Das Zinsvorzeichen und das Gleichgewicht zwischen hierarchischer und heterarchischer Organisation

Warum bilden sich im Kapitalismus tendenziell und anscheinend gegenüber ihrem Gegenteil, den Heterarchien, bevorzugt Hierarchien aus?

Es mag überraschen, aber sowohl in der Natur als auch in der (kapitalistischen) Marktwirtschaft, wie auch in Zentralverwaltungswirtschaften sind sowohl hierarchische als auch heterarchische Organisationsformen vorhanden. Neben seiner Wirkung auf die einzelne Austausch-Beziehung relevanter sozio-ökonomischer Rollen beeinflusst der Zins auch das Gleichgewicht der Bestimmung zwischen hierarchischen und heterarchischen Organisationformen, zwischen zentralistischer und organischer Führung bzw. Direktion über die Beeinflussung des Gleichgewichts der Bestimmung zwischen den bilateral über die jeweilige Austausch-Beziehung verbundenen Einzelknoten des Netzwerks.

Die zu beweisende These in diesem Abschnitt lautet: Das Vorzeichen der Geldmarktzinsen bewirkt das Überwiegen und die Dominanz der hierarchischen Organisationsformen über die heterarchische.

In Ökosystemen ist der heterarchische Teil der Interaktion und dem nicht lebensgefährdendem Stoffaustausch der Spezies des phylogenetischen Baums zugewiesen. Der heterarchische Teil der Ökosysteme ist die wechselseitige Interaktion, die nicht von fressen und gefressen werden geprägt ist, sondern von Konkurrenz, Verdrängung, Kooperation, Symbiose und nicht-einseitig-tödlichem Stoffaustausch. Der Parasitismus stellt einen (paradoxen) Grenzfall zum hierarchischen Charakter der Nahrungskette dar.

Der vielleicht etwas seltsam anmutende andere, der lebensgefährdende, Stoffaustausch der Spezies ist die Einverleibung im Räuber-Beute-Verhältnis. Die Beute wird vom Räuber gefressen, durchläuft seinen inneren Stoffwechsel und wird insgesamt in Exkremente transformiert, die dann von Kleinstlebewesen, wie Insekten, Pilzen und Pflanzen wieder verstoffwechselt und in Körpermasse überführt wird. Der hierarchische Charakter dieses Räuber-Beute-Verhältnisses wird deutlich, wenn man die Spezies nach individueller Körpergröße, Gesamtbiomasse der Spezies und Anzahl der Individuen sortiert. Die charakteristische Pyramidenform („Biomassepyramide”), in der man die Nahrungskette auch darstellen kann, spiegelt das Herrschafts- und Beherrschungsverhältnis, das über weite Teile dem einfachen Prinzip folgt, dass das in der Biomassepyramide höher stehende Lebewesen das tiefer stehende frisst. So nehmen Pflanzen und Mehrzeller Mikroorganismen und Einzeller (vgl. Interaktion, Vernetzung und Genese von Eukaryoten, Protisten und Prokaryoten des pyhylogenetischen Baums) in sich auf, Pflanzenfresser Pflanzen und Fleichfresser Pflanzenfresser.

Auf der Spitze der Pyramide lebt der Alles(fr)esser Mensch, der vor 6.000 bis 13.000 Jahren zum „Zivilisationsmenschen” wurde, weil er das Zinsnehmen als Mittel der Herrschaft über das Lebendige entdeckte.

Heterarchischer und hierarchischer Teile der menschlichen Wirtschaft: Realwirtschaft und Leihwirtschaft

Zunächst einmal verweise ich auf die zuvor definierten Begriffe Marktwirtschaft, Zentralverwaltungswirtschaft, Realwirtschaft und Leihwirtschaft, den Umverteilungskern des Kapitalismus sowie die Kopplung der Reproduktionsschleifen des Lebendigen und des geltenden Toten.

Aus Sicht der Interaktion von Entitäten, also nach außen geschlossen operierenden Einheiten, ist, und das wird unabhängig vom ökonomischen System auch immer so sein, die heterarchische Entität der Menschwirtschaft der Anteil der Reproduktionsfunktion des Lebendigen im Ganzen, dem Organsystem im Organismus, zugewiesen ist. In der gegenwärtig geläufigen Terminologie ist dies die Realwirtschaft.

Heterarchie und Selbstorganisation aktuell.

Hierarchischer Teil entspricht der Leihwirtschaft.

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Die Tendenz des Gleichgewichts der Archien unter einer Negativzins-Ökonomie

Der Kapitalismus (also das Prinzip positiver Zinsen) war bisher das wirtschaftlich integrierende Element, doch der Spaltpilz im Politischen. Zentralisierung wie Hierarchisierung sind nach meinem Verständnis die Folge der Kontraktions- bzw. Kontrahierungswirkung positiver (Geldmarkt-) Zinsen, auch ausgedrückt als Akkumulation (von Kapital). Die Zentralisierung stellt sich dar in der Ausbildung der Gegensätze von Stadt und Land, der Formung von Mega-Cities, der Kapitalkonzentration und der Bildung supernationaler Staatengefüge. Negativzinsen wirken entsprechend umgekehrt: sie bewirken eine Dezentralisierung und also eine Stärkung der Autonomie der Teile gegenüber ihrer Heteronomie in ihrer Beziehung zum Ganzen bzw. der Zentralinstitution. Sie wirken wie eine Zentrifugalkraft auf alle vertraglichen und gesetzlichen Beziehungen.

Nach meinem Verständnis bewirkt eine Negativzins-Ökonomie die Bevorzugung von Heterachien gegenüber Hierarchien, also die Arbeitsteilung gegenüber, die, und genau darin besteht die Bevorzugung gegenüber dem Kapitalismus, nicht mehr unter Kontrahierungszwängen steht und so nicht mehr zur Vermehrung des hierarchisch organisierten Kapitals ausgebeutet wird, sondern selbst das Kapital, nicht jedoch seine Eigentümer, ausbeutet. Das entstehende soziale Prozessmuster habe ich zu Beginn meiner Arbeit 'autonome Kooperation' genannt. Ich weiß mitterweile, dass diese Benennung synonym ist für einen zentralen Begriff der Systemtheorie mit dem Namen 'doppelte Kontingenz'. Ich bin überzeugt davon, dass sich die politischen Autonomiebewegungen einzelner Regionen infolge des mikro-ökonomisch unter einer Negativzins-Ökonomie vorherrschenden Modus der autonomen Kooperation (das ist im Prinzip nichts anderes als doppelte Kontingenz) auflösen, bzw. ihren Zweck anders erreichen werden.

Querverweise auf 'Das Zinsvorzeichen und das Gleichgewicht zwischen hierarchischer und heterarchischer Organisation'