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Banken und Geldsysteme

Geld ist ein mitterweile ein universelles Tauschmittel für Güter aller Art. Das Geld einer Währung wird in einem Teilbereich der Erdoberfläche verwendet, in dem die Währung gültig ist. Am Anfang gab es kein Geld, sondern nur Güter und deren Tauschwertverhältnisse, welche sich von Region zu Region, je nach Güterangebot und -nachfrage, unterschieden.

Der Finanzhistoriker William N. Goetzmann[+] schreibt in seinem Buch 'Money Changes Everything[+]' über die Geschichte des Kapitalismus[+], den er in seinem Buch als 'finance' bezeichnet, über die ersten Banken[+] als Finanzdienstleister in Griechenland:

Finance in the Greek world developed out of practises similar to those we saw in ancient Ur[+]: loans and the financing of mercantile voyages. However, the historian Edward Cohen[+] argues that a distinctively Greek mode of thought – a mentality based on dichotomies that pervaded both language and worldview - gave rise to a new kind of financial system. On the one hand, visible wealth such as land was something that could be seen by everyone and was part of the physical world. Abstract wealth, on the other hand, took the form of bank deposits, accounts and contracts. These assets existed as rights defended in court, contracts between two parties, or accounts held in trust by a banker. While abstract wealth existed before the Greeks – we saw this in the ancient city of Ur[+], where financiers stored their loan tablets – Cohen[+] argues that Athenian banks concepcutally decoupled finance from other enterprises, making it flexible enough to accomodate the need of distant maritime trade and ultimately of an empire.

[...]

Walking the modern streets of Piraeus[+] along the east side of the harbor is essentially a tour the first Greek banking district.
The Greek term (both ancient and modern) for bank, trapeza, refers to a table on which the banker conducted business$^11$. The name suggests that banks were not places or buildings but operations that took place over a modest piece of furniture where money was counted out, or more likely, where arithmetic calculations were conducted. True to the Cohen[+] hypothesis about real versus abstract wealth, even the names of the earliest banks refererred to the medium through which the activity occurred rather than its location.
We do not know what the Piraean trapezas looked like, but it is tempting to think of them as modeled on the as-yet undiscovered Babylonian counting boards. An artifact known as the Salamis tablet[+] is a possible model for a Greek Banker[+]'s trapeza. A marble slab five feet long by two and a half feet wide dating to the Roman era was found on the island of Cyprus in the nineteenth century. The surface has two sets of lines orthogonal to the long side of the slab. A banker seated behind one side of the stone table would face vertical columns. Sets of numbers on the sides of the table indicate fractions and multiples correpsonding to Greek currency. Presumably the Salamis tablet[+] was used with counters that could be moved on the lines or spaces between the lines to perform arithmetic calculations. This method of reckoning lasted through the Renaissance, virtually until the modern era. An abacus[+] – a Greek, not a Chinese, invention – is nothing more than a portable version of the Salamis tablet[+], where the counters are strung on wire rather than moved across a board.
The earliest known bankers in Piraeus[+] were the trapezitai Antisthenes[+] and Archestratos[+], who operated at the end of the fifth century. They passed their bank to their feed slave, Pasio[+], in 394 BCE, who in turn transferred the bank to his freed slave Phormio[+] before his death in 370. Thus, this multigenerational bank must have been the major financial Athenian institution of the fourth century. The fact that it was passed each generation to a freed slave reveals a lot about the way slavery – property rights over human capital – allowed business owners to capitalize on specialized, technical training. Talent was literally captive and transferable through a simple transaction. The business of a bank is to take in deposits and make loans; the true assets are not a stockpile of currency, a grand edifice, or a legion of clerks. Instead it is the business acumen of the banker, the eye for opportunities, the canny assessment of risk, and the reputation for integrity. That combination of human talent – plus a simple calculation table and a careful record-keeping system – constituted a bank in ancient Athens.
William N. Goetzmann[+], Kapitel 6, 'Money Changes Everything[+]', Princeton Press, 2016.
Franz Hörmann bei KenFM über die Geschichte der Entstehung unseres heutigen Geldsystems. Der Link zu dem Video ist hier.

Die Finanzierung der Wirtschaft durch die Vergabe von Krediten[1] hat eine sehr lange Tradition und führt aufgrund der Störung des Gleichgewichts in der Preisbildung an den Märkten zu einer Anhäufung von Vermögen und Wohlstand um die Kapitalseigner. Die Folge kann bei eingehaltenen Verträgen eine immense wirtschaftliche Entwicklung sein, die jedoch in ihrer Endphase immer in einer Art Zusammenbruch mündet, wenn die Zinsen[+] nicht rechtzeitgig vorher auf 0% gesenkt werden.

Vereinfachte Darstellung eines Teils der komplexen Beziehungen zwischen einer Zentralbank[+] und den Geschäftsbanken[+]. Nicht gezeigt ist der sog. Interbankenmarkt.

Andererseits macht die Störung des goldenen Gleichgewichts auch vor sozialen Beziehungen nicht Halt und lässt an den Endpunkten der vom Kapital ausgehenden Verträge entlang der Lieferketten Konflikte um knappe Güter entstehen (Begriff der Knappheit, die Schlange ist am einfachsten am Schwanz aufzuhängen, will man sie begreifen). So hat verzinstes Geld in der Geschichte immer wieder zur Spaltung der Religionen geführt und wurde zur Machtausübung missbraucht (Zins und das Gleichgewicht der Bestimmung).

Die Geschichte der US-amerikanischen Notenbank FED.

Das Sparen ist eine asketische Praxis zur Vernunftbildung[+] und wird ideologisch gerechtfertigt. Diese Rechtfertigungen[+] enthalten aber einen schwerwiegenden, an eine schizoide Persönlichkeitsstörung erinnernden Denkfehler, der sich letztlich in der Ignoranz der Beschränkheit der menschlichen Vernunft[+] äußert. Die Beschränkheit des Denkens überträgt sich in eine Beschränktheit der Empathie und macht Unterschiede zwischen Angehörigen der Sippe und Fremden, erzeugt also Spaltungen.

Leihkapitalnehmer Finanzintermediäre / Investoren Leihkapitalgeber
  • Öffentliche Haushalte
  • Wirtschaft
    • Unternehmen
    • Betriebe
  • Private Haushalte
  • Sparer
  • Institutionelle Anleger:
    • (Lebens-) Versicherer
    • Renten- und Pensionskassen
  • Private Anleger
Tabelle mit Akteuren der Finanzwirtschaft[1]. Der Zinsfluss[+] verläuft bei positivem Zinsvorzeichen[+] von den Leihkapitalnehmern links zu den Leihkapitalgebern rechts.

Die katastrophalen Folgen dieses Denkfehlers lassen sich in 2015 deutlich an den globalen öko-sozialen Schäden ablesen, die von vielen Menschen im Inneren der kapitalistischen und über die Globalisierung in einen den Planeten umspannenden Gruppenzusammenhang versetzten Währungsräume in Folge der Spaltung einfach ignoriert werden. Es ist angesichts der Migrations und Fluchtbewegungen zu überlegen, inwieweit die uralte Spielregeldes Kapitalismus, das Prinzip des positiven Zinses[+], als Erklärung der immer wieder aufgetretenen Völkerwanderung in der Geschichte der Menschheit dienen kann.

Dokumentation über die ökologischen und sozialen Folgen des kapitalistischen Geldsystems.

Angesichts der offen sichtlichen Probleme, die das kapitalistische Geldsystem erzeugt, wird bei Vielen die Forderung nach einem Ausstieg aus dem Geldsystem, einem Exodus, wie ihn Israel in Ägypten vollzog und die ersten Christen laut. Tatsächlich beobachtet man in unsere Zeit[+] die Flucht in Parallel-, Krypto- und Fremdwährungen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass wir von einer Unabhängigkeit vom Geldsystem so weit entfernt sind, wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Wir Europäer haben in den letzten 600 Jahren im Verlauf der Kolonialisierung, des Imperalismus und der Globalisierung einen globalen Gruppenzusammenhang geschaffen, aus dem wir heute nicht einfach aussteigen können.

Wir sehen unsere Abhängigkeit von globalen Märkten gerade in der Zeit[+] Anfang 2020, da das Corona[+]-Virus ausbricht. Würden wir von heute auf morgen das Geld einfach abschaffen, und dazu sehen wir als Folge der Ausbreitung des Virus quasi eine „Realsimulation”, dann brächen die fragilen Gleichgewichte in der Arbeitsteilung[+] zusammen. Man darf nämlich nicht vergessen, dass das (globale) Geldsystem neben einem Medium zur Übertragung von Macht, denn das Geldsystem vermittelt Handlungszwänge in Form von Schulden bzw. Forderungen, auch ein ökonomisches Kommunikationsmedium ist. Über Märkte und Geld wird die Stillung von Bedürfnissen (Nachfrage) durch die Herstellung eines entsprechendes Gutes (Angebot) global koordiniert. Würde man von heute auf morgen aus diesem Kommunikationszusammenhang und der darüber vermittelten globalen Koordinierung der Stillung der Bedürfnisse und der Hingabe von Arbeitskraft[+] austeigen, bräche sofort Chaos aus! Man kann daher das Geldsystem nicht einfach schlagartig „abschaffen“, sondern nur langsam und schleichend. Ich sehe dazu keinen besseren Weg als die Entwicklung der Vergangenheit umgekehrt zu vollziehen, also mit negativen Zinsen[+] auf Guthaben und bei Krediten.

Gegenüber dem Kapitalismus[+] fließen die Zinsen[+] im Kommunismus[+] vom Kapital weg zum Lebendigen hin!

Das Endziel einer solchen Entwicklung kann aber nicht eine Art schizoide[+] Gesellschaft von Robinson Crusoes sein, sondern nur eine heterarchisch organisierte Arbeitsteilung[+], denn ich glaube daran, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, und dass die Liebe frei ist von Zwängen[+]. Wenn man sich nämlich fragt, was das aus Zinsen[+] entstandene Geld eigentlich „ist”, dann muss man feststellen, dass es quasi „gestohlene Liebe“ ist, denn der Zins[+] wird aus der »Synergie der Interaktion«, die Frucht der Austauschbeziehung „abgezwackt”. Die so entstandene Geldmenge[+] in privater Hand ist das quantitative Maß unserer in der Vergangenheit akkumulierten[+] Synergieleistung. Die Kunst wird darin bestehen, diese Synergieleistung nicht mehr über Zwänge[+] zur Hingabe (siehe Zins und das Gleichgewicht der Bestimmung) von Arbeitsleistung[+], sondern über das Gewähren von Möglichkeiten[+] freier Betätigung und Handlung zu organisieren. Und genau das bewirken die negativen Zinsen[+]: sie bewirken, dass Freiheiten[+] und Möglichkeiten[+] (Kontingenzen) von oben nach unten verteilt werden und erlauben den Menschen so die Autopoiesis[+] (Selbstorganisation).

Referenzen / Einzelnachweise

Querverweise auf 'Banken und Geldsysteme'

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