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Chronik-Einträge am 15.07.2022

15. Juli 2022, 17:38:33
Das Titelbild des Skripts habe ich am 10.11.2017 erstellt, als ich die Entwicklung der Renditen der Staatsanleihen[+] ökonomisch gewichtiger Staaten extrapolierte. Als Ergebnis erhielt ich, dass die Renditenkurven der USA etwa 2022/2023 durch Null gehen würden. Ich vermutete damals, dass es also in dieser Zeit zu irgendeinem besonderen Ereignis kommen würde, das rechtfertigen könnte, dass die Zinsen[+] weiter ins Negative absinken.
2017 extrapolierte ich die Staatsanleihenrenditen[+] der USA, Deutschlands, Japans und der Schweiz und erhielt als Zeitpunkt der terminalen Krise der kapitalistischen Prozesse in diesen Ländern die Jahre 2022/2023.
Zunächst stelle ich fest, dass wir uns in Bezug auf den Kapitalismus[+] in einer speziellen Phase, der terminalen Krise des Prozesses befinden und sehe den Krieg als Ausdruck dieser Phase.
Zur Erklärung der Dynamik zeige ich den Zinsfluss[+] im Währungsraum:
Das Schichtmodell erläutere ich am 23.04.2021 in Aktuelles.
Da es sich in der Weltwirtschaft um ein aus Währungsräumen zusammengesetztes und von Wechselkursen und Austauschverhältnissen (jeweils bilateraler Import und Export) abhängiges System handelt, benötige ich zur Beschreibung der Dynamik ein anderes, einfacheres Modell[+], das man durch ein Skaleninvarianz-Argument gewinnen kann. Ich erläutere dazu die Gravitationsanalogie[+], mit der man die Vermögensdynamik im Kapitalismus[+] auf allen Größenskalen sozialer Systeme hinreichend gut beschreiben kann:
Die Gravitationsanalogie[+] erwähne ich auch am 05.01.2021 in Aktuelles.
Es folgen die Folien, die sich mit der russischen Zentralstruktur und den Ursachen[+] des Krieges befassen, die ich in geoökonomischen Zerrkräften sehe.




Ich denke, dass gerade Deutschland diese Zerrkräfte aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts sehr gut kennt und nur deswegen nicht mehr erleben muss, weil es geschützt in die Europäische Union eingebettet ist. Aus diesem Schutz, den uns Europa gewährt, erwächst[+] uns als wohlmöglichst größten Nutznießern unsere spezielle Verantwortung für Europa.
15. Juli 2022, 14:47:25
Zum Genozid[+] in der Ukraine

Wir kennen die Warnungen osteuropäischer Politiker, dass Putin mit der Ukraine nicht das letzte Land überfallen hat, sondern Blut geleckt hat und weiter machen wird. Seine Kettenhunde drohen der Welt mit atomarer Vernichtung, was für sich genommen schon ein Verstoß gegen das Völkerrecht ist und den Tatbestand der Nötigung und Erpressung erfüllt. Putin wird neben den Kriegstoten für Hunderttausende Hungertote weltweit verantwortlich sein.

Wann werden wir diesen Krieg beenden?

Ich teile hier eine Aufnahme von Archivradio vom 15.06.1983. Heiner Geißler, damals Familienminister, spricht im Bundestag über die ethischen Grenzen des Pazifismus. Nahe am Kern seiner Argumentation steht die Aussage, dass der Pazifismus der 1930er Jahre Auschwitz erst möglich gemacht habe.

Welche Glaubwürdigkeit und Durchsetzungskraft hat die Begegnung eines Aggressors, die von vornherein sagt: „Wir werden uns nicht persönlich einmischen!“? Wollen wir denn, dass die Ukraine bis zum letzten Soldaten kämpft?

Ich zitiere in diesem Zusammenhang Folgendes (Zitat Heiner Geißler):
„Wenn Sie von der Bergpredigt sprechen, sehr verehrte Damen und Herren, dann müssen Sie das gesamte Christentum nehmen. Niemand ist gezwungen [an] das Christentum zu glauben und das Evangelium ernst zu nehmen. Aber wenn jemand die Bergpredigt ernst nimmt, dann muss er die andere christliche Wahrheit ernst und zur Kenntnis nehmen – das hat etwas mit dem Pazifismus zu tun –, dass es nämlich das real existierende Böse gibt, und zwar nicht nur im einzelnen Menschen und zwischen den einzlenen Menschen, sondern weil es sich um Menschen handelt auch zwischen den Völkern und Staaten und dass es deswegen ein Ausdruck und eine Verpflichtung der Nächstenliebe sein kann und sein muss, unrechte Gewalt von anderen Menschen abzuhalten!

Im Hirtenwort der Bischöfe heißt es: So ist auch das Wort 'Leiste dem, der Euch Böses tut keinen Widerstand' kein neues radikales Gesetz, aus dem für das Handeln des Einzelnen oder des Staates unter allen Umständen ein Verzicht auf Anwendung von Gewalt abzuleiten wäre. Wo ein solcher Verzicht auf Kosten des Wohles Anderer, zumal Dritter geht, kann er sogar gegen die Absicht Jeus sein. In seinem Namen haben Christen um der Nächstenliebe Willen zugunsten von Armen, Schutzbedürftigen und Entrechteten deren Unterdrückern wirksam entgegen zu treten. Und, meine sehr verehrten Damen und Herren, davon bin ich überzeugt. Es gehört zu unserer Verpflichtung, aufgrund der Forderung der Nächstenliebe unrechte Gewalt von denen abzuwenden, für die wir verantwortlich sind, im Inneren wie nach außen.“
Die kontroverse Aussage zum Zusammenhang zwischen dem Völkermord in Auschwitz und anderen deutschen Konzentrationslagern und der pazifistischen Zurückhaltung gegenüber Hitler fällt ab 19:49. Ab 52:26 nennt Geißler gewichtige Gründe, warum absolute Gewaltlosigkeit unchristlich ist.
Hinweisen möchte ich auch auf die Aussagen Heiner Geißlers zum Widerstandsrecht nach Grundgesetz Artikel 20 Absatz 4 ab Zeitindex 59:29.
„Und die Bundesregierung ist in dieser Frage einer Meinung mit dem Gewerkschaftsbund: Widerstand gilt es zu leisten gegen diejenigen, die ihre Minderheitsmeinung durch eine Beugung der Verfassung der Mehrheit mit Gewalt aufzwingen wollen. Dagegen ist Widerstand zu leisten.“
Ich berufe mich auf diese Aussagen, weil ich im gegenwärtig vielfältig beobachtbaren, vernunfts- und verstandeswidrigen Agieren ökonomisch rechtsstehender Politiker und Volkswirte in Bezug auf die geldpolitische[+] Bekämpfung der durch den Krieg und die Spätfolgen der Pandemie verursachten Inflationskrise[+], die ihre mediale Reichweite und Einflussmacht auf Öffentlichkeit und Zentralbank[+] ausnutzen, um sich noch an der Krise durch steigende Zinsen[+] zu bereichern und der großen Bevölkerungsmehrheit dadurch zu schaden, eine erhebliche Bedrohung unserer sozialstaatlichen Ordnung[+] sehe.

Ich muss diesen Akteuren unterstellen, dass sie entweder nichts aus der Geschichte gelernt haben oder vorsätzlich eine noch größere Krise provozieren möchten, in der wir dann dem Totalitarismus gefährlich nahe rücken, vgl. Eintrag vom 21.02.2022. Ich sehe Vorboten dieser Entwicklung am Wahlausgang in Frankreich und in der aktuellen Regierungskrise in Italien.

Wer fordert denn steigende Zinsen[+]? Wer will denn jetzt auch noch eine Währungskrise bewirken? Wer wettet auf den Zusammenbruch? Wer sichert sich jetzt schon dagegen ab?
Zuletzt hat Joachim Gauck bei Lanz auf die Verantwortungslosigkeit des Pazifismus hingewiesen. Pazifisten übernehmen keine Verantwortung und schreiten gegen den Aggressor ein, sondern lassen zu, dass sich der Stärkere durchsetzt, ob sein Handeln moralisch vertretbar ist oder nicht.

Doch bei den meisten Deutschen geht es leider nicht um Pazifismus, sondern es geht um Bequemlichkeit und Verdrängung. Putin setzt mit Sicherheit auch darauf, dass wir aufgrund der Unannehmlichkeiten, die die Sanktionen mit sich bringen, unterstützungsmüde werden und die Ukraine hängen lassen. Wir müssen uns klar machen: Die Belohnung für das Gassparen ist die Dankbarkeit der Ukraine! Es geht um 40 Millionen Menschen!

Außerdem lassen sich immer noch zu viele Deutsche von den absurden Drohungen mit einer nuklear-militärischen Eskalation einschüchtern. Putin und seine Verbrecherbande spielen sehr erfolgreich mit unseren Ängsten[+]. Wir lassen uns leider immer noch zu stark darüber täuschen, dass der Einsatz von Atomwaffen auch für die Russen den Tod bedeutet, und den wollen auch die Russen nicht.
Putin besudelt das Ansehen seines Volkes für mehrere Generationen mit ukrainischem Blut und dem Blut der jungen Russen, die er in den Fleischwolf schickt. Er stürzt sein Land in eine wirtschaftliche Rückentwicklung, zerstört die Grundlage der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Westen und macht es abhängig von China.

Es ist ganz klar: Der größte Staatsfeind Russlands sitzt ganz oben in der Regierung.

Die größte Fehleinschätzung über Putin ist wohl, dass es sich bei ihm um einen Mann von Ehre handelt, einen russischen Patrioten. Putin ist aber kein Ehrenmann, sondern ein paranoider[+], narzisstischer Giftzwerg, der größte Furcht vor der Ohnmacht hat. Er besitzt keine Ehre. Mit Banditen, wie Chodorkowski Putin nennt, muss man ganz anders umgehen. Man muss ihnen knallhart die Grenzen aufzeigen.

Wenn die Grenze zur NATO in die Ukraine verlegt und mit der Frontlinie zur Deckung gebracht wird, dann wird sich zeigen, was der Völkermörder Putin und seine Verbrecherbande für Mensch sind. Sie werden sich davor hüten ihr Land zu opfern, denn wenn sie es auch nur wagen, dann werden die Russen die Regierung tot schlagen!
15. Juli 2022, 13:13:49

Querverweise auf 'Chronik-Einträge am 15.07.2022'

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