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16. November 2017

Schizoidisierende Einflüsse in westlichen Gesellschaften

Der schizoide Typus ist ein natürlicher Bestandteil der Seele jedes Menschen, der aufgrund bestimmer Lebensumstände verstärkt wird, hervortritt und dann, wenn die Ursachen des schizoiden Verhaltens, nämlich die Störung der fundamentalen Beziehungen, in der Kindheit liegen, im Leben des Menschen auf eine schwierige zu ändernde Grundhaltung führt. Der Psychoanalytiker Fritz Riemann beschreibt in seinem Buch Grundformen der Angst (1961) schizoidisierende (altgriechisch schízein, deutsch ‚spalten‘ und -oid, deutsch ‚ähnlich‘) Einflüsse auf den Menschen in westlichen Gesellschaften. Andere Wissenschaftler wie Max Weber und auch Norbert Elias sprechen von einer Vereinzelung, einer Atomisierung und einem Auseinanderdriften der Gesellschaft. Schizoides Verhalten ist bei vielen Gotteskriegern und Amokläufern zu finden.

Aber auch die gesamte Umweltsituation des westlichen Menschen wirkt sich schizoidisierend aus:

Die Welt gibt uns immer weniger Geborgenheit; trotz allem Komfort fühlen wir uns immer gefährdeter, und unser Lebensgefühl wird labilisiert durch die Überfülle an Reizen, denen wir ausgesetzt sind und gegen die wir uns nur schwer abschirmen können; das Schreckgespenst möglicher Kriege und das Wissen, dass wir heute in der Lage sind, und selbst total zu vernichten, die gefährliche Machbarkeit und Beeinflussbarkeit auch lebendige Entwicklungen durch Technik und Naturwissenschaften haben in uns ein Gefühl existenzieller Bedrohtheit entstehen lassen, wie wir es für die Entstehung schizoider Strukturmerkmale erkannt hatten.

Als Gegenbewegung lässt sich die zunehmende Neigung zum Yoga, zu meditativen Übungen bewerten, und das spürbar werdende Bedürfnis nach einer Rückbesinnung auf die Innenwelt lässt sich noch im Gebrauch der Drogen erkennen; die Hippies und Gammler wollen bewusst auf die Errungenschaften einer Technik und Zivilisation verzichten, deren unkontrollierte Herrschaft uns allen immer fragwürdiger geworden ist. Die Beherrschung der Natur, die Zeit und Raum überwindende Technik und die Lebensbedingungen, unter denen wir unseren Existenzkampf durchführen müssen, drohen unsere gemüthaften Seiten immer mehr verkümmern zu lassen, so dass wir von einem Schizoidisierungs-Prozess der westlichen Gesellschaft sprechen können.
Die zwei fundamentalen Triebe Libido und Destrudo sind von der Schizoidierung betroffen. Als Beispiel sei die USA genannt, in denen sich die Amokläufe häufen und die Zahl Opiatsüchtiger auf fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung (!!!) angewachsen ist[1][2]. Der Konsum von Opiaten und Drogen wie Alkohol und Marihuana erzeugt eine Gefühl der Verbundenheit und Geborgenheit, deren Fehlen in Kindheit, Jugend und im Erwachsenenalter ursächlich für die Ausprägung schizoiden Verhaltens sind. Der Konsum dient dem Ersatz von köpereigenen Endorphinen, die in sozialen Beziehungen ausgeschüttet werden. Der Zins raubt den Menschen das Gemeinwesen und den sozialen Kontakt außerhalb des Geldsystems („(Arbeits-) Zeit ist Geld“). Das in der Gesamtbeziehung dem Geldnetzwerk komplementäre Netzwerk wird zerstört, die Beziehungen der Menschen darin werden „zerrupft“. Die menschliche Seele reagiert darauf mit dem Kompensation durch Drogenkonsum oder mit Wut, die sich bis zum Amok steigern kann.

Referenzen / Einzelnachweise

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