$ \def\diff{d} \def\medspace{\enspace} \def\mathbi{\mathbf} \def\euro{€} \def\dollar{\$} \def\textnormal{\text} \newcommand\norm[1]{\left\lVert{#1}\right\rVert} $
PDF-Version YouTube-Kanal
Verzeichnisinhalt:
PDF-Version des Kapitels
1. Februar 2019

Schumpeters Definition von Kapitalismus anno 1919

Als ich anfing, mein Wissen und meine Erkenntnisse zur Funktionsweise des Kapitalismus aufzuschreiben, war das größte Problem, die Definition von Kapitalismus, die sich für mich selbst verständlich aus der reinen Logik ergab, gegen Angriffe zu verteidigen.

"Kapitalismus hat doch überhaupt nichts mit Zinsen zu tun, Tim." sagten einige, andere wollten gar nicht über Zinsen sprechen, sagten, dass Zinskritik antisemitisch sei, was für mich zunächst eine seltsam erscheinende Brücke in die Religion schlug und mir mindestens Vorsicht im öffentlichen Äußern von Erkenntnissen rund um den Zusammenhang der abrahamitischen Religionen mit dem Thema Zinsen einflößte, doch mit der Zeit trafen immer mehr Aussagen, die ich mit logischen Folgerungen aus meiner Definition des Kapitalismus gewann zu, und auch das, was ich in soziologischen Büchern dazu fand, stand im Einklang mit dem sich entfaltenden Theoriegebäude, ohne dass ich eine klare Definition des Kapitalismus irgendwo finden konnte.

Zinsm. 'Abgabe, Steuer', landschaftlich (bes. südd. öst. schweiz.) 'Miete, Pacht', ahd. (8. Jh.),

mhd. zins 'Abgabe, Tribut, Pachtgeld, Miete' und (nd. Lautverhältnissen angeglichenes) asächs. mnd. tins sind entlehnt aus lat. cēnsus 'Vermögensschätzung, Steuerliste, Vermögen, Besitz, Vermögensteuer', spätlat. auch 'Grundsteuer'; zu lat. cēnsēre (cēnsum) 'begutachten, schätzen, taxieren, (nach Prüfung aller Umstände) der Meinung sein, (an)raten, beschließen'.

Im mittelalterlichen Feudalsystem bezeichnet Zins 'die dem Lehnsherrn zu leistenden Abgaben an Vieh, Ernteerträgen und (Pacht)geld'.

Die finanzwirtschaftliche Bedeutung 'Entgelt für die Überlassung von Kapital' (vereinzelt im 14. Jh.) wird im 16. Jh. allgemein; die heute dafür übliche Pluralform Zinsen setzt sich im 18. Jh. durch. - verzinsen Vb. 'Zinsen zahlen', refl. 'Zinsen einbringen, abwerfen', mhd. verzinsen 'den Zins wovon oder wofür bezahlen', präfigierte Bildung zu heute nur noch im historischen Sinne gebrauchtem zinsen Vb.

'Steuern, Abgaben, Zins entrichten', ahd. (9. Jh.), mhd. zinsen 'den Zins geben, zahlen', refl. 'Zinsen (ein)bringen', trans. 'als Zins geben, hin-, preisgeben'.

Zinseszins m. 'Verzinsung von Zinsen' (2. Hälfte 18. Jh.), Zinsenzins (Ende 17. Jh.); vorauf gehen Umschreibungen wie Zins von Zinsen (16. Jh.), Zinß und Zinß Zinsen (Anfang 17. Jh.); in fester Fügung mit Zins und Zinseszins (Mitte 19. Jh.).

Meine Definition von Kapitalismus, deren Ableitungen und logische Folgerungen sich im Einklang mit allen bisherigen Beobachtungen befindet, mein treues Arbeitspferd, das mich seit Ende 2014 bis hierher gebracht hat lautet:

Kapitalismus (vmtl. um 3760 v.Chr.[1][2])
Kurz: Schutz des Eigentums, Eigentümer nimmt vom Besitzer Zins für Besitz und Nutzung und pacta sunt servanda.
Die zeitweilige Transaktion von Verfügungsrechten gegen Zins ist das Kernprinzip des Kapitalismus. Der Besitzer leiht ein Gut von einem Eigentümer und erwirbt so bestimmte Verfügungsrechte am Gut, z.B. die im Vertrag bestimmte Nutzung. Der Besitzer (bzw. Nutzer) zahlt den Zins an den Eigentümer.

Selbst Marx hat die klare Definition des Kapitalismus sträflich versäumt, vmtl. einfach weil ihm die Zeit ausging und auch weil dies seiner wissenschaftlichen Methode geschuldet war, von Beobachtungen und mit Hilfe von durch Beobachtungen validierte Zusammenhänge erst am Ende auf den einen zugrunde liegenden Mechanismus zu schließen. Meine Herangehensweise war ganz anders. Ich ging von einer erkannten Störung der Naturgesetze aus und fand die Aussagen, u.a. eben auch wesentliche, in den Werken von Marx, Simmel, Weber, Schumpeter, Elias, Luhmann etc. getroffene Aussagen durch logische Folgerungen, die sich aus meiner Definition als Denkansatz ergaben.

In diesen Tagen lese ich Schumpeters berühmtes Erstwerk Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung anno 1919 und finde nun zum ersten Mal seit dem Beginn meines soziologischen Literaturstudiums eine Definition des Kapitalismus, die den bisher größten Überlapp mit dem Fundament meiner Erkenntnisse hat.

Im 2. Kapitel des o.g. Werkes schreibt Schumpeter:

Andernfalls - und das ist die Regel, wie es der grundsätzlich interessante Fall ist - ist auch der Besitzer von Vermögen und sei es der größte Konzern in der Lage des Mittellosen - wenngleich graduell durch Ansehen und die Möglichkeit Sicherheit zu geben in einer besseren als dieser -, der eine neue Kombination durchsetzen will, die nicht wie eine bestehende durch schon fließende Erträge finanziert werden kann: nämlich Kredit in Geld oder Geldersatzmitteln aufzunehmen und dafür die nötigen Produktionsmittel zu kaufen. Diesen Kredit bereitzustellen ist offenbar die Funktion jener Kategorie von Wirtschaftssubjekten, die man „Kapitalisten” nennt. Ebenso offenbar ist das die der „kapitalistischen Wirtschaftsform” eigene Methode - und wichtig genug, um als ihre differentia spezifica zu dienen - die Volkswirtschaft in neue Bahnen zu zwingen, ihre Mittel neuen Zielen dienstbar zu machen, im Gegensatz zur Methode der geschlossenen oder Planwirtschaft jeder Art, die einfach in der Ausübung der Befehlsgewalt des leitenden Organs besteht.
Der Kapitalist ist aus Schumpeters Sicht also der Geldverleiher, der Kreditgeber, der Sparer. Den Unternehmer zählt Schumpeter hier nicht als Kapitalisten, wobei sich Marx sicher im Grabe aufgebäumt hätte, kämen ihm diese Sätze irgendwie zu Ohren. Die Formulierung „Volkswirtschaft in neue Bahnen zu lenken” verweist auf die Trennung zweier ineinander greifender Teilprozesse der Wirtschaft, die Schumpeter im Anhang an das erste Kapitel zum einen als einen statischen Kreislaufprozess, dessen Bahnen und Zentren feststehen und zum anderen als einen dynamischen Prozess, dem Schumpeter die Entwicklung zuschreibt, dem er das ganze Buch gewidmet hat und der sowohl die Bahnen als auch die Zirkulationszentren der Kreisprozesse verschiebt identififiziert hat.

In der Zeit der Entstehung von Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung haben auch andere berühmte Autoren in grundlegenden Werken die Fundamente der deutschen Soziologie gelegt, darunter Max Weber, Georg Simmel und Ferdinand Tönnies, die sich natürlich auch mit dem Zinsnehmen beschäftigten und denen, so wie es den Anschein hat, bewusst war, dass der Zins auch negativ sein kann und dass diese Grundbedingung der Schlüssel zum uns Zivilisationmenschen fremdgewordenen linken Halbraum der Ökonomie ist, in der sich viele, wenn nicht gar alle „anti-kapitalistischen Utopien” befinden. Schumpeter selbst umriss die sich daraus ergebenden Denkfiguren 1942 in Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie mit der Bezeichnung „Anti-Spar-Theorien“.

Die Implikation dieser Definition des Kapitalismus ist gewaltig: Der Kapitalismus ist in Wahrheit über 6.000 Jahre alt und war zu allen Zeiten seit seiner Entdeckung ( der Sündenfall, die berühmte Erbsünde) der wesentliche Entwicklungstreiber der Zivilisation. Diese Tatsache schlägt einen gewaltigen Bogen über alle Zeiten und Epochen der Zivilisation und schreibt sämtliche Texte zu Themen, die wir heute als Wirtschaft, Psychologie, Soziologie und Rechts- und Politikwissenschaften aber auch Theologie und Philosophie umfassen den Wirkungen des Zinsnehmens, also dem Kapitalismus zu. Um diesen für die Gegenwart so wichtigen Wissensschatz zu heben, braucht es lediglich Übersetzungen von alten Begriffen und Zuweisungen an gegenwärtige.

Die Jenseitsvisionen der Erleuchteten aller Zeiten, darunter u.a. Buddha, Jesus, Mohammed, Marx, Gesell ..., sind also den Wirkungen einer Negativzins-Ökonomie also dem Anti-Kapitalismus zuzuordnen.

Durch den heutigen Bildungsstand ist es mittlerweile eigentlich jede* möglich, Vorhersagen zu den Wirkungen einer Ökonomie zu treffen, die im Wesentlichen darin besteht, dass sowohl Guthabenzinsen (u.a auch Zinsen auf die Haltung von Bargeld) als auch Kreditzinsen negativ sind, dass man also für gehortetes Geld Zinsen zahlt und für das Aufnehmen eines Kredites Zinsen bekommt. Dies ist ergibt ein Prinzip, das den Konstruktionsmechanismus der Gesellschaften und Wirtschaften der Welt quasi „umkehrt” und das auf den Folgen des Kapitalismus der Vergangenheit aufbaut.

Dies alles ist aus dem Kapitalismus entstanden:

Wenn die Zinsen negativ werden, dann sind alle oben genannten Bereiche tiefgreifend davon berührt. Jemand wäre wohl nicht mehr lebendig, wenn die Beschäftigung mit dem Thema nicht wenigstens eine Mischung aus Unsicherheit, Angst und Neugier erzeugen würde, denn schließlich ist der Zins-Mechanismus mit hoher Wahrscheinlichkeit der berühmte HERR, der nicht Gott ist, der die Welt gebaut hat und der nun zur Hingabe gezwungen ist, weil es nicht mehr anders geht.

Macht bitte alle den Mund dazu auf, denn es ist Endzeit. Überlasst das Denken über die Post-NWO nicht anderen und wohlmöglich wieder nur einer kleinen Elite.

Sapere aude!

Querverweise auf 'Schumpeters Definition von Kapitalismus anno 1919'