Bedürfnisse

Ein menschliches Bedürfnis ist ökonomisch betrachtet eine Nachfrage nach einem Gut. Ökonomie hat grundsätzlich das Ziel, die Bedürfnisse der Menschen zu stillen, also die Nachfrage nach den Gütern des Bedarfs zu stillen.

Je nach gesellschaftlicher Konvention lassen sich menschliche Grundbedürfnisse grob in handelbare und nicht handelbare Kategorien unterteilen, wobei nicht handelbare Kategorien wiederum in staatliche Leistungen und andere Bedürfnisse zerfallen.

Hierarchie von Bedürfnissen

Die Existenz jedes Lebewesens erzeugt ständig neue Nachfrage, also auch eine Schuld, da für die Existenzsicherung ein Strom von Lebens/Existenz erhaltenden Gütern aufrecht erhalten werden muss. Die hierarchische Liste von Gütern beginnt mit der Luft, die alle paar Sekunden eingeatmet werden muss um das Bedürfnis nach Sauerstoff stillen zu können, als nächstes folgt Schlaf der an einem Ort stattfinden muss, an dem Ruhe und Sicherheit für den schlafenden schutzlosen Körper besteht. Dann kommen Wasser-haltige lebensverträgliche Flüssigkeiten, die dem Körper spätestens alle paar Tage zugeführt werden müssen und als letztes benötigt der Körper feste Nahrung.

(In den Industriestaaten) Handelbare Bedürfnisse

Die in großen Teilen der Welt handelbaren menschlichen Bedürfnisse lassen sich grob nach Priorität sortieren:

  1. Nahrung, Kleidung
  2. Kommunikation
  3. Obdach, Nutzwasser, Energie
  4. Urlaub, Kultur, Sport
  5. Mobilität
  6. Grundbesitz
  7. Produktionskapital.
Anmerkung: Dies ist eine subjektive Priorisierung.

Der Preis des Bedarfsgutes bildet sich am entsprechenden Markt im Spiel von Angebot und Nachfrage. Der Preis mancher dieser Güter bildet sich indirekt. Zum Beispiel ist der Preis für die Erholung durch Urlaub eine Unterbrechung der Arbeit, die zu einem Einnahmenückgang führt. Dieser Einnahmenrückgang bildet einen Teil des Preises. Der Preis ist in Wirklichkeit jedoch niedriger als nur so gemessen: Ein erholter Mensch ist ausgeglichener und gesünder und dies hat einen schwierig zu messenden jedoch hohen Wert.

Die Unterscheidung zwischen Verbrauchs- und Gebrauchsgütern richtet sich nach der Zeit, nach der das Gebrauchsgut durch Nutzung und natürlichen Zerfall vollständig unbrauchbar geworden ist bzw. nach der Zeit nach der die Instandhaltungkosten eines Gebrauchsguts die Höhe des Anschaffungswerts erreichen. Ein Gebrauchsgut wird mehrere Male verwendet, ein Verbrauchsgut hingegen nur ein einziges Mal.

Freie, (noch) nicht gehandelte Bedürfnisse

Die nicht handelbaren, bzw. in 2015 noch nicht gehandelten Güter sind elementare Bestandteile der menschlichen Existenz wie der Beziehung des Menschen zu seiner sozialen Umwelt und Gemeingüter und Dienstleistungen des Staates:

  1. eine intakte Umwelt
  2. medizinische Versorgung
  3. Familie und sozialer Austausch
  4. regenerativer Rückzug und Erholung, Freizeit, Sport
  5. öffentliche Ordnung, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie
  6. Bildung: Ausbildung, Fortbildung, Studium.

Eigentum und Besitz als Voraussetzung für die Stillung von Bedürfnissen

Die Bedürfnisse eines Menschen sind durch seine Existenz gegeben. Ökonomisch betrachtet entsteht durch ein existenzielles Bedürfnis in Kombination mit dem Menschenrecht auf Existenz eine Schuld an der Umgebung, die der Mensch auszugleichen versucht. In einer Umgebung, in der sich der Mensch selbst versorgen kann, weil das Land auf dem die Früchte zu seiner Ernährung Gemeingut ist, kann der Mensch arbeiten und die Früchte zur Stillung seiner Bedürfnisse verbrauchen. Die Begleichung der Schuld geschieht also durch Arbeit.

Die Herstellung mancher Bedarfsgüter lässt sich in zwei Formen realisieren: 1. durch Erwerb des Eigentums am Gut und 2.) durch Besitz. Es versteht sich von selbst, dass Eigentum eine Voraussetzung für Verbrauch ist, wenn durch den Verbrauch keine neuen Schulden entstehen sollen. Gebrauchsgüter können hingegen gemietet werden (siehe Unterschied Eigentum und Besitz).

Durch unterschiedliche Bedürfnisse entsteht in einer sozialen Gemeinschaft mit dem Prinzip der Arbeitsteilung ein reiches Spektrum von Berufen. Dieses Berufsspektrum spiegelt das Spektrum an Bedürfnissen. Die folgende Tabelle zeigt die Zweige der Wirtschaft bzw. die Märkte welche den einzelnen handelbaren Bedürfnissen zugeordnet sind:

Bedürfnis Besitzform und Herstellung Eigentumsform und Herstellung
Nahrung - Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Gastronomie
Kleidung - Textilindustrie
Kommunikation Telekommunikationsunternehmen, Post, Massenmedien -
Obdach Wohnungsmarkt Immobilienwirtschaft
Nutzwasser Wasserwirtschaft Brauch- und Regenwasseraufbereitung
Energie Energiewirtschaft Blockheizkraftwerk
Mobilität ÖV, Bahn, Fluggesellschaften Fahrrad, Auto
Grundstück Pacht Grunderwerb
Produktionskapital Pacht von Produktionskapital Eigenes Produktskapital

Bedarfsgüter, Wert, Sättigungskosten

Der Bedarf an einem Bündel von Gütern wird durch ein negatives Vorzeichen vor einem Vektor mit positiven Elementen (Bedarfsvektor) dargestellt: Bedarf = - N t, wobei Nt ein Gütervektor ist. Die Wertfunktion angewandt auf den Bedarfsvektor liefert W - N t = - W N t = - i pi · Ni t, also die Sättigungskosten. Der Preis pi zur Erreichung des Guts Ni bildet sich am Markt im Spiel zwischen Angebot und Nachfrage. Festzustellen ist, dass die lebensnotwendigen Güter von außerhalb der Eigentums- und Besitzsphäre kommen müssen, wenn sie dort nicht vorhanden sind.

Der Mensch ist also in Bezug auf die Sättigung seiner Bedürfnisse von seiner Umwelt abhängig.