Ökonomische Verträge: Umverteilung durch Übertragung von Verfügungsrechten gegen Zins

Das wesentliche Prinzip des Kapitalismus ist die Übertragung, bzw. der Tausch von Verfügungsrechten an einer Sache gegen die Zahlung eines Zinses und heißt Leihe. Ökonomie ist Handel mit Verfügungsrechten. Der Zins ist also der Preis für die Nutzungsrechte am Leihkapital. Der Leihnehmer zahlt Zins an den Leihgeber. Eine andere Bezeichnung für den Leihnehmer ist Besitzer, der Leihgeber heißt auch Eigentümer. Im Kapitalismus ist der Zins positiv.

Das Leihkapital ist in primäre und sekundäre Ordnung zerlegt. Beim Verleih von Geld (Leihkapital erster Ordnung, Geldkapital) nehmen die Geschäftsbanken und der Bankensektor insgesamt eine vermittelnde Rolle ein. Der Bankensektor alimentiert sich von der Differenz der eingenommenen Kreditzinsen und der ausgegebenen Sparzinsen, der sogenannten Zinsspanne (z.T. auch Seigniorage).

Der Zins des realen Leihkapitals

Das Leihkapital sekundärer Ordnung heißt auch Sachkapital und ist, soweit es sich um materielles (auch sog. Real-) Kapital handelt, der Umwelt, also den Naturgesetzen, ausgesetzt. Die Wechselwirkung mit der Umwelt sowie auch die Nutzung des Sachkapitals hat eine Abnutzung (auch Degradierung, Ermüdung, Verschleiß, usw...) und Alterung zur Folge. Dieser natürliche negative Zins auf das materielle Sachkapital (wie auf alles Materielle nach dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik) heißt im Rechnungswesen auch Abschreibung. Die Unterteilung des Leihkapitals in zwei Ordnungen ist demzufolge auch auf der Übernatürlichkeit des Geldkapitals im Kapitalismus begründet, das entgegen dem natürlichen negative Vorzeichen anthroponomisch (also „menschgesetzlich“) ein umgekehrtes, nämlich positives Vorzeichen bekam.

Für Sachkapital ist die Berechnung des Zinses nicht trivial, was sich im Unterschied zwischen dem Wort Miete und Zins darstellt. Ein Blick auf die Nebenkostenabrechnung offenbart die Zusammensetzung der Miete in sog. Kalt- und Warmmiete. Zur Differenz, den sog. Nebenkosten gehören Betriebskosten, Versicherungsgebühren und Steuern. Die Kaltmiete enthält jedoch in der Regel auch einen Betrag, der die Höhe von regelmäßigen Wartungskosten aufgrund des natürlichen und der nutzungsbedingten Alterung (Alterungskompensation) deckt. Grob betrachtet setzt sich die Miete also aus drei Teilen zusammen.

Ganz allgemein kann für alles Sachkapital die Höhe des Zinses wie folgt berechnet werden: Zins = Miete - Basiskosten - Alterungskompensation, wobei in den Basiskosten Steuern, Betriebskosten, Versicherungsgebühren etc. enthalten ist und die Alterungskompensation den natürlichen Negativ-Zins sowie die nutzungsbedingten Wartungs- und Erhaltungskosten umfasst.

Zur Übersicht über diesen Umverteilungskern des Kapitalismus dient die folgende Tabelle:

Ordnung Leihnehmer
Besitzer
Bezeichnung des Leihvertrags Bezeichnung des Marktes Leihkapital Name des Zinses Leihgeber
Eigentümer
primär private Haushalte
öffentliche Haushalte
Unternehmen
Kredit
Darlehen
Anleihen
Obligationen
Wertpapiere mit Zinskupon
usw.
Bankensektor
Geldmarkt
Geld Geldmarkt-Zins Sparer
Renten-/Pensionsfonds
sonst. institutionelle Anleger
sekundär Pächter Landverpachtung
Bodenverpachtung
Pachtmarkt Boden Pacht Grundherr, Verpächter
sekundär Mieter
Pächter
Vermietung,
Verpachtung
Miet-
Pachtmarkt
Häuser
Wohnungen
Geschäftsräume
Miete
Pacht
Vermieter
Verpächter
sekundär Mieter
Pächter
Unternehmenspacht Markt für Unternehmenspachten Unternehmen
Produktionsstätten
Miete
Pacht
Inhaber
sekundär Lizenz-
Konzessions-
nehmer
Lizenzierung
Konzession
Lizenzmärkte Patente
Konzessionen
Lizenz-
Konzessionsgebühr
Patentinhaber
sekundär Leihnehmer
Besitzer
Leihe
Leihvertrag
Leihmarkt (Verfügungs-) Rechte an Verleihbarem Leih-
Sachzins
Leihgeber, Eigentümer

Die Umverteilungswirkung des Kerns erkennt man durch den Vergleich des Vermögens der Gruppe der Leihnehmer von Leihkapital mit dem Vermögen der Gruppe der Leihgeber. Aufgrund elementarer Logik ist die Gruppe der Leihgeber immer vermögender als die Gruppe der Leihnehmer, denn die Beziehung dieser Gruppen untereinander beruht auf diesem Ungleichgewicht (der Leihnehmer würde sonst wohl nicht leihen), und der Zins verschärft die Ungleichheit noch.

Preisbildung beim Zins auf Leihkapital

Der Preis für die Verfügungsrechte an Sachen, der Sachzins (Miete, Pacht, etc...), bildet sich an den entsprechenden Märkten wie jeder andere Preis auch im Spiel von Angebot und Nachfrage. Am Beispiel vom vermietetem Wohnraum sieht man, dass sich Mieten erhöhen, wenn die Nachfrage nach dem entsprechenden Leihkapital, z.B. Wohnraum, steigt oder wenn das Angebot zurückgeht. Umgekehrt sinken Mieten, wenn das Angebot an Mietwohnungen steigt oder wenn die Nachfrage sinkt. Für die Preisbildung beim Leihkapital zweiter Ordnung ist also das Angebot und die Nachfrage zu untersuchen.

Quellen und Senken des Angebots und der Nachfrage von Leihkapital 2. Ordnung

Mit Ausnahme von Grund und Boden kann sekundäres Leihkapital durch eine Unternehmung erzeugt werden. Wohnungen können gebaut, Patente durch betriebliche oder wissenschaftliche Forschung gefunden und verpachtbare Unternehmungen gegründet werden. Kommt bei der Erzeugung sekundären Leihkapitals primäres Leihkapital zur Verwendung, hängt die Erzeugungsrate, die Quellstärke von sekundärem Leihkapital, von der Höhe der Kreditzinsen ab. Steigen die Kreditzinsen, dann sinkt die Investitionsbereitschaft zur Erschaffung von sekundärem Leihkapital, sofern nicht mit Eigenkapital finanziert wird und also die Quellstärke vom Zins-Niveau abhängt. Zur Freisetzung von sekundärem Leihkapital kann es außerdem kommen, wenn Leihnehmer durch Erwerb eines neuen Kapitalguts derselben Kapitalklasse aus der Rolle als Leihnehmer herausfallen, das Leihkapitalgut also unbesetzt bleibt und sich so dem Angebot hinzufügt.

Eine einfache Simulation - Ex Pluribus Unum (Aus Vielen Einer)

Zu den wohl einfachsten ökonomischen Simulationen, die man anstellen kann, gehört wohl die Folgende, die insgesamt noch einfacher ist doch Ähnlichkeit, jedenfalls hinreichende Gemeinsamkeit, mit Monopoly hat, so dass sich die Eigenschaften des aus den Regeln des Spiels entstehenden Simulationsprozesses, wie analog auch im Monopoly-Spiel und im großen Gesellschaftsspiel mit dem Namen Kapitalismus, wiederfinden.

Die Spielbeschreibung e(x) pluribus unum auf der 1-Dollar-Note.

Spielregeln

In dem Modell gibt es Akteure i, die alle das gleiche Verhalten aufweisen und über ein jeweiliges Kapital von ki verfügen, das anfangs für alle gleich hoch ist. Die Spielregeln sind für alle Akteure des Spiels die gleichen.

Weiter sei ein existenzsicherndes minimales Kapital kmin definiert, welches in diesem Gesellschaftsspiel nicht unterschritten werden kann, vergleichbar mit einem existenziellen Grundsicherung. Diese Grundsicherung wird im Verlauf der Simulation als ein unterer „Sockel“ oder eine Art „Bodensatz“ erkennbar.

Das Kernelement des Spiels ist die Umverteilung von Kapital durch den Verleih der Grundsicherung überschüssigen Kapitals gegen Zins. Für alle Akteure gilt ein (durch Knöpfe einstellbarer) Zinssatz von z, dessen Vorzeichen in der Simulation auch umgekehrt werden kann.

Alle Kapitale über der Grundsicherung werden durch Verleih eingesetzt. Durch den Verleih des überschüssigen Kapitals jedes Akteurs i entstehen Zins-Schulden, die zufällig auf alle anderen Akteure ji verteilt werden. In einem Zeitschritt der Simulation (des Spiels) akkumuliert ein Akteur i also nicht nur Zins-Guthaben die von den anderen ji genommen werden, sondern auch Zins-Schulden, die an dem verliehen Kapital der anderen Akteure entstehen und auf den Akteur i umverteilt wurden. Die zufällig bestimmten Umverteilungskoeffizienten für die Umverteilung sind piji.

Sinkt in einem Zeitschritt der Simulation in Folge der Umverteilung der Zins-Schulden bei Akteuren i das Kapital ki unter die Grundsicherung kmin, wird die Diskrepanz, die Differenz zwischen ki und kmin, addiert und durch eine Entschuldungssteuer auf das Kapital τ auf alle Akteure ji mit Kapital oberhalb der Grundsicherung kmin umgelegt und also mit dem bereits akkumulierten Kapital gewichtet umverteilt.

Der javascript-Quellcode der Simulation befindet sich hier.


Details

Der Zeitpunkt der Simulation sei t, der nächste Zeitpunkt sei t+1. Es gibt einen Zwischenschritt am Zeitpunkt t+12, zur Behandlung der Pleiten.

  1. Das Kapital oberhalb der Grundsicherung ki>kmin ist im Spiel einsetzbar und kann darauf gesetzt werden.
  2. Die Zins-Gutschrift eines einzelnen Akteurs ist also Zit = z·kit-kmin
  3. Zi wird zufällig auf die anderen Akteure ji verteilt, so dass für den Zwischenschritt die Iterationsvorschrift kit+12 = kit + Zit - ji pjit · Zjt lautet. Es gibt zwei einstellbare Arten zufälliger Umverteilung, 1. Gleichverteilung: pijt = α und 2. Verteilung unter Gewichtung durch die schon vorhandenen gegenwärtigen Kapitale kjt der Zins-Schuldner j aus Sicht des Zins-Gläubigers i: pijt = α · kjt , wobei α01 eine Zufallszahl zwischen 0 und 1 ist. In letzterem Fall bekommen also diejenigen verstärkt die Zins-Schulden zugewiesen, die bereits höhere Kapitale akkumuliert haben. Die Umverteilungskoeffizienten pijit sind auf 1 normiert: ji pijt = 1, und die Umverteilungskoeffizienten auf sich selbst sind 0: piit = 0.
  4. Nach der Umverteilung der Zinsen wird eine Index-Menge D aller Akteure bestimmt, deren Kapital unterhalb der Grundsicherung liegt: D = i | kit+12 < kmin . Die Einzel-Diskrepanzen zum Minimum di werden di t = kmin - kit+12. zur Gesamt-Diskrepanz dt addiert: d t = iD di t . Auf der anderen Seite wird das dem Minimum überschüssige Kapital addiert s t = - iD di t und aus beiden Beträgen wird die Entschuldungssteuer berechnet τ t = d t s t .
  5. Die Kapitale zum nächsten Zeitpunkt ergeben sich also aus den gegenwärtigen Kapitalen wie folgt: kit+1 = kit+12 wenn D = kmin wenn D kit+12 < kmin kit+12 · 1 - τ t + τ t · kmin sonst.

Diskussion

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