Die kapitalistische Evolution

Schumpeter zu Marxens Theorien zu Konjunkturzyklen und Prozessstadien des Kapitalismus

Erster Teil, Drittes Kapitel, Marx der Nationalökonom Seite 57

Den Hauptteil der den ausgebeuteten Arbeitern abgerungenen Beute ( nach einigen seiner Schüler praktisch die ganze ) verwandelt der Kapitalist in capital, in Produktionsmittel. Dies bedeutet an sich - und abgesehen von der durch Marxens Ausdrucksweise hervorgerufenen Nebenbedeutung - natürlich nichts anderes als die Feststellung eines wohlbekannten Sachverhaltes, der gewöhnlich mit den ausdrücken Sparen und Investieren beschrieben wird. Marx jedoch genügte diese bloße Tatsache nicht: wenn der kapitalistische Prozess sich nach einer unerbittlichen Logik zu entfalten hatte, dann hatte diese Tatsache Teil dieser Logik zu sein, was praktisch heißt, dass sie »notwendig« sein musste. Auch wäre es nicht befriedigend gewesen, dieser Notwendigkeit zu gestatten, aus der Sozialpsychologie der kapitalistischen Klasse heraus zu wachsen, z.b. nach der Art von Max Webers Erklärung, der die puritanische Haltung, - die Enthaltung vom hedonistischen Genuss an den eigenen Gewinnen passt auffällig gut zu ihrem Stil -, zu einer kausalen Determinante des kapitalistischen Verhaltens gemacht hat.
[...] Seite 58 ( Bestätigung von Marxens Theorie der Abnahme der Profitrate auf 0 und Selbstzerstörung des Kapitalismus )
Wenn ich die Natur dieses Sparzwang ist auseinandersetze, werde ich um der Bequemlichkeit Willen Marxens Leere in einem Punkt übernehmen; das heißt ich werde wie er annehmen, dass das Sparen durch die Kapitalistenklasse ipso facto eine entsprechende Vermehrung des realen Kapitals bedeutet. Diese Bewegung wird in erster Linie im variablen Teil des Gesamtkapitals, im Lohn Kapital, eintreten, - selbst wenn die Absicht besteht, den konstanten Teil zu vermehren und insbesondere den Teil, den Ricardo fixes Kapital nannte, - vornehmlich Maschinen.

Bei der Erörterung von Marxens Ausbeutungstheorie wies ich darauf hin, dass in einer vollkommenen Konkurrenzwirtschaft die Ausbeutungsewinne die Kapitalisten veranlassen würden, die Produktion auszudehnen oder ihre Ausdehnung zu versuchen, weil vom Standpunkt eines jeden von ihnen aus dies mehr Profit bedeuten würde. Um dies zu tun, müssten sie akkumulieren. Überdies würde die Massenwirkung dahin tendieren, die Mehrwerte durch die nachfolgende Erhöhung der Lohnsätze, wenn nicht auch noch durch einen nachfolgenden Fall da Warenpreise zu reduzieren, - ein sehr hübsches Beispiel für die dem Kapitalismus inhärenten Widersprüche, die Marxens Herz so teuer waren. Und diese Tendenz selbst würde auch für den einzelnen Kapitalisten einen weiteren Grund bilden, weshalb er sich zu akkumulieren gezwungen fühlen würde, ob schon wieder rum dies die Tatsache letzten Endes für die Kapitalistenklasse als ganze verschlimmern müsste. Deshalb wäre eine Art von Zwang zur Akkumulation selbst in einem sonst stationären Prozess vorhanden, der, wie ich vorhin erwähnte, kein stabiles Gleichgewicht erreichen könnte, bevor nicht die Akkumulation den Mehrwert auf Null reduziert und so den Kapitalismus selbst zerstört hätte.
Seite 60 [ Er beschreibt die kapitalistische Evolution und zeigt, dass Kapitalismus kein stationärer Prozess ist. Schumpeter erklärt den Fortschrittszwang, würdigt Marxens Erkenntnisse obwohl sie schwammig und unpräzise sind. ] Seite 61
Gleich Weise hat Marx selbst den Zwang zu Akkumulation, der so wesentlich ist für sein Argument, nicht befriedigend begründet.
[ Schumpeter erläutert, dass die Innovationen die Profitrate sinken lassen wird.] Seite 63 [ Schumpeter erläutert, wie sich das Kapital zunehmend selbst befruchtet, beschreibt die Zunahme der Frequenz von Innovationsschocks. Er kann deshalb als Prophet der Digitalisierung angesehen werden. Am Ende aller Zeiten ist es wie am Anfang, der Mensch wird zum Schöpfer und haucht den Maschinen, die er nach seinem Angesicht schafft das Leben ein. Die Maschinen werden aus dem Paradies vertrieben und müssen im Schweiße ihres Angesichts schaffen, obwohl die Maschine nicht von dem Apfel gegessen hat, und hier ist auch der Denkfehler.] Seite 65 [ Schumpeter beschreibt die Mechanismen der Globalisierung und koloniale Expansion Punkt erklärt wie der Zins die Löhne drückt, und die Preise anhebt, was zu Arbeitskampf und noch mehr Globalisierung führt. ] Seite 66 und 67 [ Schumpeter zeig, wie Marx die sozialen Phänomene und Entwicklungen sah und versucht sie zu erklären, erklärt wie die Konkurrenz die Gewinne beseitigt und Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung nimmt, Arbeitslosigkeit als Folge von Innovationsschocks. ] Seite 70 [ die Profitrate singt, weil sonst der Absatz einbräche ]
Einerseits preist Marx unstreitig - wenn auch ohne ganz hinreichende Motivierung - die ungeheure Kraft des Kapitalismus, die Produktionskapazität der Gesellschaft zu entwickeln. Andererseits betont er unaufhörlich das zunehmende Elend der Massen. Ist es nicht die natürlichste Sache auf der Welt, daraus zu schließen, dass Krisen und Depressionen der Tatsache zuzuschreiben sind, dass die ausgebeuteten Massen nicht kaufen können, was dieser sich stets ausdehnende Produktionsapparat erzeugt oder in der Lage ist zu erzeugen, und das aus diesem und auch aus anderen Gründen, die wir nicht zu wiederholen brauchen, die Profitrate auf einen Bankrottniveau herunter fällt? So scheinen wir tatsächlich je nach dem Element, dass wir besonders betonen wollen, an den Küsten entweder einer Unterkonsumtion - oder einer Überproduktionstheorie der verächtlichsten Art zu landen.
[...] [ Schumpeter kritisiert, dassMarx keine wesentlichen Elemente zur Erklärung der Konjunkturzyklen des Kapitalismus beitragen kann. ]
Tatsache ist, dass er keine einfache Theorie des Konjunkturzyklus hatte, und keine kann logisch aus seinen »Gesetzen« des kapitalistischen Prozesses gefolgert werden. Selbst wenn wir seine Erklärung der Entstehung des Mehrwerts annehmen und gewillt sind zuzugestehen, dass Akkumulation, Mechanisierung ( relative Zunahme des konstanten Kapitals ) und Überschuss Bevölkerung - letztere unerbittlich das Massenelend verstärkend - in einer logischen Kette verbunden sind, die in der Katastrophe des kapitalistischen Systems endet, - selbst dann fehlt uns ein Faktor, der mit Notwendigkeit dem Prozess die zyklischen Schwankungen verleihen und eine immanente Wechselfolge von Prosperität und Depression erklären würde.
[ Dennoch sind seine Erklärungen kontingent zur Theorie der Konjunkturzyklen, die Marx jedoch schon früh wahrgenommen hat. ]
Er sagt sehr geschickt, «dass die Oberflächlichkeit der politischen Ökonomie sich unter anderem darin zeigt, dass sie die Ausweitung und Einengung des Kredits, das bloße Symptom der Wechselperiode des industriellen Zyklus, zu deren Ursache macht.» Und natürlich brandschatz er gehörig das Kapitel der Zwischenfälle und Zufälle.
Seite 78
Durch all das, was mangelhaft oder sogar unwissenschaftlich an seine Analyse ist, zieht sich ein Grundgedanke, der weder das eine noch das andere ist - der Gedanke einer Theorie, nicht bloß einer unbegrenzten Zahl von unzusammenhängende einzelnen Modellen oder der Logik von ökonomischen Quantitäten im allgemeinen, sondern der tatsächlichen Folge dieser Modelle oder des wirtschaftlichen Prozesses, so wie er abläuft, unter seinem eigenen Dampf, in historischer Zeit, in jedem Augenblick jenen Zustand erzeugend, der aus sich heraus den nächsten bestimmen wird. So war der Autor so viele falsche Auffassungen auch der erste, der im Geist vor Augen sah, was auch in der Gegenwart noch immer die Wirtschaftstheorie der Zukunft ist, für die wir langsam und mühselig Stein und Mörtel, statistische Fakten und Funktionsgleichungen zusammentragen.

Beziehung zum Zins-Faschismus und Sozial-Darwinismus

Faschismus: Aussage zur Zwänge vermittelnden Struktur, Evolution: Aussage zur induzierten Veränderung und Wirkung

Konjunkturzyklen

Erweiterung der Pyramidenbasis: Globalisierung

Erste frühe Formen der Globalisierung findet man schon um das Jahr 1100[1]:

Der große Ansturm von außen hat aufgehört. Die Erde ist fruchtbar. Die Bevölkerung wächst. Der Boden, wichtigstes Produktionsmittel, Inbegriff des Eigentums und des Reichtums in dieser Gesellschaft, wird knapp. Die Rodung, der Aufschluss neuer Erde im Inneren, reicht bei weitem nicht aus, um der Knappheit abzuhelfen. Man muss außerhalb der Grenzen nach neuen Böden suchen. Mit der inneren Kolonisation Hand in Hand geht die äußere, die Eroberung von Neuland in anderen Gebieten.

[...]

1095, noch bevor die größeren Feudalherren die Bewegung aufnehmen, macht sich eine Schar unter Führung des Ritters Walter Habenichts oder Gautier Senzavoir auf den Weg nach Jerusalem; sie geht in Kleinasien zugrunde. 1097 zieht ein gewaltiges Kriegsherr unter Führung normannischer und französischer Territorialherren ins Heilige Land. Die Kreuzfahrer lassen sich erst von dem oströmischen Kaiser die zu erobernden Länder zu Lehen geben, dann fahren sie weiter, erobern Jerusalem und gründen neue, feudale Territorialherrschaften.

Nichts lässt annehmen, dass diese Expansion sich ohne Lenkung der Kirche, ohne die Verbindung des Glaubens mit dem Heiligen Land gerade unmittelbar dorthin gerichtet hätte. Aber nichts macht es auch wahrscheinlich, dass ohne den sozialen Druck im Innern des Westfälischen Gebiets, dann auch alle anderen die Miete der lateinischen Christenheit, Kreuzzüge zustande gekommen wären.

Die Spannungen im Innern dieser Gesellschaft kamen nicht nur als Verlangen nach Boden und Brot zum Ausdruck. Sie lastete als seelischer Druck auf den ganzen Menschen. Der gesellschaftliche Druck gab die bewegende Kraft, wie ein Motor Strom gibt. Er setzte die Menschen in Bewegung. Die Kirche lenkte die vorgegebene Kraft. Sie nahm die Not auf und gab ihr eine Hoffnung und ein Ziel außerhalb Frankreichs. Sie gab den Kampf um neue Böden einen umfassenden Sinn und eine Rechtfertigung. Sie ließ ihn zu einem Kampf für den Glauben werden.

Ein Vergleich: Ritter, Vasallen, Kaufleute und Banker der Moderne

[...]

Über einige Zins-induzierte Spaltungen

Spaltungen treten auf unterschiedlichen Organisationsskalen der menschlichen Gesellschaft im Kapitalismus auf. Auf der obersten Ebene, der Makroskala, führt der positive Zins zur Bildung von Gruppen öko-sozialer Wertefelder und somit zur Bildung von parlamentarischen Fraktionen, auf der unmittelbaren Beziehungsebene (Mikroskala) ist das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben gestört und die kapitalistischen Wirkmechanismen propagieren in das Familienleben hinein. Anpassungsreaktionen der menschlichen Psyche zeigen sich in seelischen Spaltungen in den Menschen. Der wesentliche Mechanismus ist die Spaltung der gesamten Aktivität eines Menschen in einen ökonomisch funktionalisierbaren Teil und „den Rest“. Diese Spaltung ist in einer arbeitsteiligen Gesellschaft bis zu einem gewissen Grad völlig normal und sollte im Allgemeinen auch für den Einzelnen, der so einem Beruf nachgeht, erträglich sein. Es wird in 2014/2015 jedoch in zunehmendem Maße und massenhaft über seelische Überforderungserscheinungen und Zusammenbrüche (sog. Burnout-Syndrom) berichtet.

Die Abwertung körperlicher Arbeit

Verkopfung in der 1. Welt, Verdrängung körperlicher Arbeit in die 2. und 3. Welt.

Arbeitskampf als Antagonist der Abwertung der Arbeit

Folgen der / für die Globalisierung.

Zuspitzung, Geldmengenwachstum, Rationalisierungsfähigkeit der Bevölkerung, Fähigkeit den Zins zu gebären, Bevölkerungsgröße vs. Geldmenge, Zinsniveau.

Referenzen / Einzelnachweise