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Die kapitalistische Evolution

Eine Zeit[+] lang hatte ich in irgendeinem Unterorder die Rohversion eines Artikels mit dem Titel „Das Zins[+]-Gedächtnis der Preise“ liegen, in dem ich eine Vorstellung ausarbeiten wollte, nach der die Unsichtbare Hand in den Preisen der handelbaren Güter eine Art „Abdruck” hinterlässt, der wie ein Gedächtnis der Auswirkungen des Zinses[+] angesehen werden kann. Z.B. ist das Vorzeichen der Inflation[+] der Preise der Produkte von Arbeit[+] im Kapitalismus[+] im Mittel[+] positiv, die Preise behalten also die Erinnerung ihrer Veränderung bei. Einmal geschehene Preiserhöhungen werden nicht einfach zurückgenommen, sondern bleiben bestehen. Auch ist es immer noch das Ziel (gegenwärtige) von Geldpolitik[+], die Inflationsrate[+] nahe bei, doch unter 2% zu halten, also permanent diesen Gedächtnisinhalt zu reproduzieren.

Es gibt auf diese Tendenz der Preisentwicklung unterschiedliche Reaktionen der davon betroffenen Wirtschaftssubjekte. Lohnabhängige beispielsweise treten wegen der nominal steigenden Lebenshaltungskosten und dem daraus resultierenden Verlust der Kaufkraft ihrer Arbeitseinkommen[+], dem Verlust von Realeinkommen, in den Arbeitskampf[+] und andere Formen der Auseinandersetzungen über den Wert der Arbeit[+] ein, sie versuchen ihre Qualifikation zu erhöhen, um ein höheres Einkommen zu erzielen, oder sie ändern ihr Konsumverhalten. Wenn sich dann infolge des Arbeitskampfes[+] der nominale Wert der Arbeit[+] verändert hat, kann die ursprünglich bei den Preisen der Arbeitsprodukte[+] ereignete Änderung auf die Käufer von Arbeitskraft[+] rückwirken. Unternehmen und Betriebe sind dann z.B. dazu gezwungen, menschliche Arbeit[+] durch Maschinenarbeit zu ersetzen, sie müssen innerbetrieblich rationalisieren oder verlagern die Produktion in Regionen, in denen die Arbeitkraft[+] billiger zu haben ist. Auf der anderen Seite gibt es die vom positiven Zins[+] Begünstigten, die bedingt durch ihr Eigentum[+] an Kapital nicht nur von den Zinseinkünften[+] leben, sondern durch sie in der Vermögenshierarchie aufsteigen, Schichtmodell am 23.04.2021. Ihnen wachsen[+] durch den Besitzverzicht[+] und den Verkauf der Verfügungsrechte[+] an ihrem Eigentum[+] an Andere zukünftige Handlungsmöglichkeiten zu. Man erkennt also, dass Veränderungen bei den Preisen eine kaskadierende Folge von Ereignissen nach sich ziehen, die insgesamt zu einer Evolution[+] (Entwicklung) führen.

Es ist jedoch zu früh zu sagen, dass die Veränderungsprozesse und die Evolution[+] im Kapitalismus[+] alleine auf die Inflation[+] zurückzuführen sind, denn auch die Inflation[+] hat Ursachen[+]. Von vorrangigem Interesse in der Beantwortung der Frage nach dem Ursprung[+] der typisch kapitalistischen Veränderungen ist im Folgenden die Wirkung der Zinsen[+], allen voran die Schuldzinsen, denn insbesondere hohe Zinsen[+] verursachen bei den Produzenten hohe Fremdkapitalkosten, einen Wandlungsdruck, unter Umständen höhere Erzeugerpreise und in der Folge bei den Konsumenten Kaufzurückhaltung oder ein Ausweichen auf günstigere Alternativen.

Bei der Betrachtung der kapitalistischen Evolution[+] kann grob ein langfristiger, stetiger Trend von eher kurzfristigen Veränderungen unterschieden werden, wobei letztere mit der Geldpolitik[+] wechselwirken und zyklischen Charakter haben. Es können außerdem zwei fundamentale Arten von Veränderungen unterschieden werden:

  1. Veränderungen am System der gewohnten Verträge: Dazu zählen Arbeits[+]- und Dienstleistungsverträge, Kaufverträge für (eigentümliche) Nutz- und Gebrauchsgüter und Leihverträge in allen ihren Formen.
  2. Veränderungen am System der Werte bzw Änderungen der Vertragsinhalte im System der Verträge: Änderungen von Löhnen, Solden, Gehältern, Honoraren, Dienstleistungsgebühren, Kaufpreisentwicklung, Preisen des Warenkorbs[+], Geldzinsen, Mieten, Pachten, Konzessions-, Lizenz-, Leih- und Nutzungsgbühren sowie die Steuersätze und Subventionen.

Wie man sich vorstellen kann, hängen die Veränderungen am System der Verträge und am System der Werte miteinander zusammen, bedingen einander bzw. sind einander Ursache[+] und Wirkung. Der Zusammenhang muss nicht stetig sein, so dass kleine Veränderungen kleine Wirkungen und große Veränderungen große Wirkungen haben. Ändern sich beispielsweise die Einkaufspreise für Unternehmen, können unter bestimmten Bedingungen die Vertragspartner bestehen bleiben, so dass aus einer Veränderung der Werte keine Veränderung bei den Verträgen resultiert. Werden jedoch bestimmte Schwellen bei den Werten über- oder unterschritten, kann es notwendig sein, dass Vertragspartner ausgetauscht oder gar die gesamte Unternehmung oder der gesamte Betrieb mit allen Verträgen abrupt verändert wird, wenn z.B. das Unternehmen pleite geht.

Direkte Wirkungen der Zinsen

Die zentrale Art von Zinsen[+] des Kapitalismus[+] sind die Geldzinsen. Ihre Wirkung auf das System der Verträge und das System der Werte setzt an einem Kopplungsbereich an, den ich im Abschnitt über den Umverteilungskern des Kapitalismus[+] beschrieben habe. Im Kopplungsbereich liegen hauptsächlich Geschäftsbanken[+], der private Kreditmarkt und die Förderbanken[+].

Schuldzinsen entstehen in drei Bereichen des Währungsraums:

Im Folgenden analysiere ich gegenüber eher mikroökonomischen Analysen der Wirkung der Zinsen auf den einzelnen Markt, wie die Schuldzinsen in den drei Bereichen des Währungsraum direkt wirksam sind. Dabei kann bereichsübergreifend festgestellt werden: Alle drei Bereiche des Währungsraums haben jeweils Einnahmen und Ausgaben, so dass Zinsschulden[+] getilgt werden können, indem Einnahmen erhöht, Ausgaben gesenkt werden oder beides gleichzeitig.

Desweiteren sind alle Elemente der drei Bereiche jeweils für sich zu einem gewissen Maß autonom sowie heteronom, siehe Gleichgewicht der Bestimmung. Wie schon im Gröberen analysiert, beeinflussen Zinsen[+] in Abhängigkeit von ihrem Vorzeichen das Gleichgewicht der Bestimmung von Vertragsschließenden an Märkten, siehe Zins und Gleichgewicht der Bestimmung.

Übersicht über makroökonomische Wirkungen der positiven Schuldzinsen.

Wirkung von Schuldzinsen bei privaten Haushalten

Die Einnahmen der privaten Haushalte sind die Einkommen aus selbstständiger oder unselbstständiger Tätigkeit und Einkommen aus Eigentum[+] an Kapital. Die Ausgaben gliedern sich entsprechend in Ausgaben für Besitz[+]- (Besitzstand[+]), Nutz- (z.B. Werkzeuge, Wissen, Konditionierungen und Fähigkeiten in der Selbstausbeutung), Gebrauchs- und Verbrauchsgüter (Nahrung) auf. Die Frage der Autonomie hängt von der Art der Erwerbstätigkeit ab, sofern es sich bei den Einkommen nicht um Einkommen aus Eigentum[+] handelt. Dabei sind selbstständige relativ zu unselbstständigen Erwerbstätigen autonom.

Wurde eine Schuld aufgenommen und sind (positive) Schuldzinsen zu zahlen, dann versucht das Subjekt, bzw. das Objekt im Angestelltenverhältnis, (über) dessen Arbeitskraft[+] vom Unternehmens-, Betriebsführenden (verfügt) besessen wird, die Einnahmen zu erhöhen durch Veränderung der Einkommenstätigkeit. Zu den resultierenden Verhaltensweisen gehören Umzug, Aufstieg über mögliche Wege, berufliche Umschulung oder Umorientierung. Bei den Ausgaben wird der Schuldner Verzicht leisten oder teurer werdende Güter ersetzen müssen. An den Konsummärkten verhält er sich daher geizig, knauserig, sparsam oder pragmatisch desinteressiert.

Wirkung von Schuldzinsen in Unternehmen und Betrieben

Nach dem gleichen Schema wie private Haushalte kann auch die Wirkung von Schuldzinsen auf Unternehmens- oder Betriebshaushalte analysiert werden. Unternehmen und Betriebe geben Geld aus für die Edukte der Produktion. Zu den Edukten zählen Rohstoffe, Betriebsmittel, Energie, Wasser und fundamentale Kommunikationsdienstleistungen. Durch Einwirkung qualifizierter Arbeit[+] werden dann die Edukte mechanisch, chemisch oder auch thermisch reversibel oder irreversibel in Richtung der Produkte umgeformt. Bei diesem Umformungs- und Umwandlungsprozess entstehen zwei Arten von Gütern: Das Produkt, das Ziel und Zweck[+] des Herstellungsprozesses ist, und Abfall. Es zählen zu den Ausgaben der Marktwert der Edukte, die Arbeitskosten[+] die Abfallbeseitigungskosten sowie die Kapitalkosten, die sich aus Abschreibungen an Nutzgütern und Fremdkapitalkosten (Zinsen[+], Mieten, Pachten, Lizenz-, Leih- und Nutzungsgebühren) zusammensetzen. Die Einnahmen ergeben sich aus den Erlöspreisen und dem Absatz.

Damit sind Einnahmen und Ausgaben genannt. Die Einsparung der Schuldzinsen geschieht wie schon bei den privaten Haushalten

Änderungen bei den Einkaufs- oder Absatzpreisen sind Änderungen am System der Werte. Rationalisierungen hingegen können im Ersatz von menschlicher Arbeit[+] durch günstigere Maschinenarbeit bestehen und also eine Änderung am System der Verträge bewirken. Auch das Ausweichen auf günstigere Zulieferer ist eine Änderung der gewohnten Verträge, wobei logischerweise tendenziell in Richtung von Währungsräumen mit niedrigeren Löhnen ausgewichen wird, um Arbeitskosten[+] einzusparen.

Die Weitergabe der Schuldzinsen an die Käufer der Produkte dürfte insbesondere bei hohen Zinsen[+] die Hauptursache für die Inflation[+] sein und den bekannten Zusammenhang zwischen Inflationsrate[+] und Zinsniveau[+] erklären.

Wirkung von Schuldzinsen auf Staatshaushalte

Die Einnahmen des Staates sind die Steuereinnahmen. Eine Erhöhung der Steuereinahmen gelingt indirekt über eine Erhöhung des Steueraufkommens durch geschickte staatliche Investitionen, kluge fiskal-politische Maßnahmen oder zielgerichtete Verordnungen, die alle zu mehr Wachstum[+] führen oder einfach durch Anhebung der Steuersätze.

Die Kürzung der Staatsausgaben ist als "Austeritätspolitik" bekannt. Maßgebend für Kürzungen bei den Staatsausgaben sind insbesondere bei hohen Zinslasten[+] auf dem Haushalt, die sich aus einer hohen Staatsverschuldung die hohen Schuldzinsen, die in jeder Haushaltsperiode gezahlt werden müssen. Die Zinseinnahmen[+] der Käufer von Staatsanleihen[+] in jedem Jahr haben korrespondieren mit gleich großen Ausgabenkürzungen im Staatshaushalt.

Die moderne Konkurrenz von Zinsen und Steuern

Für das Zusammenspiel des fiskalischen Staatshandelns mit dem Verkauf von Verfügungsrechten[+] im Privatsektor, also dem Geschäft mit dem Geldverleih, der Vermietung, Verpachtung usw., ergibt sich also das Bild zweier miteinander im Abhängigkeit vom Zinsniveau[+] konkurrierender Herrschaftsmächte, die vom großen Kuchen, der Realwirtschaft, fressen:

Insbesondere ist deutlich geworden, dass es die staatliche Umverteilung braucht, weil und solange Zinsen[+] genommen werden, um die aus dem Kapitalismus[+] resultierende ökonomische Ungleichheit überhaupt menschenrechtskonform gestalten zu können.
Im Kapitalismus[+], also bei positiven Zinsen[+], fließen staatliche Umverteilungen entgegen den Zinsen[+].

Konjunktur und die Dynamik der Geldpolitik

Steuert die Zentralbank[+] das Zinsniveau[+] oder folgt sie ihm und bildet es nach? So in etwa lautet verkürzt die eingangs gestellt Frage. Die Behauptung, dass die Zentralbank[+] das Zinsniveau[+] bestimme, dass also allein die Zentralbank[+] autonom handle und dass also die übrigen Subjekte der Geldwirtschaft gegenüber der Geldpolitik[+] heteronom seien, wird insbesondere von Kritikern der Niedrig-, Null- und Negativzins-Politik der europäischen Zentralbank[+] seit 2012 vorgetragen. War die Autonomie geldpolitischen[+] Handelns der Zentralbank[+] den NETTO Profiteuren einer Geldpolitik[+] positiver Zinsen[+], also kapitalistischer Geldpolitik[+], hoch und heilig, jedenfalls unantastbar, wenden sich diese ehemaligen Unterstützer seit dem Beginn der terminalen Krise des kapitalistischen Prozesses in der € Zone ab 2012 in 2022 gegen die Unabhängigkeit der Währungshüter und fordern lauthals und unverhohlen wieder steigende Zinsen[+] – jeder ökonomischen Vernunft[+] zuwider.

Bildung der Zinsen

Um uns der Beantwortung der Streitfrage zu nähern, ist zunächst zu sagen, dass der einfache Geldzins in Form von Guthaben- oder Schuldzinsen am Markt ein Preis für die Nutzungsrechte an Geldbeträgen ist, der sich durch das bekannte Spiel von Angebot und Nachfrage bildet. Die Zinsen[+], die zwischen Geschäftsbanken[+] und Nichtbanken oder auch zwischen Nichtbanken ausgehandelt werden, ergeben sich somit einerseits aus den Angeboten von Guthaben und der Nachfrage durch die oben genannten Kredit- und Darlehensnehmer andererseits. Geldzinsen steigen, wenn das Angebot zurück geht oder die Nachfrage ansteigt, und sie fallen, wenn mehr Geldbeträge zur Fremdnutzung angeboten und weniger nachgefragt wird.

Da (positive) Zinsen[+] aus Sicht der Anbieter des Geldes ein leistungsloses Einkommen darstellen, besitzt das lokale Zinsniveau[+] eine wichtige Allokationsfunktion: Steigt in einem Teil der Wirtschaft aufgrund erhöhten Finanzierungsbedarfs, z.B. zur Durchsetzung neuer Kombinationen, wie Schumpeter[+] Innovation und Unternehmertätigkeit definiert, dann finden sich schnell Anbieter von Geldbeträgen, so dass die steigende Kreditnachfrage schnell von einer Steigerung des Angebots an der Nutzung fremden Geldes gespiegelt wird. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, kommt es zu einem Zinsanstieg[+] im Währungsraum, bietet sich immer mehr Geld zur Fremdnutzung an, dann sinken die Zinsen[+].

Die Rolle der Zentralbank als eine Bank für Banken

Der Kreditmarkt wird zum überwiegenden Teilen von den Geschäftsbanken[+] bestellt. Reichen die den Geschäftsbanken[+] zur Verfügung stehenden Einlagen der Nichtbanken für die Kreditvergabe nicht aus, können sich Geschäftsbanken[+] am Interbankenmarkt von anderen Geschäftsbanken[+] Geld borgen. Sie können sich aber auch zu einem speziellen Zinssatz[+], dem Leitzins[+], von der Zentralbank[+] Geld borgen. Umgekehrt müssen Geschäftsbanken[+] überschüssiges Geld bei der Zentralbank[+] anlegen bzw. "sparen". Der dabei gewährte 'Sparzins' heißt Einlagefazilität[+].

Im Zusammenhang mit dem Kredit- und Einlagengeschäft im Währungsraum hat die Zentralbank[+] neben der Versorgung mit Zahlungsmitteln zwei Funktionen. Sie steuert im Rahmen der Geldpolitik die im Währungsraum zur Verfügung stehende Geldmenge[+] und nimmt über die Festlegung der genannten Leitzinsen[+] und der Einlagefazilität[+] im Rahmen Zinspolitik direkt Einfluss auf das Zinsniveau[+].

Aus welchen Quellen also Kreditnehmer

Der Zins[+] für Kredite, die von der Zentralbank[+] an Geschäftsbanken[+] vergeben werden heißt 'Leitzins[+]', während der Zins[+] für der Einlagen der Geschäftsbanken[+] bei der Zentralbank[+] 'Einlagefazilität[+]' heißt. Der Leitzins[+] ist also das Analogon für den gewöhnlichen Kreditzins, die Einlagefazilität[+] das Analogon des Sparzinses in den Geschäftsbeziehungen zwischen Zentralbank[+] und Geschäftsbanken[+].

Wechselwirkung zwischen dem selbstbestimmten Handeln der privaten und öffentlichen Haushalte mit dem Zinsniveau

Ein großer Nachfrager nach Nutzung fremden Geldes ist der Staat. Über die jeweils nationale Notenbank lassen die Regierungen Staatsanleihen[+] emittieren, die dann auf dem Primärmarkt[+] den Anbietern des Geldes zugeführt werden. Der Zins[+] für Staatsanleihen[+], der sich am Primärmarkt[+] bildet, wird als Staatsanleihenrendite[+] bezeichnet. Nach dem Verkauf am Primärmarkt[+] zirkuliert die Staatsanleihe[+] auf den Sekundärmärkten[+]. Die Population aller Staatsanleihenpapiere[+]... [...]

Staatsschulden (schwarz gepunktete Linie) und Kreditvergabe an den Privatsektor in Millionen €. Die Volumina bewegen sich in der gleichen Größenordnung. Wirksamen Einfluss auf das Zinsniveau[+] im Währungsraum hat die Population von am Sekundärmarkt[+] zirkulierender Staatsanleihenpapiere[+] und die NETTO Neuverschuldung der Staaten. Quelle: tradingeconomics.com.
Ray Dalio über das Wechselspiel zwischen Geldpolitik[+] und Konjunktur[+].

Die Autonomien von Schuldnern und Gläubigern und ihr Einfluss auf das Zinsniveau

[...]

Schumpeter zu Marxens Theorien zu Konjunkturzyklen und Prozessstadien des Kapitalismus

Im ersten Teil des dritten Kapitel von Joseph Schumpeters Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie[+], Marx[+] der Nationalökonom, findet sich auf Seite 57:

Den Hauptteil der den ausgebeuteten Arbeitern[+] abgerungenen Beute ( nach einigen seiner Schüler praktisch die ganze ) verwandelt der Kapitalist in Kapital, in Produktionsmittel. Dies bedeutet an sich - und abgesehen von der durch Marxens[+] Ausdrucksweise hervorgerufenen Nebenbedeutung - natürlich nichts anderes als die Feststellung eines wohlbekannten Sachverhaltes, der gewöhnlich mit den Ausdrücken Sparen und Investieren beschrieben wird. Marx[+] jedoch genügte diese bloße Tatsache nicht: wenn der kapitalistische Prozess sich nach einer unerbittlichen Logik zu entfalten hatte, dann hatte diese Tatsache Teil dieser Logik zu sein, was praktisch heißt, dass sie »notwendig« sein musste. Auch wäre es nicht befriedigend gewesen, dieser Notwendigkeit[+] zu gestatten, aus der Sozialpsychologie[+] der kapitalistischen Klasse heraus zu wachsen[+], z.b. nach der Art von Max Webers Erklärung, der die puritanische Haltung, - die Enthaltung vom hedonistischen Genuss an den eigenen Gewinnen passt auffällig gut zu ihrem Stil -, zu einer kausalen[+] Determinante des kapitalistischen Verhaltens gemacht hat.
[...] Seite 58 ( Bestätigung von Marxens[+] Theorie der Abnahme der Profitrate auf 0 und Selbstzerstörung des Kapitalismus[+] )
Wenn ich die Natur dieses Sparzwanges auseinandersetze, werde ich um der Bequemlichkeit Willen Marxens[+] Lehre in einem Punkt übernehmen; das heißt ich werde wie er annehmen, dass das Sparen durch die Kapitalistenklasse ipso facto eine entsprechende Vermehrung des realen Kapitals bedeutet. Diese Bewegung wird in erster Linie im variablen Teil des Gesamtkapitals, im Lohn Kapital, eintreten, selbst wenn die Absicht besteht, den konstanten Teil zu vermehren und insbesondere den Teil, den Ricardo fixes Kapital nannte, vornehmlich Maschinen.

Bei der Erörterung von Marxens[+] Ausbeutungstheorie wies ich darauf hin, dass in einer vollkommenen Konkurrenzwirtschaft die Ausbeutungsewinne die Kapitalisten veranlassen würden, die Produktion auszudehnen oder ihre Ausdehnung zu versuchen, weil vom Standpunkt eines jeden von ihnen aus dies mehr Profit bedeuten würde. Um dies zu tun, müssten sie akkumulieren. Überdies würde die Massenwirkung dahin tendieren, die Mehrwerte durch die nachfolgende Erhöhung der Lohnsätze, wenn nicht auch noch durch einen nachfolgenden Fall da Warenpreise zu reduzieren, - ein sehr hübsches Beispiel für die dem Kapitalismus[+] inhärenten Widersprüche, die Marxens[+] Herz so teuer waren. Und diese Tendenz selbst würde auch für den einzelnen Kapitalisten einen weiteren Grund bilden, weshalb er sich zu akkumulieren gezwungen fühlen würde, ob schon wieder rum dies die Tatsache letzten Endes für die Kapitalistenklasse als ganze verschlimmern müsste. Deshalb wäre eine Art von Zwang[+] zur Akkumulation[+] selbst in einem sonst stationären Prozess vorhanden, der, wie ich vorhin erwähnte, kein stabiles Gleichgewicht erreichen könnte, bevor nicht die Akkumulation[+] den Mehrwert auf Null reduziert und so den Kapitalismus[+] selbst zerstört hätte.
Seite 60 [ Er beschreibt die kapitalistische Evolution[+] und zeigt, dass Kapitalismus[+] kein stationärer Prozess ist. Schumpeter[+] erklärt den Fortschrittszwang, würdigt Marxens[+] Erkenntnisse obwohl sie schwammig und unpräzise sind. ] Seite 61
Gleich Weise hat Marx[+] selbst den Zwang[+] zu Akkumulation[+], der so wesentlich ist für sein Argument, nicht befriedigend begründet.
[ Schumpeter[+] erläutert, dass die Innovationen die Profitrate sinken lassen wird.] Seite 63 [ Schumpeter[+] erläutert, wie sich das Kapital zunehmend selbst befruchtet, beschreibt die Zunahme der Frequenz von Innovationsschocks. Er kann deshalb als Prophet der Digitalisierung angesehen werden. Am Ende aller Zeiten[+] ist es wie am Anfang, der Mensch wird zum Schöpfer und haucht den Maschinen, die er nach seinem Angesicht schafft das Leben ein. Die Maschinen werden aus dem Paradies vertrieben und müssen im Schweiße ihres Angesichts schaffen, obwohl die Maschine nicht von dem Apfel gegessen hat, und hier ist auch der Denkfehler.] Seite 65 [ Schumpeter[+] beschreibt die Mechanismen der Globalisierung und koloniale Expansion Punkt erklärt wie der Zins[+] die Löhne drückt, und die Preise anhebt, was zu Arbeitskampf[+] und noch mehr Globalisierung führt. ] Seite 66 und 67 [ Schumpeter[+] zeig, wie Marx[+] die sozialen Phänomene und Entwicklungen sah und versucht sie zu erklären, erklärt wie die Konkurrenz die Gewinne beseitigt und Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung nimmt, Arbeitslosigkeit[+] als Folge von Innovationsschocks. ] Seite 70 [ die Profitrate singt, weil sonst der Absatz einbräche ]
Einerseits preist Marx[+] unstreitig - wenn auch ohne ganz hinreichende Motivierung - die ungeheure Kraft des Kapitalismus[+], die Produktionskapazität der Gesellschaft zu entwickeln. Andererseits betont er unaufhörlich das zunehmende Elend der Massen. Ist es nicht die natürlichste Sache auf der Welt, daraus zu schließen, dass Krisen und Depressionen[+] der Tatsache zuzuschreiben sind, dass die ausgebeuteten Massen nicht kaufen können, was dieser sich stets ausdehnende Produktionsapparat erzeugt oder in der Lage ist zu erzeugen, und das aus diesem und auch aus anderen Gründen, die wir nicht zu wiederholen brauchen, die Profitrate auf einen Bankrottniveau[+] herunter fällt? So scheinen wir tatsächlich je nach dem Element, dass wir besonders betonen wollen, an den Küsten entweder einer Unterkonsumtion - oder einer Überproduktionstheorie der verächtlichsten Art zu landen.
[...] [ Schumpeter[+] kritisiert, dassMarx[+] keine wesentlichen Elemente zur Erklärung der Konjunkturzyklen[+] des Kapitalismus[+] beitragen kann. ]
Tatsache ist, dass er keine einfache Theorie des Konjunkturzyklus[+] hatte, und keine kann logisch aus seinen »Gesetzen« des kapitalistischen Prozesses gefolgert werden. Selbst wenn wir seine Erklärung der Entstehung des Mehrwerts annehmen und gewillt sind zuzugestehen, dass Akkumulation[+], Mechanisierung ( relative Zunahme des konstanten Kapitals ) und Überschuss Bevölkerung - letztere unerbittlich das Massenelend verstärkend - in einer logischen Kette verbunden sind, die in der Katastrophe des kapitalistischen Systems endet, - selbst dann fehlt uns ein Faktor, der mit Notwendigkeit[+] dem Prozess die zyklischen Schwankungen verleihen und eine immanente Wechselfolge von Prosperität und Depression[+] erklären würde.
[ Dennoch sind seine Erklärungen kontingent zur Theorie der Konjunkturzyklen[+], die Marx[+] jedoch schon früh wahrgenommen hat. ]
Er sagt sehr geschickt, «dass die Oberflächlichkeit der politischen Ökonomie[+] sich unter anderem darin zeigt, dass sie die Ausweitung und Einengung des Kredits, das bloße Symptom der Wechselperiode des industriellen Zyklus, zu deren Ursache[+] macht.» Und natürlich brandschatz er gehörig das Kapitel der Zwischenfälle und Zufälle.
Seite 78
Durch all das, was mangelhaft oder sogar unwissenschaftlich an seine Analyse ist, zieht sich ein Grundgedanke, der weder das eine noch das andere ist - der Gedanke einer Theorie, nicht bloß einer unbegrenzten Zahl von unzusammenhängende einzelnen Modellen[+] oder der Logik von ökonomischen Quantitäten im allgemeinen, sondern der tatsächlichen Folge dieser Modelle[+] oder des wirtschaftlichen Prozesses, so wie er abläuft, unter seinem eigenen Dampf, in historischer Zeit[+], in jedem Augenblick jenen Zustand erzeugend, der aus sich heraus den nächsten bestimmen wird. So war der Autor so viele falsche Auffassungen auch der erste, der im Geist vor Augen sah, was auch in der Gegenwart noch immer die Wirtschaftstheorie der Zukunft ist, für die wir langsam und mühselig Stein und Mörtel, statistische Fakten und Funktionsgleichungen zusammentragen.

Beziehung zum Zins-Faschismus und Sozial-Darwinismus

Faschismus[+]: Aussage zur Zwänge[+] vermittelnden Struktur, Evolution[+]: Aussage zur induzierten Veränderung und Wirkung

Konjunkturzyklen

Erweiterung der Pyramidenbasis: Globalisierung

Erste frühe Formen der Globalisierung findet man schon um das Jahr 1100[1]:

Der große Ansturm von außen hat aufgehört. Die Erde ist fruchtbar. Die Bevölkerung wächst[+]. Der Boden, wichtigstes Produktionsmittel, Inbegriff des Eigentums[+] und des Reichtums in dieser Gesellschaft, wird knapp. Die Rodung, der Aufschluss neuer Erde im Inneren, reicht bei weitem nicht aus, um der Knappheit abzuhelfen. Man muss außerhalb der Grenzen nach neuen Böden suchen. Mit der inneren Kolonisation Hand in Hand geht die äußere, die Eroberung von Neuland in anderen Gebieten.

[...]

1095, noch bevor die größeren Feudalherren die Bewegung aufnehmen, macht sich eine Schar unter Führung des Ritters Walter Habenichts oder Gautier Senzavoir auf den Weg nach Jerusalem; sie geht in Kleinasien zugrunde. 1097 zieht ein gewaltiges Kriegsherr unter Führung normannischer und französischer Territorialherren ins Heilige Land. Die Kreuzfahrer lassen sich erst von dem oströmischen Kaiser die zu erobernden Länder zu Lehen geben, dann fahren sie weiter, erobern Jerusalem und gründen neue, feudale[+] Territorialherrschaften.

Nichts lässt annehmen, dass diese Expansion sich ohne Lenkung der Kirche, ohne die Verbindung des Glaubens mit dem Heiligen Land gerade unmittelbar dorthin gerichtet hätte. Aber nichts macht es auch wahrscheinlich, dass ohne den sozialen Druck im Innern des Westfälischen Gebiets, dann auch alle anderen die Miete der lateinischen Christenheit, Kreuzzüge zustande gekommen wären.

Die Spannungen im Innern dieser Gesellschaft kamen nicht nur als Verlangen nach Boden und Brot zum Ausdruck. Sie lastete als seelischer Druck auf den ganzen Menschen. Der gesellschaftliche Druck gab die bewegende Kraft, wie ein Motor Strom gibt. Er setzte die Menschen in Bewegung. Die Kirche lenkte die vorgegebene Kraft. Sie nahm die Not auf und gab ihr eine Hoffnung und ein Ziel außerhalb Frankreichs. Sie gab den Kampf um neue Böden einen umfassenden Sinn und eine Rechtfertigung[+]. Sie ließ ihn zu einem Kampf für den Glauben werden.

Referenzen / Einzelnachweise

Querverweise auf 'Die kapitalistische Evolution'

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