Postkapitalistischen Restrukturierungen in einer Wirtschaft unter einer Negativ-Zins-Ökonomie

Im Kapitalismus wird die Erschaffung eines neuen Unternetzes des Netzwerks der Wirtschaft durch die Beschaffung von Kapital am Kapitalmarkt begonnen, wenn eine Unternehmensgründung nicht auf eigenem Kapital beruhend geschehen kann. Ist der Unternehmensprozess dann angelaufen und lebensfähig, ist der Gewinn des Unternehmers pro Gründungs-Zeitintervall etwa in der Größenordnung des effektiven Zinses auf die Gesamtinvestition.

Die Wertschöpfung aus Unternehmungen beginnt als Zinsnahme der Investoren (Sparer, Leihkapitalgeber) und geht nach der Tilgung des Leihkapitaldarlehens in die Abschöpfung von Gewinnen durch den Unternehmenseigentümer über.

Das Phänomen der Rationalisierung/Optimierung ist eine Folge des Zinses. Positiv verzinste Investitionen erzwingen eine realwirtschaftliche Entwicklung in Richtung einer höheren Effizienz und Sparsamkeit der Prozessabläufe. Zinsschulden, die nicht innerhalb des Unternehmens durch Einsparungen absorbiert werden können, müssen an Marktpartner weitergereicht werden und führen dann beim Marktpartner zu Anpassungszwängen.

Zinsflüsse bei positivem und negativem Zins.

Werden die Geldmarktzinsen negativ, dann wird der Verknappungsmechanismus, also die Rationalisierung umgekehrt, es wird gewissermaßen „irrationalisiert“. Das Monopol, der Marktführer wird auf der Grundlage seines Erfolges, seiner akkumulierten Gewinne von Konkurrenten des selben Wirtschaftzweiges (des selben Organs des Gesamtkörpers) angreifbar, denn die akkumulierten Gewinne fließen über Negativzinskredite an Gründer, die es besser machen wollen und glauben es besser machen zu können als die Etablierten. Die (negativen) Zinsen fließen in das nachwachsende Unternehmen hinein und werden darin verteilt (vgl. zum Verteilungsprozess von Zinsschulden innerhalb des Unternehmens und im gesamten Währungsraum).

Dies ermöglicht Strukturanpassungen im Netz der Wirtschaft, die aufgrund der Zinsschwellen (die sog. Kredithürde, Budgetrestriktion aufgrund der Eigenkapitalquote) im Kapitalismus nicht zugänglich waren und die der Überholung und Anpassung von denjenigen Unternehmungen dienen, die zwar profitabel für die Eigentümer sind, doch gesamtwirtschaftlich, hinsichtlich der Folgen der Herstellung und Nutzung des produzierten Guts, nicht nachhaltig, also schädlich für das Ganze sind. Von dem Wandel betroffen sind also alle Unternehmungen, die nicht nachhaltig wirtschaften.

In einem gewissen Sinn ist zu erwarten, dass „die Zeit zurückgeschraubt“ wird. Bestimmte verdrängte Arten (Unternehmungen) kommen zurück, können sich durch die Abwertung des Währungsraums wieder ansiedeln, es wird weniger „für die Stange“ und wieder mehr für und nach individuellen Vorstellungen produziert. Viele unserer kulturellen Güter in Europa hängen mit dem Handwerk zusammen, und das wurde durch vom Voranschreiten der Industrialisierung zerstört, denn die Industrie ist im Kapitalismus immer rationaler als das Handwerk und hat einen bessere Stellung am Markt. Der Begriff der Zeit bezieht sich auf das physikalische Faktum, dass der Gang der Zeit an der Zunahme der Entropie, also am natürlichen Negativzins, abzulesen ist. Es wird soz. unordentlich relativ zum kapitalistischen Ordnungsbegriff, das Kapital zerfällt und vermehrt und unterstützt durch seinen Zerfall das nachwachsende Lebendige. Aus der Leiche des Mammon wächst neues Leben.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Die Zeit zurückschrauben bezieht sich also darauf, die Rationalisierungsschritte, die der globale Finanzfaschismus erzwungen hat, teilweise rückgängig zu machen ohne jedoch zu den Produktionsmethoden des Anfangs zurückzukehren: es wird im Zuge der Revolution („Rückabwicklung“) nicht wieder von Hand oder vom Ochsen der Acker gepflügt, der Flachs von Hand gesponnen, Buchstaben aus Blei gegossen und von Hand gesetzt werden, usw., sondern es werden von künstlicher Intelligenz gesteuerte Maschinen in der Landwirtschaft und in der Herstellung von Kleidung eingesetzt und publiziert wird über das Internet. Das von der Industrialisierung zerstörte Handwerk wird nicht in seiner alten Form wiederkehren, sondern in einer mit den Fertigungsmethoden der Industrie verschmolzenen Form. Dieser Wandel der Fertigungsmethoden wird unter den Begriffen Digitalisierung und Industrie 4.0 geführt.

Die Menschen in den hochindustrialisierten und im Zuge der Negativzinsökonomie abwertenden Währungsräumen werden es sich wieder leisten können, bei heimischen Schneidern ihre Kleidung zu kaufen, die Möbel beim Schreiner vor Ort, das Essen vom Biobauern und das Fleisch vom Landwirt, der nicht seine Tiere in der (rationalen) Massenhaltung quält kaufen zu können, weil alles Importierte teurer wird und die Menschen augrund der Umverteilungswirkung des negativen Zinses größere Möglichkeiten zu nachhaltigem Konsum haben werden.

Vergleichen kann man den konservativen (erhaltenden) Widerstand der etablierten Strukturen (der Monopole und Großkonzerne) gegen den Wandel in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft vielleicht am ehesten mit der Enthalpieschwelle bei chemischen Reaktionen: Manche chemische Reaktionen laufen erst dann ab, wenn genügend Energie in das Gesamtsystem gepumpt wird.

Eine Wasserstoff-Chlor Gasmischung reagiert photochemisch angestoßen durch Licht von genügend hoher Frequenz, also verhältnismäßig wenig Energie im Vergleich zur Enthalpiedifferenz der Produkte und Edukte, und bildet das Gas HCl.
In der Wirtschaft sind diese Enthalpieschwellen die Zinshürden, die genau dann am größten sind, wenn der Zins am größten ist. Bei negativen Geldmarktzinsen verschwinden diese Enthalpieschwellen, die Membranen zwischen den Zellen des Gesamtkörpers, die Budgetrestriktion, die Kredithürde, verschwindet, es werden Verknüpfungen im Wirtschaftsnetz angeregt, die auf eine Maximierung der Nutzenfunktion im gesamtwirtschaftlichen Kontext (auf der ganz großen Skala dann in der einen Welt) gerichtet sein sollen, denn anders kann das Geld nicht sinnvoll erhalten und aufbewahrt werden. Dazu müsste und sollte man in den verwendeten Nutzenbegriff natur- und tierethische Richtlinien einbeziehen, denn das Gewissen konsumiert mit. Die neu entstehenden Strukturen der Wirtschaft müssen die Wertaufbewahrungsfunktion ersetzen.

Die Restrukturierungen und Erhöhungen des Kontingenzmaßes (des Budgets) der Einheiten betreffen auch ganze Volkswirtschaften. Am Ende des Kapitalismus sind viele Staaten, Unternehmen und Privatpersonen hoch verschuldet, jedoch prinzipiell, unter einer niedrigeren Schuldenlast, funktionsfähig. Manche dieser Einheiten können erst dann wieder produktiver werden, wenn die Schuldenlast sinkt.

Ähnlich wie bei einigen exothermen chemischen Reaktionen mit einer Enthalpieschwelle, gibt es viele Strukturanpassungen, die insgesamt nützlich, also gesamtwirtschaftlich profitabel, sind, so dass das Gesamtsystem nach den Anpassungen im Zielzustand ein kleineres Transaktionskostenfunktional aufweist, als vorher im Ausgangszustand.

Als Beispiel sei die Energiewende genannt. Die gesamtwirtschaftlichen Kosten von Kohleverbrennung (u.a. Klimawandel, Anstieg des Meeresspiegels, Folgen für das Artenspektrum und die Nahrungskette, relativ abrupte klimatorische Veränderungen im Vergleich zu den Zeitskalen durchschnittlicher Kimaschwankungen) werden nur allzu gerne aus der Gesamtrechnung und der Preisbildung am Zinsmarkt ausgeklammert. Die Energiewende wird das ganze System also kostengünstiger (niedrigere globalökonomische Transaktionskosten) machen, wenn sie richtig vollzogen wird.

Restrukturierungstendenzen von Führung unter negativem Zins

Der Zins greift in das Gleichgewicht der Bestimmung zwischen der Arbeit und dem Kapital ein. In Abhängigkeit vom Vorzeichen werden jeweils Kontingenzen (unbestimmte Möglichkeiten, Freiheit) auf die Kapitalseite und Notwendigkeiten (Bestimmungen, Zwänge) auf die Seite der (größtenteils fremdbestimmten) Arbeit verteilt. Speziell ist der negative Zins ein Kontingenzmaß für selbstbestimmte Arbeit und eine Notwendigkeitsmaß für Kapital (sog. Finanzrepression). Umgekehrt ist der positive Zins ein Kontingenzmaß für zukünftiges Kapital und ein Zwangsmaß für Arbeit.

Wir Deutschen kennen das Führerprinzip. Es ist das Prinzip, dass die bestimmende soziale Wirkung eines Einzelnen (des Führers), seine Bestimmung über Andere, über sein hierarchisches Netzwerk verstärkt und bis an die Basis der Pyramide transmittiert (übertragen) wird. Das Führerprinzip besteht also darin, das Wirkungspotenzial eines Einzelnen, als wichtig (wichtig von Gewicht) Bemessenen, durch seine (pyramidale) Hierarchie zu vervielfältigen. Das Prinzip der Hierarchie (das Führerprinzip) findet sich in einem kapitalistischen Währungsraum in praktisch allen Organisationen: in den Verwaltungsstrukturen des Staates, im politischen System, in Vereinen, in religiösen Organisationen und natürlich in der Privatwirtschaft.

Die Bestimmung geht von der Spitze der Hierarchie aus und strahlt in die Basis der zugeordneten Pyramide. Für einzelne Knoten in diesem Netzwerk gilt, dass sie strukturell feste Vorgesetzte und Nachgesetzte haben und sich dieses Ordnungsprinzip der Bestimmung auch nicht verändert, also starr ist. Die Netzknoten unten an der Basis haben nur Vorgesetzte, und der Netzknoten oben an der Spitze hat nur Nachgesetzte aber keinen Vorgesetzten.

Insbesondere sind auch Faschismen hierarchisch organisiert. Bei den Nazis war es das Prinzip der Gleichschaltung. An der Spitze der Pyramide steht der Führer. Die Pyramide führt aus, was der Führer befiehlt.

Reife Kapitalismen haben aufgrund der sozial-psychologischen Wirkung des Zinses (Konditionierung auf Gehorsam und Pflichterfüllung gegenüber Vorgesetzten, durch das Schuldgeldsystem eine kollektive Bestimmung von Schuldnern, Teile und Herrsche) eine inhärente Tendenz zur Enwicklung eines Faschismus. Der Faschismus tritt in der Krise des Kapitalismus als Reproduktion seiner vorherrschenden Organisationsform hervor.

Demokratie und der Gedanke der Freiheit bedeutet, dass sich der Einzelne seinen Vorgesetzen, Chef, Führer aussuchen darf und das Recht hat, im Zweifel sich selbst zu führen und selbstbestimmt zu handeln. Der Artikel 3 des Grundgesetzes lautet frei übersetzt: Wir sind alle gleich und haben alle das gleiche Stimmgewicht. In der Gestaltung der Wirtschaft unter dem Kapitalismus ist das Eigenkapital das Stimmgewicht des Einzelnen im Chor der Vielen.

Das Kapital ist neben den Fähigkeiten und dem Wissen jedoch nur ein Teil des Vermögens eines Einzelnen. Im Kommunismus bestimmt zunehmend nicht mehr das Kapital über das Stimmgewicht, sondern zunehmend das Vermögen des Einzelnen ohne sein Kapital. Die Menschen werden im Zuge der Evolution des Prozesses und der Umverteilung insgesamt gleicher gewichtet. Kommunismus heißt also, auf den Einzelnen zu hören, dass sich jeder Einzelne seinen Führer selbstbestimmt aussuchen darf und im Zweifel sich selbst führt.

Welche Organisationsform entsteht und bevorzugt der Kommunismus?

Negativzins und Heterarchie

Wechselt das Zinsvorzeichen von Plus nach Minus, geht das Ordnungsmuster der Bestimmung von einer entweder-oder-Logik zunehmend in eine sowohl-als-auch-Logik (Grundbedingung der doppelten Kontingenz) über: Hierarchien wandeln sich in Heterarchien.

Wenn man das im Kapitalismus wesentlich vorherrschende Ordnungsprinzip, nämlich die Hierarchie, in ihr Gegenteil verkehrt, dann erhält man eine Heterarchie. Es gibt dort keine pyramidale Ordnung der Bestimmung mehr, sondern die Bestimmung ist dezentral-organisch.

Die Organe im menschlichen Körper sind heterarchisch organisiert. Wenn man Hunger hat, dann bestimmt der Magen und die Verdauung über einen und man isst etwas. Wenn man schlafen oder ruhen muss, dann bestimmt der gesamte Körper über das Gehirn. Wenn man sich dazu entscheidest, etwas zu tun, was man sich ausgedacht hat, dann entscheidet das Gehirn und steuert und lenkt den Körper. In jeder Minute bestimmt das Zwerchfell unzählige Mal, dass man einatmen soll. Es gibt im Körper kein permanent führendes Organ, sondern die Führung wechselt von einem Organ auf das andere. Die Führung ist parallel.

Heterarchische Systeme haben also keine zentrale Führung mehr und sind also „anti-hierarchisch“. In dazu geeigneten sozialen Kontexten entstehen neue Ideen. Im Kommunismus führen die Idee, die möglichst nachhaltige Innovation, das Kind und die Schöpfung, das Kapital gibt dazu hin.

Führung und Entwicklung im Kommunismus ist wie „soziales Stricken“.

Konkret stellt sich die Entwicklungsrichtung des strukturellen Wandels in monetären Anreizen zu relativ selbstbestimmterem Verhalten dar. Es können dabei interne und externe monetäre Anreize in Richtung höherer Selbstbestimmung unterschieden werden.

Die Eigentümer von profitablen Unternehmen haben bei negativem Zins das „Problem“, dass die akkumulierten Gewinne die externe Konkurrenz hochzüchten. Neue Unternehmungen im selben Zweig der Wirtschaft werden durch Negativzinskredite befördert und greifen etablierte Strukturen an. Wohin also mit den Gewinnen, wenn nicht in Investitionen, und wenn eine weitere Expansion nicht möglich ist, warum investiert man dann nicht in die Köpfe, bindet intern die besonders wertvollen Mitarbeiter durch eine Lohnerhöhung oder Halteprämien? Die Löhne der fremdbestimmt Arbeitenden haben also eine Wachstumstendenz. Was macht der nicht-selbstständig Beschäftigte mit dem Lohnplus?

Vielleicht macht er das Gleiche wie ein Angestellter, der sich dazu entscheidet, sich mit einem Negativzins-Kredit von einem externen Leihgeber selbstständig zu machen. Er sucht sich vielleicht einen Kollegen, einen Buchhalter und einen Steuererklärer und macht sich mit seinem spezifischen Wissen selbstständig, baut also die spezifische Funktion, die er im Gesamtorganismus verkörpert aus oder diversifiziert sie.