Räume monetärer Möglichkeiten und die Verteilung des Vermögens (individuelle Budgets)

Eine Wein-Traube besteht aus einzelnen Wein-Beeren. Eine Beere steht sinnbildlich für einen Raum monetärer Möglichkeiten. Die Beschränkung dieses Raums heißt ökonomisch Budget-Restriktion.
Das Vermögen ist ein Maß für mögliche Selbstbestimmung in einer kapitalistischen Gesellschaft. Genauer ist das geldwerte Eigentum eines Menschen ein direktes Maß für selbstbestimmte zweckdienliche Mittel, die damit realisierbar sind, und auch ein indirektes Maß für das Vermögen (im Sinne der Möglichkeit oder auch Potenz) selbst bestimmte Zwecke zu erreichen.

Der Begriff „Raum monetärer Möglichkeiten“ ist in diesem Zusammenhang der Handlungsspielraum im Sinne einer individuellen (schuldlosen) Konsum- oder auch Investitionsfreiheit, dessen Größe durch das jährlich für Ausgaben zur Verfügung stehende Vermögen in Kombination mit dem Preisniveau der Güter, die dem selbst bestimmten Zweck der Handlung als Mittel dienlich sind, messbar ist. Das Vermögen ist in diesem Sinn auch ein Selbstständigkeitsmaß.

Das Phänomen der Beschränktheit dieses Raums bei positivem Zins heißt in der Ökonomie Budget-Restriktion. Als Sinnbild für die Budget-Restriktion im Kaptialismus kann die Wein-Beere an einer Weib-Traube dienen (Grafik). In Bezug auf den Massen-Austausch hat die Analogie jedoch einen Fehler. Solange sie wachsen hängen die Beeren am Strauch und werden durch ihn mit Nährstoffen versorgt, bis sie reif sind. Insgesamt fließen Nährstoffe in die Beeren hinein.

Im Kapitalismus ist es jedoch genau umgekehrt. Eine Beere steht darin für einen beschränkten Raum monetärer Möglichkeiten aus dem Zins (aus der Beere hinaus) in den Strauch hinein fließt. Die Selbstständigkeit ist also beschränkt, die Beere hängt an der Traube und die Traube hängt am ganzen Weinstock (dem Kapital-Stock).

Es gibt mehrere Arten von Selbstständigkeit. Es kann finanzielle von schöpferischer Selbstständigkeit unterschieden werden. Angestellt zu sein muss nicht zwangsläufig heißen, im Beruf keine Selbstbestimmung ausüben zu können, die ja der Kern der schöpferischen Selbstständigkeit ist. Im Graubereich der Definitionen gibt es daher den Begriff der Scheinselbstständigkeit, die eine insgesamt heteronome jedoch sonst weitgehende Selbstbestimmung in der beruflichen Tätigkeit definiert.

Genauso bemisst sich auch die im Kapitalismus ständig angegriffene Selbstbestimmung der Konsumenten letztendlich in der Größe des Geldbeutels.

Die Vermögensverteilung

Konsumzins und Sparzins
Alle erwerblichen Güter die von Unternehmen hergestellt wurden, die Kredit-Zinsen zahlen, enthält einen Zins- und Gewinn-Anteil(Konsumzins). Bei der Betrachtung des NETTO-Zinsflusses kommt es auf die Differenz dieser beiden Anteile an.
Die meisten Menschen im reifen Kapitalismus sind zur Stillung ihrer Bedürfnisse durch Konsum gezwungen. Sie können die Güter ihres täglichen Bedarfs nicht mehr selbst herstellen, da sie ihre eigenen Produktionsmöglichkeiten aufgegeben haben. Dies ist teilweise völlig normal in einer arbeitsteiligen Gesellschaft, hat jedoch Grenzen.

Es gibt zwei Sorten Zinsen: Schuld- bzw. Kreditzinsen und Guthaben- bzw. Sparzinsen. Ohne es zu wissen haben die Menschen im reifen Kapitalismus ständig mit beiden Zinsarten zu tun, denn über den Konsum bezahlen sie Schuldzinsen, während den meisten nur bewußt ist, dass sie Guthabenzinsen für ihr M2 Vermögen/Guthaben erhalten. Die Zinsen und der Gewinnanteil in den Konsumgütern (Konsumzinsen) werden durch die Unternehmer, die das entsprechende Produkt herstellen auf die Preise verteilt, wenn sie nicht auf andere Positionen in der Bilanz des jeweiligen Unternehmens verteilt werden können oder im Unternehmen optimiert (rationalisiert, eingespart) wird. So ist ein entscheidender Teil der Inflation ein bestimmer Rest der Zinslast die die Unternehmen zu tragen haben, weil sie nicht anders als auf die Preise des Produkts verteilt werden können.

typische Matrixzelle und Zinsflüsse
Links: Fast alle möglichen Verträge und rechts die Vertragsstruktur eines Angestellten der spart und der zur Miete wohnt samt Zins-Flüssen.
Die meisten Menschen stehen also durch einige Verträge sowohl auf der einen Seite, sind also Zinsnehmer (Sparer) als auch durch andere Verträge auf der anderen Seite (Kreditnehmer). Die Begünstigten dieser Zinszahlungen sind die Unternehmen, welche die Konsumgüter herstellen. Die Unternehmen zahlen jedoch mit ihren Einnahmen auch Kreditzinsen ab.

Um wissen zu können, ob ein Mensch NETTO Zins zahlt oder einnimmt, muss man den Zins und Gewinnanteil in den Preisen der Konsumgüter berechnen, die der Mensch zur Stillung seiner Bedürfnisse erwirbt. Wie an der recht neben stehenden Grafik zu sehen ist, ist Arbeit in der Wirtschaft des Kapitalismus immer durch Zinsen belastet, ob als Selbstständiger oder als Angestellter, da die Arbeit immer in irgendeiner Form von Krediten abhängt. Die einzige Quelle eines Zinses ist letzendlich das Eigentum, wodurch der Mensch permanent dazu gezwungen ist Eigentum zu erlangen.

Seien die Konsumausgaben des Menschen also C, der Zinsanteil fZins, der Gewinnanteil fGewinn und der übrige Anteil, worin unter anderem Arbeitskosten und Abschreibungen enthalten sind fBasis, dann folgt, da für die fi gilt fZins + fGewinn + fBasis = 1. Daraus folgt, dass die Ausgaben für Zins und Gewinnanteil durch den Konsum CZins und Gewinn = C · fZins + fGewinn . Sparzinsen sind im Gegensatz zu Schuldzinsen Einnahmen.

Welches Vermögen müsste der Mensch also haben, so dass die Zinsen auf sein M2-Vermögen I2 genau so groß sind wie seine Ausgaben?

Wenn also die Einnahmen gleich den Ausgaben sein sollen muss gelten: CZins und Gewinn = C · fZins + fGewinn = zs · I2kritisch. Es folgt hieraus die Schwelle zur eigenständigen Existenz: I2kritisch = C · fZins + fGewinn zs .

Vermögensverteilung Deutschland Vermögensverteilung EU 28 Vermögensverteilung Welt
Vermögensverteilung in Deutschland (links), der EU (Mitte) und der Welt (rechts).
Diese Schwelle I2kritisch hängt also von den gesamten Konsumausgaben, vom Sparzins und vom Zinsanteil und Gewinnanteil in den Preisen ab. Ein Mensch mit einem M2 Vermögen oberhalb dieser Schwelle nimmt NETTO Zinsen ein, wird also durch den Zins leistungslos relativ reicher und bei einem Vermögen darunter relativ ärmer.

Da alle Menschen zur Stillung ihrer existenziellen Bedürfnisse in etwa die gleichen Ausgaben haben, bzw. die Existenzsicherung in etwa das Gleiche kostet, man denke dazu an die für alle gleichen Regelsätze für Hartz-IV, kommt es letztendlich nur auf das Verhältnis des Zins- und Gewinnanteils zum Sparzins an.

Der Glaube und der Stolz einiger Reicher, ihr Wohlstand und ihr Erfolg sei „Gott-gegeben“ ist die Todsünde des Hochmuts (Superbia).

Im konstruktivistischen Sinne haben die Reichen jedoch Recht. Wenn die Gott die Obermenge aller Wirklichkeiten ist, dann wird der Reichtum in der Wirklichkeit der wenigen Reichen im reifen Kapitalismus erschaffen vom großen „Rest“ der Wirklichkeit, dem ärmeren Teil Gottes.

Im zeitlichen Verlauf des rechtsstaatlichen (Verträge werden eingehalten) Kapitalismus' verkleinert sich der Anteil der Menschen an der Bevölkerung, der NETTO Zinsen nimmt immer weiter und schrumpft auf eine kleine, sehr wohlhabende und reiche „Elite“ zusammen für die der übrige Teil der Bevölkerung Zinsen zahlt.

An den obenstehenden Grafiken ist nun ganz deutlich erkennbar, dass sich in Deutschland zwischen 2003 und 2012 (aufgrund des Zinses) eine sehr reiche Oberschicht von etwa 10% der Bevölkerung am der großen 90%-igen Mehrheit bereichert hat. Diese Bereicherung allein auf Deutschland zu beziehen ist jedoch „zu klein“ gedacht. Die hier beschriebene Ursache für die Schere (der Zins) findet sich auf allen Skalen der Betrachtung. Auf genau dieselbe Art und Weise wie es in Deutschland geschah, haben sich auch die Menschen der reicheren Staaten and den Menschen der ärmeren Staaten Europas und, auf der Welt, die Menschen der nördlichen Hemisphäre an den Menschen der südlichen Hemisphäre bereichert, denn der hier beschriebene Mechanismus ist skaleninvariant.

Im reifen Kapitalismus muss der reiche Zins-Nehmer nicht mehr arbeiten. Der reale Markt-Wert seiner Arbeit steht zunehmend überhaupt nicht mehr in Zusammenhang mit dem Zins-Profit, den sein Kapital abwirft. Die Zins-Erträge des reichen Kapitalisten verführen ihn also zur Todsünde der Faulheit und machen ihn zum Sünder.

Selbstständig oder Angestellt?

Spaltung vom Mensch-Sein
Der Wert eines vernünftigen Mittels ist kleiner als der Wert des damit zugänglich gewordenen Zwecks. Der Wert eines kapitalistischen (privatisierbaren) Zwecks lässt sich oft in Geld messen, indem man ihn als wertvoller als einen gewissen Betrag bemisst. Z.B. ist einem der Genuss von Fleisch einen bestimmten Betrag wert. Lebendige Mittel haben jedoch potenziell unendlich viele Zwecke und ihr Wert lässt sich i.A. nicht auf eine endliche monetäre Zahl festlegen. Im Kapitalismus geschieht jedoch genau diese Wert-Reduktion. Ein lebendiges Mittel wird im Kapitalismus systematisch durch den Wert seiner privatisierbaren Funktion gemessen.
Etwa 60% der Einkommen stammen aus sog. nicht selbstständiger Beschäftigung (beruflicher Tätigkeit). Das Handeln eines Menschen, der als ein Geber seiner Arbeit (Lohnnehmer) in der „freien“, jedoch in Wirklichkeit unfreien, da unter Zwang stehenden kapitalistischen Wirtschaft angestellt ist, ist einem privaten Zweck unterstellt. Privat ist dieser Zweck zum Einen, da der Gewinn des Unternehmens in privates Eigentum übergeht und zum Anderen, da das Produkt des Unternehmens von seinen Käufern durch seinen Erwerb ebenso in privates Eigentum überführt wird und dort dem privaten Zweck des Käufers dient. Der Angestellte im Unternehmen ist in seiner Spezialisierung im Produktionsprozess ein „Rädchen im System“ also ein Mittel das zur Herstellung eines materiellen Mittels zur Erfüllung privater Zwecke dient.

Das Mensch-sein in einer arbeitsteiligen Wirtschaft wird immer zu einem gewissen Teil in einen Funktionsteil aufgespalten sein, der der beruflichen Bildung entspricht und einem durch das Selbst bestimmten Zweck untergeordneten Teil. In einer kapitalistischen Wirtschaft ist der Funktionsteil zu einem hohen Grad privaten bzw. privatisierbaren (egoistischen) Zwecken untergeordnet. Insbesondere dient der Angestellte während seiner Arbeit in seiner speziellen Funktion der Gewinnerzielung des vorgesetzten Unternehmers. Die Gewinnerzielung ist für gewöhnlich ein rein privater Zweck und der Angestellte dazu ein Mittel.

Profitabilität: Einschränkung der funktionalen (Selbst)Bestimmung (Berufsausübung) auf mehrheitsfähige private Zwecke

Sowohl Selbstständige als auch Angestellte dienen in ihrem Handeln diesen privaten Zwecken. Durch die eingeschränkt (!) demokratische Kaufentscheidung entscheidet der Konsument unter der Maßgabe seines Geldbeutels über die Profitabilität der Mittelherstellung. Profitabilität bedeutet jedoch zwangsläufig die Einschränkung der beruflichen Selbstbestimmung (Artikel 12) auf die Verfolgung des privaten Zwecks, auch wenn die Mittel, die dabei hergestellt werden den höchsten Zwecken, wie z.B. der Erhaltung des Lebensraums des Planeten entgegen stehen. Aufgrund der Direktion sind Angestellte in ihrer Funktion diesen profitablen Zwecken also noch stärker untergeordnet als Selbstständige.

So baut der kapitalistische Mensch weiter Autos mit Verbrennungsmotoren und kann deswegen nicht Autos mit Elektromotor bauen. Er baut weiter Atomkraftwerke, die jahrtausende lang strahlenden Müll hinterlassen und „fossile Verbrennungskraftwerke“, die durch Braun- und Steinkohleförderung die Landschaft zerstören und durch ihre CO2 Emission das Klima in einen nie dagewesenen unberechenbaren Zustand fahreni, anstatt dass er an dezentralen und regenerative Energiequellen forscht und die Energieversorgung entsprechend darauf umstellt. Er fördert weiter Erdöl zutage, macht daraus klimagefährdende Treibstoffe oder formt es chemisch in Kunststoffe um, die als Müll in kleinste Teile zerrieben in den Flüssen und Ozeanen die Nahrungskette vergiften und verseuchen, anstatt nach kompostierbaren alternativen Verpackungen und biologisch abbaubaren Stoffen zu forschen.

Es gibt kein Tier auf der Welt, das Plastik fressen kann und nicht dadurch vergiftet wird!

Selbstbestimmung des Konsumenten

Profitabel sind im Kapitalismus im Allgemeinen nur solche Unternehmungen, die einen privatisierbaren Zweck haben, also einen Zweck, bei dem das Mittel genutzt wird um von der Umwelt zu nehmen. Die Herstellung von Mitteln, die zur Erreichung höchster öko-sozialer Zwecke im Rahmen der Vernunft aller Lebewesen dienen, sind unprofitabel, weil im Kapitalismus nun mal das Nehmen belohnt wird, nicht jedoch das Geben. Aus dieser Zwickmühle kann der vernünftige Mensch nur dann heraus kommen, wenn er einsieht, dass eine intakte Umwelt und insbesondere ungestört funktionierende Ökosysteme und eine saubere unverseuchte Nahrungskette wirklich einen nahezu unbezahlbaren Wert haben.

Die Macht über die Weiterverfolgung dieser Zwecke haben für gewöhnlich die größten Profiteure der dazugehörigen Unternehmungen, und dass sie von der Verfolgung dieser Zwecke abrücken, wenn der Konsument in seinem Kaufverhalten durch monetäre Zwänge (Energiewende und Elektroautos sind teuer, Atomkraftwerke seien „klimaneutral“, dass sie strahlenden Müll hinterlassen wird einfach verdrängt, da die Kosten zur Beseitigung der Schäden sozialisierbar sind) auf die die Macht erhaltenden Unternehmungen der Profiteure gelenkt werden kann, ist unwahrscheinlich. Müssen Elektroautos deswegen umständlich und stundenlang getankt werden, damit ein Elektroauto mit Schnellwechselakku nicht kaufbar ist? Wird kein Netz aus Ladestationen aufgebaut, damit weiter Verbrennungsmotoren, Diesel und Benzin verkauft werden können?

Welche Möglichkeit hat man denn als ein moderner „Konsumsklave“ durch sein Kaufverhalten nachhaltige Unternehmungen zu fördern? Ist Otto-Normal-Konsument nicht oft durch die Größe seines Geldbeutels im seiner öko-sozialen Vernunft limitiert bzw. eingeschränkt („nachhaltig ist teuer“) oder dadurch im Kauf nachhaltiger Produkte von Wohlhabenderen abhängig, dass günstige Preise erst dann erhoben werden können, wenn die kleine „Elite“ den nachhaltigen Unternehmen mit dem Kauf einer genügend hohen Stückzahl zur Absenkung der Preise nach der Umstellung auf die Massenherstellung verholfen hat?

Wer kann also wirklich entscheiden, ob nachhaltig konsumiert wird? Viele derartiger „Preisschwellen“ (vgl. zur Reaktionsenthalpie) die nachhaltigen Konsum behindern können wahrscheinlich nur durch Negativzinskredite überwunden werden, denn dann werden diese guten/nachhaltigen Produkte nurch den negativen Zins begünstigt.

Angenommen, ein vernünftiger Mensch besäße das Wissen zur Herstellung eines Mittels, das einem mehrheitsfähigen Zweck dienen könnte. Wie käme denn ein Mensch im Kapitalismus dazu, vom Angestellten zum Selbstständigen zu werden?

Die Kredithürde als Schranke zur selbstständigen Existenz

Im Abschnitt über Wertschöpfung wird erläutert, wieviel Zinsen insgesamt für die Leihe von Kapital gezahlt werden müssen. Die Höhe der insgesamt zu zahlende Zins stellt eine Hürde für eine Unternehmung oder eine Anschaffung dar. Die zweite Hürde besteht darin, dass seitens der Kreditgeber nur für bestimmte Unternehmungen Geld verliehen wird. Zins-Faschismus

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