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30. Juni 2022

Video: Warum höhere Verwahrentgelte die Inflation dämpfen werden

Es geht in dem Video, das ich hier vorstelle, um die Inflation[+], wie auch am 11.06.2022, 17.05.2022, 12.01.2022, 26.09.2021, 11.05.2021 und 02.12.2020.

Die Folien zum Kurzvortrag finden sich hier.

In meiner Argumentation kann ich auch auf die unabhängigen Ergebnisse von Helmut Creutz[+] verweisen, der – auf frühere Arbeiten[+] aufbauend – sich darum bemüht hat, den Zinsanteil[+] in den Preisen genauer zu quantifizieren. Eine Textfassung seiner Erkenntnisse findet sich hier.

Helmut Creutz.

Diskussion

Als Reaktionen auf das Video erhalte ich auf meinem Kanal u.a. Kommentare. Einen besonders ausführlichen und aussichtsreichen vom Inhaber des Kanals Vohanji möchte ich im Folgenden kurz diskutieren.

[Zitat Vohanji:]

Der Vortrag enthält gute Ansätze, aber dann verzettelt man sich.

1. Für den Begriff "orthodoxe[+]" Volkswirtschaftslehre[+] gibt es zwar im Web Fundstellen, die vermutlich auf nur eine Urstelle[+] zurück gehen, weit typischer ist aber der Begriff neoklassische Volkswirtschaftslehre[+], die übrigens komplett widerlegt ist.

Insofern wäre es wichtig, wenn man deren Vorstellungen aufgreift, zu erklären, was daran nicht stimmt. Sonst wird das problematisch.

2. Wie richtig gesagt, kann eine Zentralbank[+] gegen Angebotsschocks nichts tun. Wenn man das dennoch macht dann bringt das nur Nachteile. Damit ist die Zinserhöhung[+] der EZB[+] auch falsch. In den USA haben wir eine andere Situation. Zum Glück bewirkt die Zinserhöhung[+] bei uns rein gar nichts, da die Banken[+] sich kein Geld von der EZB[+] leihen müssen, weil sie wegen deren Anleihekäufe in Zentralbankgeld[+] schwimmen. Dennoch werden die Zinsen[+] steigen, da die Banken[+] nach einer einfachen Formel vorgehen: Nominalzins = Realzins plus erwartete Inflation[+] (Fisher-Gleichung[+]).

3. Eine Bargeldabschaffung ist nicht möglich, da dann sofort ein alternatives Zahlungsmittel gefunden wird. Das kann nicht verhindert werden, nicht mal in diktatorischen Staaten mit drakonischen Strafen, wie das Beispiel Sowjetunion beweist.

4. Ein Vollgeldreform, also den Banken[+] das Privileg des Geldschöpfens zu nehmen bringt gar nichts. Wenn sie dann das benötigte Geld nicht zins- und bedingungslos von der Zentralbank[+] erhalten, wird die Kreditversorgung der Wirtschaft gestört.

5. Eine Anhebung des Mindestreservesatzes[+] auf 100 % bringt nichts, da die Banken[+] unter Einreichung des Kreditvertrags als Sicherheit von der Zentralbank[+] das benötigte Geld bekommen.

6. Lagarde[+] hatte vorgeschlagen, statt der Anleihekäufe den Leitzins[+] auf minus 1,7 % abzusenken. Das würde bedeuten, dass einige Kredite von den Banken[+] mit einem Negativzins herausgelegt würden. Dann kann man zu seiner Bank[+] gehen und einen Kredit über eine Milliarde Euro beantragen. Bevor der Kreditsachbearbeiter den Vogel zeigt, kann man ein unschlagbares Argument bringen: Der Kreditbetrag verbleibt bis zur vollständigen Rückzahlung auf einem Sicherungskonto bei der Bank[+], wovon auch die Tilgungsraten abgebucht werden. ;-)

FAZIT: Ich empfehle das Video nochmal neu zu machen.

Beantwortung von Kritik

Als erste Reaktion bedanke ich mich für den Kommentar und bitte darum, ihn ausführlich hier beantworten zu dürfen.

1. Der Begriff 'orthodoxe Volkswirtschaftslehre'

Das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache (DWDS) nennt u.a. drei Bedeutungen für das Wort 'Orthodoxie[+]':

1. [im Bereich Religion]: Rechtgläubigkeit[+], Strenggläubigkeit
2. [im Bereich evangelische Theologie] Richtung, die das Erbe der reinen Lehre (z. B. Luthers[+] oder Calvins[+]) zu wahren sucht besonders in der Zeit[+] nach der Reformation
3. [bildungssprachlich, abwertend] (engstirniges) Festhalten an Lehrmeinungen, Starrsinn, Engstirnigkeit und Unnachgiebigkeit

Das Adjektiv 'orthodox[+]' hat die folgende Etymologie:

orthodox[+] Adj. ‘recht-, strenggläubig, der herkömmlichen Lehre folgend’, übertragen ‘starr, unnachgiebig’, im 16. Jh. entlehnt aus spätlat. orthodoxus[+] ‘rechtgläubig’, griech. orthódoxos (ὀρθόδοξος) ‘recht meinend, die rechte, richtige Meinung habend, rechtgläubig’, einer Bildung aus griech. dóxa (δόξα) ‘Ansicht, Meinung’ (zu griech. doké͞in, δοκεῖν ‘glauben, meinen’) mit ortho- (s. d.). Bes. in der Fügung griechisch- bzw. russisch-orthodoxe[+] Kirche, da die Ostkirche (im Gegensatz zur römisch-katholischen) bis heute im wesentlichen an den Beschlüssen der ersten sieben ökumenischen Konzilien (4. bis 8. Jh.) festhält.

Der Hauptstrom der Volkswirtschaftslehre[+] basiert u.a. auf dem Dogma der Positivität der nominalen Zinsen[+], z.B. bei O. Holtemöller in 'Geldtheorie und Geldpolitik[+]', angesprochen am 09.10.2018. Diese Säule der VWL ist auch unter dem Begriff Zero-Lower-Bound geläufig, der damit die Untergrenze der nominalen Zinsen[+] bei 0 % addressiert[1]. Die Teile des Hauptstroms, die auf der Positivität der nominalen Zinsen[+] basieren, bezeichne ich als 'orthodox[+]'.

Aufgrund des tiefen Zusammenhangs zwischen Religion und Ökonomie[+], z.B. Max Webers[+] 'Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus[+]', ist die Übertragung des Begriffs 'Orthodoxie[+]' aus dem religiösen Kontext auf den ökonomischen mehr als gerechtfertigt. Es kann z.B. gezeigt werden, dass sich eine (globale) Positivzins-Ökonomie[+] bei beschränkten Wachstumsmöglichkeiten[+] von oben her der Nullzins-Grenze annähert. Am prominentesten in diesem Zusammenhang ist vermutlich des Wirtschaftswissenschaftler bzw. Ökonomen Marxens[+] Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate. Man findet aber eben schon weitaus ältere Texte im religiösen Kontext, die das Phänomen sinkender Zinsen[+] benennen, z.B. Sure 2, Vers 276:

Dahinschwinden lassen wird Gott den Zins[+] und vermehren die Almosen. Gott liebt niemanden, der ein beharrlicher Ungläubiger und Sünder ist.

Die dann innerhalb der orthodoxen[+] Theorie entstehende volkswirtschaftliche Situation eines Überangebots an Liquidität (Begriff der Sparschwemme) bei gleichzeitiger Unmöglichkeit die Zinsen[+] anzuheben, um dieses Geld in Investitionen zu lenken, wird als Liquiditätsfalle[+] bezeichnet[2].

Belohntes und bestraftes Verhalten im Umgang mit Geld als Funktion der Zinsen[+]. Die orthodoxe[+] Volkswirtschaftslehre[+] beschäftigt sich aufgrund des Dogmas der Positivität der nominalen Zinsen[+] ausschließlich mit der rechten Hälfte der obigen Grafik.

Richtig ist, dass ich den Begriff 'orthodoxe[+] Volkswirtschaftlehre' verwende, um damit ihre Einseitigkeit hinsichtlich des Vorzeichens der nominalen Zinsen[+] zu benennen (Grafik). Die Übertragung der religiösen Verwendung auf die Ökonomie[+] ist nicht allein aufgrund des fundamentalen Zusammenhangs zwischen Religion und Ökonomie[+] gerechtfertigt, sondern auch mathematisch sowie praktisch-ideologisch, denn man beobachtet heute in der Liquiditätsfalle[+] genau jene katastrophale Engstrinigkeit, jenen Starrsinn und Unnachgiebigkeit im Umgang mit der z.B. von Mario Draghi[+], Kenneth Rogoff[+] und vielen anderen Ökonomen angeregten Realisierung der Negativzinsen, den man auch von religiöser Orthodoxie[+] kennt. In Bezug auf die Zinsen[+] sind die Fronten zwischen den ökonomischen Lagern und Schulen heute ähnlich verhärtet wie jene zwischen den Kontrahenten der großen Religionskriege.

Ich sehe ehrlich gesagt nicht, dass die neoklassiche VWL komplett widerlegt sein soll. Angesichts der historischen Beispiele für Umlaufsicherungen[+] u.a. im österreichischen Wörgl 1931-1933, das berühmte 'Wunder von Wörgl' und der Brakteatenzeit im Raum Magdeburg im 12. Jahrhundert, ist allerdings das Dogma der Positivität der nominalen Zinsen[+] nicht gerechtfertigt, sondern erscheint ideologischer Natur zu sein. Es ist nichts anderes als die ideologische Grundlage des Kapitalismus[+].

2. Unterschiede zwischen dem Dollar- und dem Euro-Raum sowie Wirkung steigender EZB Zinsen

Der wohl größte Unterschied zwischen den USA, die eine Union nordamerikanischer Staaten sind, und der europäischen Union ist vermutlich die Heterogenität in den Bereichen Kultur und Rechtsordnung[+], die sich auch in Unterschieden in der Besteuerung und in Subventionen bestimmter Wirtschaftszweige ausdrückt. Was den Deutschen z.B. der Autobau, ist den Griechen der Schiffsbau. Durch fiskalische Unterschiede kommt es zu einer Begünstigung oder Benachteiligung von Investitionen in bestimmten Wirtschaftsbereichen, die ausgeglichen werden müssen. Genau diese Unterschiede werden in den Blick genommen, wenn es um das Thema 'Konvergenz' geht. Dabei geht es nicht allein um Preisniveaustabilität, Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen, Wechselkursstabilität zu den EU-Ländern mit eigener Währung, z.B. Ungarn, Tschechien, Polen, usw., und Parität der Staatsanleihenrenditen[+], bzw. die Verhinderung von Fragmentierung, wie es auf den EZB[+]-Rats-Pressekonferenzen heißt.

Unterschiedlich ist auch die finanzielle Vernetztheit mit der Welt. Das europäische ist zwar bei Weitem das ältere der beiden Finanzsysteme, das tiefer und anders mit der Welt vernetzt sein dürfte, doch die Amerikaner haben ab ihrem grundlegenden Federal Reserve Act erreicht, dass heute US-amerikanische Investoren und Anleger leichteren Zugang zu den Finanzsystemen der Welt haben mit dem Ergebnis, dass viele Rohstoffe heute in Dollar gehandelt werden, der Dollar immer noch Welt-Leitwährung ist und die USA insgesamt über ein höheres Pro-Kopf NETTO-Gesamtvermögen verfügt als Europa[3].

Wichtig ist auch, dass eine Ungleichbehandlung einzelner Teilstaaten der Union in Europa nationale Ungleichbehandlung bedeuten, während es sich in den USA um Unterschiede innerhalb der Nation handelt. Auch die politische Auseinandersetzung um die Unterschiede dürfte in der EU aufgrund des Zusammenschlusses von Nationen zu einer Union sehr viel schärfer geführt und herausfordernder sein als in den USA. So wie jedenfalls in Deutschland mit Hilfe des Instruments des Länderfinanzausgleichs Unterschiede harmonisiert bzw. ihre Folgen ausgeglichen werden, geschieht es abgeleitet aus Artikel 174 des Vertrags über die Arbeitsweise[+] der Europäischen Union[4].

Insgesamt muss ich an dieser Stelle einräumen, dass mir die genauen Unterschiede nicht bekannt sind. Die hier aufgeführten Eigenschaften halte ich jedoch allesamt für relevant. Und da ist zu sagen, dass die Inflation[+] in den USA ähnlich hoch ist wie in Europa.

Gemeinsam haben der Dollar- und der Euro-Raum auch, dass ihre Vermögens- und Eigentumsverteilungen[+] hinsichtlich konventioneller ("orthodoxer[+]") Geldpolitik[+] an einer kritischen Schwelle angekommen sind. Das Eigentum[+] ist vor allem beim Geld so ungleich und zugespitzt verteilt, dass nur noch eine kleine superreiche Minderheit von positiven Zinsen[+] profitiert, Eintrag am 23.04.2021, und alle Übrigen benachteiligt sind und teilweise sogar geschädigt werden, wenn man an die sozialen Folgen ökonomischer Ungleichheit denkt.

Unterschiedlich ist die Lage der zins-neutralen Schicht, die in Europa unterhalb des 10. Dezils liegen dürfte, während sie sich in den USA nahe des 99. Zentils befindet. Es profitieren in den USA also nur noch 1 % der Bevölkerung vom Kapitalismus[+], während es in Europa noch etwa 10 Mal so viele sind. Umgekehrt ausgedrückt schadet der Kapitalismus[+] in Europa 90 % der Menschen, in den USA 99 %. Vor diesem Hintergrund ist es hinsichtlich der sozialen Verantwortung von Geldpolitik[+] unverständlich, warum in den USA die Zinsen[+] sogar noch stärker steigen sollen. Insgesamt halte ich jedoch angesichts der Weltlage und der Staatsverschuldung in Entwicklungsländern mit Gläubigern in den USA und Europa ein Anheben der Zinsen[+] für ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Die Schichten A, M und K in der Einkommens- und Vermögenspyramide. Links von der vertikalen Koordinatenachse ist eine Einteilung in NETTO Zinsnehmer[+] und NETTO Zinsgeber[+] gezeigt. Oberhalb der zinsneutralen Schicht, die sich im Drei-Schicht- oder AMK-Modell[+] in der Mittelschicht[+] M befindet, nehmen die Menschen insgesamt mehr Zinsen[+] als sie geben. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Menge des Eigentums[+]. Unterhalb der zinsneutralen Schicht sind die Menschen NETTO Zinsgeber[+]. Die NETTO Zinsnehmer[+] und NETTO Zinsgeber[+] entsprechen der Bourgeoisie[+] (vgl. Patrizier[+]) und dem Proletariat[+] (vgl. Plebejer[+]) der marxistischen Terminologie. Rechts[+] von der Pyramide ist die Aufteilung der Einkommen in Einkommen aus Arbeit[+] (rot) und Einkommen aus Eigentum[+] bzw. Kapitaleinkommen gezeigt. Die Spitzen der beiden Keile definieren die Trennlinien A/M und M/K zwischen den Schichten A, M und K. Menschen oberhalb von M/K leben gar nicht von Arbeitseinkommen[+], Menschen unterhalb von A/M leben gar nicht von Kapitaleinkommen. Die Mittelschicht[+] hat gemischte Einkommen.

Anmerkung: Die Lage der zinsneutralen Schicht lässt in etwa sich durch den Vergleich zeitlich auseinander liegender Vermögensverteilungen erkennen, zwischen denen der effektive Zins[+] positiv war. Dabei wird unterstellt, dass die Veränderungen allein oder überwiegend auf die Zinsen[+] zurückzuführen sind. Die Methode lässt sich jedoch nicht anwenden, wenn sich der Zins[+] zwischen den Zeiträumen[+] nicht verändert hat und es unkonventionelle geldpolitische[+] Maßnahmen gab, so wie nach der Krise 2007/08. Exakt bestimmen lässt sich die Lage der zinsneutralen Schicht durch die Berechnung des NETTO-Zinsflusses[+] innerhalb des Währungsraums. Die zinsneutrale Schicht trennt nominal NETTO durch positive Zinsen[+] Begünstigte von Benachteiligten.

Die Behauptung, dass der EZB[+]-Zinsanstieg[+] "rein gar nichts" bewirken würde, ist absurd. Infolge des Anleihenkaufprogramms[+] der EZB[+] hat sich die Bilanzsumme der EZB[+] seit Anfang 2015 bis Juli 2022 von 2 auf fast 9 Billionen € verlängert[5]. Nicht alle auf Anweisung der Zentralbank[+] von den nationalen Notenbanken gekauften Anleihen[+] waren jedoch Staatsanleihen[+], so dass nicht nur Staaten dieses Geld erhalten und ausgegeben haben. Der übrige Teil dieses Geldes ist nämlich in das Europäischen Bankensystem[+] gelangt und hat in Kombination mit der negativen Einlagefazilität[+] als überschüssige Liquidität das Zinsniveau[+] gedrückt.

Sei konkret der Anteil der akkumulierten[+] Staatsneuverschuldung, also das Volumen der gekauften Staatsanleihen[+], seit 2015 an allen Wertpapierkäufen der €-Zone $x$, dann bedeutet ein Zinsanstieg[+] auf +0,25 % eine Erzeugung von Zinsschulden[+] von etwa $17,5 \cdot (1-x)$ Milliarden € bei $7\cdot (1-x)$ Billionen überschüssiger Liquidität im Bankensystem[+], die von Schuldnern der €-Zone getragen und eingespart werden müssen.

Finanzminister Lindner geht davon aus, dass es bei einem Zinsanstieg[+] auf +2 % innerhalb von zwei Jahren zu einer Belastung des Bundeshaushaltes durch Zinsschulden[+] von etwa 30 Milliarden kommen wird, wie er am 17.02.2022 bei Maybrit Illner sagte, Eintrag vom 21.02.2022. Wie dieses Geld im Haushalt angesichts des enormen Finanzierungsbedarfs (u.a. Zeitenwende[+], Energiewende, sozialer Wohnungsbau, ...!) und der Weigerung seitens der FDP, die Steuern anzuheben, eingespart werden soll, kann niemand sagen, denn es ist grundgesetzlich unmöglich, solange die BRD ein Sozialstaat ist.

Wir sind uns also einig darin, dass ein Anheben der Zinsen[+] fatale Folgen haben wird.

Doch das schlage ich ja gar nicht vor. Ich schlage vor, dass wir etwas Unorthodoxes[+] tun! Ich schlage vor, eine Umlaufsicherung[+] einzuführen, den Mindestreservesatz[+] auf 100 % anzuheben und das Zinsniveau[+] weiter abzusenken. Voraussetzung dafür ist die Einrichtung einer Umlaufsicherung[+].

3. Bargeldabschaffung sei unmöglich

Richtig ist, dass man es beim Absenken der Zinsen[+] mit jener Flucht- und Ausweichbewegung zu tun hat, die die Vermögenspreisblase seit 2015 (Immobilienpreise) und den Krypto- und Edelmetall-Hype erzeugt hat und die Krugmann et al in [2] beschrieben haben. Es geht auch nicht ohne Zinsabsprachen[+] zwischen den Zentralbanken[+] der von der Liquiditätsfalle[+] betroffenen Währungsräumen, denn das Geld geht immer dort hin, wo die Zinsen[+] am höchsten sind, mit den bekannten Effekten auf den Währungswechselkurs, ein primitiver Kausalzusammenhang, der übrigens auch im negativen Territorium seine Gültigkeit behält. Wir sehen die resultierenden Wechselkurseffekte seit Anfang des Jahres gerade am Kurs des Euro, der nicht nur wegen des Krieges und der Energieabhängigkeit von Russland, sondern auch wegen der Zinsdifferenz[+] zwischen FED und EZB[+] Geldpolitik[+] gegenüber dem Dollar abgewertet hat.

Ein Verbot von Kryptowährungen scheint juristisch bei intakter Privatautonomie[+], der Grundlage der Marktwirtschaft[+], unmöglich, ist jedoch wahrscheinlich gar nicht nötig. Die Kryptowährungen könnten geldpolitisch[+] in dem Umfang eingehegt werden, in dem sie in Finanztransaktionen erscheinen, vgl. Eintrag vom 05.02.2018. Allein fiskalisch macht das Sinn, solange Umsatzsteuern erhoben werden. Es liegt im Interesse der Staaten, Einsichten in Finanztransaktionen in Kryptowährungen haben zu können.

Der Königsweg ist jedoch sicher die Einsicht der Bürger, dass Kryptowährungen schmutzig sind, weil darin die Abgründe der Menschheit gehandelt werden. Es braucht keine Kryptowährungen, wenn man nichts zu verstecken hat.

4. Unterschied zwischen Vollgeldsystem und Vollreservesystem

In einem Vollgeldsystem schöpft ausschließlich der Staat (die Zentralbank[+]) das Geld. In einem Vollreservesystem wird ausschließlich Geld von Nichtbanken verliehen und es gibt keine Geldschöpfung aus dem Nichts[+] mehr. In einem Vollgeldsystem wäre es immer noch möglich, dass die Zentralbank[+] Geld aus dem Nichts erschafft. Dieser Unterschied ist meinem Kritiker anscheinend nicht bewusst, weswegen seine Kritik ins Leere läuft, vgl. Eintrag vom 26.07.2017.

5. Der Einfluss des Mindestreservesatzes auf die Inflation bei einer Negativzins-Geldpolitik

Wird bei der Vergabe von Krediten das Kreditvolumen ausschließlich aus Einlagen von Nichtbanken geschöpft, liegt der Mindestreservesatz[+] also bei 100 %, wie es sich die meisten Menschen vorstellen, wenn also die Geschäftsbanken[+] ausschließlich Geld von Nichtbanken verleihen, dann verschwindet der Zins[+] aus den Guthaben der Gläubiger und wird den Guthaben der Schulder hinzuaddiert. Bestehende Geldvermögen von Nichtbanken werden daher über die Kreditvergabe an Schuldner umverteilt, können aber auch auf der Schuldnerseite nirgendwo aufgehäuft werden, ohne dass ein höherer Negativzins für die Verwahrung fällig wird. Das Geld wird also in die Zirkulation gezwungen und verschwindet letztlich in und zusammen mit den Schulden. Die Bilanzsumme verkürzt sich, was für sich allein einen sukzessiven Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage bewirken dürfte. Wenn dann das Angebot von Waren, Gütern und Dienstleistungen nicht zurückgeht – genau das ist wahrscheinlich, weil durch negative Kreditzinsen wirtschaftliche Betätigung angeregt wird – dann müssen die Preise sinken (negativzins-induzierte Deflation), denn die Negativzins-Ökonomie[+] erzwingt vollständige Konkurrenz[+] genau so, wie es Schumpeter[+] in 'Theorie der wirtschaflichen Enwicklung' beschrieben hat, vgl. Einträge vom 21.03.2019, 20.03.2019, 16.02.2018, 07.01.2018, 23.08.2019 und 13.08.2019.

Anders verhält es sich jedoch, wenn bei der Vergabe von Krediten mit negativem Zins[+] ein Teil des Geldes aus dem Nichts geschöpft wird, wenn also der Mindestreservesatz[+] geringer ist als 100 %. Dann wird aus dem Nichts geschöpftes Geld an Schuldner verschenkt. Damit wird der Geldwert bei jeder Kreditvergabe sukzessive verwässert. Die Bilanzsumme vergrößert sich weiter. Die logische Folge ist Inflation[+].

Vgl. Einträge vom 02.12.2020 und 23.10.2018.

6. Budgetrestriktion bei negativem Zins

Unendlich Schulden machen kann man auch bei negativem Zins[+] nicht. Wenn mehr Geld geborgt als ausgegeben wird, dann bleibt etwas übrig. Dieses Geld muss irgendwo aufbewahrt werden. Es gammelt jedoch unter einer Negativzins-Ökonomie[+] mit einer größeren Rate (mit höherem Verwahrentgelt[+]) als der Kreditnegativzins, denn auch unter einer Negativzins-Geldpolitik[+] liegt der Guthabenzins unter dem Schuldzins. Es wird also relativ schnell zu einer Sättigung kommen.

Um dem hemmungslosen, selbstschädigenden Konsum Grenzen zu setzen, bietet sich das fiskalische Instrument der Lenkungsabgabe[+] an.

Fazit

Ich empfehle die Kritik noch einmal völlig neu zu formulieren.

Und, wobei ich mich nicht an Vohanji richte, sondern an orthodoxe[+] Ökonomen:

Das Psychodrama muss sofort enden!

Referenzen / Einzelnachweise

Querverweise auf 'Video: Warum höhere Verwahrentgelte die Inflation dämpfen werden'

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