Die Wirkung des Zinses dargestellt im Riemann-Thomann-Modell

Im Zentrum dieses Teils steht das Hauptwerk Grundformen der Angst des deutschen Psychoanalytikers Fritz Riemann (1902-1979), das Buch Über den Prozess der Zivilisation von Norbert Elias (1897-1990) und der synthetische Teil, also die letzten drei Kapitel von Georg Simmels (1858-1918) Hauptwerk Philosophie des Geldes.

Riemanns Werk bietet, quasi Messungen enthaltend, eine solide Faktengrundlage für das sozial-pychologische Modell der vorliegenden Analyse, die sich ergänzend und vervollständigend mit dem analytischen Teil von Simmels Philosophie des Geldes kombiniert. Die Arbeit Norbert Elias dehnt die Beobachtung der Prägung und Formung der Seelenhaushalte, die Bildung des zivilisatorischen Über-Ichs über den Zeitraum der Geschichte des Abendlandes aus und enthält für sich genommen schon einen wesentlichen Teil der Arbeit Simmels, dessen Hauptwerk mit dieser Rechtfertigung auch den Titel tragen könnte „Psychologie des Geldes“.

Riemanns Modell in Kürze

Fritz Riemann hat während seiner Arbeit als Psychoanalytiker, Tiefenpsychologe und Paartherapeut über die Jahre Aussagen von Menschen zu ihren Empfindungen in ihren Beziehungen gesammelt und vier Gruppen von fundamental unterschiedlichen Verhaltens- und Empfindungsmustern gefunden, die sich noch einmal in zwei jeweils komplementäre Typen aufspalten lassen, nämlich Schizoide und Depressive in Bezug auf die Integration, also die soziale Einbindung und das äußere Gleichgewicht der Bestimmung (Fremdzwänge) über das Geben und Nehmen, und Zwanghafte und Hysterische in Bezug auf die Transformation, also die Veränderung oder auch das innere Gleichgewicht der Bestimmung und das Gleichgewicht zwischen Es und Über-Ich (Selbstzwänge, Werte).

Die Integrationsachse erfasst das Gleichgewicht von Geben und Nehmen, wobei der Schizoide Angst vor Hingabe hat und die Individuation überwertig lebt und der Depressive Angst vor Selbstwerdung hat und die Hingabe überwertig lebt. Auf der Transformationsachse hingegen geht es um Veränderung und Wandel, aber auch um Bestimmung und Werte, wobei der Zwanghafte Angst vor dem Wandel und der Veränderung hat, daher alles beim Alten belassen will, konservativ ist, während der Hysterische Angst vor Festlegung und Notwendigkeit hat und sich stattdessen ständig wandeln will und an nichts richtig festhalten will.

Es kann wohl gesagt werden, dass das aus der Arbeit Riemanns entstandene Modell ein ganzheitliches ist, weil es einander komplementäre Typen betrachtet und Beziehungen in der Zeit betrachtet. Aus nichts anderem entsteht das, was wir als „soziale Wirklichkeit“ bezeichnen. Zudem basiert das Modell auf den Aussagen einer wahrscheinlich einigermaßen repräsentativen Gruppe von Menschen, denn der Patientendurchsatz eines Analytikers im Jahr und integriert über die Zeitspanne eines Berufsleben wird wohl eine genügend große Stichprobe für verallgemeinerbare Aussagen zu Innenansichten von Menschen einer Gesellschaft abgeben. Vielleicht sind also die den Gegensätzen zugeordneten Bereiche nicht alle möglichen, doch ist der insgesamt von Riemanns Modell abgedeckte Bereich der Wirklichkeit wenigstens für die Gesamtheit seiner Patienten einigermaßen vollständig.

Auf das Buch bin ich das erste Mal 2010 gestoßen, als ich mir Hilfe in einer schwierigen Lebenslage suchen musste. Als ich ab etwa November 2014 mit der Arbeit zum Zins und zum Geldsystem begann begriff ich mit der Zeit, den fundamentalen Bezug des Riemann'schen Modells zur sozial-psychologischen Wirkung des Geldsystems bei positivem Zins (Kapitalismus), der wir, in Abhängigkeit unseres verliehenen Vermögens, alle auf unterschiedliche Weise ausgesetzt sind. Die Verträge des Geldsystems sind spezielle Beziehungen, auf Märkten fließen Geld gegen Waren, Preise bilden sich als Gleichgewichte von Geben und Nehmen und der Zins erzeugt Zwänge, das Sparen in der Gegenwart erzeugt eine Erwartungshaltung an die Zukunft, schon dies alleine schlägt eine Brücke zum Riemann-Modell.

Die Systematisierung und Ausarbeitung des Riemann'schen Modells, wie auch die Begriffe Integration und Transformation, gehen auf die Arbeiten Christoph Thomanns zurück. Das daraus entstandene gegenüber dem Modell Riemanns ergänzte Modell ist heute als Riemann-Thomann-Modell bekannt. Alternativ zu dem theoretischen Überbaus Thomanns über Riemann's Modell lassen sich auch andere Oberbegriffe für die zwei disjunkten Achsen finden. Riemann selbst bedient sich der bildhaften Sprache von Planeten und Zentralgestirnen, ihrer Eigendrehung und Drehung um den Schwerpunkt, sowie der Begriffe der Fliehkraft und Gravitation. Riemmans Verwendung dieser Terminologie wird von Kritikern gerne zu oberflächlichen Abwehr von Riemanns Erkenntnissen benutzt.

Wie in der Zusammenfassung von Riemann's Modell aufgeführt ist, können die zwei betrachteten „Achsen“ Integration und Transformation auch mit dem Raum und der Zeit identifiziert werden.

Beziehungen und Werte, Integrationsache und Transformationsachse

In jedem arbeitsteiligen ökonomischen und wirtschaftlichen System gibt es Verträge. Das Einhalten von Verträgen (Kontrahierungsrecht/pflicht) und Vereinbarungen ist ein Vertrauen schaffender Wert, der für sich steht. Eingehaltene Verträge, die Zins-behaftet sind (positiv oder negativ), führen im Verhalten der Menschen zu einer Zins-induzierten Verschiebung / Verlagerung von natürlichen Werten. Davon betroffen sind insbesondere der Wert der Hingabefähigkeit und ihres Gegenteils, der Gier, die Werte der Selbstständigkeit und Konkurrenz und auf der anderen Seite die Werte der Arbeitsteilung, der Kooperation und Zusammenarbeit betroffen.

Riemann Koordinaten 2.0
Im Sozialverhalten lassen sich die Kategorien der Werte (Transformationsachse) und der Bestimmung (Integrationsachse) unterscheiden (Riemann Koordinaten) in denen in stabilen Beziehungen Gleichgewichte ausbilden.

Fritz Riemann beschäftigte sich in seinem Hauptwerk Grundformen der Angst mit verhaltensprägenden Ängsten in Bezug auf den Umgang mit Beziehungspartnern (der Integration des Individuums) sowie mit Veränderungen (Transformationen) der Einstellung (Zusammenfassung hier). Insgesamt wird, die Sprache Fritz Riemanns benutzend, bei positivem Zins auf der Beziehungs(Integrations)achse statistisch eine Verschiebung in Richtung Heteronomie beobachtet, während das Verhalten entlang der sogenannten Transformationsachse eine Verschiebung in Richtung der die Werte zum Erhalt von Kapital (Kapital-Konservatismus, Ausrichtung auf tote Dinge, Thanatophilie) aufweist.

Zins-affektierte Werte der Transformationsachse

Unternehmen und Kapitalmarkt
Ein Unternehmen, das an die Märkte für Kapital, Rohstoffe, Arbeit, Abfallbeseitigung und Absatz / Konsum angeschlossen ist. Zins-Schulden entstehen bei der Aufnahme eines Kredits, werden über die angeschlossenen Märkte weitergegeben und verursachen so eine Verzerrung des Wertegefüges auf der Transformationsachse.
Die direkte und indirekte Zinsschuld verursacht Handlungszwänge, welche neutral betrachtet als ein Wert der zugrundeliegenden Handlung betrachtet werden können. Zur Motivation der Identifikation eines Handlungsgebots oder -zwangs mit einem Wert sei auf auf moralische Handlungsanweisungen wie „Du sollst nicht töten“ oder „Du sollst nicht Ehe brechen“ (was auch immer Ehe eigentlich bedeuten soll) verwiesen, welche als Werte des Zusammenlebens interpretiert werden können.

Durch den Zwang, die Verträge einzuhalten, wird sowohl beim Zins Gebenden (also dem Kreditnehmer bei positivem Zins) als auch beim Zins Nehmenden eine Verhaltensverschiebung (sozusagen ein „Verhaltensbias“ oder Verzerrung des sozialen Verhaltens) induziert. Die auf diese Weise hinzukommenden „kapitalistischen Werte“ wie „Du sollst sparen“ oder „Du sollst konkurrieren“ verzerren das natürliche Verhalten.

Der Zinsgeber/Kreditnehmer hat in Bezug auf sein Beziehungsnetz die folgenden Möglichkeiten:

Der Zinsnehmer/Kreditgeber hingegen propagiert folgende Verhaltensweisen:

Die Rückstellung der Bedürfnisstillung des Sparers bedingt / verursacht also auf der Seite des Kreditnehmers unmittelbar die Zwänge zur Leistungsbereitschaft, Sparsamkeit, Geiz und Gier sowie einen Anreiz, die Zinsschuld weiter zu übertragen, denn der Vertrag muss ja eingehalten werden. Wer den Zins letztendlich zahlt, kann wiederum in neuen Verträgen geregelt werden. Sie sehen also:

Die Zinsschuld und die mit ihr verknüpften Zwänge pflanzen sich über Verträge fort.

Es ist also insbesondere nicht der Fall, dass da irgendwelche Mainzelmännchen „über Nacht“ (also nach Ablauf der Spardauer) dem Geldvorrat den Zins hinzufügen, sondern der Zins wird von anderen Menschen erarbeitet. Deren Identität kennt der Sparer für gewöhnlich nicht, wenn er nicht direkt einen Investitionsvertrag abgeschlossen hat, denn die Bank anonymisiert die Verbindungen von Kredit- und Sparverträgen, siehe Verwaltung der Bank.

Werterziehung, Konditionierung auf kapitalistische Werte

Der Mensch wird im Kapitalismus durch den Zins nach den Werten des Kapitalismus erzogen bzw. auf diese Werte konditioniert. Zu den kapitalistischen Werten gehören u.a. Geiz, Gier, Sparsamkeit, Leistungsbereitschaft und Konkurrenz. Dies sind die Todsünden des Geizes, des Neids und der Wolllust. Diese Handlungsmotive sind systemisch „belohnte“ Werte und Handlungsmuster. Gegenüber der natürlichen Ausprägung sind die Werte aber verschoben, das jeweilige Gegenteil des Werts ist systemisch unterdrückt (Tabelle).

gegenteiliger / Anti- / negierter Wert Angst Wert
Hingabebereitschaft vor Wegnahme (durch andere) / Hingabe Gier bzw. Geiz
Konsum bzw. Bedürfnisstillung zu wenig in der Zukunft zu haben Sparsamkeit bzw. Belohnungsaufschub
Achtung der eigenen psychischen und physischen Grenzen als faul zu gelten Leistungsbereitschaft
Kooperation vor Machtverlust Konkurrenz
Rechtsbewußtsein Angst vor Strafe bzw. Verletzung des eigenen Rechts Pflichtbewußtsein
Infragestellung und Zersetzung von Integritätsgefährdender Ordnung Angst vor Chaos und Strukturlosigkeit Ordnungsaffinität
Risiko Angst vor Verlust Sicherheit

Obwohl es im Kapitalismus nicht direkt belohnt wird, kann der Mensch von Natur aus auch kooperieren, großzügig sein, sich zurücknehmen und sich seinen Mitmenschen hingeben. All dies wird jedoch im Kapitalismus (positiver Zins + eingehaltene Verträge) nicht unterstützt, sondern bestraft, denn derjenige, der sein Geld hingibt, hat danach keins, und muss, wenn er neues Geld leihen möchte Zins zahlen. Kooperation und Konkurrenz sind natürliche menschliche Verhaltensweisen, welche für sich genommen einander Wert-gleich oder gar unbewertet neutral gegenüber stehen. Bei den übrigen Werten in obiger Tabelle verhält es sich ähnlich. Der positive Zins verstärkt also die Werte / Verhaltensweisen auf der rechten Seite der Tabelle und unterdrückt bzw. bestraft die dazu jeweils komplementären Verhaltensweisen auf der linken Seite.

In einer Negativzinswirtschaft ist diese Verhaltensverschiebung umgekehrt und die Werte der linken Spalte der Tabelle werden belohnt. Die soziale Ordnung, die sich aufgrund negativen Zinses ergibt, ist jedoch eine natürliche, weil Materie von Natur aus negativen Zins hat.

Links: Erich Fromm über den angepassten (gezwungenen) Menschen. Rechts: Der Organisationspsychologe Prof. Peter Kruse über die kreativitätsfördernde Rahmenbedingungen.

Im Kapitalismus entstehen durch Spareinlagen Zins-Schulden, also monetäre Zwänge auf der Aktivseite der Bank und werden im Netzwerk der Wirtschaft verteilt. Die im Netzwerk der Wirtschaft umher-propagandierende Schuld engt die Selbstbestimmung desjenigen Menschen oder anderen Lebewesens ein, von welchem der Zins am Ende genommen wird. Im Laufe der Zeit gewöhnen sich die Menschen an die Fremdbestimmung bzw. den Zwang und empfinden ihn als normal.

Die sozialen Netzwerke sind den Wirtschaftsnetzwerken untergeordnet, weil die Menschen durch den Zins Stück-für-Stück ihre Selbstbestimmung aufgeben. Im Verlauf des Kapitalismus verlernen sie die Fähigkeit und die Möglichkeit, sich selbst unter Benutzung ihres Eigentums (Haus, Grund und Boden) zu versorgen, denn der Zins stört das Gleichgewicht zwischen der Selbstbestimmung und Fremdbestimmung, dem Leben und der Arbeit.

Glaube ist die höchste Form der Selbstbestimmung. Jedes Lebewesen hat seinen eigenen Glauben und glaubt an das, was für es wichtig ist. Der Zins zwingt die Menschen dazu, von ihrem Glauben abzufallen, denn durch ihn wird eine Wirklichkeit erschaffen, in denen die Menschen nur durch Anpassung an die Werte des Kapitalismus überleben können.

Der menschliche Geist kann, ohne zu wissen wie der Kapitalismus funktioniert, zwischen dem Regelwerk der Naturgesetze und den Regeln des Kapitalismus nicht unterscheiden. In der Natur gibt es ausschließlich negative Zinsen, alles andere würde der Energieerhaltung widersprechen. Über der Wirklichkeit der Naturgesetze liegt die Wirklichkeit des Kapitalismus.

Im Gleichgewicht von Leben (links) und Arbeit (rechts) ist der Mensch als Mittel der Verfolgung zweier Zwecke unterworfen. Der Zweck im von der Arbeit unterschiedlichen Leben ist in der Regel selbstbestimmt. Kann der Mensch die dazu gehörigen Netzwerke nicht scharf voneinander trennen (wer kann das schon absolut?), propagieren die Regeln und Gesetzmäßigkeiten des einen Netzwerks in das andere können auf diese Weise Konflikte erzeugen.

Die sich bei positivem Zins ausbildende Ordnung der Nomie im Geldnetzwerk ist eine Hierarchie in der es auf jeder Hierarchieebene jeweils Vor- und Nachgesetzte gibt. In diesen Räumen geordneter Bestimmung (der nach Vermägen geschichtete Raum der Gesellschaft, Unternehmen, Behärden, Militär, usw.) werden bewusst und unbewusst bestimmte soziale Verhaltensweisen, Werte und Einstellungen durch (monetäre) Belohnung und Bestrafung systematisch ankonditioniert bzw. erlernt. Die Konditionierung wirkt sich auch auf das zum Geldnetzwerk komplementäre öko-soziale Netzwerk aus.

Abb. 19 zeigt monetär belohntes und bestraftes (Sozial-) Verhalten bzw. Werte im Umgang mit Geld. Analytisch und rational betrachtet ist auf den billigen Plätzen im Kapitalismus ein Überleben nur unter Einhaltung der aufgelisteten Verhaltensweisen (in der Abb. 19 rechts) mäglich. Verhaltensweisen, die in der Abb. 19 links stehen, werden monetär bestraft. Viele Menschen haben diesen Anpassungsdruck akzeptiert und die Konditionierung internalisiert. Um diese These zu beweisen, verweise ich auf die Beobachtungen des Psychoanalytikers Fritz Riemann während seiner langjährigen Praxis als Paartherapeut. Aus seinen Beobachtungen, die wissenschaftstheoretisch als (subjektive) Messungen aufgefasst werden kännen, leitet Fritz Riemann 4 Grundformen der Angst ab (Tab. 8). Die Integrations-Achse des Riemann Thomann (RT) Modells ist den Verträgen (bzw. den Beziehungen) zugeordnet, über die direkt und indirekt Zinsen fließen. Der (Kontrahierungs-) Zwang geht vom schizoiden Charakter aus und beschränkt die Freiheit und Würde des Depressiven. Die Transformations-Achse des RT Modells ist die Achse belohnter und bestrafter Werte. Das Zwanghafte befindet sich im Strukturmodell der Psyche im Über-Ich und entspricht dem belohnten Verhalten eines perfekt konditionierten Kapitalisten bzw. dem Homo-äkonomikus, während das Hysterische unserem natürlichen Es zugeordnet ist und im Geldsystem systematisch bestraft bzw. bezinst wird. Etwas frei formuliert wird im Kapitalismus also der hysterisch-depressive ( „kreativ niedergedrückte“) Typus vom zwanghaft-schizoiden Typus, dem konservative Spalter“, beherrscht und ausgebeutet, wobei letzterer demzufolge auch die Verantwortung für die entstandenen sozialen und äkologischen Schäden trägt.

Da sich in dieser kurzen Analyse (Abb. 19) genau die gleichen 4 Kategorien (jeweils 2 in Bezug auf das Sozialverhalten und 2 für die Werte) ergeben, kann der Zins also als ursächlich für die Bildung dieser 4 Persänlichkeitstypen Riemanns aufgefasst werden, denn das Riemann-Tho- mann-Modell wurde aus Beobachtungen abgeleitet, die also Messungen sind, während Abb. 19 (theoretisch) aus der sozio-psychologischen Mechanik des Zinses hergeleitet wurde. Wie hier also nachgewiesen ist, ist die Wirkung des Zinses ein schwerwiegender Eingriff in die Persänlichkeitsrechte und in das nach Art. 2 Abs. 1 geschützte Rechtsgut der Menschen.

Der allgemein-gängige Begriff dieser, vom Kapitalismus künstlich geschaffenen Wirklichkeit ist das Wort „Sozial-Darwinismus“. Der Mensch nimmt die überlagerten Wirklichkeiten war und glaubt, dass die Realität so ist wie sie ist, dabei herrscht in der Matrix der positive Zins und in allen anderen Beziehungen ein negativer Zins. Sogar Beziehungen zerfallen, wenn man sie nicht pflegt.

Der vom Zins verursachte Sozial-Darwinismus ist ein Selektionsmechanismus, der nur diejenigen monetär (s.h. systemisch) überleben lässt, die die Werte des Kapitalismus annehmen. Diese Werte sind (u.a.)

Die an den Kapitalismus Angepassten und davon Assimilierten nehmen diese Werte an, glauben an das Geld und den Mammon. Sie „beten“ das Kapital an und geben sich ihm hin. Da der Zins nun mal die Selbstbestimmung einschränkt, ist der Götze des Kapitalismus das tote Kapital, der Mammon, denn der Zins, also die erpresste Arbeit fließt zu ihm hin.

Die Menschen haben vor langer Zeit angefangen, Zins zu nehmen.

Wo tun sie den Zins hin? Zum Eigentum.

Woher nehmen sie ihn? Vom Leben!

Zins-induzierte Ängste

NETTO Zinsfluss Betrachtung

Zins-Störung der Integrationsachse und des nomischen Gleichgewichts

Der Opfer-Kult des Kapitalismus. Der Zins erzwingt die Hingabe: 1. Verlust, Bruch des Friedens, 2. Speise (z.B. fasten), 3. Dank (erbitten, annehmen?), 4. Sünde begehen (Moral opfern) und 5. Schulden auf sich nehmen.

Der Kapitalismus stört die Integrationsachse, weil er die Hingabe des Zinses erzwingt. Der Kapitalseigner (Leihgeber) bestimmt über den Kreditnehmer (Leihnehmer) aufgrund dessen, dass Verträge eingehalten werden müssen (pacta sunt servanda, §241 BGB). Wenn dem Kreditgeber die Unternehmung des Kreditnehmers nicht gefällt, kann er die Unternehmung unterdrücken.

Nach einer langen Zeit im Kapitalismus verlernen die auf diese Weise in Fremdbestimmung (Heteronomie) sozialisierten Menschen die Selbstbestimmung (Autonomie) und empfinden bei einem Nachlassen der Bestimmung, z.B. in Folge einer Krankheit nach Überforderung, dem Austritt aus dem Berufsleben oder dem Verlust des Arbeitsplatzes eine beängstigende Leere. Diese Leere äußert sich in einem Unvermögen und einem Empfinden der Unsicherheit mangels Erfahrung eine überwiegend selbstbestimmte Existenz aufzubauen. Die Folge ist, dass eine immer weiter steigende Anzahl Menschen an Depressionen leidet, die sich bei zu langem Fortbestehen der Situation in Wut und Agression wandelt.

Auf der anderen Seite (der Kapitalseite im Bild des Kapitalismus) äußern sich bei den Profiteuren der kapitalistischen Spielregeln schizoide Verhaltensmuster, weil sich die soziale Lage immer weiter verschärft und sich aufgrund immer lauter werdender sozialer Kritik am kapitalistischen System die Gewissheit verstärkt, dass die immer größer werdende monetäre Autonomie von sehr wenigen bei einer weiteren Eskalation des Kapitalismus durch einen gewaltsamen Umsturz schlagartig in eine Fremdbestimmung umschlagen wird, zumindest jedoch in einen weitgehenden Kontrollverlust.

Eine schizoide Grundhaltung ergibt sich jedoch nicht nur bei den Profiteuren, sondern auch bei Menschen, die sich erfolgreich gegen die Depression wehren konnten und nun Angst vor zusätzlicher Fremdbestimmung haben. Wenn das gesamte System nicht verstanden wird, dann äußert sich die schizoide Angst in einer diffusen Form gegenüber allem Neuen und Fremden, denn das Fremde wird verwechselt und als ursächlich für die zunehmende Fremdbestimmung betrachtet. In Wirklichkeit ist die Ursache für die Zunahme der Fremdbestimmung der wachsende Einfluss des Kapitals.

[...]

Erweitertes Riemann-Thomann-Modell

Abschließend sollen hier nun alle 4 Persönlichkeits-Typen des Riemann-Thomann Modells mit den durch den Zins systematisch erzeugten Charakter-Merkmalen kombiniert werden um ein vollständiges Bild zu erhalten.

Achse Bezeichnung
und
Gegenstand der Angst
propagiertes Sozial-Verhalten / Werte
Raum- /
Beziehungs- /
Integrations-
Achse
Schizoidie
(Distanzausrichtung)
griechisch schizein = abspalten

Bestimmung durch Andere / Fremde,
Heteronomie, Kontrahierungszwang
Freiheit, Sie wollen nicht beeinflusst werden, Eigenständigkeit, Individualität, Unverwechselbarkeit Akzeptanz von Hierarchien und bivalente Ordnung der Nomie (Bestimmung) Betonung der Unterschiede und Grenzen, akzeptiert die soziale Spaltung, Abgrenzung, und den Hass auf Fremde. Sie suchen den Abstand und scheinen erst einmal niemanden zu brauchen.
bivalente nomische Ordnung: entweder der eine bestimmt oder der andere, die sowohl-als-auch Möglichkeit ist systemisch unterdrückt,
Sie wirken oft kühl und unnahbar.
rationales Denken und Handeln („bloß kein Gefühl“)
Konkurrenz, Wettbewerb
Die Vernunft ist ihnen sehr wichtig.
Erst wenn ihnen in einer Beziehung zu anderen ein hohes Maß an Freiheit und Rückzugsmöglichkeiten garantiert wird, lassen sie sich auf Gefühle und Nähe ein. Sie wollen nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein und wirken oft bindungsängstlich und/oder unbeholfen im emotionalen Bereich.
Depression
(Näheausrichtung)
von lateinisch deprimere „niederdrücken“

Selbstbestimmung,
Autonomie,
Freiheit, Souveränität,
freie Entfaltung der Persönlichkeit,
Art. 2 GG Abs. 1,
Privatautonomie
soziale Fusion,
Akzeptanz von Heterarchien,
ambivalente nomische Ordnung, Konsens-Suche (sowohl-als-auch) bei der Bestimmung,
Betonung und Hervorhebung des Gemeinsamen (lat. communis),
Nächstenliebe,
Kooperation
Nähe zu anderen Menschen, Bindung, Zuneigung, Vertrauen, Sympathie, Mitmenschlichkeit, Geborgenheit, Zärtlichkeit und Harmonie. Sie brauchen Wärme, Bestätigung, sind selbstlos bis zur Selbstaufgabe, haben soziale Interessen, können sich leicht mit anderen identifizieren und sich selbst vergessen. „Nähemenschen“ sind kontaktfähig, teambereit, ausgleichend, akzeptierend und verständnisvoll.
Sie neigen aber auch zu Abhängigkeit, da sie ungern alleine sind. Sie haben eine Opfermentalität und sind aggressionsgehemmt.
Zeit- /
Veränderungs- /
Transformations-
Achse
Zwanghaftigkeit
(Dauerausrichtung)

Hinterfragung / Verwerfung von Werten, Gesetzen, Regeln, Normen, usw.
Pflichtbewusstsein und Ordnungsaffinität,
Sicherheit,
Leistungsbereitschaft,
Gier und Geiz,
bivalente Logik
analytisches Denken,
Sparsamkeit,
Belohnungsaufschub
Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Sparsamkeit, Wille, Verantwortung, Planung, Vorsicht, Kontrolle, Ziele, Gesetze, Kontinuität, Notwendigkeit, Verbindlichkeit, Treue, Grundsätze, Regeln, Analysieren, Stabilität, Pflicht, Dauerhaftigkeit, Konsequenzen.
„Dauermenschen“ sind sehr verlässlich, systematisch, gründlich, ordentlich, sie haben Organisationstalent und sind prinzipientreu. Sie neigen aber auch dazu, manchmal langweilig, unflexibel, pedantisch und stur zu sein.
Hysterie
(Wechselausrichtung)
von altgriechisch hystéra Gebärmutter (Kreativität)

Verfestigung/Festhalten/Festlegung von/an Werten, Gesetzen, Regeln, Normen, usw.
Rechtsbewusstsein und Ordnungsaffinität,
Risiko / Wagnis,
Bewusstheit der eigenen psychischen und physischen Grenzen,
Genügsamkeit und Hingabe,
ambivalente Logik
ganzheitliches Denken,
Bedürfnis-Stillung,
sofortige Sättigung
Leidenschaften, Reize, Rausch und Phantasie. Sie suchen den Genuss, Charme, Kreativität, Temperament, Suggestion, Spontaneität, Risiko, Ideenreichtum, Dramatik und Begehren.
Diese Menschen sind neugierig, wünschen, suchen, lernen und leben gerne.
Sie sind kreativ, einfallsreich, spontan und unterhaltsam.
Sie können aber auch unzuverlässig, chaotisch, theatralisch, egozentrisch, geschwätzig und unsystematisch sein.
Erweitertes Riemann-Thomann Modell. Es handelt sich um das Riemann-Thomann-Modell, das um die durch den Zins systematisch unterstützen Verhaltensweisen ergänzt wurde.

Zusammenfassung

Im vorherigen Abschnitt sahen wir, wie die Transformations- und die Integrationsachse, also unsere Werte und unsere Beziehungen durch den Kapitalismus gestört werden. Wie wir in 2015 wissen, wenn wir uns den Zustand der Welt anschauen, stehen die „Werte“, die zur Aufrechterhaltung des Kapitalismus, dienen (u.a. Sicherheit, Leistungszwang und Hingabebereitschaft, Rationalisierung, Berechenbarkeit, usw.... ) in immer größerem Widerspruch zu den menschlichen Grundwerten Kreativität, Kooperationsbereitschaft und Freiheit. Die Gesellschaft ist deswegen in zunehmendem Maße und auf vielfälltige Art und Weise schizophren, also klassisch „verrückt“ und gespalten, weil sie gegen ihre Natur handeln muss. Viele Menschen leiden unter Anpassungsreaktionen und befinden sich in einer Art seelischem „Dämmerzustand“.

Jesaja Kapitel 29: Die Verblendung des Volkes

  1. Starrt hin und werdet bestürzt, seid verblendet und werdet blind! Seid trunken, doch nicht vom Wein, taumelt, doch nicht von starkem Getränk!
  2. Denn der HERR hat über euch einen Geist des tiefen Schlafs ausgegossen und eure Augen - die Propheten - zugetan, und eure Häupter - die Seher - hat er verhüllt.
  3. Darum sind euch alle Offenbarungen wie die Worte eines versiegelten Buches, das man einem gibt, der lesen kann, und spricht: Lies doch das!, und er spricht: »Ich kann nicht, denn es ist versiegelt«;
  4. oder das man einem gibt, der nicht lesen kann, und spricht: Lies doch das!, und er spricht: »Ich kann nicht lesen.«
  5. Und der Herr sprach: Weil dies Volk mir naht mit seinem Munde und mit seinen Lippen mich ehrt, aber ihr Herz fern von mir ist und sie mich fürchten nur nach Menschengeboten, die man sie lehrt,
  6. darum will ich auch hinfort mit diesem Volk wunderlich umgehen, aufs Wunderlichste und Seltsamste, dass die Weisheit seiner Weisen vergehe und der Verstand seiner Klugen sich verbergen müsse.
  7. Weh denen, die mit ihrem Plan verborgen sein wollen vor dem HERRN und mit ihrem Tun im Finstern bleiben und sprechen: »Wer sieht uns und wer kennt uns?«
  8. Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht!, und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!

Kapitalismus verursacht schwere Persönlichkeitsstörungen. Die Transformationsachse (auch Werteachse) wird in Bezug auf die in der Tabelle aufgeführten Werte polarisiert und auch die Integrationsachse (die nomische Achse, auf der es um die Bestimmung geht) wird polarisiert. Eine Hinterfragung der Werte des Kapitalismus und gar deren Beseitigung oder Abmilderung ist bei positivem Zins systemisch unmöglich, das hysterische (hinterfragende) Element in dieser Auseinandersetzung wird also unterdrückt, die beteiligten Kapitalseigner reagieren zwanghaft. Die Menschen, die Zins zahlen müssen, werden zur Hingabe gezwungen sind fremdbestimmt und leiden aufgrund dessen an Depression. Jene, die Zins nehmen, glauben, dass ihre Angst vor Hingabe (Schizoidie) „quasi Gott-gegeben sei“, dass sie also durch Geburt in das Kapitaleigentum hinein „das Recht“ hätten, den Zins zu nehmen. Die Depression der Arbeiterschaft äußert sich in besonderem Maße als Angst vor selbstbestimmtem Handeln am 0-Zins-Übergang. Die Umkehrung des Zins-Vorzeichens bewirkt, dass sich das systemisch belohnte Handlungsmuster von heteronomer Konkurrenz auf autonome Kooperation (ungezwungene Nächstenliebe) umstellt.

Kapitalismus ist ein also ein perverses Spiel mit übernatürlichen Regeln, welche die Persönlichkeiten der Menschen stört. Es ist eine Art Faschismus der Werte der Kapitalseigner und deren Spielregeln. Es gibt in der Natur kein totes Ding, welches sich von alleine vermehrt. Wenn Sie einen Vorrat von irgendetwas aufbauen, was kein positiv verzinstes Geld ist, dann wird der Vorrat nicht von alleine wachsen, sondern eher verderben oder höchstens gleichbleiben. Auf gar keinen Fall würde er sich „von alleine“ vermehren, denn das widerspräche der Massen- und Energieerhaltung. Gold zum Beispiel hat einen Zins von nahezu 0. Salz, Getreide, oder was immer man früher zum Tauschen verwendet hat, hat negativen Zins, es verdirbt. Deswegen sind positive Zinsen unphysikalisch und „übernatürlich“.

Referenzen / Einzelnachweise