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William N. Goetzmann über die Bankgeschäfte des Templerordens

Man kennt sie, die berühmten Ritter des Templerorden. Es gab sie nur für verhältnismäßig kurze Zeit[+], von 1118 bis 1312, doch haben sie damals Funktionen in der europäischen Finanzwirtschaft übernommen, geprägt und etabliert, die es auch heute noch gibt, z.B. die Finanzdienstleistungen von Western Union und andere Dienstleistungen, die wir heute mit dem Bankwesen[+] verbinden. Sich zunächst dem Schutz von christlichen Pilgern widmend, übernahmen die Templer zunehmend Finanztransaktionen und andere Bankgesch[+]äfte, wobei sie nach ihrem Gelübde nur geringste Zinsmargen[+] annehmen durften. Eine Bibel-Volltextsuche nach dem Wort 'Bauleute' ergibt die Vermutung, dass die Templer in der Tradition der Bauleute stehen.

Weil es für einen wesentlichen Teil dieser Veröffentlichung, speziell das Bankwesen[+], die übrigen Finanzintermediäre im Allgemeinen inclusive ihrer Geschichte, von zentraler Bedeutung ist, um die historische Entwicklung nachvollziehen zu können, zitiere ich hier aus dem Buch von William N. Goetzmann[+] 'Money Changes Everything[+]' die wichtigsten Passagen.

Szene aus dem Film 'Indiana Jones - Der letzte Kreuzzug'.
Bis zum 14. Jahrhundert waren die Templer zu einer riesigen außerstaatlichen Einheit geworden, die große Teile der europäischen Wirtschaft und die Finanzen einiger seiner großen Königreiche kontrollierten. Sie wurden zu wesentlichen Finanzintermediären, obwohl sie auf ein Armutsgelübde und auf eine rein religiöse Mission geschworen haben. Die Geschichte, wie die Templer umfunktioniert wurden, um im Gegensatz zu ihren spirituellen Bedürfnissen Europas Finanzen zu dienen, ist lehrreich. Ihr Untergang und ihre Verfolgung demonstriert die Grenzen der modernen Theorie, dass ein Finanzinstitut „too big to fail“ ist.
Quelle: 11 The Temple and Finance in William N. Goetzmann[+], 'Money Changes Everything[+]', 2016, übersetzt mit Google's translate.
Die Temple Church in London.

An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass heute zu den Finanzintermediären nicht nur die Banken[+] gehören, sondern auch Vermögensverwalter, z.B. Immobilienverwalter oder Hausverwaltungen. Finanzintermediäre stehen in vertraglichen Beziehungen zwischen Eigentümern[+] und Besitzern[+], Gläubigern und Schuldnern, Leihgebern und Leihnehmern im Allgemeinen. Sie verwalten jedoch nicht nur die Verträge im Verleih, der Vermietung, Verpachtung, usw, sondern wickeln auch den Zahlungsverkehr ab. So wie es Goetzmann[+] beschreibt, waren die Templer an der Erschaffung der europäischen Finanzintermediäre beteiligt, indem sie diese Geschäftsmodelle als erste prägten.

Der Tempel und zwei der Gerichtshöfe bildeten einst das Kloster des Londoner Kapitels der Templer; der Ort, an dem dieser klösterliche Orden kämpferischer Ritter lebte abgesehen von der säkularen Welt Londons. Es ist ein Ort, der ziemlich unwahrscheinlich die englische Niederlassung eines internationalen Finanzinstituts war, das sich vom Heiligen Land zu den Britischen Inseln erstreckte, eine Organisation, die die Geld- und Finanzangelegenheiten der Könige und Adligen Europas durch ein Großteil des dreizehnten Jahrhunderts [bewältigt, organisiert] hat, eine gemeinnützige Bank[+], deren auf persönliche Armut geschworene Agenten trotzdem ein Vermögen an Land und Schätzen anhäuften. [...] Wenn ein Mönch in den Templerorden eintrat, legte er ein Armuts- und Keuschheitsgelübde ab, schwor einen Eid, dass er schuldenfrei sei, und versprach, nie mehr als eine Nacht außerhalb des Templerklosters zu verbringen. Er widmete sein Leben der Verteidigung christlicher Pilger.
Quelle: S. 207 u. 209, 11 The Temple and Finance, in William N. Goetzmann[+], 'Money Changes Everything[+]', 2016, übersetzt mit Google's translate.

In Goetzmanns[+] Buch über die Geschichte der Finanz erscheinen an zahlreichen Stellen Bezüge zur Religion, so z.B. seine Vermutung, der ursprüngliche Sündenfall[+] sei die Erfindung der Zinsen[+] gewesen oder an späterer Stelle, dass das lateinische Wort für 'Geldwechsler[+]' fast synonym zum Wort für 'Banker[+]' verwendet wurde, Eintrag vom 22.04.2022. Goetzmann[+] zieht jedoch nicht über seine Vermutung und Feststellung hinausgehende Schlüsse. So lässt er auch völlig unkommentiert, wie scharf eigentlich der Gegensatz, wie groß die Doppelzüngigkeit und Heuchelei des Templerordens gewesen ist, wenn die Templer anfänglich christliche Pilger beschützten und doch dann später genau das Geschäft verrichteten, dessen Betreiber Jesus[+] aus dem „Tempel seines Vaters” verjagt hatte. Warum hinterfragt er nicht, warum die Templer das asketische Leben von Mönchen führten, dass sich die Templer selbst Armuts- und Keuschheitsgeboten und einer „Kadavertreue“ unterwarfen, die man heute nur von Sekten und eben den Freimaurern kennt?

Die Templer schufen ein System, mit dem Pilger Geld mit dem Orden in Europa einzahlen und abheben konnten im Heiligen Land. Dies wurde zum europäischen Äquivalent des chinesischen feiqian [...]. Aus dieser ökonomischen Grundfunktion – der Fernüberweisung – wurde ein Finanzinstitut geboren.
Quelle: S. 209, 11 The Temple and Finance, in William N. Goetzmann[+], 'Money Changes Everything[+]', 2016, übersetzt mit Google's translate.

Es gibt Gerüchte, dass sich die Templer in die Schweiz zurückgezogen haben, dort ihre Festungen errichteten und von dort aus die Einigung und Verteidigung Europas gegen den Ansturm der Muslime organisierten. So sind die Templer vermutlich auch für die Christianisierung[+] des nordeuropäischen Raums mitverantwortlich, die sich parallel zur Entstehung der Hanse ereignete, deren Gründung in die aktive Zeit[+] der Templer fiel. Ich halte es für wahrscheinlich, dass der Orden nach seinem Ende 1312 nie ganz verschwand, sondern in den späteren Institutionen des Finanzsystems Europas sowie in Sekten wie den Freimaurern aufgegangen ist. Denkbar ist für mich zudem, dass der Kapitalismus[+] zwei Jahrhunderte nach dem Fall des Ordens, in der Renaissance, wieder vollkommen vom Joch der Moral, speziell dem Zinsverbot[+], befreit wurde, um Europa gegen die äußere Bedrohung des Islam zu einen.

Die Komplexität der Finanzvereinbarungen der Templer – vom Überweisungssystem über die Kontounterlagen bis hin zu ihrer Depotfunktion und schließlich zu ihren vertraglichen Vereinbarungen über das Eigentum[+] an Immobilien und die Zuordnung der Jahre auf diesen Immobilien – ist ein wichtiger Auftakt für die Entwicklung der ersten europäischen Kapitalmärkte. Die Organisation der Templer war eine technologische Antwort auf die Bedürfnisse der europäischen Gesellschaft, [...] die Vermögenswerte über große Entfernungen bewegen mussten, über Meere und durch gefährliches Terrain inmitten von Kriegen und Unsicherheit.

[...]

Die Templer dienten dem Papst und den Monarchen von England, Frankreich und den iberischen Königreichen mit gleicher Treue, auch in Zeiten[+], in denen diese Herrscher gegeneinander Krieg führten.

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Die bedeutendste Finanzdienstleistung der Templer – nach ihrem Fernüberweisungsgeschäft – war eine Konstellation von Vermittlungstätigkeiten, die wir heute als Bankwesen[+] interpretieren. Templerklöster in London und Paris dienten als königliche Schatzkammern, in denen Könige und Adlige ihre Wertgegenstände deponierten. Früher wurden die Kronjuwelen Englands eher im Tempel als im Tower of London aufbewahrt.

[...]

Die Templer übten auch unzählige andere Finanzintermediärfunktionen aus. Sie erhoben und überwachten die Zahlung von Steuern für die englische Krone bis ins 13. Jahrhundert und führte Konten über königliche Schulden und Abgaben in England und Frankreich. Während England eine eigene Schatzkammer hatte, die die Staatsfinanzen verwaltete und die Dienste der Templer ausgiebig in Anspruch nahm, Frankreich berief sich de facto auf den Auftrag als königliches Finanz- und Rechnungsamt.

[...]

Die Templer fungierten auch als Zahlungsvermittler unter den gekrönten Häuptern Europas [...] Entschädigungen und königliche Schulden, die von einem König zum anderen fällig waren, konnten durch die Templer abgewickelt werden.
Quelle: S. 211, 11 The Temple and Finance, in William N. Goetzmann[+], 'Money Changes Everything[+]', 2016, übersetzt mit Google's translate.

Ich stelle mir vor, dass nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches in Europa der Kampf um die Macht über Teile des Kontinents entbrannte und sich nicht nur zwischen den ortsansässigen Herrschaftshäusern ereignete, sondern ab 650 auch arabische und nordafrikanische Herrschaftsaspiranten, wie die Mauren, anzog. Gerade der Ansturm der Mauren fällt in die aktive Zeit[+] der Templer, so dass die Rolle des Ordens als europäische Schutzmacht vielleicht nicht allein in der physischen[+] Verteidigung Europas mit Hauptquartier in den Schweizer Alpen bestand, sondern auch in der Errichtung einer Europa überspannenden Finanzarchitektur, denn der Kapitalismus[+], das Zinsnehmen[+], bewirkt über die Erzeugung von Zinsschulden[+] beim Verkauf von Verfügungsrechten[+] an Kapitalien (damals vorrangig Geld, Immobilien und Leibeigene) Kontrahierungszwänge[+], zwingt Menschen dazu, sich einem Machtzentrum anzuschließen und zu unterwerfen, das zugleich Zentrum der kapitalistischen Akkumulation ist.

Die Templer spielten jedoch eine subtilere finanzielle Rolle, indem sie den intertemporalen Wertaustausch verwalteten. Sie dienten als Treuhänder – sie beaufsichtigten Nachlässe, garantierten die faire Abwicklung von Nachlässen und verkauften sogar lebenslange Renten. [...] Auch die Könige von Frankreich nutzten die Templer, um pfandähnliche Instrumente zu arrangieren, die interessanterweise gehandelt werden konnten.

[...]

Die Templer schufen und warteten eine Reihe von Produkten, die wir als "Finanzprodukte" bezeichnen würden. Warum die meisten Aufzeichnungen des Templer-Bankwesens[+] mit der Aristokratie zu tun haben, Finanzdienstleistungen erstreckten sich auch auf Kaufleute und Gewerbetreibende. Einige Berichte deuten darauf hin, dass sogar einfache Köche Zahlungen über den Tempel erhielten.
Quelle: S. 212, 11 The Temple and Finance, 'Banking[+] Services', in William N. Goetzmann[+], 'Money Changes Everything[+]', 2016, übersetzt mit Google's translate.

Der Kapitalismus[+] einte Europa, indem er die europäischen Menschen dazu zwang, ihre Hingabe nach innen zu richten und von außen zu nehmen. Mit ihrer grundlegenden Arbeit[+], wie sie eben Bauleute tun, bewirkten die Templer die Entstehung eines in den Grundregeln des Kapitalismus[+] einheitlichen Europas, das sich gegen äußere Feinde wehren konnte.

Zunächst sollten wir anmerken, dass es nicht darum ging, eine Bank[+] zu führen, sondern Pilger zu schützen und das Heilige Land zurückzugewinnen. Es handelt sich um finanzielle Aktivitäten, die in diesem Licht gesehen werden sollten. [...] ... die Templer profitierten nicht von ihren finanziellen Aktivitäten. Als ein Templer dem Orden beitrat, verzichtete er auf jeglichen persönlichen Reichtum.
Quelle: 11 The Temple and Finance in William N. Goetzmann[+], 'Money Changes Everything[+]', 2016, übersetzt mit Google's translate.

Wer Max Webers[+] 'Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus[+]' gelesen hat, kennt die Beziehungen zwischen den asketischen Praktiken der christlichen Sekten und andere Religionen. Praktisch alle Weltreligionen propagieren asketische Praktiken. Warum? Weil Menschen, die in einer wirtschaftlichen Umwelt leben, die vom Zinsnehmen[+] und also von der Knappheit des Geldes geprägt ist, nur dadurch materiell aufsteigen, dass sie ihr gegenwärtiges begehrendes Handeln unterdrücken und seine Befriedigung auf die Zukunft verschieben.

Sie glaubten: Nur die Sparer kommen in das Himmelreich[+].

So diente das vorbildliche Verhalten der Templer als ethische Richtschnur, das – begünstigt durch das Zinsnehmen[+] – quasi die Saat kapitalistischer Grundwerte für die Erschaffung eines neuen Menschen bildete. Der Plan der Templer war, so meine Behauptung, die Errichtung eines großeuropäischen Reiches.

Eine Bank[+] ist eine Organisation, die Einlagen entgegennimmt, Kredite vergibt und eine Reihe von Finanzdienstleistungen anbietet. Banken[+] tun auch andere Dinge. Abhängig vom rechtlichen Umfeld, in dem sie tätig sind, einige tätigen Aktieninvestitionen, übernehmen die Emission von Wertpapieren, und nehmen an der Führung von Unternehmen teil. Nach diesen Kriterien waren die Templer mit ziemlicher Sicherheit eine Bank[+]. Diese Bank[+] gehörte letztendlich der katholischen Kirche, da der Papst das Recht[+] hatte, Templervermögen zu übertragen auf andere Aufträge und schließlich die Liquidation des Auftrags anzuordnen. (S. 213) Dieses Eigentumsrecht[+] wurde jedoch erst mit Beendigung des Auftrages relevant. Während des größten Teils ihrer Existenz wurden die Templer als eine Art Partnerschaft regiert, mit sorgfältig definierten Regeln für die Aufnahme in den Orden und für die Nachfolge in der Verwaltungs- und Führungsstruktur. Das Vermögen wurde nur von den Ordensmitgliedern verwaltet, und sie sollten die Mission der Organisation fördern. Die Templer wurden bei ihrer Gründung vom Papst „gechartert“, und dies legitimierte ihr Recht[+], als einheitliche Institution zu agieren. Vermutlich bedeutete dies, dass Schulden des Pariser Tempels als Schulden des Londoner Kapitels berücksichtigt wurden, zum Beispiel.
Quelle: 11 The Temple and Finance in William N. Goetzmann[+], 'Money Changes Everything[+]', 2016, übersetzt mit Google's translate.

Die obigen Zeilen lassen nun vermuten, dass es die katholische Kirche war, die mithilfe des Ordens den Plan der Errichtung eines großeuropäischen Reiches verfolgte.

Banken[+] – ob öffentliche, private oder gemeinnützige – verlassen sich auf zwei entscheidende Vorteile. Das erste ist Finanzexpertise und das zweite ist Kapital. Finanzexpertise umfasst die Fähigkeit, Kreditnehmer zu beurteilen und das Ausfallrisiko zu kontrollieren; Vermögen sichern; und Einzahlungen, Auszahlungen, Einnahmen und Ausgaben auswerten, aufzählen, dokumentieren und aufzeichnen. Dies sind Fähigkeiten, die die Templer von ihren ersten Ausflügen in die Pilgerfinanzierung entwickelt und perfektioniert haben als De-facto-Schatzmeister der Könige von England und Frankreich. Aber sie hatten auch Kapital. Obwohl es keine endgültigen Aufzeichnungen über das Vermögen der Templer gibt, sollen sie eine große Anzahl von Immobilien in ganz Westeuropa besessen haben.
Quelle: 11 The Temple and Finance in William N. Goetzmann[+], 'Money Changes Everything[+]', 2016, übersetzt mit Google's translate.

Eines der großartigen Eigenschaften von Goetzmannis[+] Werk ist die Klarheit, mit der er die Geschichte interpretiert und die finanziellen Handlungen der Vergangenheit im Lichte von Begriffen der heutigen finanziellen Institutionen ausdrückt. Es ist wahrscheinlich, dass die Templer ihre Tätigkeit nicht als Bankgesch[+]äft bezeichneten, doch klar ist, dass ihre Tätigkeiten heute als 'Bankgesch[+]äfte' bezeichnet werden müssen.

Es folgen nun einige in der moralischen Bewertung der Tätigkeit der Templer im Hinblick auf das christliche absolute Zinsverbot[+] (vgl. Lukas 6:[30-35]) etwas höher reflektierte Aussagen Goetzmanns[+], die jedoch leider verdeckten, dass es sich auch bei der Erhebung von Miet- und Pachtsteuern, das Zehnt gezahlt als Naturalabgabe, um (Natural-) Zinsen[+] handelte. Der Zins[+] ist nämlich die Urform[+] der Steuer: Menschen, die auf dem Land des Herrschers saßen und lebten, mussten für Besitz[+] und Nutzung Zinsen[+] in Form eines Teils ihrer Erzeignisse an den Herrscher zahlen, der so auf der Grundlage seines Eigentums[+] an den Immonbilien ein leistungsloses Einkommen hatte.

Während die meisten Banken[+] ihr Geld mit der Erhebung von Zinsen[+] verdienen, gibt es kaum direkte Beweise dafür, dass die Templer auf diese Weise ihr Vermögen anhäuften. Normalerweise hätten Gesetze explizite Zinsbelastungen[+] für den Orden erschwert, aber nicht unmöglich gemacht. Zinsen[+] konnten als Gebühr für verspätete Zahlung versteckt werden. Normalerweise hätten Verbote jedoch Geschenke als Gegenleistung für die Dienste der Templer sicherlich nicht verhindert. Darüber hinaus sicherten sich die Templer weitere Rechte[+] im Austausch für Finanzdienstleistungen an die Krone die genauso gut waren wie Zinszahlungen[+], einschließlich Freistellung von Steuern, Franchiserechte, oder Zollsenkungen beim Verkauf von Waren wie Salz und Wein.
Quelle: 11 The Temple and Finance in William N. Goetzmann[+], 'Money Changes Everything[+]', 2016, übersetzt mit Google's translate.

Offenbar tolerierte die katholische Kirche also das Zinsnehmen[+] der Herrscher, jedoch nicht, dass Christen Zinsen[+] nehmen. So findet hier das berühmte Gerücht einer heimlichen Absprache zwischen einem weltlichen (materiellen) und einem geistlichen (spirituellen) Herrscher Nahrung: „Halt' Du sie arm, ich halt' sie blöd“.

Der übertragbare Feudalrechtsrahmen lieferte die Grundlage für die gesamte spätere europäische Finanzarchitektur. Kommunale und kommunale und staatliche Finanzen im frühen 12. Jahrhundert basierten auf der Monetarisierung landbasierter, feudaler Einnahmen: Pacht, landwirtschaftlicher Ertrag, Zölle, Steuern, Seezölle, Schürfrechte und traditionelle Corvées. Dieses Finanzsystem ermöglichte es Lords und Landbesitzern, Kredite aufzunehmen, und Investoren, Gewinne zu erhalten und neu zuzuweisen, ein feudales Schuldsystem. Obwohl es lange vor dem Aufkommen der Templer existierte, ermöglichte das System der Vogteien und Volkszählungsverträge den Templern – ebenso wie allen anderen unternehmungslustigen Kreditgebern – ihr Kapital einzusetzen.

Ein Hauptproblem bestand darin, dass diese Verträge in die Macht des Souveräns oder des Lords eingriffen, der sie erteilte, und dies war riskant. Die Folge dieser Finanzierung durch zahlungsbedürftige Grafen, Herzöge, Städte und Republiken war nicht nur die Schwächung der Hoheitsgewalt, sondern auch drohende Zahlungsunfähigkeit oder Enteignung. Im Laufe von ungefähr einem Jahrhundert sammelte die Templer-Organisation Tausende von Immobilien und ein komplexes Netzwerk von Verträgen, die sie zu einer bedeutenden Wirtschaftskraft in Europa machten und auch ein Gelegenheitsziel für Monarchen boten, die nach Geld suchen.

[...]

Religiöse Institutionen wie die Templer und Johanniter wurden wichtige Nutznießer von Lehen und entwickelten ein Rechtssystem[+] in Europa, um Streitigkeiten über Lehen und andere übertragbare Rechte[+] zu entscheiden. Obwohl es auf dem Prinzip der Landzuweisung und Landerträge basierte, wurde das Lehensrecht schließlich zu einem Rahmen für ein System rein monetärer Verpflichtungen und war die konzeptionelle Grundlage für Europas einzigartige Finanzarchitektur.
Quelle: 'International Finance in the 13th Century' in William N. Goetzmann[+], 'Money Changes Everything[+]', 2016, übersetzt mit Google's translate.
Wie hält man die modernen Nazis auf? Man scheucht die Vögel (die Gedanken) auf!

Schlussfolgerungen

An den Zitaten erkennt man, dass nach den Ausführungen des Finanzhistorikers Goetzmann[+] der Handel mit Verfügungsrechten[+] an Sachen samt seiner Verwaltung vom Templerorden mit entwickelt, verbreitet und etabliert wurde. Offenbar hat das sich über die Jahrhunderte wie eine Schlange häutende Feudalsystem in Form des modernen Kapitalismus[+] überlebt, denn auch heute noch leben vermögende Menschen allein auf der Grundlage ihres Eigentums[+] und beziehen Sparzinsen, Mietzinsen[+], Pachtzinsen[+], Lizenz-, Leih- und Nutzungsgebühren aller Art, während es auf der anderen Seite eigentumslose auf der Scholle Sitzende gibt, nämlich Kreditnehmer, Mieter, Pächter, Lizenz-, Nutz- und Leihnehmer i.A., die wie damals das Zehnt verrichten, nur eben nicht mehr in Naturalien.

Nicht zitiert habe ich hier Passagen des Buches, die sich mit dem sagenumwobenen Schatz des Templerordens beschäftigen. Das hat zum einen den Grund, den Erwerb des Buches attraktiv zu machen, doch zum anderen auch, dass ich hier anderer Auffassung bin als Goetzmann[+]. Ich denke, dass der Schatz des Templerordens im Himmelreich[+] besteht, das eine umso größere materielle Grundlage hat, je länger das Zinsnehmen[+] systematisch betrieben wurde. Doch darüber soll sich der Leser ein eigenes Bild machen.

Uneingeschränkte Kaufempfehlung: Money Changes Everything (2016) von William N. Goetzmann.

Querverweise auf 'William N. Goetzmann über die Bankgeschäfte des Templerordens'

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