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11. November 2017

E-Mail an den WWF

Die folgende Email schrieb ich heute auf eine Kampagne des WWF an Frau Jenny.Walther-Thoss@wwf.de bei:

WWF Deutschland
Reinhardtstr. 18
10117 Berlin


Tel.: 030 311777-700
Fax: 030 311777-199


info@wwf.de


Die Kampagne „Baumwolle: Wie nachhaltig ist die Bekleidungsindustrie?“ ist auf der Seite des WWF zu finden.

Baumwollfeld in Brasilien © Michel Gunther / WWF.

Sehr geehrte Frau Walther-Thoß,

Sie sprechen mit Ihren Untersuchungen und Ihrem Anliegen eine breite Masse von Konsumenten an. Sie bemühen sich darum, die Aufmerksamkeit im Konsumverhalten der Menschen auf nachhaltige Produkte zu lenken. Sie haben damit meine volle Unterstützung.

Ich bin jedoch sicher, dass Sie sich auch Gedanken darüber gemacht haben, wie es eigentlich dazu gekommen ist, dass ein Handeln wie das Ihre notwendig ist. Die meisten Umwelt- und Sozial-Aktivisten verweisen bei dieser Frage auf den Kapitalismus oder auf das Geld. „Geld regiert die Welt“ sagen dann viele, doch wissen die Menschen nicht genau wie.

In Bezug auf Baumwolle ist wohl zu sagen, dass es Rationalisierungszwänge waren, die die Anbauer von Baumwolle dazu gezwungen haben, immer größere Felder immer günstiger zu bewirtschaften. Die Ausbringung von Pestiziden, der verschwenderische Einsatz von Wasser, Genmanipulation und nicht zu vergessen die Ausbeutung der Arbeiter in diesem wichtigen Zweig der Wirtschaft, Baumwollanbau war (und ist teilweise immer noch !) Sklavenarbeit, dienen letztendlich dem Zweck, den Ertrag zu steigern und damit den Profit.

Soweit zur Herstellerseite.

Auf der anderen Seite, der der Konsumenten, sind Menschen in den kapitalistischen Ländern (also praktisch alle Länder des Planeten) von einem permanenten Abstiegsrisiko bedroht. „Wer unten ist, der bleibt unten“ lautet ein bekannter Satz in diesem Zusammenhang, soziale Ungleichheiten werden durch das System verfestigt und sogar verstärkt. Dies hat zur Folge, dass eine immer breitere Menschenmasse in ihrem Konsumverhalten dazu gezwungen ist, günstigere Erzeugnisse zu erwerben. Viele Menschen sind aufgrund der Höhe ihres Einkommens dazu gezwungen, bei KiK oder bei Primark zu kaufen, auf den Lebensmittelmärkten können sie sich Bio-Produkte nicht leisten, weil es dann an anderer Stelle nicht reicht zum Leben.

Um nun zu meinem Punkt zu kommen, verweise ich darauf, dass die Höhe der Löhne und die Höhe der Konsumpreise von ein und demselben Mechanismus beeinflusst werden und dieser Mechanismus letztendlich das selbstschädigende Konsumverhalten hervorbringt. Es ist der Grundmechanismus des Kapitalismus, der positive Zins, der die Reichen reicher und die Armen ärmer werden lässt, der Profitinteressen vor natürliche Bedürfnisse stellt, Geldmengen-Wachstum vor Nachhaltigkeit, Wachstumszwang vor die Würde des Lebens und der Natur.

Ich bin von Beruf promovierter Physiker und untersuche seit 3 Jahren das Geldsystem und seine Auswirkungen. Das Fachgebiet heißt sozioökonomische Physik. Ich möchte Sie in dieser E-Mail auf die größtmögliche Revolution aufmerksam machen, die gerade unterwegs ist, die jedoch leider von den meisten vollkommen unbemerkt bleibt, weil die meisten Menschen eben nicht wissen, dass das Wesentliche des Kapitalismus das Zins-Vorzeichen ist.

Wir stehen vor einer Ökonomie, in der die Zinsen negativ sind. Diese Idee ist über 2000 Jahre alt, und unzählige Male wurde sie in der Vergangenheit formuliert (z.B. von den Reformern der Aufklärung vor der französischen Revolution und während der Entstehung des sog. Liberalismus), doch sind wir erst in unserer Zeit dazu in der Lage, die Negativzins-Ökonomie technisch zu realisieren. Man muss die Negativzins-Ökonomie wohl „Antikapitalismus“ nennen, doch was das genau bedeutet, das sollte nicht nur ein Mensch sagen, sondern am besten alle, denn wir alle sind davon betroffen. Es ist das Ende der über 6000 Jahre langen Herrschaft des Geldes über das Leben.

Meinen Beitrag dazu habe ich in Textform gebracht. Er liegt auf meiner Homepage, auf der ich das Wissen, die Ergebnisse meiner Forschungen, sammle und veröffentliche:

www.tim-deutschmann.de/Einstieg/ZinsMechanik/ZinsMechanik.pdf

In einer Negativzins-Ökonomie werden nach einem Verbot des Bargelds oder der Installation einer elektronischen Umlaufsicherung insb. reiche aber im Prinzip alle Geldvermögende von den Banken dazu gezwungen, Kreditnehmer zu finden, die weniger Zins nehmen als die Bank. Dieses Prinzip ist die Umkehrung des Zwangs des Kapitalismus. Die Kreditzinsen werden negativ. Das bedeutet, dass 100% geliehen werden und weniger als 100% zurückgezahlt werden müssen.

Der Zwang, Kreditnehmer zu finden, die weniger Zins nehmen als die Bank wird die Gründung von Unternehmen ermöglichen, wie die Geld-Wirtschaft schon immer die Realwirtschaft finanziert hat. Doch wird die Wirtschaft nicht mehr, wie bei positivem Zins vom Kapital, ausgebeutet, sondern umgekehrt. Der Negativzins ist ein Anreiz, Unternehmungen zu gründen. Dies können im Hinblick auf die ökologische und soziale Katastrophe, die der Kapitalismus weltweit erzeugt hat nur nachhaltige Unternehmungen sein.

Doch braucht es vor der Entstehung solcher Unternehmungen zunächst ein Bewusstsein für die Wirkweise von Zinsen und natürlich ein Einverständnis der Mehrheit der Bevölkerung für diese dem Kapitalismus entgegengesetzte Ökonomie.

Die Negativzins-Ökonomie wird unvermeidbar kommen, doch zeigt die Vergangenheit, dass es Teile der kapitalistischen Gesellschaften gibt, allen voran die sog. „Kapital-Eliten“ , die eher einen Bürgerkrieg, also einen „inneren Krieg“, oder einen Krieg nach Außen riskieren, als diese Ökonomie zu akzeptieren. Deswegen bitte ich Sie inständig, auch in Ihrem Interesse wohlgemerkt, sich mit den negativen Zinsen zu beschäftigen.

Eine bessere Welt ist möglich, sie liegt zum Greifen nahe und sie funktioniert teilweise nach den entgegengesetzten Mechanismen des Kapitalismus, wenigstens was den Zins-Fluss angeht. Es kommt in einer Negativzins-Ökonomie viel Verantwortung auf eine große Masse der Bevölkerung zu, die sie nicht gewohnt ist. Wir werden den Umgang mit dem Geld unter einer Negativzins-Ökonomie und die damit einhergehende Freiheit erst erlernen müssen. Unter Zwang sind darin die Reichen, und immer freier werden die Armen, die Ärmsten und letztendlich die Natur, also die reale Schöpfung.

Von meinem Standpunkt als Physiker kann ich sagen, dass die Negativzins-Ökonomie eine natürliche Ökonomie ist. Die Intuition und der gesunde Menschenverstand spielen darin eine zentrale und tragende Rolle. Es wird darin mehr auf das Mitfühlen (Konsens) und weniger auf das rationale Denken ankommen.

Ich hoffe sehr, dass ich Ihr Interesse für das zentralste Thema der Zivilisation geweckt habe.

Mit freundlichen Grüßen,

Tim Deutschmann

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