Ökonomische Verträge: Umverteilung durch Übertragung von Verfügungsrechten gegen Zins

Das wesentliche Prinzip des Kapitalismus ist die Übertragung, bzw. der Tausch von Verfügungsrechten an einer Sache gegen die Zahlung eines Zinses und heißt Leihe. Ökonomie ist Handel mit Verfügungsrechten. Der Zins ist also der Preis für die Nutzungsrechte am Leihkapital. Der Leihnehmer zahlt Zins an den Leihgeber. Eine andere Bezeichnung für den Leihnehmer ist Besitzer, der Leihgeber heißt auch Eigentümer. Im Kapitalismus ist der Zins positiv.

Das Leihkapital ist in primäre und sekundäre Ordnung zerlegt. Beim Verleih von Geld (Leihkapital erster Ordnung, Geldkapital) nehmen die Geschäftsbanken und der Bankensektor insgesamt eine vermittelnde Rolle ein. Der Bankensektor alimentiert sich von der Differenz der eingenommenen Kreditzinsen und der ausgegebenen Sparzinsen, der sogenannten Zinsspanne (z.T. auch Seigniorage).

Pietro Peruginos Darstellung der Übergabe des Schlüssels, der Offenbarung des Geheimnisses des Zinses an Petrus. Das Fresko ist zu sehen in der sixtinischen Kapelle.

Der Zins des realen Leihkapitals

Das Leihkapital sekundärer Ordnung heißt auch Sachkapital und ist, soweit es sich um materielles (auch sog. Real-) Kapital handelt, der Umwelt, also den Naturgesetzen, ausgesetzt. Die Wechselwirkung mit der Umwelt sowie auch die Nutzung des Sachkapitals hat eine Abnutzung (auch Degradierung, Ermüdung, Verschleiß, usw...) und Alterung zur Folge. Dieser natürliche negative Zins auf das materielle Sachkapital (wie auf alles Materielle nach dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik) heißt im Rechnungswesen auch Abschreibung. Die Unterteilung des Leihkapitals in zwei Ordnungen ist demzufolge auch auf der Übernatürlichkeit des Geldkapitals im Kapitalismus begründet, das entgegen dem natürlichen negative Vorzeichen anthroponomisch (also „menschgesetzlich“) ein umgekehrtes, nämlich positives Vorzeichen bekam.

Für Sachkapital ist die Berechnung des Zinses nicht trivial, was sich im Unterschied zwischen dem Wort Miete und Zins darstellt. Ein Blick auf die Nebenkostenabrechnung offenbart die Zusammensetzung der Miete in sog. Kalt- und Warmmiete. Zur Differenz, den sog. Nebenkosten gehören Betriebskosten, Versicherungsgebühren und Steuern. Die Kaltmiete enthält jedoch in der Regel auch einen Betrag, der die Höhe von regelmäßigen Wartungskosten aufgrund des natürlichen und der nutzungsbedingten Alterung (Alterungskompensation) deckt. Grob betrachtet setzt sich die Miete also aus drei Teilen zusammen.

Ganz allgemein kann für alles Sachkapital die Höhe des Zinses wie folgt berechnet werden: Zins = Miete - Basiskosten - Alterungskompensation, wobei in den Basiskosten Steuern, Betriebskosten, Versicherungsgebühren etc. enthalten ist und die Alterungskompensation den natürlichen Negativ-Zins sowie die nutzungsbedingten Wartungs- und Erhaltungskosten umfasst.

Zur Übersicht über diesen Umverteilungskern des Kapitalismus dient die folgende Tabelle:

Ordnung Leihnehmer/Besitzer Bezeichnung des Leihvertrags Bezeichnung des Marktes Leihkapital Name des Zinses Leihgeber/Eigentümer
primär private Haushalte, öffentliche Haushalte, Unternehmen Kredit, Darlehen, Anleihen, Obligationen, Wertpapiere mit Zinskupon, usw. Bankensektor, Geldmarkt Geld (Geldmarkt-) Zins Sparer, Renten-/Pensionsfonds, sonst. institutionelle Anleger
sekundär Pächter Land-/Bodenverpachtung Pachtmarkt Boden Pacht Grundherr, Verpächter
sekundär Mieter, Pächter Vermietung,Verpachtung Miet-/Pachtmarkt Häuser, Wohnungen, Geschäftsräume Miete, Pacht Vermieter, Verpächter
sekundär Mieter, Pächter Unternehmenspacht Unternehmenspachtmarkt Unternehmen, Produktionsstätten Miete, Pacht Inhaber
sekundär Lizenz-/Konzessionsnehmer Lizenzierung, Konzession Lizenzmärkte Patente, Konzessionen Lizenz-/Konzessionsgebühr Patentinhaber
sekundär Leihnehmer/Besitzer Leihe, Leihvertrag Leihmarkt (Verfügungs-) Rechte an Verleihbarem Leih-/Sachzins Leihgeber, Eigentümer

Die Umverteilungswirkung des Kerns erkennt man durch den Vergleich des Vermögens der Gruppe der Leihnehmer von Leihkapital mit dem Vermögen der Gruppe der Leihgeber. Aufgrund elementarer Logik ist die Gruppe der Leihgeber immer vermögender als die Gruppe der Leihnehmer, denn die Beziehung dieser Gruppen untereinander beruht auf diesem Ungleichgewicht (der Leihnehmer würde sonst wohl nicht leihen), und der Zins verschärft die Ungleichheit noch.

Preisbildung beim Zins auf Leihkapital

Der Preis für die Verfügungsrechte an Sachen, der Sachzins (Miete, Pacht, etc...), bildet sich an den entsprechenden Märkten wie jeder andere Preis auch im Spiel von Angebot und Nachfrage. Am Beispiel vom vermietetem Wohnraum sieht man, dass sich Mieten erhöhen, wenn die Nachfrage nach dem entsprechenden Leihkapital, z.B. Wohnraum, steigt oder wenn das Angebot zurückgeht. Umgekehrt sinken Mieten, wenn das Angebot an Mietwohnungen steigt oder wenn die Nachfrage sinkt. Für die Preisbildung beim Leihkapital zweiter Ordnung ist also das Angebot und die Nachfrage zu untersuchen.

Quellen und Senken des Angebots und der Nachfrage von Leihkapital 2. Ordnung

Mit Ausnahme von Grund und Boden kann sekundäres Leihkapital durch eine Unternehmung erzeugt werden. Wohnungen können gebaut, Patente durch betriebliche oder wissenschaftliche Forschung gefunden und verpachtbare Unternehmungen gegründet werden. Kommt bei der Erzeugung sekundären Leihkapitals primäres Leihkapital zur Verwendung, hängt die Erzeugungsrate, die Quellstärke von sekundärem Leihkapital, von der Höhe der Kreditzinsen ab. Steigen die Kreditzinsen, dann sinkt die Investitionsbereitschaft zur Erschaffung von sekundärem Leihkapital, sofern nicht mit Eigenkapital finanziert wird und also die Quellstärke vom Zins-Niveau abhängt. Zur Freisetzung von sekundärem Leihkapital kann es außerdem kommen, wenn Leihnehmer durch Erwerb eines neuen Kapitalguts derselben Kapitalklasse aus der Rolle als Leihnehmer herausfallen, das Leihkapitalgut also unbesetzt bleibt und sich so dem Angebot hinzufügt.