Teleologische Reihen

Durch die philosophische, soziologische und speziell durch die dem Utilitarismus zuordenbare Literatur zieht sich das „Denkschema“ von Mittel und Zweck, nach dem Handlungen hinsichtlich Zielgerichtetheit (griechisch telos ist das Ziel) und Nutzen eingeordnet werden können (z.B. Simmels Philosophie des Geldes). Im Mittel-Zweck-Denkschema ist der Zweck das Ziel der Handlung, das Wozu, und das Mittel, das Was und Wie, soll seiner Erreichung dienen.

Mittel können Handlungen sein aber auch z.B. Werkzeuge. Mittel und ihre Anwendung verursachen Veränderungen des Seins. Auch Zwecken können bestimmte Seinszustände zugeordnet werden, z.B. ein Sättigungsgefühl, eine Befriedigung, das Gefühl etwas Bedrohliches oder Gefährliches abgewendet zu haben usw., also irgendeine typischerweise vorteilhafte, „positiv konnotierte“, angenehme, Art zu sein die typischerweise von einem Belohnungsempfinden gekennzeichnet ist. In Aussagen, die Handlungen begründen, wie z.B. „Ich baue Tomaten selbst an, um das Gefühl zu haben, dass ich mich noch selbst versorgen kann“ oder „um sicher zu sein, dass in meiner Nahrung keine Giftstoffe sind“ wird der Zweck dem Mittel (z.B. der Handlung) sprachlich mit dem Wort „um“ zugeordnet.

Das unter Einsetzung bestimmter Mittel auf die Erreichung von Zwecken gerichtete Handeln wird auch als teleologisch bezeichnet, weil es auf ein Ziel ausgerichtet ist. Das Mittel verbindet zwei Seinszustände miteinander, es dient der Überführung des Selbst von einem in den anderen Zustand. Das Wort Zweck steht i.d.R. synonym für Ziel, Sinn, Absicht, Motivation und im Allgemeinen für eine vorgestellten Wirkung die auch in einer bestimmten Affektanregung bestehen kann.

Kausalität und die Länge teleologischer Reihen

Eng verknüpft mit dem Begriff der Teleologie ist der der Kausalität. wobei der letztere der tieferliegendere (näher am Physikalischen) von beiden ist. Die Kenntnis von Kausalzusammenhängen, das Wissen, ist die Voraussetzung teleologischen Handelns. Erst dadurch, dass Zusammenhänge zwischen Ursachen und Wirkungen bekannt sind, können bewusst, absichtlich, eben zielgerichtet, Ursachen herbeigeführt werden, die die angestrebten Wirkungen (das jeweilge Ziel) haben. Die erzeugten, herbeigeführten Ursachen sind demnach Mittel, die aufgrund des bekannten Kausalzusammenhangs folgende Wirkung ist der Zweck.

Schematische Darstellung einer teleologischen Reihe.

Von teleologischem Handeln zu unterscheiden ist das rein triebhafte (mechanische) Agieren, das an einen Seinszustand eine Handlung knüpft, ohne dass diese Handlung zweckmäßig ist. Bei diesem Handeln liegt der Zweck näher an der Gegenwart, das Handeln ist reaktiv. Der Zweck ist die Änderung des gegenwärtigen Zustands, wohin die Veränderung führt ist weniger geplant und unbeherrschter. Vernünftiges Handeln ist also teleologisch, ist auf einen Zweck in der Zukunft gerichtet und unterstellt das Mittel diesem Zweck, während triebhaftes, nicht teleologisches Handeln an der Zwecklosigkeit erkennbar ist.

Simmel schreibt:

Der große Gegensatz aller Geistesgeschichte: ob man die Inhalte der Wirklichkeit von ihren Ursachen oder von ihren Folgen aus ansieht und zu begreifen sucht - der Gegensatz der kausalen und der teleologischen Denkrichtung - findet sein Urbild an einem Unterschiede innerhalb unserer praktischen Motivationen. Das Gefühl, das wir Trieb nennen, erscheint als an einen physiologischen Vorgang gebunden, in dem gespannte Energien auf ihre Lösung drängen; indem jene sich in ein Tun umsetzen, endet der Trieb; wenn er wirklich ein bloßer Trieb ist, so ist er »befriedigt«, sobald er durch das Tun sozusagen sich selbst los geworden ist. Diesem gradlinigen Kausalvorgange, der sich im Bewusstsein als das primitivste Triebgefühl spiegelt, stehen diejenigen Aktionen gegenüber, deren Ursache, soweit sie sich als Bewusstseinsinhalt kundgibt, in der Vorstellung ihres Erfolges besteht.

Wir empfinden uns hier gleichsam nicht von hinten getrieben, sondern von vorn gezogen.

Das Befriedigungsgefühl tritt infolgedessen hier nicht durch das bloße Tun ein, in dem der Trieb sich auslebt, sondern erst durch den Erfolg, den das Tun hervorruft. Wenn etwa eine ziellose innere Unruhe uns zu einer heftigen Bewegung treibt, so liegt ein Fall der ersten Kategorie vor; der zweiten, wenn wir uns die gleiche Motion machen, um einen bestimmten hygienischen Zweck damit zu erreichen; das Essen ausschließlich aus Hunger gehört in die erste, das Essen ohne Hunger, nur um des kulinarischen Genusses willen, in die zweite Kategorie; die Sexualfunktion, im Sinne des Tieres ausgeübt, in die erste, die in der Hoffnung eines bestimmten Genusses gesuchte in die zweite.

Dieser Unterschied scheint mir nun nach zwei Seiten hin wesentlich zu sein. Sobald wir aus bloßem Triebe heraus, also im engeren Sinne rein kausal bestimmt handeln, so besteht zwischen der psychischen Verfassung, die als Ursache des Handelns auftritt, und dem Resultat, in das sie ausläuft, keinerlei inhaltliche Gleichheit.

Der Zustand dessen Energien uns in Bewegung setzen, hat insofern zu der Handlung und ihrem Erfolge so wenig qualitative Beziehungen, wie der Wind zu dem Fall der Frucht, die er vom Baum schüttelt.

Wo dagegen die Vorstellung des Erfolges als Veranlassung gefühlt wird, da decken sich Ursache und Wirkung ihrem begrifflichen oder anschaubaren Inhalte nach.

Die Ursache der Aktion ist indes auch in diesem Falle die reale - wenn auch wissenschaftlich nicht näher formulierbare - Kraft der Vorstellung bzw. ihres physischen Korrelats, die von ihrem Gedankeninhalt durchaus zu trennen ist. Denn dieser Inhalt, der ideelle Sachgehalt des Handelns oder Geschehens, ist an und für sich absolut kraftlos, er hat nur eine begriffliche Gültigkeit und kann nur insoweit in der Wirklichkeit sein, als er der Inhalt einer realen Energie wird: sowie die Gerechtigkeit oder die Sittlichkeit als Ideen niemals eine Wirksamkeit in der Geschichte üben, das vielmehr erst können, wenn sie von konkreten Mächten als Inhalt des Kraftmaßes derselben aufgenommen werden.

Der Kompetenzstreit zwischen Kausalität und Teleologie innerhalb unseres Handelns schlichtet sich also so: indem der Erfolg, seinem Inhalte nach, in der Form psychischer Wirksamkeit da ist, bevor er sich in die der objektiven Sichtbarkeit kleidet, wird der Strenge der Kausalverbindung nicht der geringste Abbruch getan; denn für diese kommen die Inhalte nur, wenn sie Energien geworden sind, in Betracht, und insofern sind Ursache und Erfolg durchaus geschieden, während die Identität, die die ideellen Inhalte beider zeigen, wiederum mit der realen Verursachung überhaupt nichts zu tun hat.

Von tieferer Bedeutung für die jetzige Aufgabe ist die andere Differenz, durch die sich das triebhafte und das vom Zweck geleitete Wollen gegeneinander charakterisieren.

Sobald unser Handeln nur kausal (im engeren Sinne) bestimmt wird, ist der ganze Vorgang mit der Umsetzung der drängenden Energien in subjektive Bewegung beendet, das Gefühl der Spannung, des Getriebenwerdens ist gehoben, sobald die Aktion als Folge des Triebes eingetreten ist.

Der Trieb lebt sich mit der ihm natürlichen Fortsetzung in Bewegung vollständig aus, so dass der gesamte Vorgang innerhalb des Subjekts beschlossen bleibt. Ganz anders verläuft der Prozess, der durch das Bewusstsein des Zweckes geleitet ist.

Dieser geht zunächst auf einen bestimmten objektiven Erfolg des Tuns und erreicht seinen Abschluss durch die Reaktion dieses auf das Subjekt bzw. des Subjekts auf ihn.

Die prinzipielle Bedeutung des Zweckhandelns liegt also in der Wechselwirkung, die es zwischen dem Subjekt und Objekt stiftet. Indem schon die bloße Tatsache unserer Existenz uns in diese Wechselwirkung verwebt, hebt das zweckbestimmte Handeln sie in die Innerlichkeit des Geistes. Durch eben dies stellt sich unser Verhältnis zur Welt gleichsam als eine Kurve dar, die vom Subjekt aus auf das Objekt geht, es in sich einbezieht und wieder zum Subjekt zurückkehrt.

Und während freilich jede zufällige und mechanische Berührung mit den Dingen äußerlich dasselbe Schema zeigt, wird es als Zweckhandeln von der Einheit des Bewusstseins durchströmt und zusammengehalten.

Als Naturwesen betrachtet sind wir in fortwährender Wechselwirkung mit dem natürlichen Dasein um uns herum, aber in völliger Koordination mit diesem; erst im Zweckhandeln differenziert sich das Ich als Persönlichkeit von den Naturelementen außerhalb (und innerhalb) seiner.

Oder, anders angesehen: erst auf der Grundlage solcher Scheidung eines persönlich wollenden Geistes und der rein kausal betrachteten Natur ist jene Einheit höherer Stufe zwischen beiden möglich, die sich in der Zweckkurve ausdrückt. Dieses prinzipielle Verhältnis wiederholt sich, mit gewissen Abschwächungen, an dem Unterschied, den man zwischen der Arbeit des Kulturmenschen und des Naturmenschen zu finden meint: jene gehe regelmäßig und methodisch, diese unregelmäßig und stoßweise vor sich; das heißt, die erstere fordere eine willenshafte Überwindung der Widerstände, die unser Organismus der Arbeit entgegensetze, während die andere nur die Auslösung der in den psychischen Zentren angehäuften Nervenkraft sei.

Das ist nun nicht so gemeint, als ob der eigentliche Zweck jedes Zweckhandelns im handelnden Subjekt selbst liegen müsste, als ob der Grund, um dessentwillen irgendein Objektives verwirklicht wird, immer in dem Gefühle bestünde, das es rückwirkend in uns erregt. Wenn dies in den eigentlich egoistischen Handlungen stattfindet, stehen daneben doch unzählige, in denen jene Inhaltsgleichheit zwischen Motiv und Erfolg nur den Erfolg im Sinne des Objekts, des außer-subjektiven Geschehens betrifft; unzählige Male nimmt die innere Energie, aus der unser Handeln hervorgeht, ihrer Bewusstseinsseite nach nur ihren sachlichen Erfolg in sich auf und lässt die auf uns selbst zurückkehrende Weiterwirkung desselben ganz außerhalb des teleologischen Prozesses. Zwar, wenn nicht der Erfolg unseres Tuns schließlich ein Gefühl in uns auslöste, so würde von seiner Vorstellung nicht die bewegende Kraft ausgehen, die ihn zu verwirklichen strebt.

Allein dieses unentbehrliche Endglied des Handelns ist darum noch nicht sein Endzweck; unser teleologisch bestimmtes Wollen macht vielmehr sehr oft an seinem sachlichen Erfolge halt und fragt bewusst nicht über diesen hinaus. Suchen wir also die Formel des Zweckprozesses in seinem Gegensatz zu dem kausal-triebhaften - wobei dahingestellt bleibt, ob dieser Gegensatz etwa nur ein solcher der Betrachtungsweise, sozusagen ein methodologischer ist - so ist es die, dass das Zweckhandeln die bewusste Verflechtung unserer subjektiven Energien mit einem objektiven Dasein bedeutet, und dass diese Verflechtung in einem doppelten Ausgreifen der Wirklichkeit in das Subjekt hinein besteht: einmal in der Antizipation ihres Inhaltes in der Form der subjektiven Absicht und zweitens in der Rückwirksamkeit ihrer Realisierung in der Form eines subjektiven Gefühls. Aus diesen Bestimmungen entwickelt sich die Rolle des Zweckes im Lebenssystem.

Es geht zunächst daraus hervor, dass sogenannte unmittelbare Zwecke einen Widerspruch gegen den Begriff des Zweckes selbst bedeuten. Wenn der Zweck eine Modifikation innerhalb des objektiven Seins bedeutet, so kann dieselbe doch nur durch ein Tun realisiert werden, welches die innere Zwecksetzung mit dem ihr äußeren Dasein vermittelt; unser Handeln ist die Brücke, über welche der Zweckinhalt aus seiner psychischen Form in die Wirklichkeitsform übergeht. Der Zweck ist seinem Wesen nach an die Tatsache des Mittels gebunden.

Hierdurch unterscheidet er sich einerseits vom bloßen Mechanismus - und seinem psychischen Korrelat, dem Trieb -, in dem die Energien jedes Momentes sich in dem unmittelbar folgenden vollständig entladen, ohne über diesen hinaus auf einen nächsten zu weisen; welcher nächste vielmehr nur von dem unmittelbar vorhergehenden ressortiert.

Die Formel des Zweckes ist dreigliedrig, die des Mechanismus nur zweigliedrig.

Triebhaftes, primitives, nicht telelologisches Handeln ist insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass der Erfolg, die Wirkung, das Ergebnis, einer Handlung, die eine Veränderung des gegenwärtigen, subjektiv als unangenehm empfundenen Zustandes bewirken soll in diesen zurück führt. Die zwanghafte Handlung zur Verbesserung der Befindlichkeit ist gewohnt (das Zwanghafte ist das Gewohnte) und führt zu einer Bestätigung und Verfestigung des Urzustandes. Ein banales Beispiel ist der juckende Stich eines Insekts. Kratzt man sich, weil einen das Jucken stört, wird das Jucken in der Regel stärker. Komplexere nicht teleologische (unlogische, irrationale) Handlungen werden in der Psychologie in Verbindung mit dem Begriff des Wiederholungszwangs gebracht und als Zwangsstörungen behandelt.

Aus der Beobachtung erkennt man, dass im Verlaufe der Zivilisation die Länge der teleologischen Reihen immer weiter zugenommen hat. Am Anfang waren es (relativ) einfach Werkzeuge, die zur Erreichung (relativ) einfacher Zwecke gebaut wurden. Zunächst wurde ein Werkzeug erschaffen, mit dem in der nächsten Stufe 2 der avisierte Zweck erreichbar war. Heutzutage baut der Mensch Werkzeuge um damit komplexere Werkzeuge zu bauen, mit denen noch komplexere Werkzeuge gebaut werden mit denen dann irgendein Endzweck erreichbar ist.

Vom psychologischen Standpunkt aus betrachtet ist die zeitliche Aneinanderreihung von Mittel und Zweck von zwei zeitlich getrennten seelischen Seinszuständen gekenneichnet. Die Phase der Anwendung des Mittels, die Mittel-Phase, ist gekennzeichnet von irgendeiner Art konzentrierter Arbeit, bei der Affekte eine eher untergeordnete Rolle spielen und in die eher in der Domäne den Intellekts, des Über-Ichs liegt. Die an die Mittel-Phase anschließende Zweck-Phase hingegen ist eher durch einen seelischen Zustand von Belohnungsempfinden (Genuss, Sättigung, Befriedigung, Glück, Freude, Rausch, usw.) also der Affektiertheit des Es gekennzeichnet. Da im Verlauf der Entwicklung immer komplexerer Werkzeuge, also immer längerer teleologischer Reihen, die Mittel-Phase gegenüber der Zweck-Phase zeitlich (und auch räumlich: Globalisierung) immer weiter ausgedehnt wird, kommt es, zu einer Dämpfung der Affektivität, also immer ausgedehnterem Belohnungsaufschub.

Norbert Elias bestätigt in Über den Prozess der Zivilisation empirisch diese auf philosophischem Wege gefundenen Ergebnisse Georg Simmels auf der Frage, wie sich im Verlaufe des Prozesses der Zivilsation das Über-Ich gebildet hat. Hegel und Simmel benutzen nicht direkt das Wort Über-Ich, sondern sprechen vom objektiven Geist.

Synonyme und Analoga

Als Analoga telelologischer Reihen kommen auch die auf Grundsätzen, Paradigmen und Axiomen aufgebauten hierarchischen Systeme von Wissen in Betracht. Ein Skizze davon, wie der Zins mit dieser Zunahme an Erkenntnissen zusammenhängt ist einfach gezeichnet: der Zins erzeugt eine (künstliche) Not (Knappheit des Geldes), und macht so Erkenntnis notwendig. Die Erkenntnis ist notwendig. Das gesamte Wissen besteht aus objektiven Notwendigkeiten, und wie Simmel es in Kapitel 6.1. von Philosophie des Geldes schreibt, ist die Entstehung des Wissens, der Erkenntnisgewinn, ähnlich strukturiert, wie die Tilgung eines Kredits (des Glaubens an die Idee): die subjektive Erkenntnis erfüllt objektive Anforderungen, Geld ist eine Forderung. Und so schöpft der Kapitalismus auch Wissen aus der Realisierung von Ideen und mit Hilfe der Erkenntnis.

Den Fortschritt aufgrund der zinsverursachten Nöte, die Evolution des Wissens, bezeichnet Marx im Kapital mit dem Begriff der Stufenleiter der Produktion. Unternehmungen sind Verkörperungen des kooperativen Handelns aus Verkörperungen des kollektiven (objektiven, kommunistischen) Wissens. Wertschöpfungsketten zählen wohl zu den offensichtlichsten physischen Realisierungen telelogischer Reihen.

Existenz als Zweck

In einer Ökonomie mit dem universellen Tauschmittel Geld ist das Mittel zur Erreichung irgendwelcher Zwecke oft, aber nicht immer (!) der Erwerb von Geld, wobei die erworbene Geldmenge ein Maß für den damit einhergehenden Handlungsspielraums bzw. der monetären Freiheit (Begriff des Raums der monetären Möglichkeiten) ist. Unter der Benutzung der erworbenen Geldmenge können von der momentan Existenz ausgehend höhere Zwecke erhoben und deren Erreichung angestrebt werden. Fest mit dem Begriff der Existenz ist der Eigentums und Besitzstand verknüpft, der auch als gesellschaftlicher Status bezeichnet wird.

Grundzweck: das Existenzminimum

Grundvoraussetzung zur Erreichung „höherer“ Zwecke ist die Erreichung des Existenzminimums. Das Existenzminium ist ein grundsätzlicher Zweck zu dessen Erreichung Lebensmittel notwendig sind. Zu den Lebensmitteln gehören Nahrung und Kleidung aber auch Obdach und höhere Güter, wie Kommunikation, Energie und Bildung. Das Leben am Existenzminimum ist eine schuldfreie Daseinsform. Die Menschrechte fordern für alle Menschen den Zugang zu vielen der die minimale Existenz sichernden materiellen Güter. Bei den einverleiblichen Gütern ist Eigentum Grundvoraussetzung, wenn durch die Einverleibung die Grundschuld (also das Bedürfnis) ausgeglichen werden soll. Manche andere Existenz sichernde Güter können besessen werden. Zum Beispiel kann eine Wohnung gemietet werden muss also nicht Eigentum sein. Im Kapitalismus erfordert die Rentabilität aus Sicht des Wohnungseigentümers die Verlangung eines Mietzinses, der den natürlichen und nutzungsbedingten negativen Zins der Wohnung übersteigt. Ein Mensch, der zur Miete wohnt zahlt also im Allgemeinen mehr, als er zahlen müsste, wenn er Eigentümer der Wohnung wäre.

Die Sicherung der Existenz bedeutet die Aufrechterhaltung eines Stroms von Besitz- und Eigentumsgütern, der den natürlichen und und nutzungsbedingten Zerfall und Verbrauch der Güter des Bedarfs kompensiert und der zum Erhalt der Existenz ausreichend ist.

Höhere Zwecke - höhere Formen der Existenz

Im Kapitalismus gibt es oberhalb des Existenzminimums eine kritischen Ansammlung von Gütern durch deren Eigentum oder Besitz in Kombination mit einem entsprechenden Wissen höhere Zwecke mit relativ geringem Arbeitsaufwand erreichbar werden, Vergleich zum Begriff der kritischen Masse. Dieser kritische Eigentums und Besitzstand ist abhängig vom Zinsniveau und der Geldmenge, die zum dauerhaften Erhalt des Existenzminimums notwendig sind. Georg Simmel schreibt zu dieser Schwelle in Philosophie des Geldes[1, S. ]:

Ich werde noch öfters davon zu sprechen haben, wie - in tiefem Zusammenhang mit der Schwellenbedeutung der Geldquanten - das Geld in ausserordentlich hohen Summen eine besondere, der leeren Quantitätshaftigkeit sich enthebende, gleichsam individuellere Gestalt gewinnt.

Ist diese nur im Kapitalismus existierende ökonomische Schwelle, die zinsneutrale Schicht, von der Simmel auch und gerade im Zusammenhang mit Reizen und Bewusstsein häufig spricht, die Luhmann später mit dem Begriff der Differenz als eine Form des Reizkontrasts und einer Unterscheidung in Verbindung bringt, und ab der ein Mensch dazu in der Lage ist, unter Nutzung des Eigentums und Besitzes ohne Zuschüsse von Außen zu existieren, also die eigenständigen Existenz erreicht, stellt sich die Frage, wonach der so eigenständige Mensch streben soll.

Teleologisches Handeln einer Gruppe

Dies ist eine sowohl individuelle, als auch nicht allgemein beantwortbare Frage. Die Frage nach der Erhebung höherer Zwecke einer Gemeinschaft ist zentraler Gegenstand des öffentlichen Diskurses in einer Demokratie. Im Kapitalismus sollte der Mensch, der die eigenständige Existenz erreicht hat, seinen durch seinen Eigentums- und Besitzstand immer wieder neu entstehenden Reichtum dazu nutzen, die höchsten Zwecke anzustreben.

In einer Gesellschaft, die vor einer Herausforderung steht, deren Erfüllung zum obersten Zweck erhoben wird, sollte zunächst ein Konsens darüber gebildet werden, wie das Wertverhältnis in Bezug auf unterschiedliche Zweck-dienliche Mittel absolut wirklich ist. Mit „absolut“ ist hier eine mehrheitsfähige Bewertung bezeichnet. Die Frage der Bewertung ist im Allgemeinen so komplex wie der Zweck bzw. das die dazugehörige Mittel, wobei sich oft die Komplexität des Zwecks an der Komplexität des zu seiner Erreichung notwendigen Mittels bemisst. Die Aufgabe des unternehmerischen Prozesses besteht in der Konstruktion des Mittels. Grundsätzlich gilt, dass bei einem arbeitsteiligen Prozess die Komplexität der Prozessorganisation die Komplexität des Mittels spiegelt. Dezentrale Problemstellungen erfordern dementsprechend dezentrale Arbeitsorganisation.

Referenzen / Einzelnachweise

Querverweise auf 'Teleologische Reihen'