Die Wertaufbewahrungsfunktion bei negativem Zins

Im Kommunismus fließt der Zins vom Kapital (initial den Spareinlagen) über die Banken in die Realwirtschaft. Das Wesentliche am Kommunismus sind also negative Einlagezinsen und Negativ-Zins-Kredite.
Die Übersichtsgrafik rechts zeigt die Zinsen von Kredit und Sparvertrag bei negativem Zins. Statt 'Sparzins' ist auch die Bezeichnung Einlagezins üblich. Der positive Einlagezins ermöglich die Aufbewahrung von Geld auf Sparkonten. Die reale Verzinsung des Ersparten ist abhängig von der Inflationsrate.

Menschen sind an die Eigenschaft von Geld gewöhnt, Werte zu speichern. Monetär profitables Handeln macht vor allem deswegen Sinn, weil der Profit (der Gewinn, die Rendite) auf dem Bank-Konto aufgehoben werden konnte und man sogar zum Ausgleich der Inflation von der Bank noch Spar-Zinsen bekam.

Die Wertbewahrungsfunktion des positiven Zinses gibt den Menschen ein Gefühl der Sicherheit, auf das monetäre Äquivalent des Geleisteten zurückgreifen zu können.

Im Kommunismus (Negativ-Zins-Wirtschaft) nimmt die Wertaufbewahrungsfunktion, die im Kapitalismus (bei positivem Zins) eine statische Form hatte, eine dynamische Form an. Die Instanz, in der Werte aufbewahrt werden, ist die dem „Sparkonto“ gegenüber liegende Seite, nämlich das Netzwerk der Realwirtschaft. Die Sicherstellung der Wertaufbewahrungsfunktion bei negativem Zins ist die anspruchsvollste Herausforderung beim Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus. Wertaufbewahrung ist immer noch möglich, funktioniert allerdings nach anderen Regeln und Gesetzmäßigkeiten als im Kapitalismus.

Wird bei negativem Zins kein neues Geld erschaffen, sondern lediglich vorhandenes Geld umverteilt, so müssen die negativen Zinsen auf Einlagen immer kleiner (bzw. betragsmäßig immer größer) sein, als die Zinsen von Negativ-Zins-Krediten.

Es gilt also, wie auch im Kapitalismus, die Formel ZK > ZS.

Der Zins-Strom hat seinen Ursprung bei den Spareinlagen und wird verteilt auf die Kosten des Bankennetzes und die Kreditnehmer. Die einzige Möglichkeit, die Kosten der Bank zu umgehen ist die direkte Vergabe von Krediten.

Einige allgemeine Betrachtungen

Den Ängsten beim Wechsel des Zins-Vorzeichens ist zunächst zu entgegnen, dass alle materiellen Dinge von Natur aus zerfallen. Eisen rostet, Stein bröckelt, wenn er der Witterung ausgesetzt ist, Holz wird von Lebewesen zersetzt. Der negative Zins betrachtet als ein substanzieller Verlust, ist ein natürliches Phänomen, der sich mathematisch in den negativen Exponenten von Zerfallsgesetzen ausdrückt.

Eine Wirtschaft, in der das universelle Tauschmittel zerfällt, bzw. eine intrinsische Neigung hat, sich zu verteilen (vgl. zum Phänomen der Diffusion) belohnt ein anderes Sozialverhalten, welchem bei der Reimplementierung bzw.- dem Ersatz der Wertaufbewahrungsfunktion eine zentrale Bedeutung zukommt. Dieses Sozialverhalten, welches komplementär zum Kapitalismus ist, muss erst erlernt werden, da es im Kontext der Wirtschaft unbekannt ist.

Insgesamt betrachtet steht im Kapitalismus die Realwirtschaft unter einem Kontrahierungszwang, der von der Zentralbank durch die Leitzinsführung ausgelöst wird. Sind die Leitzinsen, und vor allem die Einlagezinsen, negativ, so verlagert sich der Zwang auf die Seite des Kapitals, bzw. der Einlage. Dieser Umstand heisst Finanzrepression und ergibt sich wegen der Symmetrie aus der Umkehr des Zins-Vorzeichens.

Symmetrisch sind die beiden Instanzen auf der Aktiv und der Passivseite der Bank jedoch nicht. Im Kapitalismus wird durch das Kapital Arbeit durch Zins erzwungen, im Kommunismus hingegen erzwingen die Unternehmer und Arbeiter vom Kapital Zins. Das jeweils erzwungene Gut ist ungleich, Arbeit entsteht aus dem Leben und ist lebendig, während Kapital überwiegend tot ist. Erzwungene Arbeit fühlt sich für den Geber der Arbeit ganz anders an, als erzwungenes Kapital für den Eigentümer des Kapitals.

Eine Analogie: schmelzendes Eis

Um die fundamentale Wirkungsweise des negativen Zinses in einem Gleichnis, einem Bild bzw. mit einer Analogie zu beschreiben, stelle man sich vor, dass sich ein Vermögen im Kapitalismus bildet, wie Wasser bei Temperaturen unter Null an einem Eis-Block festfriert.





Schmelzendes Eis auf einer Herd-Platte als Analogie zur Beschreibung der Wirkung von negativen Zinsen (Temperaturen über 0°C) auf eine Geld-Vermögen (Eis) bei einer Bank (Herdplatte). Die Temperatur auf dem unteren Bild ist höher, das Eis schmilzt schneller als auf dem oberen Bild.
Das durch den Zins erzwungene Geld ist mathematisch der (z.T. physikalischen) Arbeit proportional, die zur Abbezahlung des Kredit-Zinses abgeleistet wurde. Der Wert der Arbeit (ihr Preis, der Lohn) ist lokal relativ zu den übrigen Preisen festgelegt. Die Arbeit ist insbesondere dann der physikalisch verrichteten Arbeit proportional, Arbeit = Weg Kraftl dl mittlere Kraft × Weg-Länge, wenn es sich um eine Form physischer Arbeit handelt. Bei einer Anstrengung des Geistes ist für das Analogon des erzwungenen Geldes eher die Aufspaltung in „Denkleistung“ und Zeit, exakt der allgemeineren Formulierung „(Denk-)Leistung integriert über die Zeit“ zutreffend Arbeit = Zeit Leistungt dt mittlere Leistung × Dauer.

Am Ende des Kapitalismus ist also das zusammengeraffte Geld der Arbeit proportional, die über den Zeitraum des kapitalistischen Prozesses zur Abbezahlung der Kredite abgeleitet wurde.

Werden die Zinsen dann ins Negative abgesenkt, verhält sich das Vermögen ähnlich wie sich ein Eis-Block unter der Umweltbedingung von Temperaturen über 0°C verhält. Das Eis beginnt zu schmelzen und wird flüssig (liquide). Die Situation des Sparers ist also in etwa so, wie wenn die Temperatur auf der Bank vielleicht 3°C (entsprechend -3% Spar/Einlage-Zins beträgt) und er somit gezwungen ist, einen kühleren Ort von vielleicht 1°C (entsprechend -1% Kredit-Zins) zu finden. Es geht also bei der vollkommen Risiko-losen Anlage überhaupt nicht mehr darum, das Geld leistungslos zu vermehren, sondern es möglichst gut zu erhalten. Jeder sichere (kontrahierungsfähige) Kredit-Nehmer, der weniger Zins nimmt als die Bank, wird dem Geld-Vermögenden recht sein.

Die Vermögen nähern sich mit der Zeit von oben abfallend oder von unten ansteigend einem leistungsabhängigen Sättigungsniveau an. Am Anfang der postkapitalistischen Negativ-Zins-Wirtschaft kehrt sich das Verhältnis vom Zins direkt und indirekt Begünstigter genau um. Je nachdem, wie lange die Zinsen im positiven Bereich gehalten wurden, profitiert eine große Mehrheit von den negativen Zinsen.

Im Verlauf der Negativ-Zins-Wirtschaft sinkt das Verhältnis derjenigen, die direkt oder indirekt vom Zins profitieren, und den nicht begünstigten (sondern „bestraften“) auf 1:1 ab. Zu den Bestraften gehören logischer Weise diejenigen, denen es gelingt am meisten Geld aufzuhäufen. Die vom Zins Benachteiligten/Bestraften sind also die reichsten Menschen des Systems, während die vom Zins Begünstigten die Ärmsten sind.

Das Gleichgewicht, das dann erreicht ist, kann im Prinzip ewig fortbestehen, ohne dass das sozial-ökonomische System zerbricht.

Die unsichtbare Hand bei negativem Zins

Zinsen greifen in das Marktgleichgewicht, also in die Preisbildung ein. Im Kapitalismus verursachen die positiven Zinsen einen Zins-Sog (die unsichtbare Hand), der vom verzinsten Kapital ausgeht und alle in Geld handel- und messbaren Güter anzieht.

So entstehen im Kapitalismus die Phänomene der Wegwerf- und Überflussgesellschaft sowie kommt es zum Phänomen der Migration der Bevölkerung des Landes in die Städte. Ist das Zins-Niveau zu hoch, gerät die arbeitende Bevölkerung unter einen immensen Stress. Die durch den positiven Zins erzwungenen Rationalisierungen im Produktionsprozess führen zu Entlassungen und zum massenhaften Wegfall von Arbeitsplätzen.

Im Kommunismus geht vom Kapital Zins aus und strömt über die Markt-Beziehungen durch das Vertragsnetz der Wirtschaft.

Modularer Aufbau von Gütern

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Reparaturgesellschaft

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