Erweiterung des Zinsbegriffs

An dieser Stelle übertrage ich nun den Begriff des Zinses auf andere existierende Begriffe und übertrage damit die Mechanismen die für den Zins gelten auf diese anderen Begriffe. Ich kehre auch wieder zu den ursprünglichen Bezeichnungen Leihnehmer und -geber zurück. Es gilt folgende Unterscheidung:

Das entscheidende Merkmal für die Leihgeber-Klasse ist, dass sie Ihr Kapital (Gut, Sache) für einen längeren Zeitraum nicht selbst benötigt und es deswegen verleihen kann, während die Leihnehmer-Klasse kurzfristig/sofort/unmittelbar das Gut benötigt. Bei positivem Zins bekommt der Leihgeber für den Verleih des Guts einen Zinsbetrag vom Leihnehmer.
Der Zinsbetrag ist ein Gewinn des Leihnehmers durch die Verleihung einer Sache.

Zins auf verliehene Sachgüter die keine Forderungen sind

Alle Güter (Sachen), außer solche, die man als eher als Information (wie Geld) bezeichnet, degradieren. Physikalisch ist dies die Konsequenz aus den Hauptsätzen, nämlich ist bei allen thermodynamischen Prozessen, und eine Sache ist auch ein physikalischer Prozess, man denke dabei zum Beispiel an ein mit der Zeit schimmelndes Haus, die Entropieänderung immer gleich oder größer null. Ökonomisch betrachtet ist die Degradierung (also die positive Entropieänderung) als Wertverlust Vn zu betrachten. Zu diesem natürlichen Wertverlust kommt ein Wertverlust durch Abnutzung VA der geliehenen Sache durch den Leihnehmer hinzu. Von dem Leihnehmer ist also mindestens eine Abnutzungskompensation zu zahlen. Nach Ablauf der Leihdauer ist die Sache in dem Zustand in dem sie wäre, wenn auch der Leihgeber sich zwar besessen aber nicht genutzt hätte. Der Wert der Sache ist um den der Leihzeit entsprechenden Umfang reduziert. Wird auch dieser Verlust im Vertrag berücksichtigt, so ist die Sache nach der Leihzeit immer noch genau in dem Zustand in dem sie vor der Ausleihung war.

Für beide Wertdegradierungen kann man eine Verlustrate mit der Einheit pro Monat oder monatlich einführen, wobei mit TL die Leihzeit/Leihdauer in Monaten bezeichnet ist. Eine strikt konservative (also Wert erhaltende) Leihung muss die durch den Leihnehmer verursachte Abnutzung und den natürlichen Wertverlust im Vertrag berücksichtigen. Die Miete ist dann also mindestens so hoch wie die Summe beider Wertverlustratenraten:
Die Null-Zins-Miete rn+rA ist gleich der Summe aus natürlicher und nutzungsbedingter Abnutzungsrate.
Rate Definition Wertverlustursache
rn VnTL natürlich/physikalisch
rA VATL nutzungsbedingt
Die Null-Zins-Miete kompensiert also gerade den natürlichen und nutzungsbedingten Wertverlust. Der Anteil der Miete, der über der Null-Zins-Miete liegt ist als Zinsbetrag zu betrachten.

Zins auf Geld

Ein Geldschein symbolisiert eine Forderung an die Bank in Höhe des auf dem Schein ausgewiesenen Betrags. Durch Verleihen von Geld kann sich diese Forderung vergrößern. Im Gegensatz zum natürlichen und nutzungsbedingten Wertverlust von Sachgütern weist Geld nur dann eine Verlustrate auf, wenn es zu einem Zinssatz verliehen wird, der niedriger ist, als die Inflationsrate. Man spricht dann auch von negativen Realzinsen. Bedingung für negative Realzinsen ist also, dass der im Kreditvertrag vereinbarte Nominalzins niedriger ist, als die Inflationsrate. Liegt der Nominalzins über der Inflationsrate so ist die Differenz zwischen dem vertraglich vereinbartem Nominalzins und der Inflationsrate der reale Zins.