Preisbildung

Auf dem Markt treffen sich Anbieter und Nachfragender. In Bezug auf das Gut und das dagegen getauschte Geld ist diese Rollenzuweisung komplementär. Wesentlicher Teil des Marktes ist ein Preisbildungsprozess, der aus beiden Perspektiven heraus gesteuert wird. Es gibt noch eine dritte und vierte Perspektiven, bzw. die Perspektiven aller indirekt oder nur teilweise an der Preisbildung Beteiligter. Diese Akteure sind genau diejenigen Personen oder Personengruppen, welche jeweils mit einem der beiden Marktteilnehmer Verträge, insb. Darlehensverträge haben.

Das Aussehen des Preisbildungsprozesses ist höchst unterschiedlich und abhängig von der Menge und Art des Gutes, sowie vom Kontext in dem mit dem Gut gehandelt wird. Ein Preis hat sich letztendlich dann gebildet, wenn es zu einem Tausch (Kauf) gekommen ist.

Die Marktbeziehung kann nur selten als isoliert (oder „frei“), ohne die Einbeziehung der Partner auf anderen Märkten, insbesondere der Kapitalmärkte, betrachtet werden. Schulden (wie auch Guthaben) gegenüber Dritten (hier jeweils: δNG0 und δNG0) verzerren das Gleichgewicht des Marktes und haben Einfluss auf den Preis.

Es werden drei Kategorien Güter unterschieden, die im Prinzip alle nach eigenen Gesetzmäßigkeiten gehandelt werden:

Zunächst wird versucht allgemeingültige Aussagen abzuleiten. Dort wo es nötig ist, werden gesonderte Modelle entwickelt.

In der folgenden Modellbildung ist es wichtig, daran zu denken, dass es in einem über Märkte verbundenen Netzwerk regelmäßig dazu kommt, dass monetäre Schulden (monetäre Dimension der Schuldübertragung) bzw. Autonomieeinschränkungen, Zwänge (soziale und rechtliche Dimension der Schuldübertragung) übertragen werden. Die mathematische Beschreibung der Verteilung von Zins-Schulden befindet sich im Abschnitt über die Zins-Allokation.

Der Begriff der Schuldentragfähigkeit erfasst die Fähigkeit eines sozial-ökonomischen Systems seinen Knoten Schulden zuweisen zu können. Die Schuldentragfähigkeit ist eng mit dem Begriff der Minimal- und Maximalpreise verknüpft, die existenzielle Schranken / Grenzen bei der Preisbildung definieren. Das Medium, über das die Schuld übertragen wird, ist auf der mikro-ökonomischen Skala der einzelne Markt, soz. der „Synapsen-Spalt“ des „sozialen Gehirns“ ist.

Nutzen

Ein Gut hat für gewöhnlich mehrere Eigenschaften, die getrennt voneinander bewertbar sind. Der Nutzen eines Gutes ist also eine Vektor-Größe, muss jedoch, da das Gut nicht teilbar ist, auf einen skalaren Nutzen reduziert werden. Der Nutzen ist subjektiv, so wie es auch die Bewertung der Eigenschaften im Allgemeinen ist.

Der Nutzen u0 ist ein Maß für die Differenz des Werts eines Mittels und des Werts des damit zugänglichen Zwecks.

Das Güterbündel ist ein Satz von Mengen / Maßen von partiellen Eigenschaften eines Gutes. Das Güterbündel charakterisiert also das Gut objektiv. Preis und Menge sind Elemente des Güterbündels. Da der Preis p und die Menge n variable Eigenschaften des Gutes am Markt sind und alle anderen nx Eigenschaften xi hingegen fix, macht es Sinn, deren Einfluss auf den Nutzen separat vom übrigen Güterbündel zu betrachten. x = p n x 1 x nx R 2+nx

Um das Verhalten der Marktteilnehmer zu modellieren, wird in der Mikroökonomie das Konzept der Nutzenfunktion verwendet. Nutzenfunktionen ux sind subjektive Zuweisungen eines Werts an ein Bündel von Gütern (mathematisch ein Tupel oder auch Vektor von Gütern) formal u : R 2+nx subjektive Zuweisung u x R.

Es sind also folgende partielle Ableitungen von besonderem Interesse: u p u n u x1 u xnx .

Im Fall einer linearen Abhängigkeit des Güterbündels vom Nutzen ist die einfachste Darstellung des Nutzens ein Skalarprodukt. Die Elemente des dazugehörige Nutzen-Gewichts-Vektors bemisst das subjektive Gewicht einer Eigenschaft des Güterbündels. Im linearen Fall sind die partiellen Ableitungen des Nutzens nach den Elementen des Güterbündels die konstanten Einträge des Nutzen-Gewichtsvektors.

Das gekaufte Gut bzw. das für das Gut erhaltene Geld sind jeweils Mittel zu einem Zweck. Grundsätzlich sind Mittel nur dann vernünftig, wenn sie einen kleineren Wert haben als der damit zugänglich gewordene Zweck. Die Nutzenfunktion spiegelt diese Vernünftigkeitsrelation. Der Nutzen ist genau dann positiv, wenn der Wert des Mittels kleiner ist, als der Wert des Zwecks. Die Menge der Güter mit gleichem Nutzen heisst Indifferenzmenge eines Nutzens: X u = x | uX = u .

Im Fall des Verleihs von Gütern ist der Nutzen des Eigentümers gleich dem Zins. Aus Sicht des Leihnehmers (Mieters, Kreditnehmers, Darlehens-Schuldners, ...) wird also bei positivem Zins ein i.d.R. signifikanter Teil des Nutzens vom Eigentümer abgeschöpft, dem Besitzer verbleibt ein Rest-Nutzen.

Preisgrenzen bei der Preisbildung

Bei der Bildung von Preisen gibt es ein Intervall, innerhalb dessen sich höchst wahrscheinlich ein Preis bilden wird. Die obere und die untere Grenze wird dabei durch Bedingungen definiert, die sich auf der Seite des Nachfragers (obere Grenze pmax) und des Anbieters (untere Grenze pmin) befinden.

Der sich bildende Preis wird sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit innerhalb dieser Grenzen bilden: p pmin pmax .

Anbieter-Perspektive

Aus Sicht den Anbieters gibt es eine untere Preisgrenze pmin, ab der bei höherem Preis ein Gewinn pro Güter-Einheit bzw. pro Stück entsteht. Ein Unterschreiten dieses Minimal-Preises hat für den Anbieter negativen Nutzen und schlägt sich im schlimmsten Fall auf „die Substanz“ bzw. die Existenz des Anbieters nieder. Die (rechtliche) Bedeutung dieses negativen Nutzens beim Unterschreiten des Minimalpreises ist jedoch höchst unterschiedlich, je nach gehandeltem Gut.

Der Minimalpreis wird in der Regel regional unterschiedlich gebildet, ist also eine räumlich heterogene Größe.

Beispiel: Arbeit

Der Minimal-Preis für Arbeit (Mindestlohn) richtet sich regional nach dem Mietspiegel und den übrigen Lebenshaltungskosten. Eine Verletzung des Grundsatzes, dass ein Mensch von seiner Arbeit, die vernünftig ist, leben können muss, führt in einen Zustand, in dem die Würde des Menschen (Art. 1) verletzt wird.

Beispiel: Mietpreis für Wohnungen oder Autos

Der Zins ist im Kapitalismus der Preis für Geliehenes. Bei materiellen Gütern, die sich abnutzen und von Natur aus degradieren, entstehen Abschreibungen, die mindestens durch den Mietpreis kompensiert werden müssen um wirtschaftlich (mit positivem Nutzen) vermieten zu können. Die Mindestmiete kompensiert also gerade den natürlichen und nutzungsbedingten Wertverlust und definiert den Zins der Höhe 0%.

Die Höhe der Aufwendungen zur Kompensation des Wertverlustes des Mietgegenstandes richtet sich nach den lokalen Preisen, z.B. für Handwerker, Bauunternehmer oder Architekten im Fall der Vermietung von Wohnungen oder den Löhnen für Automechaniker, Werkstattpreisen und Preisen für Ersatzteile am Ort der Nutzung.

Die Höchst-Miete ergibt sich aus dem Löhnen der regional verfügbaren Arbeitsmöglichkeiten, denn eine Hohe MIete kann sich wohl nur derjenige leisten, der ein hohes Einkommen hat.

Beispiel: Unternehmer am Markt

Diese untere Preisgrenze wird in Abhängigkeit des Prozess-Stadiums des Unternehmens (grob unterteilt in Prototyp-Entwicklung, Gründung, normaler Betrieb) unterschiedlich gebildet.

In der Gründungsphase muss pmin in Verbindung mit einer minimal abgesetzten Gütermenge betrachtet werden. Ist das angebotene Gut das erste von einem Unternehmen hergestellte Gut, so müsste der Preis sämtliche (fixe und variable) Herstellungskosten beinhalten.

Die Einnahmenseite eines realwirtschaftlichen Unternehmens, das etwas Materielles herstellt (Herleitung und Bedeutung der Symbole in Zusammensetzung von Preisen) ist: p · n = π + i wi · li + w pw · nw + j rj · Kj + r pr · nr

Rein rechnerisch ist der Stück-Preis: p = π + i li · wi + j rj · Kj + w nw · pw + r nr · pr. Der minimale Preis ist derjenige, ab dem der Gewinn pro Gütereinheit genau verschwindet: pmin = p π = 0 = i li · wi + j rj · Kj + w nw · pw + r nr · pr.

Ist der Tauschpreis p des produzierten Guts eines Unternehmens im Normal-Betrieb kleiner als der minimale Preis pmin, dann schlägt sich das Defizit p-pmin auf die Substanz (Kapitalreserven/rücklagen) des Unternehmens nieder, hat also negativen Nutzen. Auf Dauer kann sich ein Unternehmen sub-minimale Preise also existenziell nicht leisten.

Zu beachten ist zudem, dass in den Kapitalkosten Zinsen enthalten sind, welche den Minimalpreis systematisch hochziehen. Eine obere Preisgrenze gibt es aus Sicht des Anbieters nicht, sie wird lediglich aus Sicht des Nachfragers definiert, der sich das Produkt der Unternehmers auch leisten können muss.

Nachfrager-Perspektive

Aus Sicht eines Nachfragenden gibt es hingegen keinen kleinsten Preis, sondern einen durch das Budget bestimmten Maximalpreis: pmax = Budgetgrenze Die Budgetgrenze definiert einen monetären Handlungsspielraum, der den Raum der erwerblichen Güter einschränkt (Begriff der Budgetrestriktion, bzw. des Raums monetärer Möglichkeiten). Auch der Maximal-Preis kann eine existenzielle Grenze darstellen.

Das Budget kann durch die Aufnahme eines Kredits „aufgeblasen“ werden. Im Fall der Erweiterung des Budgets um das Volumen eines Kredits gibt es fundamentale, vom Zins abhängige Unterschiede bezüglich der Kosten der Erweiterung.

Die Budget-Restriktion bei positivem Kredit-Zins (zK>0) entsteht dadurch, dass der Zins den Wert des Zwecks in Richtung des Werts des Mittels reduziert ist. Ist der Wert des Zwecks aufgrund der Kapitalkosten (akkumulierte Zinsen) so groß, wie der Wert des Mittels, verschwindet der Nutzen. Bei negativem Zins (zK<0) besteht im Prinzip keine Restriktion und der Nutzen des Mittels steigt sogar um die Höhe des am Ende der Tilgung akkumulierten Negativ-Zinses. Ist der Kredit-Zins 0, so ist der Nutzen uzK=0 genau so groß wie im Fall des unerweiterten Budgets (Grafik oben zu Nutzen)

Bei positivem Kredit-Zins (Kapitalismus) sinkt aufgrund des Zinses der Nutzen eines Gutes, dessen Preis sich im Bereich des um den Kredit erweiterten Budgets befindet, weil der zukünftige Handlungsspielraum um die Höhe der akkumulierten Zinsen eingeschränkt wird. Die Budgetgrenze liegt genau dort, wo der Nutzen des erworbenen Gutes aufgrund der Höhe des Zinses verschwindet.

Ist der Kredit-Zins hingegen negativ, gibt es einen Nutzen-Zuwachs für den Nachfrager. Eine scharfe Grenze, wie im Fall des positiven Kredit-Zinses gibt es nicht, die Grenze ist relativ offen oder unscharf, weil die Kosten für die Budgeterweiterung negativ sind.

Betrachtet man also die Budgetgrenze als Funktion des Zinses, so ist die Grenze bei positivem Zins scharf und das Nutzen-Defizit wird vom Nachfrager und/oder seinen künftigen Markt-Partnern getragen. Ist der Zins hingegen negativ, ist die Budget-Grenze unscharf (oder relativ offener) und der Nutzen-Zuwachs für den Nachfrager wird vom Kreditgeber (Darlehens-Gläubiger) bezahlt. Bei positivem Kredit-Zins wird die Budgeterweiterung also bestraft, bei negativem Kredit-Zins hingegen belohnt.

In Hinblick auf die Wandlungsmöglichkeiten eines sozialen Systems bewirken positive Zinsen „Potenzial-Hürden“ oder „-Schranken“ (vgl. Begriffe der Enthalpie und der Reaktionsenthalpie) bei den Wandlungsmöglichkeiten (Begriff der Ergodizität, Ergodentheorie). Die Möglichkeiten-Räume (und das Bewusstsein!) werden durch den positiven Zins eingeschränkt, weil der Nutzen von der bestehenden Struktur abgeschöpft wird und die Wandlungsmöglichkeiten des neuen Zweigs eingeschränkt werden. Durch den negativen Zins schöpft der neue Zweig jedoch von der bestehenden Struktur (so wie Kinder von den Eltern nehmen, solange sie wachsen), seine Möglichkeiten werden aufbauend auf dem Wissen der bestehenden Struktur und um die monetären Möglichkeiten erweitert.

Die Marktbeziehung

Der Markt ist der Ort, an dem sich Preise bilden und an dem es zu einem Tausch „Geld gegen Ware / Gut“ kommt. Das Aussehen eines Marktes ist höchst unterschiedlich, denn nicht alle Märkte gleichen z.B. einem Supermarkt oder dem Verkaufsraum eines Auto-Verkäufers. Ein Mensch, der z.B. die Zeitung oder das Internet auf der Suche nach gebrauchten Fahrrädern durchforstet, befindet sich auf einem Markt. Ein anderer, der eine auf Papier gedruckte Announce an einen Laternenpfahl klebt und die Fußgänger, die dies lesend daran vorbeigehen, sind auch auf einem Markt.

Spektren von minimalen Anbieter- (pmin) und maximalen Nachfrager-Preisen (pmax). Für einen Anbieter kommen als Marktpartner lediglich diejenigen Nachfrager in Frage, welche Maximal-Preise oberhalb des Minimal-Preises pmin, i haben (die blauen Nachfrager auf der rechten Seite). Umgekehrt kommen für einen Nachfrager mit Maximal-Preis von pmax, j nur solche Anbieter in Frage, deren Minimal-Preise unterhalb des Maximal-Preises liegen (die roten Anbieter auf der linken Seite).

Für eine realistische Modell-Bildung ist es wichtig, die Sicht jedes Markt-Teilnehmers und das Wissen um die Existenz der anderen Markt-Teilnehmer zu berücksichtigen. Im bisherigen Konsens wird dafür der Begriff der Markttransparenz verwendet. Markttransparenz bedeutet, dass alle Anbieter an einem Markt über alle Nachfrager informiert sind und umgekehrt. Man kann sich nun leicht vorstellen, dass Markttransparenz eine ideelle Eigenschaft ist, deren Erreichung und Anstrebung zwar wünschenswert ist, jedoch auch von den Markt-Teilnehmern, ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten abhängt, den Markt zu erfassen.

Das Wissen über alle Markt-Teilnehmer hat Einfluss auf die Preis-Bildung.