Der Übergang von der Mikro- zur Makroskala in der Beschreibung von Verflechtungen in der Realwirtschaft

Haben sich Unternehmen angesiedelt, welche mit ihrem Handeln die Nachfrage eines Guts zu einer Sättigung bringen wollen, beginnen sie mit der Herstellung des Stoffstroms. Förderunternehmen haben als Kosten für den Abbau eines Gutes die Investitionskosten für die Fördermaschinen und -anlagen und die im Abbaubetrieb entstehenden laufenden Kosten, also Betriebsmittel und Personal. Die Unternehmen nehmen Arbeit von den Angestellten und zahlen dafür Löhne. Das Ergebnis des Prozesses, der durch den Unternehmensgründer initiiert wird, ist ein Stoffstrom.

Mikro und Makro-Wertschöpfungsketten

Ein einzelnes Unternehmen das Roh-, Ausgangsstoffe und Arbeit einkauft und damit ein Produkt und Abfall herstellt.
Eine Volkswirtschaft besteht aus Unternehmen. Die Verflechtung der Unternehmen („Mikro-Unternehmen“) in einer Volkswirtschaft ist als Aggregation von Mikrounternehmen zu Netzwerken von Unternehmen („Makro-Unternehmen“) beschreibbar. Um die Volkswirtschaft als Ganzes zu beschreiben, kann man dazu übergehen, die Stoff/Guts Ein- und Ausgänge an den beteiligten Mikrounternehmen als die Ein- und Ausgänge eines großen Markounternehmens zu beschreiben. Die Verflechtung besteht in der Verknüpfung von Ausgängen des einen Mikrounternehmens mit den Eingängen des weiterverarbeitenden Mikrounternehmens (Begriff der Wertschöpfungskette, siehe auch Lieferkette, supply-chain sowie Wertkette). Durch die Weiterverarbeitung entsteht also eine mehrgliedrige Kette und insgesamt ein ganzes Netzwerk. „Mikro“ und „Makro“ meint in der Beschreibung also lediglich die Betrachtungsskala.

Eine lineare Wertschöpfungs/Lieferkette.

Den Gesamtgraph so einer verflochtenen Wertschöpfungskette kann man wieder durch ein einzelnes „Makrounternehmen“ ersetzen, in das alle Rohstoffe der beteiligten Mikrounternehmen, sämtliche (Fach)arbeitskraft, Energie, Kommunikation eingespeist wird, und aus dem alle Mikroprodukte und sämtlicher Abfall, wenn er nicht intern weiterverarbeitet wird herauskommt. Der Begriff der Wertschöpfungskette ist skaleninvariant. Es spielt in der Beschreibung keine Rolle, ob man die Wert-schöpfenden Vorgänge in einem Unternehmen oder in der gesamten Volkswirtschaft beschreibt. Lediglich die Größenordnung und die am Gut verrichtete Arbeit ist eine andere. Ein kleiner Unterschied besteht lediglich darin, dass auf der Makroskala zwischen den Ausgängen des einen und den Eingängen des weiterverarbeitenden Unternehmens ein Markt geschaltet ist, während auf der Mikroskala (innerhalb) von Unternehmen diese Märkte nicht bestehen.

Soziologische Beschreibungen der Genese komplexer Wertschöpfungsketten

In der soziologischen Literatur wird der Prozess der Entstehung langer Wertschöpfungsketten und einer auf voneinander getrennte Entitäten übertragenen, verflochtenen Arbeitsteilung als Koevolution der Entwicklung der Geldwirtschaft beschrieben nachdem zu Beginn des Mittelalters, etwa im 11. Jh., die großräumige Verteilung von belehnbaren und bewirtschaftbaren Böden abgeschlossen war. Der „Urzustand“ der Wirtschaft des Mittelalters und vermutlich auch die Wirtschaftsform im sog. „Urkommunismus“ stellt sich in einfachen Formen von Tauschwirtschaft, die sog. Naturalwirtschaft dar, die anfangs, vor der Entwicklung der Geldwirtschaft und unter der Zinsnahme der oberen gesellschaftlichen Schichten überwiegend Subsistenzwirtschaft war.

Mit der Einführung eines universellen Tauschmittels innerhalb der Geldwirtschaft begann die Entwicklung einer komplexeren arbeitsteiligen Wirtschaft[1, S.43 f]:

Es ist für das Verständnis des Prozesses der Zivilisation von besonderer Wichtigkeit, dass man von diesem gesellschaftlichen Prozessen, von dem was »Natural- oder Hauswirtschaft«, »Geldwirtschaft«, »Verflechtung größere Menschenmengen«, »Änderung der gesellschaftlichen Abhängigkeit des Einzelnen«, »zunehmende Funktionsteilung« und Ähnliches eigentlich meinen, eine ganz anschauliche Vorstellung hat.

Allzu leicht werden diese Begriffe zu Wortfetischen, aus denen jede Anschaulichkeit verschwunden ist und damit im Grunde jede Klarheit. Dies mag - in aller Kürze, die hier unvermeidlich ist - eine gewisse Anschauung von den gesellschaftlichen Verhältnissen geben, auf die der Begriff »Naturalwirtschaft« hier hinweisen soll. Was er zeigt, ist eine ganz spezifische Form, in der die Menschen aneinander gebunden und voneinander abhängig sind. Er bezieht sich auf eine Gesellschaft, in der der Übergang der Güter von dem, der sie aus dem Boden holt, der sie der Natur abgewinnt, zu dem, der sie verbraucht, unmittelbar, nämlich nicht nur in ganz geringem Maße durch Zwischenglieder, erfolgt und die Verarbeitung im Hause des Einen oder des Anderen, die gegebenenfalls eins sein können.

Dieser Weg differenziert sich ganz allmählich. Es schalten sich langsam immer mehr Menschen als Funktionäre der Verarbeitung und Verteilung in den Übergang des Gutes vom ersten Erzeuger zum letzten Verbraucher ein. Wie das geschieht und vor allem, warum das geschieht, was dieser Verlängerung der Ketten die Antriebe gibt, ist eine Frage für sich. Jedenfalls ist das Geld nichts anderes als ein Instrument, das man braucht und das die Gesellschaft sich schafft, wenn diese Ketten länger werden, wenn Arbeit und Verteilung sich differenzieren und das unter gewissen Umständen diese Differenzierung zu verstärken neigt.

Gebraucht man die Begriffe »Naturalwirtschaft« und »Geldwirtschaft«, dann sieht es leicht so aus, als besteht zwischen diesen beiden Wirtschaftsformen ein absoluter Gegensatz, und die Vorstellung von einem solchen Gegensatz hat manche Dispute entfesselt. Im konkreten, gesellschaftlichen Prozess verlagern und differenzieren sich die Ketten zwischen Erzeugung und Verbrauch sehr allmählich, ganz abgesehen davon, dass in bestimmten Sektoren der abendländischen Gesellschaft eine wirtschaftliche Kommunikation über längere Strecken und damit der Gebrauch des Geld nie ganz aufhörte.

Ganz allmählich vergrößert sich also auch in der abendländischen Gesellschaft der geldwirtschaftliche Sektor, die Differenzierung der gesellschaftlichen Funktionen, die Verflechtung der verschiedenen Gebiete, die Abhängigkeit grösserer Menschenmengen voneinander; alles das sind verschiedene Aspekte des gleichen, gesellschaftlichen Prozesses. Und nichts anderes als eine Seite dieses Prozesses ist auch die Veränderung der Herrschaftsform und der Herrschaftsapparatur, von der die Rede war. Die Struktur der Zentralorgane korrespondiert dem Aufbau der Funktionsteilung und Verflechtung. Die Stärke der zentrifugalen, auf lokale, politische Autarkie gerichteten Tendenzen in den vorwiegend naturalwirtschaftenden Gesellschaften entspricht dem Grad der lokalen, ökonomischen Autarkie.
Die Entwicklung von Verwaltungsstrukturen, lokalen Kulturen und längeren, komplexeren Wertschöpfungsketten, die man heutzutage so ähnlich in großen Unternehmen und Konzernen findet, beschreibt Norbert Elias wie folgt[1, S. 108]:

Nicht etwa mit einem Schlage stellt sich ein differenzierter Sektor Siedlungsformen, in denen direkt oder indirekt aufgrund von Tausch und Arbeitsteilung etwas größere Menschenmengen ernährt werden können, dem undifferenzierten, naturalwirtschaftenden Sektor entgegen. Unendlich langsam bauen sich zunächst in den Weg der Güter vom Naturzustand zur Konsumtion neue, wirtschaftlich selbstständige Stationen ein. Und so, Schritt für Schritt, wachsen also auch Städte und größere Feudalhöfe aus jener Betriebsform, die sich auf den kleineren Gütern erhält, heraus. Weder die städtischen Siedlungen noch die großen Feudalhöfe sind im 12. Jahrhundert und selbst noch lange danach auch nur im entferntesten dermaßen von den naturalwirtschaftenden Bezirken abgetrennt, wie später dann etwa im 19. Jahrhundert die Städte mit dem sogenannten offenen Land. Im Gegenteil, städtische und ländliche Produktion stehen hier noch immer in engster Verbindung miteinander. Und die wenigen großen Feudalhöfe sind zwar durch Überschusserträge, durch Abgaben, die ihnen zuströmen, ebenso, wie durch einen größeren Luxusbedarf an das Handelsnetz und den Marktverkehr angeschlossen, aber der größte Teil ihres Alltagsbedarf wird noch immer unmittelbar aus den Erträgen der Domanialgüter gedeckt; und in diesem Sinn sind auch sie noch vorwiegend natural wirtschaftende Höfe.

Allerdings differenziert sich gerade wegen der Größe dieses Domanialbesitzes auch der Betrieb innerhalb seiner selbst. Ähnlich, wie etwa in der Antike die großen Sklavengüter zum Teil für den Markt arbeiten, zum Teil aber unmittelbar für den großen Haushalt der Herrschaft und in diesem Sinn noch immer eine differenziertere Art der marktlosen Wirtschaft und Betriebsform darstellen, so auch diese großen Feudalbesitzungen. Das mag bis zu einem gewissen Grade für die einfacheren Arbeiten innerhalb ihrer gelten; das gilt vor allem auch für die Organisation des Betriebs. Der Domanialbesitz der großen Feudalherren bildet ja so gut wie nie einen einzigen, mächtigen, landschaftlich geschlossenen Komplex. Die Güter sind auf recht verschiedenen Wegen, durch Eroberungen, Erbschaften, Schenkungen oder Heiraten ganz allmählich in einer Hand gekommen. Sie liegen meist in verschiedenen Gegenden innerhalb des Territoriums verstreut, und sie sind daher auch nicht mehr so leicht überseebar wie ein kleineres Besitztum.

Man braucht eine Zentralapparatur, Menschen, die das Aus- und Eingehen der Güter beaufsichtigen, die die Rechnungen führen, so einfach das auch zunächst geschehen sein mag, Menschen, die zugleich das Einkommen der Abgaben überwachen und sich darüber hinaus mit der Verwaltung des Territoriums befassen. »Der kleine Feudalhof war unter intellektuellem Gesichtspunkt ein rudimentäres Organ, besonders wo der Herr selber weder schreiben noch lesen konnte.«. Die Höfe der großen und reichen Feudalherren ziehen zunächst einmal schon zu Verwaltungszwecken einen Stab von gelehrten Klerikern an sich. Aber diese großen Feudalherren sind, wie gesagt, kraft der Chancen, die Ihnen in dieser Zeit zu strömen, die reichsten und mächtigsten Männer ihres Gebiets, und es wächst mit der Möglichkeit zugleich auch das Verlangen, dieser Stellung durch Glanz und Schmuck des Hofes Ausdruck zu geben. Sie sind reicher nicht nur als die anderen Ritter, sondern zunächst auch als irgendwelche Stadtbürger.

Daher haben die großen Feudalhöfe im Bild dieser Zeit auch eine weit größere, kulturelle Bedeutung als die Städte. Sie werden im Konkurrenzkampf der Territorialherren untereinander zu Repräsentationsstätten für die Macht und den Reichtum ihrer Gebieter.

Wertschöpfungs/Lieferketten in der Mittel/Zweck-Sprache: teleologische Reihen

Durch die philosophische, soziologische(z.B. Simmels Philosophie des Geldes, und speziell durch die dem Utilitarismus zuordenbare Literatur zieht sich das „Denkschema“ von Mittel und Zweck, nach dem Handlungen hinsichtlich Zielgerichtetheit und Nutzen eingeordnet werden können. In der Mittel-Zweck-Terminologie ist der Zweck das Ziel der Handlung, das Wozu, und das Mittel, das Wie, soll seiner Erreichung dienen.

Mittel können Handlungen sein aber auch z.B. Werkzeuge. Mittel sind Veränderungen des Seins. Zwecke sind in der Regel bestimmte Seinszustände, z.B. ein Sättigungsgefühl, eine Befriedigung, das Gefühl etwas Bedrohliches oder Gefährliches abgewendet zu haben usw., also irgendeine Art zu sein. In Aussagen, die Handlungen begründen, wie z.B. „Ich baue Tomaten selbst an, um das Gefühl zu haben, dass ich mich noch selbst versorgen kann“ oder „um sicher zu sein, dass in meiner Nahrung keine Giftstoffe sind“ wird der Zweck dem Mittel (z.B. der Handlung) sprachlich mit dem Wort „um“ zugeordnet.

Das unter Einsetzung bestimmter Mittel auf die Erreichung von Zwecken gerichtete Handeln wird auch als teleologisch bezeichnet, weil es auf ein Ziel (griechisch telos heißt Ziel) ausgerichtet ist. Das Mittel verbindet zwei Seinszustände miteinander, es dient der Überführung des Selbst von einem in den anderen Zustand.

Eng verknüpft mit dem Begriff der Teleologie ist der der Kausalität. wobei der letztere der tieferliegendere von beiden ist. Die Kenntnis von Kausalzusammenhängen ist die Voraussetzung teleologischen Handelns. Erst dadurch, dass Zusammenhänge zwischen Ursachen und Wirkungen bekannt sind, können Ursachen herbeigeführt werden, die die angestrebten Wirkungen haben. Die erzeugten, herbeigeführten Ursachen sind demnach Mittel, die aufgrund des bekannten Kausalzusammenhangs folgende Wirkung ist der Zweck.

Von teleologischem Handeln zu unterscheiden ist das rein triebhafte (mechanische) Agieren, das an einen Seinszustand eine Handlung knüpft, ohne dass diese Handlung zweckmäßig ist. Vernünftiges Handeln ist also teleologisch, ist auf einen Zweck gerichtet und unterstellt das Mittel diesem Zweck, während triebhaftes, nicht teleologisches Handeln an der Zwecklosigkeit erkennbar ist.

Simmel schreibt:

Der große Gegensatz aller Geistesgeschichte: ob man die Inhalte der Wirklichkeit von ihren Ursachen oder von ihren Folgen aus ansieht und zu begreifen sucht - der Gegensatz der kausalen und der teleologischen Denkrichtung - findet sein Urbild an einem Unterschiede innerhalb unserer praktischen Motivationen. Das Gefühl, das wir Trieb nennen, erscheint als an einen physiologischen Vorgang gebunden, in dem gespannte Energien auf ihre Lösung drängen; indem jene sich in ein Tun umsetzen, endet der Trieb; wenn er wirklich ein bloßer Trieb ist, so ist er »befriedigt«, sobald er durch das Tun sozusagen sich selbst los geworden ist. Diesem gradlinigen Kausalvorgange, der sich im Bewusstsein als das primitivste Triebgefühl spiegelt, stehen diejenigen Aktionen gegenüber, deren Ursache, soweit sie sich als Bewusstseinsinhalt kundgibt, in der Vorstellung ihres Erfolges besteht.

Wir empfinden uns hier gleichsam nicht von hinten getrieben, sondern von vorn gezogen.

Das Befriedigungsgefühl tritt infolgedessen hier nicht durch das bloße Tun ein, in dem der Trieb sich auslebt, sondern erst durch den Erfolg, den das Tun hervorruft. Wenn etwa eine ziellose innere Unruhe uns zu einer heftigen Bewegung treibt, so liegt ein Fall der ersten Kategorie vor; der zweiten, wenn wir uns die gleiche Motion machen, um einen bestimmten hygienischen Zweck damit zu erreichen; das Essen ausschließlich aus Hunger gehört in die erste, das Essen ohne Hunger, nur um des kulinarischen Genusses willen, in die zweite Kategorie; die Sexualfunktion, im Sinne des Tieres ausgeübt, in die erste, die in der Hoffnung eines bestimmten Genusses gesuchte in die zweite.

Dieser Unterschied scheint mir nun nach zwei Seiten hin wesentlich zu sein. Sobald wir aus bloßem Triebe heraus, also im engeren Sinne rein kausal bestimmt handeln, so besteht zwischen der psychischen Verfassung, die als Ursache des Handelns auftritt, und dem Resultat, in das sie ausläuft, keinerlei inhaltliche Gleichheit.

Der Zustand dessen Energien uns in Bewegung setzen, hat insofern zu der Handlung und ihrem Erfolge so wenig qualitative Beziehungen, wie der Wind zu dem Fall der Frucht, die er vom Baum schüttelt.

Wo dagegen die Vorstellung des Erfolges als Veranlassung gefühlt wird, da decken sich Ursache und Wirkung ihrem begrifflichen oder anschaubaren Inhalte nach.

Die Ursache der Aktion ist indes auch in diesem Falle die reale - wenn auch wissenschaftlich nicht näher formulierbare - Kraft der Vorstellung bzw. ihres physischen Korrelats, die von ihrem Gedankeninhalt durchaus zu trennen ist. Denn dieser Inhalt, der ideelle Sachgehalt des Handelns oder Geschehens, ist an und für sich absolut kraftlos, er hat nur eine begriffliche Gültigkeit und kann nur insoweit in der Wirklichkeit sein, als er der Inhalt einer realen Energie wird: sowie die Gerechtigkeit oder die Sittlichkeit als Ideen niemals eine Wirksamkeit in der Geschichte üben, das vielmehr erst können, wenn sie von konkreten Mächten als Inhalt des Kraftmaßes derselben aufgenommen werden.

Der Kompetenzstreit zwischen Kausalität und Teleologie innerhalb unseres Handelns schlichtet sich also so: indem der Erfolg, seinem Inhalte nach, in der Form psychischer Wirksamkeit da ist, bevor er sich in die der objektiven Sichtbarkeit kleidet, wird der Strenge der Kausalverbindung nicht der geringste Abbruch getan; denn für diese kommen die Inhalte nur, wenn sie Energien geworden sind, in Betracht, und insofern sind Ursache und Erfolg durchaus geschieden, während die Identität, die die ideellen Inhalte beider zeigen, wiederum mit der realen Verursachung überhaupt nichts zu tun hat.

Von tieferer Bedeutung für die jetzige Aufgabe ist die andere Differenz, durch die sich das triebhafte und das vom Zweck geleitete Wollen gegeneinander charakterisieren.

Sobald unser Handeln nur kausal (im engeren Sinne) bestimmt wird, ist der ganze Vorgang mit der Umsetzung der drängenden Energien in subjektive Bewegung beendet, das Gefühl der Spannung, des Getriebenwerdens ist gehoben, sobald die Aktion als Folge des Triebes eingetreten ist.

Der Trieb lebt sich mit der ihm natürlichen Fortsetzung in Bewegung vollständig aus, so dass der gesamte Vorgang innerhalb des Subjekts beschlossen bleibt. Ganz anders verläuft der Prozess, der durch das Bewusstsein des Zweckes geleitet ist.

Dieser geht zunächst auf einen bestimmten objektiven Erfolg des Tuns und erreicht seinen Abschluss durch die Reaktion dieses auf das Subjekt bzw. des Subjekts auf ihn.

Die prinzipielle Bedeutung des Zweckhandelns liegt also in der Wechselwirkung, die es zwischen dem Subjekt und Objekt stiftet. Indem schon die bloße Tatsache unserer Existenz uns in diese Wechselwirkung verwebt, hebt das zweckbestimmte Handeln sie in die Innerlichkeit des Geistes. Durch eben dies stellt sich unser Verhältnis zur Welt gleichsam als eine Kurve dar, die vom Subjekt aus auf das Objekt geht, es in sich einbezieht und wieder zum Subjekt zurückkehrt.

Und während freilich jede zufällige und mechanische Berührung mit den Dingen äußerlich dasselbe Schema zeigt, wird es als Zweckhandeln von der Einheit des Bewusstseins durchströmt und zusammengehalten.

Als Naturwesen betrachtet sind wir in fortwährender Wechselwirkung mit dem natürlichen Dasein um uns herum, aber in völliger Koordination mit diesem; erst im Zweckhandeln differenziert sich das Ich als Persönlichkeit von den Naturelementen außerhalb (und innerhalb) seiner.

Oder, anders angesehen: erst auf der Grundlage solcher Scheidung eines persönlich wollenden Geistes und der rein kausal betrachteten Natur ist jene Einheit höherer Stufe zwischen beiden möglich, die sich in der Zweckkurve ausdrückt. Dieses prinzipielle Verhältnis wiederholt sich, mit gewissen Abschwächungen, an dem Unterschied, den man zwischen der Arbeit des Kulturmenschen und des Naturmenschen zu finden meint: jene gehe regelmäßig und methodisch, diese unregelmäßig und stoßweise vor sich; das heißt, die erstere fordere eine willenshafte Überwindung der Widerstände, die unser Organismus der Arbeit entgegensetze, während die andere nur die Auslösung der in den psychischen Zentren angehäuften Nervenkraft sei.

Das ist nun nicht so gemeint, als ob der eigentliche Zweck jedes Zweckhandelns im handelnden Subjekt selbst liegen müsste, als ob der Grund, um dessentwillen irgendein Objektives verwirklicht wird, immer in dem Gefühle bestünde, das es rückwirkend in uns erregt. Wenn dies in den eigentlich egoistischen Handlungen stattfindet, stehen daneben doch unzählige, in denen jene Inhaltsgleichheit zwischen Motiv und Erfolg nur den Erfolg im Sinne des Objekts, des außer-subjektiven Geschehens betrifft; unzählige Male nimmt die innere Energie, aus der unser Handeln hervorgeht, ihrer Bewusstseinsseite nach nur ihren sachlichen Erfolg in sich auf und lässt die auf uns selbst zurückkehrende Weiterwirkung desselben ganz außerhalb des teleologischen Prozesses. Zwar, wenn nicht der Erfolg unseres Tuns schließlich ein Gefühl in uns auslöste, so würde von seiner Vorstellung nicht die bewegende Kraft ausgehen, die ihn zu verwirklichen strebt.

Allein dieses unentbehrliche Endglied des Handelns ist darum noch nicht sein Endzweck; unser teleologisch bestimmtes Wollen macht vielmehr sehr oft an seinem sachlichen Erfolge halt und fragt bewusst nicht über diesen hinaus. Suchen wir also die Formel des Zweckprozesses in seinem Gegensatz zu dem kausal-triebhaften - wobei dahingestellt bleibt, ob dieser Gegensatz etwa nur ein solcher der Betrachtungsweise, sozusagen ein methodologischer ist - so ist es die, dass das Zweckhandeln die bewusste Verflechtung unserer subjektiven Energien mit einem objektiven Dasein bedeutet, und dass diese Verflechtung in einem doppelten Ausgreifen der Wirklichkeit in das Subjekt hinein besteht: einmal in der Antizipation ihres Inhaltes in der Form der subjektiven Absicht und zweitens in der Rückwirksamkeit ihrer Realisierung in der Form eines subjektiven Gefühls. Aus diesen Bestimmungen entwickelt sich die Rolle des Zweckes im Lebenssystem.

Es geht zunächst daraus hervor, dass sogenannte unmittelbare Zwecke einen Widerspruch gegen den Begriff des Zweckes selbst bedeuten. Wenn der Zweck eine Modifikation innerhalb des objektiven Seins bedeutet, so kann dieselbe doch nur durch ein Tun realisiert werden, welches die innere Zwecksetzung mit dem ihr äußeren Dasein vermittelt; unser Handeln ist die Brücke, über welche der Zweckinhalt aus seiner psychischen Form in die Wirklichkeitsform übergeht. Der Zweck ist seinem Wesen nach an die Tatsache des Mittels gebunden.

Hierdurch unterscheidet er sich einerseits vom bloßen Mechanismus - und seinem psychischen Korrelat, dem Trieb -, in dem die Energien jedes Momentes sich in dem unmittelbar folgenden vollständig entladen, ohne über diesen hinaus auf einen nächsten zu weisen; welcher nächste vielmehr nur von dem unmittelbar vorhergehenden ressortiert.

Die Formel des Zweckes ist dreigliedrig, die des Mechanismus nur zweigliedrig.

Ein Unterschied zwischen Zivilisationsmensch und Tier: die Länge von teleologischen Reihen

Setzt man sich einmal in einen Raum seiner Wohnung und stellt sich die Frage, wieviele der sich darin befindlichen Gegenstände man selbst, also mit dem eigenen Wissen, den Fähigkeiten und den in der Gegend vorhandenen Rohstoffen herstellen kann, dann wird einem bewusst, dass die meisten Gegenstände in komplexer Arbeitssteilung entstanden sind. Selbst an der Herstellung von Lebensmitteln müssen streng genommen alle Unternehmen in die Betrachtung einbezogen werden, die die Werkzeuge des Lebensmittelproduzenten (also Traktoren, Maschinen, Saatgut, Agrarchemikalien, Betriebsmittel, usw.) hergestellt haben.

Ein Unternehmen stellt etwas her, das Bedürfnisse (eine Nachfrage) stillen soll. Aus Sicht des Konsumenten oder Nutzers ist das vom Unternehmen hergestellte Produkt ein Mittel, der Konsum oder die Nutzung des Produktes ist die Erreichung des Zwecks.

Der Zweck des Endverbrauchers kann als der Endzweck einer hintereinander geschalteten Wertschöpfungs-/ Liefer Kette von Einzelunternehmen in Arbeitsteilung betrachtet werden. Die gesamte an der Herstellung des Produktes beteilgte Wertschöpfungskette ist das dazugehörige Mittel und kann in aufeinander aufbauende Teilunternehmungen zerlegt werden, die jeweils einen Teil der Mittel aller jeweils daran anschließenden Unternehmen darstellen.

Georg Simmel schreibt bei der Frage, warum und wie die teleologischen Reihen der Zivilisation entstanden sind in Die Philosophie des Geldes[2, Kapitel 3.1]:

Nun ist aber weiterhin klar, daß, wenn das Bewußtsein des Zweckes lebendig bleibt, es nichts rein ideelles, sondern auch seinerseits ein Prozeß ist, der organische Kraft und Bewußtseinsintensität verbraucht. Die allgemeine Lebenszweckmäßigkeit wird also dahin streben, ihn auszuschalten, da er ja zu der teleologischen Lenkung unseres Handelns prinzipiell (von allen Komplikationen und Ablenkungen abgesehen) nicht mehr nötig ist.

Und dies scheint nun endlich die Erfahrungstatsache durchsichtig zu machen: daß das Endglied unserer praktischen Reihen, nur durch die Mittel realisierbar, um so sicherer von diesen hervorgebracht wird, je vollständiger unsere Kräfte auf die Hervorbringung der Mittel gerichtet und konzentriert sind.

Eben diese Herstellung der Mittel ist die eigentlich praktische Aufgabe; je gründlicher sie gelöst ist, desto mehr wird der Endzweck der Willensbemühung entraten können und sich als der mechanische Erfolg des Mittels einstellen. Dadurch, daß der Endzweck immerzu im Bewußtsein ist, wird eine bestimmte Summe von Kraft verbraucht, die der Arbeit an den Mitteln entzogen wird. Das praktisch Zweckmäßigste ist also die volle Konzentrierung unserer Energien auf die nächst zu verwirklichende Stufe der Zweckreihe; d. h., man kann für den Endzweck nichts Besseres tun, als das Mittel zu ihm so zu behandeln, als wäre es er selbst.

Die Verteilung der psychologischen Akzente, deren es mangels unbeschränkt verfügbarer Kräfte bedarf, folgt also durchaus nicht der logischen Gliederung: während für diese das Mittel etwas völlig Gleichgültiges ist und alle Betonung auf dem Zweck liegt, verlangt die praktische Zweckmäßigkeit die direkte psychologische Umkehrung dieses Verhältnisses.

Was die Menschheit dieser scheinbar so irrationellen Tatsache verdankt, ist nicht auszusagen. Wir würden wahrscheinlich über die primitivsten Zwecksetzungen nie hinausgekommen sein, wenn unser Bewußtsein immer an diesen hängen und so für den Bau mannigfaltigerer Mittel nur unvollkommen frei sein würde; oder wir würden eine unerträgliche und lähmende Zersplitterung erfahren, wenn wir bei der Arbeit an jedem untergeordneten Mittel die ganze Reihe darüber gebauter weiterer Mittel mit dem schließlichen Endzweck fortwährend im Bewußtsein haben müßten; wir würden endlich für die Aufgabe des Augenblicks oft überhaupt weder Kraft noch Lust haben, wenn wir uns ihre Minimität gegenüber den letzten Zielen immer mit logischer Gerechtigkeit vor Augen hielten und nicht alle Kräfte, die dem Bewußtsein überhaupt entsprechen, gesammelt in den Dienst des vorläufig Notwendigen stellten. Es liegt auf der Hand, daß diese Metempsychose des Endzwecks um so häufiger und gründlicher stattfinden muß, je komplizierter die Technik des Lebens wird.

Mit steigendem Wettbewerbe und steigender Arbeitsleistung werden die Zwecke des Lebens immer schwerer zu erreichen, d. h. es bedarf für sie eines immer höheren Unterbaues von Mitteln. Ein ungeheurer Prozentsatz der Kulturmenschen bleibt ihr Leben lang in dem Interesse an der Technik, in jedem Sinne des Wortes, befangen; die Bedingungen, die die Verwirklichung ihrer Endabsichten tragen, beanspruchen ihre Aufmerksamkeit, konzentrieren ihre Kräfte derart auf sich, daß jene wirklichen Ziele dem Bewußtsein völlig entschwinden, ja, oft genug schließlich in Abrede gestellt werden.

Das wird durch den Umstand begünstigt, daß in kulturell ausgebildeten Verhältnissen das Individuum schon in ein sehr vielgliedriges teleologisches System hineingeboren wird (z. B. in Hinsicht äußerer Sitten, nach deren Ursprung als Bedingungen sozialer Zwecke niemand mehr fragt, die vielmehr als kategorische Imperative gelten), daß er in die Mitarbeit an längst feststehenden Zwecken hineinwächst, daß sogar seine individuellen Ziele ihm vielfach als selbstverständliche aus der umgebenden Atmosphäre entgegenkommen und mehr in seinem tatsächlichen Sein und Sich-Entwickeln als in deutlichem Bewußtsein zur Geltung gelangen.

Alle diese Umstände helfen dazu, die Endziele nicht nur des Lebens überhaupt, sondern auch innerhalb des Lebens nur unvollständig über die Schwelle des Bewußtseins steigen zu lassen und die ganze Zuspitzung desselben auf die praktische Aufgabe, die Realisierung der Mittel, zu richten.

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