zinsen bekommen, die die Banken von den Kreditnehmern, also dem Staat, den Unternehmen und den Konsumenten einnehmen. Er weiß, dass es der Zins ist, der die Schere in Gambia und der Region verursacht, und er weiß auch, dass die Druckerpressen, mit denen die Geldscheine der Nationalwährungen Gambias, Senegals, der Elfenbeinküste, Nigerias, Kamerun usw. in den USA, in England und in Frankreich, also in Europa (!) stehen.

Im Hinblick auf die Fluchtursachen ist also festzustellen, dass nicht nur die globale Handelsordnung, die Donald Trump gerade völlig zurecht einreißt, mit ihren unfairen Preisen Fluchtursache ist, sondern auch das Zinsnehmen, das internationale Geldzeckentum der globalen Kapitalanleger, der globale Kapitalismus, denn die Zinsen auf die Staatschulden dieser Länder verursachen die wirtschaftlichen Nöte, die dazu führen, dass in bewaffneten Konflikten Menschen erschossen werden, Kriege um Ressourcen geführt werden und Menschen fliehen müssen.

An den Nöten der Menschen in Afrika bereichern sich also die Reichsten der 1. Welt, die in Afrika Zinsen nehmen.

Fazit

Krieg kommt von kriegen, haben wollen. Globalisierung ist nur ein modernes Wort für Kolonialisierung. Kapitalismus ist Krieg, und das Grundprinzip des Kapitalismus ist das positive Zinsvorzeichen.

Ich sagte Ousman, und das ist die für die meisten unfassbare Wahrheit, dass es den Menschen der Länder seiner Herkunft deswegen schlecht geht, weil wir hier, in der sog. „1. Welt” in Frieden leben. Wir übersehen nur allzugerne unsere Rolle in der globalisierten Welt.

Unsere Art zu leben ist die Fluchtursache Nr. 1.

Uns jetzt hinzustellen, den Blick darauf zu verschließen und solchen wahnsinnigen Menschenschindern, wie den reichen Wählern der AfD, deren Ziel es ist, die Zinsen wieder anzuheben, um so die globale Kapitalherrschaft weiter auszubauen und hier wie dort weiter die Armen zum Zweck der Kapitalvermehrung (der Zins ist das Kind des Geldes mit demjenigen der ihn gebärt) weiter auszubeuten, das demokratische Feld zu überlassen, weil wir ja nicht über eine globale Zinsvorzeichenumkehr sprechen wollen, ist nicht nur dumm, sondern widerspricht auch demokratischen Zielen.

Denn: Wenn wir es nicht schaffen, die Fluchtursachen zu bekämpfen, dann werden wir in Europa von einer Flüchtlingswelle von bis zu 400 Millionen Menschen überrollt werden, und so werden in Deutschland die AfD und in allen anderen europäischen Ländern die reichen Rechten ( nicht die armen Rechten ! ) an die Macht kommen. Die AfD wird uns dann sagen, dass die Menschen an der Grenze erschossen werden müssen, und es werden sich Leute finden, die das auch wirklich tun.

Ich sehe nur die Möglichkeit, in diesen Ländern wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu erzeugen, unter denen jungen Menschen eine lokale Perspektive geboten wird, so dass sie dort vor Ort, wo sie eigentlich sein wollen, bei der Familie, den Freunden und Bekannten, in der Heimat gut und gerne leben wollen und können.

Bei Investitionen in diese Länder müssen die Zinsen negativ sein, damit mehr Geld in diese Länder hinein fließt als hinaus.

Wenn wir wollen, dass diese eine Welt, die wir alle teilen, zu einem besseren Ort für jeden von uns wird, dann müssen gerade wir, die wir die größten Profiteure der Kolonisalisierung/Globalisierung der letzten 500 Jahre sind unseren Umgang mit Geld überdenken und akzeptieren, es zu teilen.

Und was hat die Mehrheit dabei zu verlieren?

Nichts, sondern im Gegenteil: von den negativen Zinsen profitieren nämlich zuerst „die Ärmeren 90%” der Vermögensverteilung bei uns, und dann erst wird das europäische Kapital sich zwingen lassen, Fluchtursachen wirksam zu bekämpfen.

Völkerrechtlich sollten wir darüber nachdenken, ob wir nicht Länder, aus denen Flüchtlinge zu uns kommen, im Rahmen von IWF und WTO Regeln zwingen dürfen, ihre Kapitalmärkte zu öffnen, denn erst dann kann das aufgrund der negativen Zinsen unter Finanzrepression stehende europäische Kapital die Zinsen in diesen Ländern ins Negative ziehen, denn die Unternehmer dort nehmen sicher lieber von einem Euopäer Zins dafür, europäisches Geld aufzubewahren, statt dass sie an einen Währungsinländer Zinsen zahlen.

Sapere aude!

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