Die goldene Regel, das nomische Gleichgewicht in Austausch-Beziehungen und der Zins

Die 2 Arten Austausch-Beziehungen zwischen den Menschen. In sozialen Netzwerken hängt alles miteinander zusammen, so dass nur sehr selten eine Beziehung von einer anderen gänzlich unbeeinflusst ist.

In sozialen Beziehungen, in denen als wesentliche Eigenschaft der Beziehung bestimmte Dinge ausgetauscht werden, wie z.B. in ökonomischen Beziehungen die Güter, die Beziehungen heißen darin Verträge die ausgetauschten Dinge sind Geld und Ware, gibt es eventuell, bei Zustandekommen eines Austauschs ein bestimmtes Verhältnis der Mengen der ausgetauschten Dinge, für die ein Austausch der Dinge aus Sicht beider Beziehungspartner akzeptabel ist. Diese Beziehungen heißen Austauschbeziehungen.

Die goldene Regel besagt, dass sich aus Sicht des Einzelnen in den Austauschbeziehungen zu den Nächsten das voneinander Nehmen und das einander Geben die Waage halten sollen.

Sind die übrigen Beziehungen der beiden Sozialpartner derart, dass sie keinen Einfluss auf die betrachtete Austauschbeziehung haben, dann kann man sagen, dass die goldene Regel genau dann erfüllt ist, wenn es zu einem Austausch kommt.

In der Ökonomie ist das Mengenverhältnis der in der Beziehung ausgetauschten Güter der Preis. Die Marktbeziehung ist eine „ökonomische Austauschbeziehung“. Der Kauf/Verkaufvorgang ist teilweise symbiotisch, wenn beide Parteien davon „unter dem Strich“ profitieren. Wie ändert sich das aber, wenn einer der beiden Marktteilnehmer unter einem monetären Zwang, also einer Zins-Schuld steht?

Übertragung von Zwängen

Störung des Marktgleichgewichts
Eine monetäre Schuld ist ein ungerichteter Handlungszwang, also eine Einschränkung der Selbstbestimmung (Autonomie) gegenüber dem schuldlosen Fall. Ungerichtet ist der Zwang, weil dem Schuldner überlassen bleibt, wie er die Schuld zum Ausgleich bringt. Die Einschränkung der Autonomie des Schuldners (seine Heteronomie) besteht gegenüber dem Gläubiger, der auf die Einhaltung des Vertrags, also den Ausgleich der Schuld bestehen kann. Der Gläubiger ist bezüglich der zwei Teilnehmer der Austauschbeziehung nämlich des Schuldners und seines Marktpartners ein Dritter.

In der Grafik (oben rechts) ist der Gläubiger nicht gezeigt, sondern es wird nur symbolisiert, dass der Verkäufer ('+') ein Schuldner ist. Der Käufer steht hingegen nicht unter einem monetären Zwang.

Gesamtbeziehung
Der Mensch ist Teil von 2 Netzwerken, weil es 2 Arten von Beziehungen gibt. Nur wenigen Menschen gelingt es nahezu, die Spannungen denen er in einem Netzwerk ausgesetzt ist, nicht auf das andere zu übertragen, die Netze also innerlich zu entkoppeln, also Berufliches und Privates auseinander zu halten.
Wenn der Schuldner den säumigen Betrag nicht von sich selbst nimmt, muss er ihn von seiner Gesamtbeziehung nehmen, wenn er die Schuld begleichen will. Wenn er ihn nicht durch härtere Arbeit von seinem innersten sozialen Netz nimmt, kann er letztendlich nur versuchen, ihn von seinen übrigen Beziehungspartnern zu nehmen. Entscheidet sich der Schuldner innerhalb seiner Autonomie von seinem Marktpartner (in der Grafik der Käufer) den Schuldbetrag einzunehmen, ist sein Sozialverhalten in der Marktbeziehung also verändert.

Steht nun einer der beiden Partner (in der Grafik obens rechts der Verkäufer links) wegen einer monetären Schuld, also einer Autonomieeinschränkung, unter einem Zwang und versucht er, die (Zins-)Schuld auf den Marktpartner zu übertragen, so ist seine Handlungsposition ihm gegenüber so, dass er versucht, den monetären Zwang bzw. die Autonomieeinschränkung auf den Marktpartner zu übertragen. Dies führt in der Betrachtung von Stoffströmen zu einem zusätzlichen Stoffstrom („Zinsfluss“ in der Grafik rechts), der auf die Kapitalseite gerichtet ist.

Matrixzelle
Zins-Fluss für einen Angestellten und Sparer, der zur Miete wohnt.
Auf die eben beschriebene Art pflanzen sich also Schulden, monetäre Zwänge bzw. Heteronomie in den Marktnetzen der Wirtschaft fort. Die davon betroffenen Märkte sind jene für Arbeit, Konsum, Eigentum und Besitz (Miete). Ursächlich und Quelle der Schuld ist der Markt für die Leihe von Kapital an dem der Zwang entsteht.

Wirkt dieser Übertragungmechanismus (es wird eine „monetäre Erwartung“ übertragen, vgl. zu Übertragung in der Psychoanalyse) über eine längere Zeit, bilden sich in der Gesellschaft Werte, die den Umgang mit dieser Schuld „standardmäßig“ regeln. Der sich so gebildete abstrakte Handlungswert stellt quasi eine standardmäßig Kanalisierung / Umleitung / Übertragung der Schuld dar, bzw. der Dienstleistung als Realisierung der übertragenen Heteronomie.

In den Unternehmen liegt die Weichenstellung bei der Entscheidung, wohin die Zinsschuld verschoben wird in der Hand des Eigentümers. Die Berufsgruppe des Controllers dient speziell diesem Zweck auf der Mikroebene der Organisation. Auf der Makroebene übernehmen diese Aufgabe bestimmte eingeweihte Menschen, die Menschen in Verhandlungen um Löhne im bestimmte Lohnklassen bzw. Berufsgruppen und Tätigkeitsfelder (= „Bündel von Handlungswerten“, monetäre Möglichkeitenräume) einteilen, siehe auch Zins-Faschismus.

Festzuhalten ist insbesondere, dass die Nomie (die Bestimmung) im Kapitalismus in Bezug auf die Verteilung von Schulden, also von monetärer Heteronomie im Machtbereich der Kapitalseigner liegt. Die gezielte und einseitige Störung der goldenen Regel auf bestimmten Arbeitsmärkten und darauf ausgehend von der Kapitalseite ist der Übertragungsvorgang bzw. Mechanismus, das Werkzeug (wie der Meißel des Steinmetz') mit dem das Berufs- und Einkommensgefüge in der arbeitsteiligen Gesellschaft geformt wird. Die linken politischen Bewegungen in der Gesellschaft und im Besonderen der Arbeitskampf und die Organisation der Arbeiterschaft ist eine logische Begegnung dieses Prozess, die dem Zweck dient, die Autonomie im nomischen Gleichgewicht wieder zurück auf die Seite der Arbeit zu verschieben. Ursächlich für den Arbeitskampf ist der Zins.

Abbezahlung eines Kredits: Quelle von Heteronomie

Die Quelle der Störung des nomischen Gleichgewichts (bzw. der goldenen Regel) liegt in der Abbezahlung eines Kredits. Bilanziell betrachtet ist Heteronomie genau in dem Moment entstanden, in dem ein Kredit samt Kreditzins vollständig abbezahlt wurde. Die soziale Wirkung der Zinsschuld läuft jedoch zeitlich seiner bilanziellen Wirkung voraus, weil der Zins-Schuldner (der Kreditnehmer bei positivem Zins) ja gerade durch Heteronomieübertragung versucht, den Kredit abzubezahlen und dazu den Kreditzins aus seinem Marktnetz abzusaugen, wenn er ihn nicht von sich selbst nimmt. Die soziale Wirkung des Zinses setzt also mit der Vergabe eines Kredits mit positivem Zins ein.

Wo liegt die eigentliche Quelle der Heteronomie?

Die Quellen von Heteronomie im kapitalistischen Marktnetz liegen großen Teils im Bankensystem und in den daran angeschlossenen Kapitalmärkten. Da aber auch Mieten über der „Nullzins-Miete“ wie Zinsen betrachtet werden können, ist auch der Wohnungsmarkt Quelle von Heteronomie. Laut statistischem Bundesamt lebten 2013 in Deutschland 57% der Bundesbürger zur Miete[1]. Allgemein betrachtet ist daher die Zahlung von Zinsen auf geliehenes Kapital oberhalb des Abschreibungszinses die Quelle für Heteronomie in einer über Märkte teil-verbundenen Gesellschaft. Auch die Bankstrukturen selbst sind Quellen für Heteronomie, da ja die Kosten zur Aufrechterhaltung des Geschäfts der Bank von der Einnahmenseite beglichen werden.

Wie die Festlegung von Leitzinsen auf die Kreditvergabe Einfluss ausübt, ist im einleitenden Abschnitt zur Negativzinswirtschaft über den Eingriff des Zinses in die Grundrechte der Privatautonomie abgeleitet aus Art. 2 GG und der Vertragstreue (pacta sunt servanda), §241 BGB beschrieben.

soziale Struktur der Nomie im Kapitalismus
Der Zins verursacht eine hierarchische Ordnung der Bestimmung (Nomie) die von den Eigentümern von Kapital ausgeht. In diesem Netzwerk sind der Zins-Fluss und die Weisungsrichtung einander entgegen gerichtet.
In der Grafik rechts sind die Ordnung der Nomie und die Zinsflüsse schematisch gezeigt. Die gerichteten Kanten (die Pfeile) stehen für Verträge, die über die Güter, Geld- und materiellen Kapitalmärkte geschlossen werden. Die Zahl im Kreis gibt den Rang in der Hierarchie an, wobei in etwa gilt, dass das Vermögen umso größer ist, je kleiner die Zahl. Es ist zu betonen, dass diese etwas abstrakte Darstellung der monetären Hierarchie eine starke Reduktion der Komplexität darstellt, dass jedoch das Wesentliche, nämlich die Richtung der Zins-Flüsse und der Nomie, korrekt dargestellt sind. Die Heteronomie geht von den Knoten mit den kleineren Zahlen aus. Der Zwang, der durch die Weisung ausgeübt wird, ist der Zwang auf einen Menschen ohne Vermögen einer Beschäftigung nachzugehen, von der eine Gruppe von Menschen, die in der Hierarchie weiter oben stehen, profitieren.

Fazit

Egal welches Vorzeichen der Zins hat, greift er immer in das nomische Gleichgewicht ein und stört so die goldene Regel. Ein negativer Zins ist jedoch ein natürlicher „Eingriff“ bzw. eine natürliche Festlegung, da es in der Natur keine positiven Zinsen gibt. Positive Zinsen (Kapitalismus) hingegen sind eine unnatürliche Störung des nomischen Gleichgewichts: sie verursachen Heteronomie also Zwänge zur Arbeit auf der Gegenseite des Kapitals und als Konsequenz Autonomie und Freiheit auf der Kapitalseite. So übernatürlich und pervers positive Zinsen sind, so übernatürlich, pervers und gegen die Natur gerichtet ist auch ihre Wirkung!

Referenzen / Einzelnachweise