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14. Dezember 2017

Vermeintliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Hysterie, Irrationalität und soziale Rollen

Als ich 2014 im November diese Reise der Erforschung und Entdeckung der Negativ-Zins-Ökonomie begann, hatte ich nur wenig Ahnung von dem, was mich auf der dem Kapitalismus gegenüberliegenden Seite erwartet. Jedenfalls wurde nach mehreren Monaten Gesprächen über das Thema 'negative Zinsen' für mich klar, dass es als irrational, unlogisch und widersinnig angesehen wurde. Ich hatte trotz vieler Bemühungen keine Chance, eine reguläre Stelle zur Erforschung der anti-kapitalistischen Ökonomie zu finden, und so war die einzig verbliebene Möglichkeit, zu Hause zu bleiben, vormittags, bis zur Heimkehr meines Sohnes aus der Schule zu forschen und zu publizieren, dann Essen zu kochen und für das Kind da zu sein. Meine Arbeit wurde belächelt, abgewertet und ich wurde als verrückt und hysterisch bezeichnet.

Der mathematisch vollständige Raum aller Möglichkeiten der Ökonomie in Bezug auf belohntes und bestraftes Verhalten im Umgang mit Geld. Die linke Hälfte wird als irrational und unlogisch bezeichnet. Diese Bewertung erfolgt typischerweise durch diejenigen, die meinen, man dürfe fundamentale Naturgesetze auf den Kopf stellen, um Zucht und Ordnung zu erschaffen. Die rechte Seite ist der Kapitalismus, und darin herrscht das Patriarchat, das Männliche beutet das Weibliche aus und erzwingt Kinder von ihm.

Von außen betrachtet schlüpfte ich in die soziale Rolle einer Frau im Patriarchat, kümmerte mich um Haushalt und Kind (mehrdeutig!), während der andere Elternteil, die Mutter meines Sohnes zur (regulären) Arbeit ging und das Geld nach Hause brachte. Ich geriet also in eine soziale Situation, die die patriarchaische Gesellschaft für Frauen vorsah, doch nicht für Männer. Ich sah und sehe mich immer noch zu dieser Arbeit gezwungen, kann sagen, dass man von mir als Deutschem vor dem Hintergrund unserer Vergangenheit erwartet, dass ich mich so verhalte, weil ich eben die Ursache, warum Geschichte sich wiederholt und warum sich der Holocaust in anderer Darstellung, in der Ausrottung von Minderheiten, im Genozid, vielfach wiederholen wird, wenn die Ursache, der Zins nicht beseitgt wird, erkenne.

„Das bißchen Haushalt macht sich von allein - sagt mein Mann.“

Eine der Grundlagen meiner Arbeit ist die tiefenpsychologische Studie von Fritz Riemann mit dem Namen Grundformen der Angst. Ein Werk, das um 1961 tief in die Seelen der Deutschen blickte und die Seelenwelt in vier Ängste aufteilte, von denen jeweils zwei komplementär, also gegensätzlich, sind:

Eine dieser Grundformen der Angst bezeichnet Fritz Riemann als Hysterie, es ist die Angst vor der Notwendigkeit, Festlegung und Endgültigkeit. Hystera ist griechisch und bedeutete Gebärmutter. Die Bezeichnung ist nicht zufällig, sondern verweist auf die (im patriarchaischen Kapitalismus) beobachtbare Tatsache, dass Hysterie ein überwiegend weibliches Phänomen ist.

Aus Grundformen der Angst zur Genese der Hysterie[1, S. 209f]:

Das Leben der Frau in unserer westlichen Kultur war früher fast ausschließlich auf den Bereich der Ehefrau, Hausfrau und Mutter beschränkt. Ihr Lebenssinn und die Rolle, die die Gesellschaft von ihr erwartete, lag in der Familie ( „und drinnen waltet die züchtige Hausfrau...“ heißt es in Schillers Lied von der Glocke), im Gegensatz zum Manne, dem viel reichere Möglichkeiten für seine Selbstverwirklichung offen standen. Dadurch bekam die Partnerbeziehung für die Frau einen anderen Stellenwert als für den Mann. Zugleich war die soziale Rolle des Mannes in vieler Hinsicht eine bevorzugte; das Männliche wurde allgemein höher bewertet, die Leistung der Frau minder eingeschätzt und bezahlt, die Frau juristisch und wirtschaftlich in Abhängigkeit gehalten. So überall benachteiligt, in ihren Entfaltungsmöglichkeiten auf Heim und Familie beschränkt, dazu gedrängt, mehr die Wunschbilder und Erwartungen der Männer und der Gesellschaft zu erfüllen als ihr eigenes Wesen, kollektiven Vorurteilen unterlegen, die ihr lange Zeit sogar die Seele absprachen und später keine eigene Sexualität zugestanden, war die Lage der Frau im Patriarchat keine beneidenswerte. Da wurde die Hysterie sozusagen die einzige Waffe der Frau, ihre Wünsche und Ansprüche gegen die übermächtige Männerwelt durchzusetzen und sich zugleich an ihr zu rächen. Man möchte fast sagen: sie »erfand« die Hysterie als das Verhalten, gegen das »kein Kraut« gewachsen war, demgegenüber der Mann sich als hilflos empfand und resignierte.

Hysterisches Verhalten ist so irrational, unlogisch, undurchschaubar und nicht zu fassen, dass der Mann mit seinen Mitteln der Ratio und Logik ihm gegenüber machtlos war: was war an den Reaktionen der Frauen Absicht, was Krankheit; was war Nicht-Wollen, was Nicht-Können; die dramatischen Szenen, die körperlichen Symptome, die Verzweiflungsausbrüche bis zu Selbstmordandrohungen, legten den Mann Rätsel über Rätsel vor, an denen er oft genug scheiterte, wollte er nicht die widerspenstige mit der Peitsche Nietzsches »zähmen«, damit aber eine Partnerschaft endgültig zerstören. Die zur »ehelichen Pflicht« herabgewürdigt die Sexualität der Frau war häufig die Ursache ihrer »Frigidität«, mit der man wiederum ihr den schwarzen Peter zuschob. Hinter dieser Hybris des Mannes, hinter seinem Macht- und Besitzanspruch aber lag, vorsichtig gehütet und verborgen, seine tiefe Angst vor dem Weibe, vor der anderen Seite des Lebens, die umso gefährlicher und bedrohlicher erlebt wird, je einseitiger man das Männliche [den positiven Zins] vertritt und überbewertet.

Mit der Genialität des Unbewussten [mathematische Theorien über die Wirkung des Zinses sind Theorien über das kollektive Unbewusste] fand die Frau das Gegengewicht gegen die männliche Überlegenheit in der Hysterie [der Hingabe des Wissens um alle Möglichkeiten der Ökonomie], die zugleich Selbstverteidigung und Rache [ oh ja, was ich alles erlebt habe und ertrage musste in dieser miesen Stadt Heidelberg!] war. Es ist kein Zufall, dass im allmählich ausklingenden Patriarchat sogenannte klassische Hysterie seltener geworden ist; eine als gleichwertig anerkannte und in ihren Entfaltungsmöglichkeiten nicht unterdrückte Frau braucht sie nicht mehr [Meine Hysterie endet, wenn die Mehrheit kapiert hat, was die Menschheit angerichtet und angetrieben hat, was die Welt im Innersten zusammenhält, nämlich die Gier nach noch mehr Geld, Zins und Zinseszins].

In fast allem von dem, was hier steht, erkenne ich mich wieder, wenn ich auf mein Leben der letzten drei Jahre zurückblicke. Dass ich in diesem letztlich durch mein Gewissen erzwungenen Verhalten anfange, mich im übertragenden Sinn (!) wie eine Frau zu benehmen, ist kein Zufall, sondern vollkommen logisch und letztlich der sozialen Rolle geschuldet, in die mich mein Gewissen drängt. Hier kommen auf scheinbar wundersame Weise gleich mehrere Dinge zusammen, die in Wahrheit jedoch vollkommen logisch miteinander zusammenhängen.

Eine Interpretation des Davidsterns.

Die ältesten Bezeichnungen für das Wort Zins lauten tokos, was u.a. junges Rind oder auch Wehentätigkeit, gebären bedeutet, und ms, was Leben geben bedeutet und wie die Altägypter den Zins nannten.

Der Motor des Kapitalismus, das Herzstück der Ökonomie.

Ist der Zins positiv, so wird er von der Kreativität und den Ideen der Menschen genommen und dem Kapital hinzugefügt. Das männliche Kapital bereichert sich an der Kreativität und der ideenreichen Hingabe, der weiblichen Seite des Menschen (Gott ist kein Mann!). Das biologische Analogon entspringt der Vorstellung, dass der Mann seinen Samen gibt und die Frau das viel größere Kind (man vergleiche das Gewicht eines Ejakulats mit dem Geburtsgewicht eines Kindes). Der Kapitalismus erzieht die relativ Ärmeren unter uns also alle zur Weiblichkeit, erzwingt Hingabe und Kreativität durch das Erzeugen von Not. Ist das eine Erklärung dafür, warum reiche Frauen etwas Männliches haben und arme Männer etwas Weibliches?

Die Zins-Fluss-Bilanz bei der Investition in eine Neugründung/Innovation. Das aus der Idee und dem Kapital entstandene Mittel ist das Kind, und von diesem Kind wird Zins genommen. Der Zins ist der Zuwachs des Kapitals, das Spiegelbild des Nutzens des neu erschaffenen Mittels/Kindes.

Unter der Negativ-Zins-Ökonomie gibt das Kapital Zins an die Schöpfung, an das Kind, an das Leben und die Natur. Das Kapital wird weiblich. Das Kapital ist aber eben auch ein Spiegelbild für das Wissen vom Nutzen, das sich aufhäuft. Die aberwitzige Geldmenge in der Hand von Nichtbanken ist ein Spiegel des akkumulierten Wissens im Kapitalismus. Derjenige, der sein Wissen für diese andere Hälfte der Ökonomie gibt, erscheint also hysterisch.

In diesem Sinn waren auch Goethe und Schiller [2] hysterisch, denn sie wussten beide vom Zins und entwickelten die Kunst, um den heißen Brei herumzureden und die Wirkung der Zinsnahme in Bildern zu verschlüsseln. So beschreibt Goethes Walpurgisnacht und Walpurgisnachtstraum die Kapitalakkumulation und Monopolbildung durch die Heirat zweier Geldadelshäuser (die Hochzeit von Oberon und Titania).

Referenzen / Einzelnachweise

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