Preisbildung

Die Preisbildung gehört zum Zentrum einer Beschreibung jeder Wirtschaft. Preisbildung geschieht am Markt, an dem sich die Besitzer zweier Güter gegenüber stehen. Soziologisch betrachtet ist der Markt ein Ort, an dem es kurzfristig zu einer Beziehung kommt, die die Grundlage eines Kommunikationsprozesses ist. Die Tauschpartner verständigen sich über das Wertverhältnis von fixen Mengen zweier Güter. Nach einer Übereinkunft in dieser Verständigung über das Wertverhältnis kommt es zu einem Tauschvorgang.

Symbol für einen Gütermarkt. Der Buchstabe M steht für Markt, + bedeutet Angebot und - Nachfrage des Gutes.
Juristisch betrachtet entsteht dadurch ein Vertrag, ein Tauschvertrag. Ist das eine Tauschgut Geld, so benutzt man eine leicht abgewandelte asymmetrische Terminologie. Statt Tauschpartner spricht man von Käufer und Verkäufer oder Nachfragendem und Anbieter. Der Tauschvertrag heisst Kaufvertrag.

Beide Marktteilnehmer verfolgen einen Zweck für den das vom Tauschpartner begehrte Gut ein Mittel darstellt. Sie sind also voneinander abhängig, so dass sie sich auf den Markt und in den Kommunikationsprozesses um das Wertverhältnis begeben. Der Preis, den der Anbieter eines Gutes vorschlägt, setzt sich aus den Kosten für Kapital, Arbeit und Rohstoffe zusammen (Preiszusammensetzung).

Bevor über die Preispräferenzen aus Sicht von Anbieter und Nachfragendem nachgedacht wird, werden kurz negative Preise betrachtet.

Vom Sinn und Unsinn negativer Preise

Der Preis eines Gutes spiegelt seinen Marktwert wieder. Ein negativer Preis macht auf den ersten Blick betrachtet keinen Sinn, denn derjenige, der das Gut annimmt gibt nichts, sondern nimmt sogar noch etwas dafür, dass er es nimmt. Wenn man aber genauer überlegt, ist dies ein ganz normaler Vorgang auf den Märkten.

Beispielsweise geschieht es in den Jahren um 2015 bei bestimmten Wetterlagen regelmäßig, dass der Strompreis durch die Herstellungsbedingungen der erneuerbaren Energien an den Strommärkten negativ wird[1][2].

Auch wenn man betrachtet, dass ein Unternehmer seinen Abfall, der auch ein Gut ist, abgibt und für seine Abnahme durch ein Abfallvernichtungsunternehmen einen Preis zahlt, wird offenbar, dass negative Preis ganz normal sind. Die Begriffe Entsorgung und Beseitigung, spiegeln nur unseren bisherigen Umgang mit Abfall wieder: wir verdrängen ihn aus unserem Bewusstsein. Aus Sicht des Abfallabnehmers ist der Preis für Abfall negativ. Die Festlegung auf eine positives Vorzeichen erfordert ein Umdenken bei der Kategorie des Guts. So verkauft der Abfallabnehmer Abfallbeseitigung zu einem positiven Preis und der Unternehmer bezahlt einen positiven Preis für die Abfallabnahme.

Als drittes Beispiel sei der Kapitalmarkt erwähnt, auf dem im Kapitalismus (also bei positivem Zins) die Arbeit des Unternehmers immer einen negativen Preis erzielt. Der Unternehmer zahlt für seine Arbeit. Diese Arbeit nimmt der Kreditgeber dem Unternehmer in Form des Zinses ab. Haben Sie jetzt einen Knoten im Gehirn? Ja? Macht nichts. Die im Kapitalismus „normale“ Betrachtungsweise ist, dass das verkaufte Gut die zeitweise Überlassung von Kapital ist und der Preis für seine Bereitstellung eben der Zins.

Um ein letztes, vielleicht etwas unterhaltsames Beispiel zu geben, betrachten wir den Kapitalmarkt auch aus der Sicht des Kapitalsverleihers. Eine ausgesprochen kapitalistische Betrachtungsweise ist, dass der Kapitalverleiher sich die Stillung zukünftiger Bedürfnisse durch einen Verzicht der Stillung gegenwärtiger Bedürfnisse, die ja aber nicht existenziell ausschlaggebend sein können, erwirbt, dass also der Preis eines Konsums in der Zukunft ein „Nicht-Konsum“ (oder gar ein Hunger) in der Gegenwart ist. Eine gesunde Betrachtungsweise geht jedoch davon aus, dass ein hungriger Mensch nach dem Essen besser arbeitet als vorher, und dass dieser Preis für den Konsum in der Zukunft in 2015 negativ zu bewerten ist und sich diese Betrachtungsweise allgemein durchsetzen sollte.

Referenzen / Einzelnachweise