Die Wirkung des Zinses dargestellt im Riemann-Thomann-Modell

Die (heute beobachtbaren) Strukturen des Über-Ichs, die korrespondierenden Elemente in psychischen und sozialen Systemen, dienen der Regulation der Impulse des Es und haben sich im Verlauf des Kapitalismus der Neuzeit ab der Renaissance (Wiedergeburt) im Zuge der Reformation (Neubildung) gebildet. Elias beschreibt die Wirkung des Zerfalls des geozentrischen Weltbilds als eine Art narzistische Frustration, aus der heraus der moderne Mensch anfing, durch Reflektion der bzw. über die Funktionsweisen und Gesetzmäßigkeiten (Gesetze sind Bestimmungen !) der Objekte seiner Umwelt und durch zielgerichtete Forschung daran selbst Kontrolle über die Natur auszuüben, nachdem ihm gewahr worden war, dass die Welt, entgegen der vermeintlichen religiösen Verheißung, Gott habe dem Menschen die Welt zu Füßen gelegt ...

  1. Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.
  2. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten,
  3. aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.
  4. (Genesis 2)
.... nicht so gebaut ist, dass sie sich allein um ihn drehte.

Im Vorwort des Buches Über den Prozeß der Zivilisation schreibt Norbert Elias zu den Anfängen und Ursachen dieser Entwicklung:

Der Akt des gedanklichen Abstandnehmens von den Objekten des Nachdenkens, den jede in höherem Maße geführt kontrollierte Reflexion einschließt, den insbesondere die wissenschaftliche Denk- und Beobachtungsarbeit verlangt - und der sie zugleich möglich macht -, stellt sich in der Selbsterfahrung auf dieser Stufe als ein tatsächlich existierender Abstand des Denkenden von den Objekten seines Denkens dar; und die stärkere Zurückhaltung affektgeladener Impulse gegenüber den Gegenständen des Denkens und Beobachtens, die mit jedem Schritt auf dem Wege der stärkeren gedanklichen Distanzierung Hand in Hand geht, stellt sich in der Selbsterfahrung der Menschen hier als ein tatsächlich existieren- der Käfig dar, der das »Selbst« , das »Ich« oder je nachdem auch die »Vernunft« und »Existenz«, von der Welt »außerhalbx des Individuums ab, und ausschließt.

Laut Norbert Elias ging die Zunahme der Ausübung von Kontrolle über die Umwelt und der Bestimmung über die Natur einher mit einer Zunahme der Bestimmung und Kontrolle der eigenen Natur, dem Es Freuds. Die sich Über-Ich bildenden (formierenden, Information heißt Einbildung) Kontrollinstanzen äußerten sich in den so auftretenden Phänomenen der Ratio und des moralischen Gewissens, doch blieb laut Elias in dieser Entwicklung die Beobachtung dieses langfristigen Veränderungsprozesses an der Seele des gezähmten (zivilisierten) Menschen, die Selbstreflexion, auf der Strecke.

Daß und zum Teil auch warum vom späten Mittelalter und der frühen Renaissance an ein besonders starker Schub der individuellen Selbstkontrolle, und vor allem auch der von Fremdkontrollen unabhängigen, als selbsttätiger Automatismus eingebauten Selbstkontrolle auftrat, auf die man heute bezeichnenderweise mit Begriffen, wie »verinnerlicht« oder »internalisiert« hinweist, wird von anderen Seiten her in den folgenden Untersuchungen ausführlicher dargelegt. Diese nun in höherem Maße einsetzende Verwandlung zwischenmenschlicher Fremdzwänge in einzelmenschliche Selbstzwänge führt dazu, das viele Affektimpulse weniger spontan auslebbar sind. Die derart im Zusammenleben erzeugten selbsttätigen, individuellen Selbstkontrollen, etwa das »rationale Denken« oder das »moralische Gewissen«, schieben sich nun stärker und fester gebaut als je zuvor zwischen Trieb- und Gefühlsimpulse auf der einen Seite, die Skelettmuskeln auf der anderen Seite ein und hindern die ersteren mit größerer Strenge daran, die letzteren, das Handeln, direkt, also ohne Zulassung durch diese Kontrollapparaturen, zu steuern.

Die Verlauf des Prozesses hinzukommenden Über-Ich-Strukturen beschreibt Elias als schizoidisierende Elemente (altgriechisch schı́zein = spalten) die sich als Mauern im zwischenmenschlichen Gefüge darstellen und zu einer Individualisierung und Vereinzelung der Menschen führen:

Das ist der Kern der individuellen Strukturveränderung und der individuellen Struktureigentümlichkeiten, die bei der reflektierenden Selbsterfahrung, etwa von der Renaissance an, ihren Ausdruck in der Vorstellung von dem einzelnen »Ich« im verschlossenen Gehäuse findet, von dem »Selbst«, das durch eine unsichtbare Mauer von dem, was »draußen« vor sich geht, abgetrennt ist.

Es sind die zum Teil automatisch funktionierenden zivilisatorischen Selbstkontrollen, die in der individuellen Selbsterfahrung nun als Mauer, sei es zwischen »Subjekt« und »Objekt«, sei es zwischen dem eigenen »Selbst« und den anderen Menschen, der »Gesellschaft«, erfahren werden.

Soziogenese und Psychogenese sind laut Elias miteinander verkoppelt. Wie in einem Zeitraffer durchläuft ein Kind während seiner Erziehung und Sozialisation bis zum Erwachsenenalter in einem Vorgang der Übertragung die sozio-kulturelle Prägung, der die Eltern und vor ihnen die Eltern der Eltern, usw. während des jahrhundertelangen Zivilisationsprozesses unterworfen waren. Diese Prägung stellt sich in den Über-Ich Strukturen des Erwachsenen dar:

Der spezifische Prozess des psychischen »Erwachsenwerdens« in den abendländischen Gesellschaften, der den Psychologen und Pädagogen heute oft genug Anlass zum Nachdenken gibt, ist nichts anderes als der individuelle Zivilisationsprozess, den jeder Heranwachsende in den zivilisierten Gesellschaften als Folge des jahrhundertelangen, gesellschaftlichen Zivilisationsprozess von klein auf automatisch in höherem oder geringerem Grade und mit mehr oder weniger Erfolg unterworfen wird. Man kann daher die Psychogenese des Erwachsenenhabitus in der zivilisierten Gesellschaft nicht verstehen, wenn man sie unabhängig von der Soziogenese unserer »Zivilisation« betrachtet. Nach einer Art von »soziogenetischem Grundgesetz« durchläuft das Individuum während seiner kleinen Geschichte noch einmal etwas von den Prozessen, die seine Gesellschaft während ihrer großen Geschichte durchlaufen hat.

Zum Begriff des »soziogenetischen Grundgesetzes« merkt Elias an:

Man darf diesen Ausdruck nicht dahin missverstehen, als fänden sich in der Geschichte des »zivilisierten« Individuums nun auch alle einzelnen Phasen der Gesellschaftsgeschichte wieder. Nichts könnte unsinniger sein als etwa nach einer »naturwirtschaftlichen Feudalzeit« oder nach einer »Renaissance« und einer »höfisch-absolutistischen Periode« im Leben des Individuums zu suchen. Alle Begriffe dieser Art beziehen sich auf die Struktur von ganzen Gesellschaftsgruppen. Worauf hier hingewiesen werden soll, ist die einfache Tatsache, dass auch in der zivilisierten Gesellschaft kein Menschenwesen zivilisiert auf die Welt kommt und dass der individuelle Zivilisationsprozess, dem es zwangsläufig unterliegt, eine Funktion des gesellschaftlichen Zivilisationsprozess ist. Wohl hat daher die Affekt- und Bewusstseinsstruktur des Kindes eine gewisse Verwandtschaft mit der von »unzivilisierten« Völkern und das Gleiche gilt von derjenigen Schicht in den Erwachsenen, die mit der fortschreitenden Zivilisation einer mehr oder weniger stark Zensur unterworfen ist und die sich dann z.B. noch in Träumen Ausdruck schafft. Aber da in unserer Gesellschaft jedes menschliche Wesen vom ersten Augenblick seines Daseins an den Einwirkungen und dem modellierenden Zugriff »zivilisierter« Erwachsener ausgesetzt ist, so muss es zwar in der Tat von neuem einen Zivilisationsprozess zu dem von seiner Gesellschaft im Laufe ihrer Geschichte erreichen Standard hin durchlaufen, aber keineswegs alle einzelnen, geschichtlichen Abschnitte des gesellschaftlichen Zivilisationsprozesses.

Werte und Ängste

Die heute beobachtbaren Elemente des sog. Über-Ichs im Strukturmodell der Psyche von S. Freud, sind also das Resultat eines jahrhundertelangen Erziehungs- und Konditionierungsprozesses. Wenn man also von der sozial-psychologischen Wirkung des Zinses spricht, dann spricht man vom Generator der Über-Ich-Strukturen der Seele. Wie im Folgenden näher ausgeführt, sind die heute beobachtbaren Formen der Seele (vergleiche auch mit dem Begriff der Neurosenstruktur) vergleichbar mit Gehegen aus Angst. Die systemisch vernünftige (Vernunft kommt von Vernehmung) und also sinnvolle Verhaltensweise dient der Abwehr bestimmter fundamentaler Ängste. Die Anpassung des Sozial-Verhaltens in den sozialen Räumen dient dem Zweck, die jeweils zugrundeliegende Ängste vor den Folgen des sich „Nicht-Danach-Verhaltens“ nicht haben zu müssen. Die Anpassung ist also ein seelischer Abwehrvorgang.

Als Modell zur Beschreibung der Erziehung bietet sich der Begriff der Werte, die Elemente des Über-Ichs, an. Das Über-Ich besteht in dieser Vorstellung aus einer Menge von Werten. Das Verhalten eines Menschen in den Beziehungen wird von seinen eigenen und den Werten des ökonomischen Systems bestimmt.

In jedem arbeitsteiligen ökonomischen und wirtschaftlichen System gibt es Verträge. Das Einhalten von Verträgen (Kontrahierungsrecht/pflicht) und Vereinbarungen ist ein Vertrauen schaffender Wert, der für sich steht. Eingehaltene Verträge, die Zins-behaftet sind (positiv oder negativ), führen im Verhalten der Menschen zu einer Zins-induzierten Verschiebung / Verlagerung von natürlichen Werten. Davon betroffen sind insbesondere der Wert der Hingabefähigkeit und ihres Gegenteils, der Gier, die Werte der Selbstständigkeit und Konkurrenz und auf der anderen Seite die Werte der Arbeitsteilung, der Kooperation und Zusammenarbeit betroffen.

Riemann Koordinaten 2.0
Im Sozialverhalten lassen sich die Kategorien der Werte (Transformationsachse) und der Bestimmung (Integrationsachse) unterscheiden (Riemann Koordinaten) in denen in stabilen Beziehungen Gleichgewichte ausbilden.

Der deutsche Psychoanalytiker Fritz Riemann beschäftigte sich in seinem Hauptwerk Grundformen der Angst mit verhaltensprägenden Ängsten in Bezug auf den Umgang mit Beziehungspartnern (der Integration des Individuums) sowie mit Veränderungen (Transformationen) der Einstellung (Zusammenfassung hier). Insgesamt wird, die Sprache Fritz Riemanns benutzend, bei positivem Zins auf der Beziehungs(Integrations)achse statistisch eine Verschiebung in Richtung Heteronomie beobachtet, während das Verhalten entlang der sogenannten Transformationsachse eine Verschiebung in Richtung der die Werte zum Erhalt von Kapital (Kapital-Konservatismus, Ausrichtung auf tote Dinge, Thanatophilie) aufweist.

Einfluss einer Störung der Integrationsachse: Monetäre Schuld, Zwang und Selbstbestimmung

Eine Analyse der Beziehungen der Menschen und der Ängste, die darin auftreten, kann nicht ohne die Berücksichtigung ökonomischer Zusammenhänge geschehen, weil ein wesentlicher und bestimmender Teil der Beziehungen von den Beziehungen des Geld-Netzwerks beeinflusst werden. Das Wort Die Grafik oben zeigt eine stark vereinfachte Darstellung der öko-sozialen und des Geld-Netzwerks. Die Knoten der Netzwerke sind die Menschen, die Kanten des Netzwerks sind die Beziehungen und Verträge. Im Geld-Netzwerk heißen die Kanten Verträge. Der Mensch im Kapitalismus ist Teil beider Netzwerke. Die Seele eines Menschen kann die Einflüsse von Beziehungen für gewöhnlich nicht scharf trennen. Spannungen und Konflikte erlebt in einem Netzwerk wirken sich unweigerlich auf das andere aus, wenn die Seele ganz, also kohärent und konsistent ist.

In der Regel ist es möglich, die gesamte Lebenszeit eines Menschen in die Bereiche der Berufstätigkeit (der Arbeit, heteronome Lebensszeit) und des freien Lebens (autonome Lebensszeit) aufzuteilen. Die Menschen sind für gewöhnlich Teil beider Netzwerke und müssen zwischen den Einflüssen beider Netzwerke balancieren (Abb. 16). Wie im Abschnitt 4.6 beschrieben, werden im Geldnetzwerk (also im Umgang mit Geld) bestimmte soziale Verhaltensweisen und Werte ankonditioniert bzw. internalisiert. Diese Prägung kann bewusst oder unbewusst auch in das Leben außerhalb der Arbeit hinein wirken, wenn das Verhalten nicht reflektiert wird. Viele Menschen erleben den Übergang von der Arbeit auf das Privatleben als ein Abschalten, das zunehmend schwerer fällt.

Im Abschnitt über das Gleichgewicht der Bestimmung wird erläutert, dass Selbstbestimmung Eigengesetzlichkeit bedeutet. Die Gesetze, Regeln und Normen, die Werte, für das Selbst kommen also bei der Selbstbestimmung aus dem Selbst. Eine monetäre (Geld-) Schuld ist eine Einschränkung der Selbstbestimmung bzw. ein Zwang zu tilgen. Schulden verursachen also Handlungs- und/oder Anpassungzwänge, denen bestimmte Werte zugrunde liegen. Dies, das „zugrunde Liegen„ bedeutet hier, dass beim Tilgen oder Sühnen einer Schuld das selbe Verhalten durch die Einhaltung eines entsprechenden Wertes verursacht wird. Die angenommene Schuld bildet also den Wert.

Schuld f. 'Zahlungsverpflichtung, Vergehen, Unrecht, Ursache (von etw. Bösem), Verantwortung (für etw.)',
ahd. sculd '(Zahlungs)verpflichtung, Vergehen, Missetat, Buße, Verdienst, Ursache' (8. Jh.),
mhd. schulde, schult, scholt, asächs. skuld, mnd. schult, mnl. scult, nl. schuld, aengl. scyld, anord. schwed. skuld (germ. *skuldi-) ist ein mit ti- Suffix zu dem unter sollen (s. d.) behandelten Präteritopräsens gebildetes Abstraktum.
Verwandt sind lit. skolà und kalt?? 'Schuld', apreuß. skall?snan (Akk. Sing. Fem.) 'Pflicht'.
Schuld bezeichnet zunächst eine 'Verpflichtung oder Leistung', die einem obliegt, dann speziell die 'Verpflichtung zu einer Geldzahlung, die aus einem Darlehen erwächst' und steht sowohl für 'entliehenes, zurückzuzahlendes Geld' als auch (vom Gläubiger her gesehen) für 'verliehenes Geld, Guthaben'.
Bereits im Ahd. nimmt Schuld (unter kirchlichem Einfluß) über 'Verpflichtung zur Buße' die Bedeutung 'Missetat, Vergehen, begangenes Unrecht' an.
Daraus entwickelt sich in rechtssprachlicher Verwendung 'Anklage, Anschuldigung, zur Last gelegtes Verbrechen, Beschuldigung' (vgl. mhd. schult geben), 'Ursache, Grund' (für die Konsequenzen und Folgen eines Vergehens,
vgl. mhd. einer sache schulde h?n, nhd. Schuld haben an etw., mhd. einem schulde geben, nhd. die Schuld geben).
Aus Wendungen wie er hat (die) Schuld entwickelt sich (etwa im 16. Jh.) prädikatives schuld Adj. Adv. 'schuldig'. schulden Vb. 'jmdm. zu einer Leistung, bes. zur Rückzahlung eines Geldbetrags, verpflichtet sein, jmdm. etw. verdanken', ahd. sculd?n 'verschulden, verdienen' (10. Jh., gisculd?n, 9. Jh.), sculden 'verschulden, verdienen, schuldig sprechen' (9. Jh.), mhd. schulden 'schuldig sein, bleiben, sich schuldig machen, verpflichtet sein, beschuldigen, anklagen'. schuldig Adj. 'verpflichtet (etw. zu leisten oder zu zahlen), Urheber, Ursache, Anlaß für etw. darstellend', ahd. sculd?g 'schuldend, verpflichtend, verpflichtet, zugehörig, geeignet' (8. Jh.), mhd. schuldic, schuldec. beschuldigen Vb. 'die Schuld geben, anklagen, bezichtigen', mhd. beschuldigen 'anklagen'; vgl. ahd. sculd??g?n 'beschuldigen' (um 1000).
anschuldigen Vb. 'die Schuld geben, bezichtigen', mhd. aneschuldigen.
entschuldigen Vb. 'verzeihen, erklären und damit um Verständnis bitten', mhd. entschuldigen 'von der Schuld befreien, lossagen, freisprechen'. Schuldner m. 'wer einem Gläubiger Geld zurückzahlen muß', frühnhd. schuldener 'Schuldner' und 'Gläubiger' (15. Jh.). Unschuld f. 'Schuldlosigkeit, moralische Reinheit', ahd. unsculd (8. Jh.), mhd. unschult, -schulde. unschuldig Adj. 'schuldlos, moralisch untadelig', ahd. unsculd?g (8. Jh.), mhd. unschuldic, -schuldec 'frei von Schuld, schuldlos, unverschuldet, nicht gebührend'.
Quelle: Wörterbuch der deutschen Sprache

Im Kapitalismus entstehen durch Spareinlagen Zins-Schulden, also monetäre Zwänge auf der Aktivseite der Bank und werden im Netzwerk der Wirtschaft verteilt. Die im Netzwerk der Wirtschaft umher-propagandierende Schuld engt die Selbstbestimmung desjenigen Menschen oder anderen Lebewesens ein, von welchem der Zins am Ende genommen wird. Im Laufe der Zeit gewöhnen sich die Menschen an die Fremdbestimmung bzw. den Zwang und empfinden ihn als normal.

Die sozialen Netzwerke sind den Wirtschaftsnetzwerken untergeordnet, weil die Menschen durch den Zins Stück-für-Stück ihre Selbstbestimmung aufgeben. Im Verlauf des Kapitalismus verlernen sie die Fähigkeit und die Möglichkeit, sich selbst unter Benutzung ihres Eigentums (Haus, Grund und Boden) zu versorgen, denn der Zins stört das Gleichgewicht zwischen der Selbstbestimmung und Fremdbestimmung, dem Leben und der Arbeit.

Glaube ist die höchste Form der Selbstbestimmung. Jedes Lebewesen hat seinen eigenen Glauben und glaubt an das, was für es wichtig ist. Der Zins zwingt die Menschen dazu, von ihrem Glauben abzufallen, denn durch ihn wird eine Wirklichkeit erschaffen, in denen die Menschen nur durch Anpassung an die Werte des Kapitalismus überleben können.

Der menschliche Geist kann, ohne zu wissen wie der Kapitalismus funktioniert, zwischen dem Regelwerk der Naturgesetze und den Regeln des Kapitalismus nicht unterscheiden. In der Natur gibt es ausschließlich negative Zinsen, alles andere würde der Energieerhaltung widersprechen. Über der Wirklichkeit der Naturgesetze liegt die Wirklichkeit des Kapitalismus.

Im Gleichgewicht von Leben (links) und Arbeit (rechts) ist der Mensch als Mittel der Verfolgung zweier Zwecke unterworfen. Kann der Mensch die dazu gehörigen Netzwerke nicht scharf voneinander trennen (wer kann das schon absolut?), propagieren die Regeln und Gesetzmäßigkeiten des einen Netzwerks in das andere und erzeugen so Konflikte.
Matthäus 6
  1. Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Die sich bei positivem Zins ausbildende Ordnung der Nomie im Geldnetzwerk ist eine Hierarchie in der es auf jeder Hierarchieebene jeweils Vor- und Nachgesetzte gibt. In diesen Räumen geordneter Bestimmung (der nach Vermögen geschichtete Raum der Gesellschaft, Unternehmen, Behörden, Militär, usw.) werden bewusst und unbewusst bestimmte soziale Verhaltensweisen, Werte und Einstellungen durch (monetäre) Belohnung und Bestrafung systematisch ankonditioniert bzw. erlernt. Die Konditionierung wirkt sich auch auf das zum Geldnetzwerk komplementäre ö̈ko-soziale Netzwerk aus. Abb. 19 zeigt monetär belohntes und bestraftes (Sozial-) Verhalten bzw. Werte im Umgang mit Geld. Analytisch und rational betrachtet ist auf den billigen Plätzen im Kapitalismus ein Überleben nur unter Einhaltung der aufgelisteten Verhaltensweisen (in der Abb. 19 rechts) möglich. Verhaltensweisen, die in der Abb. 19 links stehen, werden monetär bestraft. Viele Menschen haben diesen Anpassungsdruck akzeptiert und die Konditionierung internalisiert. Um diese These zu beweisen, verweise ich auf die Beobachtungen des Psychoanalytikers Fritz Riemann während seiner langjährigen Praxis als Paartherapeut. Aus seinen Beobachtungen, die wissenschaftstheoretisch als (subjektive) Messungen aufgefasst werden können, leitet Fritz Riemann 4 Grundformen der Angst ab (Tab. 8). Die Integrations-Achse des Riemann Thomann (RT) Modells ist den Verträgen (bzw. den Beziehungen) zugeordnet, über die direkt und indirekt Zinsen fließen. Der (Kontrahierungs-) Zwang geht vom schizoiden Charakter aus und beschränkt die Freiheit und Würde des Depressiven. Die Transformations-Achse des RT Modells ist die Achse belohnter und bestrafter Werte. Das Zwanghafte befindet sich im Strukturmodell der Psyche im Über-Ich und entspricht dem belohnten Verhalten eines perfekt konditionierten Kapitalisten bzw. dem Homo-Ökonomikus, während das Hysterische unserem natürlichen Es zugeordnet ist und im Geldsystem systematisch bestraft bzw. bezinst wird. Etwas frei formuliert wird im Kapitalismus also der hysterisch-depressive ( „kreativ niedergedrückte“) Typus vom zwanghaft-schizoiden Typus, dem konservative Spalter“, beherrscht und ausgebeutet, wobei letzterer demzufolge auch die Verantwortung für die entstandenen sozialen und ökologischen Schäden trägt.

Da sich in dieser kurzen Analyse (Abb. 19) genau die gleichen 4 Kategorien (jeweils 2 in Bezug auf das Sozialverhalten und 2 für die Werte) ergeben, kann der Zins also als ursächlich für die Bildung dieser 4 Persönlichkeitstypen Riemanns aufgefasst werden, denn das Riemann-Tho- mann-Modell wurde aus Beobachtungen abgeleitet, die also Messungen sind, während Abb. 19 (theoretisch) aus der sozio-psychologischen Mechanik des Zinses hergeleitet wurde. Wie hier also nachgewiesen ist, ist die Wirkung des Zinses ein schwerwiegender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und in das nach Art. 2 Abs. 1 geschützte Rechtsgut der Menschen.

Der allgemein-gängige Begriff dieser, vom Kapitalismus künstlich geschaffenen Wirklichkeit ist das Wort „Sozial-Darwinismus“. Der Mensch nimmt die überlagerten Wirklichkeiten war und glaubt, dass die Realität so ist wie sie ist, dabei herrscht in der Matrix der positive Zins und in allen anderen Beziehungen ein negativer Zins. Sogar Beziehungen zerfallen, wenn man sie nicht pflegt.

Der vom Zins verursachte Sozial-Darwinismus ist ein Selektionsmechanismus, der nur diejenigen monetär (s.h. systemisch) überleben lässt, die die Werte des Kapitalismus annehmen. Diese Werte sind (u.a.)

Die an den Kapitalismus Angepassten und davon Assimilierten nehmen diese Werte an, glauben an das Geld und den Mammon. Sie „beten“ das Kapital an und geben sich ihm hin. Da der Zins nun mal die Selbstbestimmung einschränkt, ist der Götze des Kapitalismus das tote Kapital, der Mammon, denn der Zins, also die erpresste Arbeit fließt zu ihm hin.

Die Menschen haben vor langer Zeit angefangen, Zins zu nehmen.

Wo tun sie den Zins hin? Zum Eigentum.

Woher nehmen sie ihn? Vom Leben!

Zins-induzierte Ängste

NETTO Zinsfluss Betrachtung

Erweitertes Riemann-Thomann-Modell

Abschließend sollen hier nun alle 4 Persönlichkeits-Typen des Riemann-Thomann Modells mit den durch den Zins systematisch erzeugten Charakter-Merkmalen kombiniert werden um ein vollständiges Bild zu erhalten.

Achse Bezeichnung
und
Gegenstand der Angst
propagiertes Sozial-Verhalten / Werte
Raum- /
Beziehungs- /
Integrations-
Achse
Schizoidie
(Distanzausrichtung)
griechisch schizein = abspalten

Bestimmung durch Andere / Fremde,
Heteronomie, Kontrahierungszwang
Freiheit, Sie wollen nicht beeinflusst werden, Eigenständigkeit, Individualität, Unverwechselbarkeit Akzeptanz von Hierarchien und bivalente Ordnung der Nomie (Bestimmung) Betonung der Unterschiede und Grenzen, akzeptiert die soziale Spaltung, Abgrenzung, und den Hass auf Fremde. Sie suchen den Abstand und scheinen erst einmal niemanden zu brauchen.
bivalente nomische Ordnung: entweder der eine bestimmt oder der andere, die sowohl-als-auch Möglichkeit ist systemisch unterdrückt,
Sie wirken oft kühl und unnahbar.
rationales Denken und Handeln („bloß kein Gefühl“)
Konkurrenz, Wettbewerb
Die Vernunft ist ihnen sehr wichtig.
Erst wenn ihnen in einer Beziehung zu anderen ein hohes Maß an Freiheit und Rückzugsmöglichkeiten garantiert wird, lassen sie sich auf Gefühle und Nähe ein. Sie wollen nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein und wirken oft bindungsängstlich und/oder unbeholfen im emotionalen Bereich.
Depression
(Näheausrichtung)
von lateinisch deprimere „niederdrücken“

Selbstbestimmung,
Autonomie,
Freiheit, Souveränität,
freie Entfaltung der Persönlichkeit,
Art. 2 GG Abs. 1,
Privatautonomie
soziale Fusion,
Akzeptanz von Heterarchien,
ambivalente nomische Ordnung, Konsens-Suche (sowohl-als-auch) bei der Bestimmung,
Betonung und Hervorhebung des Gemeinsamen (lat. communis),
Nächstenliebe,
Kooperation
Nähe zu anderen Menschen, Bindung, Zuneigung, Vertrauen, Sympathie, Mitmenschlichkeit, Geborgenheit, Zärtlichkeit und Harmonie. Sie brauchen Wärme, Bestätigung, sind selbstlos bis zur Selbstaufgabe, haben soziale Interessen, können sich leicht mit anderen identifizieren und sich selbst vergessen. „Nähemenschen“ sind kontaktfähig, teambereit, ausgleichend, akzeptierend und verständnisvoll.
Sie neigen aber auch zu Abhängigkeit, da sie ungern alleine sind. Sie haben eine Opfermentalität und sind aggressionsgehemmt.
Zeit- /
Veränderungs- /
Transformations-
Achse
Zwanghaftigkeit
(Dauerausrichtung)

Hinterfragung / Verwerfung von Werten, Gesetzen, Regeln, Normen, usw.
Pflichtbewusstsein und Ordnungsaffinität,
Sicherheit,
Leistungsbereitschaft,
Gier und Geiz,
bivalente Logik
analytisches Denken,
Sparsamkeit,
Belohnungsaufschub
Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Sparsamkeit, Wille, Verantwortung, Planung, Vorsicht, Kontrolle, Ziele, Gesetze, Kontinuität, Notwendigkeit, Verbindlichkeit, Treue, Grundsätze, Regeln, Analysieren, Stabilität, Pflicht, Dauerhaftigkeit, Konsequenzen.
„Dauermenschen“ sind sehr verlässlich, systematisch, gründlich, ordentlich, sie haben Organisationstalent und sind prinzipientreu. Sie neigen aber auch dazu, manchmal langweilig, unflexibel, pedantisch und stur zu sein.
Hysterie
(Wechselausrichtung)
von altgriechisch hystéra Gebärmutter (Kreativität)

Verfestigung/Festhalten/Festlegung von/an Werten, Gesetzen, Regeln, Normen, usw.
Rechtsbewusstsein und Ordnungsaffinität,
Risiko / Wagnis,
Bewusstheit der eigenen psychischen und physischen Grenzen,
Genügsamkeit und Hingabe,
ambivalente Logik
ganzheitliches Denken,
Bedürfnis-Stillung,
sofortige Sättigung
Leidenschaften, Reize, Rausch und Phantasie. Sie suchen den Genuss, Charme, Kreativität, Temperament, Suggestion, Spontaneität, Risiko, Ideenreichtum, Dramatik und Begehren.
Diese Menschen sind neugierig, wünschen, suchen, lernen und leben gerne.
Sie sind kreativ, einfallsreich, spontan und unterhaltsam.
Sie können aber auch unzuverlässig, chaotisch, theatralisch, egozentrisch, geschwätzig und unsystematisch sein.
Erweitertes Riemann-Thomann Modell. Es handelt sich um das Riemann-Thomann-Modell, das um die durch den Zins systematisch unterstützen Verhaltensweisen ergänzt wurde.